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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■5 wurde hervorgeholt, zumal wo die Umgebung Muster lieferte* Die Makisse, das geschichtliche Ereignis, wurde zur Zeugenschaft aufgerufen. Hier liegen die Anfänge der jüdischen Ge- Schichtsschreibung, wobei freilich noch oft genug Sage zur Geschichte, wie Geschichte zur Sage wird. An Lust und Anregung zum Erzählen konnte es nicht fehlen da, wo dem Gebote: ,,Erzählen sollst du deinem Kinde!“ die Mahnung entgegenkam: ,,Frage deinen Vater, dass er dir erzähle6)!“ Und um Stoff war man nicht verlegen. Persien und Rom, Hellas und Arabien, Deutschland und Aegypten, Spanien und Polen, die Judengasse und das naturwüchsige Dorfleben7), sie lagen ja dem jüdischen Streben nach Brot und Lehre nicht weit genug auseinander, um sie nicht alle mit geistigem Bande umfassen zu können. Wer als Kaufmann oder fahrender Schüler8) fast beständig unterwegs war, wer anderen Völkern fremde Geistesschätze, und ganz besonders ferne Märchenweiten, erschliessen konnte9), wer an der Volksdichtung der Zeitgenossen regen, thätigen Anteil nahm10), der hatte wohl auch zu Haus den Seinen etwas zu erzählen, der wusste wohl auch hier in der Kinderstube Orient und Occident, die alte und die neue Heimat zu verschmelzen, der besass wohl auch Sinn für die alte Sanges- und Sagenwelt der Väter. Auch hier bewährte sich wieder der alte Grundsatz jüdischer Erziehung. Das Erzählen war dem Vater ja nicht nur Vergnügen, nicht blosse Lust am Fabuliren. ,,Erzählen sollst du!“, das w7ar ein Gebot, ein Gebot Gottes. So hatte er denn wohl darauf zu achten, ob auch, wras er dem Kinde erzählte, der heiligen Aufgabe entsprach, die er als erste Vaterpflicht betrachten musste: der Erziehung zum Gottesdienste. ״Nicht zu leinen aus dem Buche von Kühen11) Und von Dieterich von Bern und Meister Hildebrand sollt ihr auch nicht euch thun mühen. Nun es sein wärlich eitel Schmitz, Sie geben euch nicht noch Wärm' noch Hitz. Auch sein sie nicht gütlich darbei, Ihr bedarft wohl, dass euch Gott verzeih. ' Unsere Soferim schreiben, es ist ein' Sünd’ as ein Haus, Zu leinen an den heiligen Schabboth daraus. Wollet ihr aber euer Zeit mit Leinen vertreiben, Aso will ich ein schön Ma‘assebuch schreiben.“ In dieser Absicht geht der Verfasser des Makissebuches1-) an die Arbeit, und mit ihm viele Gleichstrebende13). Die Quellen, aus denen sie schöpften, w7aren die wiederholt zusammengestellten Märchen und Legenden in Talmud und Midrasch, das Sefer ha־qabbala, die Mussarbücher, die kabbalistischen Schriften und

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