Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 1 (1898) · p. Seite 85

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
1 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 85 (sequence 100)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2642950-2642951-2642952--0102-2643098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

85 4. Verlobung, Brautstand, Hochzeit1). 1. Ein Stück vom Brautschleier bringt Glück. S. D. 2. Dasjenige Mädchen, welches in einem Napfkuchen eine absichtlich hineingebackeneBohne findet, heiratet zuerst unter den anwesenden Freundinnen. Frkf. a. M. 3. Brennen drei Lampen zugleich, so ist eine heimliche Braut im Hause Kiss. 4. Beim Knasmahl bei der Verlobung, wobei die Verwandten des Bräutigams mit Backwerk bewirtet, auch mit grossen, runden Faltenkragen beschenkt wurden2), wurde ein Gefäss zerbrochen, dessen Scherben die Gäste nach Hause mitnahmen3). 5) In Hessen schenkte der Bräutigam den verwandten Frauen Schuhe4), später nur der Braut, so noch heute5). 6 Der Sabbat nach der Verlobung, der grosse Empfangstag, heisst ״Ausführung“. Bad. 7. Bei der Verlobung reicht der Rabbiner oder der Schreiber des Kontraktes beiden Parteien einen Zipfel, den sie anfassen. Darauf werden zwei neue Töpfe, mitunter nur ein Topf, zerschlagen6). Die Scherben nimmt man später auf den Augen in den Sarg mit7). 8. Der Bräutigam darf die Braut nur am Mittwoch- und Sabbatabend und nie allein besuchen. H. 9. Bei der Einholung des Bräutigams ritten ihm befreundete Scholaren entgegen und führten ihm zu Ehren Kampfspiele auf8). 10, Acht Tage vor der Hochzeit gehen Braut und feräutigam nicht allein (Pol.), bezw. (S. D.) überhaupt nicht, aus9). Ihre Freunde besuchen sie. 11. Kallehemd und Kittel näht man mit der Hand. H. Pol. 12. Die Wäsche der Braut wird vor der Hochzeit nicht mit dem Namen gezeichnet. H. 13. Der Bräutigam trägt den Kittel10). In Hamburg trug er den Bürgermantel zu einer Zeit, wo die Juden daselbst noch nicht das Bürgerrecht hatten11). Auch die Braut trug vielfach das Totenkleid12). 14. Die zum Heiraten geeignetste Zeit: einige Tage nach Neumond13), In Posen. Mainz, überhaupt in Deutschland am Freitag14), ״weil dies der Tag der Freya (Venus) ist“. Dienstag ganz modern, Montag niemals15). 15. Wenn möglich, nicht zwei Hochzeiten an einem Tage, auch nicht, wenn die eine christlich. 16. Der Bräutigam wirft das Glas, aus dem er getrunken, auf ein bereit gestelltes Tablett. Hamb. Port. 17. Die Braut sitzt bei der Trauung. Das. 18. Sie muss den Bräutigam bei einem Zipfel seines Rockes zu fassen suchen16). Die Zipfel des Gugelhutes, den 1) Vgl. Wu 126. 2) G. III a. a. O. 3) B. 26. *) Hi h. 88. 5) Hi. d. 81. «) Ob. 172. Vgl. Wa 347. י) Ki 173 8) Hi h. 83, G I, 60. ») Sch. II, 416. Vgl. Wu 346. 10) Ueber den Ursprung dieses Brauches s. Lw 118.11) G.III, 119. 12) Vgl. Wu 346. «») Sch. II, 416. “) G. III, 119. P. H. 22. »*) Se <*,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.