Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 1 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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93 das Ohr an die Thürschwelle des Zimmers legt, in dem der Tote sich befindet Wiss. 5) Terra santa wird auf die Augen gestreut (Hamb. Port.), sonst auf Augen und Lippen; als Pulver käuflich. 6. Ein Glas Wein wird auf die Diele gestellt. Pol. 7 Wer am Sabbatausgang stirbt, wird selig. Pol. 8. Sowohl in demselben Haus, als auch in den drei benachbarten (in Polen in allen Häusern, soweit ihre Mauern aneinander stossen) zur Rechten und zur Linken wird alles Wasser ausgegossen1), da der Todesengel darin sein Schwert vom Blute reinigt, oder־) um den Nachbarn auf diese Weise (früher durch Hornblasen8), ausser am Sabbat und Pesach), den Todesfall anzuzeigen, oder mit Anspielung auf 4. M. 20,1.2. 9. In Frkf. a. M. wurde eine weisse ״Handzwele“ vor die Thür gehängt, und die Kohanim der ganzen Strassenseite mussten ihr Haus verlassen, so lange der Tote im Hause lag4). 10. Zu Tode erschrocken, macht der Sterbende den Mund auf, und der Todesengel träufelt ihm ein oder drei Tropfen bitterster Galle ein5). (Aehnlich der indischen Vor־ Stellung.) 11. Nach dem Ableben führt man die Angehörigen hinaus und öffnet die Fenster6). 12 Der Daumen wird so gekrümmt, dass die ganze Hand an das Wort ,,Schaddai‘4 erinnert. In dieser Lage wird sie mit einem der Schaufäden zusammengehalten7). 13. Bei der Leichenwaschung werden auch wohlriechende Ingredienzen ins Wasser gemengt, der Kopf mit Wein und Ei bestrichen8). 14. Manche sorgen schon bei Lebzeiten für ihre Totenkleider9). 9. Beerdigung. 1. Der Tote wird auf den Friedhof getragen (W.), doch bei grossen Entfernungen (auch in Polen) gefahren. 2. Den männlichen Toten darf keine Frau begleiten, weil sich derMalach ha-mowes unter den Weibern befinden soll10). In Worms wandten sich die Männer der Wand zu, wenn die Frauen 0 Br. 48 Ka. 189. -Lw. 126. Vgl. Wu 430: 410. *) Mi 14b. Ki 210• Vgl. Wu 435: 383. ») Sch. II, 341. 4) Sch II, 341. *) Sch. II, 337. P. lOff. Vgl. Babl. Aboda zara 20. 6} Lw. 120. Vgl. Wu 428 f. ל; Sch das. 8) Sch. II, 341. P. 6. 9) Lw. 118 Ueber die Geschichte der jiid. Totenkleidung s. P. 6. Hi. d. 157. 10) Vgl. Berakot Clb (der ,,tanzende Tod“ (vgl. Aruch compl. s. v. *"jn™)) erinnert an die Totentänze, die schon die deutsche Epik des 12. Jh/dts. kennt. Vgl. Nib. 1480, 4.)