Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 nun auch die Kinder mit. Der Vater konnte bei seiner Rückkehr nur noch sehen, wie die Kinder aus der Ferne ihm die Ärmchen entgegenstreckten. Was half da sein Jammern und Rufen? In seinem Gram und Herzeleid wart er sich nieder und wünschte sich den Tod. Es war gerade unter einem Baume, in dessen Nähe gefährliche Schlangen hausten5) Gar manches Totengebein, das da unbeerdigt lag, erzählte von Menschen, die ihr giftiger Zahn getroffen hatte. Wie glücklich waren diese Toten doch jetzt im Vergleich zu ihm! Schon wollte er sich in seiner Verzweiflung in die Wogen stürzen, da hörte er eine Stimme vom Himmel rufen: ,,Halt ein, Betörter! Dort unter jenem Baum liegt ein grosser Schatz verborgen, der kann dir helfen.“ Das gab dem Armen neuen Mut. Er grub und fand einen Schatz, wie er ihn noch nie gesehen. Das war ein schöner Lohn seiner Tieue. Was that er nun damit? Er pachtete vom Könige das Amt, von jedem Schiffe, das dort einlief, den Zoll zu erheben. Und als er einst ein solches Schiff, wie es seines Amtes war, auf seine zollpflichtige Ladung hin untersuchen wollte, da fand er darin sein treues Weib und seine lieben Kinder wieder. Die Freude des Wiedersehens war so gross, dass sogar dem argen Schififsmann von den Glücklichen verziehen wurde. Sonst hätte ihn seine Bosheit gewiss das Leben gekostet. 4. Die dankbaren Tiere,1) Ein frommer Mann im Lande der Väter hatte einen Sohn, namens Chanina. Dem gab er kurz vor seinem Tode den Auftrag, sobald die erste Trauer vorbei sei, auf den Markt2) zu gehen und um jeden Preis das erste, was ihm angeboten werde, zu kaufen und in Ehren zu halten. Der Sohn that, wie ihm der Vater hefohlen hatte. Er kaufte eine silberne Dose, die er weit über den Wert bezahlen musste. Als er sie aber zu Hause öffnete, da fand er darin eine zweite Dose und in dieser einen Frosch3), der ganz vergnügt umhersprang. Chanina pflegte, wie er dem Vater versprochen hatte, den Frosch mit aller Sorgfalt. Doch der Frosch wurde immer grösser und grösser4), brauchte bald gar eine ganze Kammer für sich allein und kostete den braven Sohn das ganze Vermögen. Endlich entschloss er sich, dem unheimliehen Gast in aller Freundschaft die Wohnung zu kündigen. Da sprach der Frosch: ,,Mein lieber Wirt! Nun soll dir