Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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94 kamen1). In Baden gehen die Frauen nur einen Teil des Weges mit. 3. Auf dem Friedhof wird der Leichnam aus dem Sarge herausgenommen und so in die Grube gesenkt. Pol. 4. Die Scherben fallen von den Augen, sobald jemand den Namen des Toten erhält. 5. Myrthe und Citrone sind von den portugiesischen Juden, die den Brauch mitgebracht, aber später aufgegeben haben, zu den Hamburger Christen übergegangen. P. 6. Säckchen mit Erde unter den Kopf2). H. Diese Säckchen füllen die Ehe״ frauen3). 7 Bei der Beerdigung wird für die ,,Schewa Zedokau s“ gesammelt. H. 8. Die Bahre wird, ausser an den Tagen, an denen kein ״Tachnun“ gesagt wird4), dreimal umgedreht. H. 9. Ein offenes Grab ist von Geistern umgeben. Es darf daher nicht länger, als gerade nötig, offen bleiben, sonst stirbt einer in der Familie5 *). 10. Sobald die Leiche fortgetragen ist, wird ihr ein irdenes Gefäss nachgeworfen0). 11. Der Sarg musste unten ein Loch haben7). 12. Man lasse nicht erst die Leiche an sich vorbeikommen, sondern man gehe vom Trauerhause aus hinter dem Sarg her8). Während einer Beerdigung (man sage nicht: Begräbnis) nehme man kein Beil u. ähnl. unmittelbar aus der Hand eines anderen, man werfe es zunächst auf die Erde, um es alsdann aufzuheben9). 14. Entsprechend den yS (36)Zaddikim legt man auf dem Friedhof 36 Reihen (Schuraus) an. H 15. Die Grabsteine10) der Portugiesen liegen auf den Gräbern (um sie unsichtbar zu machen?). Sie haben nur span. bezw. port. Auf- Schriften. 16. Die Falascha pflanzen Bäume auf den Gräbern11). 17. In Kairo12) errichtet man auf den Gräbern hohe Steinhaufen13), die von jedem, der am Grabe betet, mit Oel begossen werden Man legt dabei die Schuhe ab und nähert sich dem Grabe auf Händen und Füssen; denn es gilt dort als sehr heilig. 18. Man legt Steinchen auf die Grabsteine14). 19. In Konstantinopel sind üblich: viereckige Gräber mit halbrunden Steinen15). 20 In Polen wird das Brett, auf dem ,,das Mess“ liegt, auf zwei Stangen getragen, die untereinander mit einem Strick verbunden sind. In das Grab, in das der Tote ohne Sarg gesenkt wird (wie früher auch bei den Christen)16), kommen rechts und links je ein Seitenbrett und darüber zwei Bretter, die, wie die Scherben auf Mund und Augen, das Eindringen der Erde aufhalten sollen. 1)Jos. 190b. 2) Sch. a. a. O. 8) Ki. 217. Üeber besondere Grabesruhe in Paläst. s. G. 1,148. *) Ygl. Lw. 133. *) Sef. chas. Vgl. Wu 437. «) Sch. II, 341. Vgl. Wu 435. י) Sch. a. a. O. 8) Jos. 190. 9) Lw. 133. Vgl. Wu 367. 10) Ueber die Sitte der Grabsteinsetzung s. Lw. 130. Vgl. Wu 443. J1) Eid. 171. 12) Saf. I, 10b. Vgl. Ben. 104. 3ל) Vgl. P. 25 Brü. I, S. 16. 14) Sch. II, 363. 15 Sch. I, 57. 16) Vgl. G. 111, 131.