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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 17

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 10. Die Ausfahrt.1) Der König von Pommern־) hatte einen Sohn, den er so liebte, dass er ihn gar nicht von seiner Seite lassen wollte. So wuchs der Sohn heran, ohne sich in der Welt umgesehen zu haben. Er verstand sich auf nichts ausser auf Essen und Trinken, wie ein rechtes heimgezogenes Kalb3). Endlich entschloss sich aber der König doch, den Prinzen mit seinem klugen Stallmeister auf Reisen zu schicken. Sie kamen gar bald zu einem mächtigen Könige und wurden von ihm zur Tafel geladen. Nun war es Sitte4) bei Tisch, dass man einem jeden einen Brotteller vorsetzte, auf welchem man speiste. Und wenn man gespeist hatte, wurden dieTeller wieder aufgehoben und das Brot unter die armen Leute, die draussen standen, verteilt. Kaum hatte man aber unserem Königssohn den Teller gereicht, so griff er danach und ass alles auf. Der König und seine Hofleute waren darob entsetzt. Doch der kluge Stallmeister trat an’s Fenster und warf den Armen Geld hinab, als hätte der Königssohn keine Unart begangen, sondern gerade zeigen wollen, dass man die Armut nicht mit Resten unterstützen solle. Kurz darauf waren sie bei einem anderen König zu Gaste. Nach Tisch forderte der Wirt seine Gäste auf, es solle jeder zur Kurzweil seine Ausfahrt sagen5) Der Stallmeister wusste doch, dass sein Prinz nichts zu erzählen habe. So sagte er ihm denn heimlich: ״Werter Prinz! Wenn ihr sehet, dass ich auf eure Gesundheit trinken will0), so stellt euch, als ob ihr es übel aufnähmet und sprecht: ״״Mein lieber Herr Stallmeister! Soll ich euch auch noch Bescheid thun? Habe ich nicht schon den anderen Herren7) genug zuzutrinken?״״ Thuet so, als wäret ihr des Trinkens müde und wolltet ein wenig schlummern. Dann werden euch die Herren eure Ausfahrt schenken.״ So entschlüpfte der Prinz auch dieser Falle. Sie kamen alsdann zu einem Grafen, der hatte drei wunderschöne Töchter. Der Prinz verliebte sich sogleich. Allein der Graf begehrte ihn keineswegs zum Schwiegersöhne. Da wusste das Prinzlein Rat. Der Graf besass eine Mühle, in welcher Edelsteine geschliffen und durchlöchert wurden. Und als einst, wie üblich, neben dem Schlosse des Grafen der Jahrmarkt abgehalten wurde, da fand der Prinz bei einem Händler drei Karfunkel von ganz besonderer Schönheit. Er war nicht faul, legte sogleich Narrenkleider an und erstand so, da der Händler das niedrige Angebot eines Narren nicht ernst genommen und ihm die Steine dafür zum Scherz verkauft hatte, aber, als der Prinz sich zu erkennen

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