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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 Um also den Anschlag des Studenten zu vereiteln, lud der Vater des Mädchens zehn Gelehrte ein, welche die ganze Nacht hindurch studiren und disputiren sollten. Mitten unter ihnen sass seine Tochter. Als jedoch die Mitternacht herankam, schliefen die Gelehrten einer nach dem andern ein. So laut das Mädchen in seiner Angst auch rief, sie waren nicht zu wecken. Da trat der Student herein und sprach: ,,Siehst du, was all’ dein Sorgen und Schreien nützt?•1 Doch das mutige Mädchen hatte zur Vorsorge ein Messer bereit gehalten und damit stiess sie den frechen Eindringling nieder. Es entstand ein grosser Lärm und Auflauf und alle Nachbarn lobten des Mädchens Beherztheit. Doch wie sollte man nun die Gelehrten aus dem Schlafe wecken? Da sagte eine Frau, welche mit den anderen herbeigelaufen war, man solle doch im Rauchfang nachsehen, dort hätte der Student zehn Lichtchen angezündet, und wenn er sie nicht selbst wieder auslöschte, müssten die zehn Gelehrten bis an ihr Lebensende schlafen. Die Lichtchen fand man, aber wie sollte der tote Student sie auslöschen? Da war einer unter dem Volkshaufen, der wusste Rat. Man führte mit dem Leichnam des Bösewichtes solche Bewegungen aus, dass ein Licht nach dem andern dadurch ausgelöscht und somit auch ein Gelehrter nach dem anderen aus dem Schlafe geweckt wurde. 7 Der Wolkenritt von Worms nach Spanien.1' Der berühmte spanische Weise Nachmanides2) wusste lange Zeit trotz allen Scharfsinnes viele Stellen der Gotteslehre nicht zu erklären. Denn er kannte, wie alle seine Landsleute, damals noch nicht die Geheimkunst der Kabbalisten, von denen man sagte, dass sie allein jene schwierigen Stellen verstünden. In einer Nacht nun, es war gerade die zweite Nacht vor dem Pesachfeste, wurde im Himmel ausgerufen: ,,Wer will den spanischen Meister in der Geheimkunst unterweisen und zugleich ihn und seine Stadt von dem Bösewicht befreien, der mit solcher Grausamkeit über sie herrscht?“ Unter den frommen Seelen, die da jede Nacht im Himmel sich einfinden und am Morgen wieder in ihre Leiber zurückkehren, nachdem diese sich durch den Schlaf neu gestärkt haben, war auch die Seele des grossen Meisters der Geheimkunst Rokeach8) aus Worms. Die meldete sich und erhielt die Erlaubnis, die Geheimkunst4) dabei anwenden zu dürfen.

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