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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 zu bewundern, war inan lange vor Lessing bereits in jüdischen Kreisen gewohnt3). Doch blieb man nicht bei der Bewunderung stehen. Man lernte nicht allein diese Geschichte, man lernte auch von ihr. Die erziehliche Macht des lebendigen Beispiels, welche in den Idealgestalten der Urvätergeschichte all’ ihre Zauberkraft spielen Hess und die alten wie die jungen Herzen zu bannen wusste, begnügte man sich nicht feierlich anzuerkennen, in dem man die teuren Namen einschloss in den Segenswunsch für die Zukunft des Kindes. Man bahnte auch diesen Worten den Weg zum Kindesherzen. Mehr als lebendig, wo möglich lebend wollte man diese Beispiele vor Augen führen. Jedes neue Geschlecht suchte seine Sonderart zu leben und zu denken auf diese Modelle zuzuschneiden Und waren auch unter solchem Auftrag die Züge des Urbilds mitunter kaum noch zu erkennen, man hatte jedenfalls allgemein menschliche Typen geschaffen, sie dem Herzen erhalten. Was Schadens Raffaels oder Rembrandts Bibelbildern, dass sie in Beiwerk und Gewandung nicht historisch sind? Und was hindert die Modernsten, an den Weg nach Emmaus die nordische Eiche zu pflanzen? Was vom Beispiel, gilt noch mehr vom Worte. Aus persönlicher Erfahrung, aus dem geschichtlichen und Naturleben gewann man dem Schriftwort Stützen und Belege. In immer neuem Geiste und immer wechselnden, oft seltsamen. Formen versuchte sich jüdische Erziehungskunst daran, seinen Sinn zu vertiefen, seine Anwendung zu erweitern. Wie Qoheleth den ethischen Niederschlag einer ganzen Kulturepoche und zugleich die Summe eines reichen Menschenlebens, so geben uns die. ״Ke rnSprüche der Väter“,4) späterhin ihre ״Testamente“,5) den Kern, das Bleibende in der Lebenserfahrung sowohl wie in den Zeiterlebnissen ״der Weisen.“ Die Axen aber, um die sich diese Kristalle schliessen, sind, mehr oder minder deutlich erkennbar, Gedanken und Worte des Buches der Bücher; ihr Bildungsgesetz der Geist ״des Gesetzes“ So wird die Volksgeschichte zu einer Perlenschnur höchster sittlicher Erkenntnisse, die alle den Faden, der sich am Sinai entsponnen, durchschimmern lassen. Denn wie den Gestalten und Worten der Bibel, so erging es den Helden und Lehren des späteren jüdischen Schrifttums. Bei aller Nüchternheit, die eher zu Anthropomorphismen als zur Apotheose neigte, wusste doch die raslos und unerschöpflich schaffende Sage ihre Lieblinge in einen Nimbus literarischer Unsterblichkeit zu weben. Hand in Hand gingen Märchen, Fabel und Geschichte, um Gesetz und Brauch auf psychologischen Unterbau zu stützen. Das Maschal, das altbiblische Gleichnis,

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