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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 gab, auch dafür lassen musste, mit List die drei Karfunkel. Als die Grafentöchter die prächtigen Steine sahen, wollten sie sie um jeden Preis haben. Sie versprachen ihm, eine jede von ihnen wolle mit ihm eine Stunde lang spielen ״der Frauen Spiel, wie man denn die Gaben geben soll.״ Die Aelteste sollte beginnen. Da ging sie zum Türmer8) und bat ihn, er möge heimlich Zusehen. Und sobald der Prinz ihr eine ״falsche Gabe geben״ wolle, so sollte er rasch die Glocke schlagen. Dann werde der Prinz meinen, die Stunde sei um. Die List glückte ihr, und die zweite Schwester machte es ebenso. Nur der jüngsten gab der Prinz ״eine falsche Gabe.״ Doch auch die beiden anderen überlistete er. Er verlangte noch einen anderen Preis von ihnen, sonst wollte er den ganzen Handel dem Vater verraten. Was blieb den törichten Mädchen übrig? Sie mussten auf alles eingehen und erhielten die Steine schliesslich doch nicht. Die Jüngste wurde aber immer bleicher und härmte sich sehr, dass ihr der Vater den Prinzen nicht zum Manne geben wollte. Da nahm der Prinz auf den Rat seines Stallmeisters den einen Karfunkel und machte darein einen Ritz, so fein, dass ihn wohl niemand ausser dem Prinzen selbst erkennen konnte. Den übergab er dem Grafen, um ihn in seiner Mühle durchlöchern zu lassen. Allein der Stein zerbrach, wie ja voraus- Zusehen war, und nun raufte sich der Graf das Haar vor Gram, weil er den Stein nicht ersetzen konnte. Da forderte der schlaue Prinz als Ersatz die jüngste Tochter, die er am liebsten hatte, und bald wurde fröhliche Hochzeit gefeiert. Bei Tisch konnte der Bräutigam nun eine Ausfahrt sagen: ״Ich ging einmal auf einem Acker. Da begegneten mir drei schöne weisse Tauben und eine unter den dreien war gar besonders weiss. Ich schoss nach einer, da könnt ich sie nicht treffen. Danach zielt ich auf die andere, die könnt ich auch nicht treffen. Aber die dritte, die traf ich zwischen die Flügel, dass ihr der Leib auflief.״ Wie solches die Herren hörten, da lachten sie unbändig und merkten es gar wohl und waren heiter und guter Dinge. 11. Der rechte Eidam.1) Ein frommer und reicher Mann hatte ein Töchterlein, das besass alle Tugenden der Welt. Und da Vater und Mutter bereits bei Jahren waren, so dachten sie daran, ihr Kind auszugeben2). Nun hatte der Mann einen Schwiegersohn, der war

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