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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 erst zum Lohn für deine Güte in Erfüllung gehen, was nur immer dein Herz begehrt.“ Chanina bat, in der heiligen Lehre unterrichtet zu werden. Und kaum hatte ihm der Frosch einen Zettel eingegeben5), auf welchem einige Worte geschrieben standen, da kannte sein Schüler auch schon die ganze heilige Lehre und all’ die siebzig Sprachen, ja sogar die Sprache der Tiere und Vögel. Aber auch seine Wirtin wollte der dankbare Frosch belohnen. Er bat das Paar, ihm bis zum Walde das Geleit zu geben, und hier angelangt, rief der Frosch auf ein Zeichen aile Tiere und Vögel des Waldes zusammen und befahl ihnen, Edelsteine, soviel sie nur tragen könnten, seiner Wirtin in’s Haus zu bringen und heilsame Kräuter, deren Wunderkraft er zugleich der Frau erklärte. Alsdann sprach der Frosch: ,,Gott lohne euch die Mühe, die ihr mit mir gehabt! Und ihr habt mich nicht gefragt, wer ich bin8). Aber ich will es euch doch sagen. Ich bin des ersten Menschen Sohn, den ihm Lilit7) geboren hat in den hundert und dreissig Jahren, die er von Eva geschieden war. Gott hat mir die Macht gegeben mich in jede Form oder Gestalt zu kleiden, die mir behagt.“ Damit nahm er Abschied. Nicht lange darauf geschah es, dass der König des Landes auf den Rat seiner Freunde sich entschloss, ein Weib zu nehmen. Da liess eines Tages ein Vogel, der gerade vorüberflog, aus seinem Schnabel ein wunderschönes, goldblondes Frauenhaar auf die Schulter des Königs hinabfallen8), und nur das Weib, dem dieses Haar gehörte, wollte der König zur Gemahlin haben. Die Wahl, wer diese Schöne suchen sollte, fiel auf unseren Chanina, der inzwischen vermöge seines Wissens und seines Reichtums zu grossen Ehren gelangt war. Er machte sich sogleich auf die Reise. Unterwegs, als er ermattet unter einem Baume rastete, hörte er einen Raben9), der auf dem Baume sass, gar wehmütig über Hunger klagen. Sogleich reichte ihm Chanina von seiner Wegzehrung. Ebenso rettete er bald darauf einen Hund vom Hungertode, und als er an einem grossen Wasser vorüberkam, aus welchem die Fischer gerade einen grossen Fisch heraufzogen, da kaufte er ihnen den Fisch ab und liess ihn wieder in‘s Wasser. Endlich fand er die Besitzerin jenes Haares, eine mächtige Königin, und unverzagt teilte er ihr seinen Auftrag mit. Sie versprach auch, ihm zu folgen, doch müsse er ihr zuvor zwei Bitten erfüllen. Zunächst wünschte sie zwei Krüglein10), das eine mit Wasser aus der Hölle, das andere mit Wasser aus dem Paradies gefüllt.

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