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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 107 (sequence 122)
Language
German
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107 ausserhalb der Festungsstadt auf freiem Felde gemeinsam eingenommen, nachdem Tags zuvor für jede Familie durch einen Pflock der Platz bestimmt worden. Auch die Frauen nehmen ausnahmsweise daran teil, sie habe ihre Sitze hinter den Männern. Die Männer verweilen hier bis zum Morgenanbruch in gelehrter Disputation, doch finden auch Possenmacher und Zauberkünstler dankbares Publikum. 58. In Tanger feiert man ein Purim de los Bombas. Man schliesst die Läden und Schulen, geht auf den Friedhof und verteilt Almosen. 59. Marokko, Tetuan kennt ein Purim de los Christianos am zweiten Elul zu Ehren der Schlacht der drei Könige oder Alcazar Kebir 1578, weil König Sebastian von Portugal, der alle Ungläubigen hatte ausrotten wollen, in dieser Schlacht seinen Tod gefunden. 60. Algier: am vierten Cheschwan wegen der Niederlage des span. Heeres 1541. 61. Am Ereb Schabbat soll man alle Spinnweben wegschaffen1). 62. Man geht zur Stadt hinaus, den Sabbat zu empfangen. Einst in der Prager Altneuschul mit Pauken und Trompeten 63. Der Becher zum Benschen muss über Nacht mit etwas Wein auf dem Tische bleiben2). 64, Am Sabbat hat der Jude eine Seele mehr (Neschomo jesero), die mit dem Sabbat ihn wieder verlässt Daher auch, wie am Rosch chodesch, ein Gericht mehr. 65. Sabbat. In der Synagoge erhielt in Hamb, noch vor etwa 50 Jahren jeder vom Schammesein ״Riecherche“ (Blümchen). 65a. In Jerusalem reicht man jedem beim Austritt aus der Synagoge nach dem Mussafgottesdienst an Sabb. u Jomtob Blumen oder Früchte zum Segensspruche3) 66. Vor dem Kiddusch sagt bei den Portug. der Hausherr: ״Sabrim madinam?״ und die Anwesenden ant- Worten: ״Chajjim״. Soll aus der Zeit stammen, wo die Rechtspflege noch in jüd Händen lag. Die Beisitzer wurden mit dieser Formel um ihr Urteil befragt. Die Antwort: ״Chajjim״ bedeutete: ״Leben!״, Schweigen: ״Tod״ Hamb. P 67. Man schickte in Deutschi, die Kinder zur Mutter, sie möge Licht zünden4). 68. Man zündet drei Lichte an (das dritte, wie den ״Schammes״ an Chanucka5)] 69. Wenn das Sabbatlicht einen ,.Gannev“ [Räuber] hat, legt man einen Berches unter. H. 70. Siebenzackige Sabbatlampe. [״Lamp' hinunter, Sorg’ hinauf!“)6). 71. Wenn das Kind gern ״Kugel״ isst, wird es ein guter Jude werden72 .(7״. Nach der Schlischessude reissen manche rasch das Tischtuch herab und meinen, ״sie werden damit in kurzem 1) Pfitzer 28. 2) Das. 3) N. 382. 4) G. I, 116. 3) Ki. 79. 6) B. 21. י) Pf. a. a, O.

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