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Der Jüdische Arbeiter · 1933-12-07 · Heft 49 (7.12.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 49 (7.12.1933)
Date
1933-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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In beiden Fällen ist die Argumentation! daher sehr einfach: Ihr seid anders als wir — ergo — hinaus! Dieses; „Anderssein" soll .mit der angeblichen Bedrohung der Lebensgrunidlagen identisch! sein; Es ist der Aufstand der Massen, die Negation! der geistigen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens. ..,.. '] v, Betrachten wir nun die ^Gegenseite. Wie reagieren die' Juden auf diesen Nationalismus? Sie antworten.' national. Und es ist nicht nur die Waffe des Gegners, die ihnen die gleiche Waffe in die Hand drückt; sie. greifen zur .„nationalen1 Abwehr" mit der tiefsten- Üeberzeugung von der Richtigkeit dieses Vorgehens, per jüdische Nationalismus war aber .in beiden Fällen; qualitativ verschieden. — Als nach den Märzereignissen in Deutschland unter den Juden fast der ganu zen Welt eine heillose Verwirrung ausgebrochen war, da rief der Zionismus zur nationalem Samml:ung. Es gab keine Zeit zu Erwägungen, ob die Juden eine Nationseien oder nicht, und wenn sie eine seien,; welcher Nationstheorie das entspräche. Die Einsicht drängte sich jedem Juden geradezu auf, daßi •man sich zusammenschließen müsse. Geschichtlich gesehen entsprach die Situation ungefähr der Lage der Juden in der Zeit des „Judenstaates'< und ,;Ältneulands". Auch damals war der Antisemitismus die treibende Kraft. Das hat in Herzls Schriften einen be- . merkenswerten Niederschlag gefunden. Theodor Herzl spricht vom Volk als einer Gruppe von Menschen, die von einem gemeinsamen! Feind zusammengehalten werde. Wir sind heute erstaunt, wie wenig positiv Jüdisches das sagt. Nichts von einem geistigen Inhält des nationalen Lebens, nichts von einem Tdeal, /dem -da^ Volk zu leben hat. (Hans Kohn behandelt diese Frage in einer 'der letzten Nummern der Jüdischen Rundschau.) Aber Herzl brauchte nicht vieler Worte zur Erklärung der Grundlage seiner Idee. Die Unausweichbarkeit der politischen Tat duldete keine Erörterungen. Damals und angesichts der deutschen Tragödie war die Losung: Werdet Juden! Es ging' ium die Rettung der nackten Existenz des Volkes, es ist der Nationalismus der Abweh'r gegen den Untergang. Anders ist die Situation in Erez-Israel nach den Demonstrationen der Araber. Wieder versuchen wir national zu antworten!. Was heißt aber dieser Nationalismus? Hier handelt es sich vor allem um die Afr- Kffehr der Zionisten, also von Juden, die schon zu ihrem Judentum zurückgefunden haben, die die erste Stufe, jenen Abwehrnationalismus, schön hinter sich häben. Sie leben schon, — oder versuchen es wenigstens, — in einer neuen Ideologie, die weit davon entfernt ist, sich in der Abwehr eines äußeren Feindes zu'erschöpfen. Es ist ein konstruktiver Nationalismus, wie er durch unsere besten Geister zum Inhalt des jüdischen Lebens ausgebildet wird, rls ist das Leben, das befruchtet ist von den Ideen Moses Heß, Achad Haams, Martin Bubers, Max Brods, Ber Böpochbvs, Hans Kohns und natürlich auch unserer laktiven Politiker.. Diese an Idealen und konkreten! Zielen reiche Lebensauffassung muß, ihre Probe bestehen. Es ist jüdische Getfantoarjbteit. von Jahrzehn* tetf, die nun als konkretes; politisches Programm des jüdischen Nationalismus der realen Situation gegenübergestellt wird. Da ohne; Lösung des Ära* ber prbblems (und damit wohl des Agrarproblems) an ein nationales jüdisches Leben nicht zu den ken ist,, wird aüchseine Lösung zu m Programm der nationalen Politik. Es ist gewiß, bezeichnend, daß schon am 30. Oktober Chaim Weizmann auf der Londoner Konferenz seine tiefe Trauer darüber aussprach, daß die ruhige Entwicklung» des Landes, durch, die gegenwärtigen Demoristrationen, unterbrochen wird,, die. keine Rechtfertigung in der Wirklichkeit des palästinensischen Lebens haben. Die Juden von Erez appellieren ani die besonnenen! Araber. Besinnt Euch, was ihr uns und Euch1 tut! Wir wollen doch1 ein gemeinsames Land durch gemeinsame Arbeit aufbauen. Wir wollen Euch1 nichts nehmen, wir wollen nur arbeiten, neben, mit,Euch! Die jüdischen Herzen beben bei den Schüssen gegen die Ära* ber, nicht aus Furcht für sich, sondern aus Bestürzung über das unschuldig vergossene Blut der Verführten. In dieser eindeutigen Stellungnahme, die sich «" 'Vjl' t < ''" * *■ Das bewußt jüdische, Volk hat in, seiner großen Mehrheit ein solches Niveau erreicht,' aäb es den rnstink^ tiven Aktionen der verhetztet Gegrief die ^übläurch* dachte, ideologisch fünäierh?; Politik der Vefstttfdigung entgegensetzt. Sie entspringt der ErkeftntriB^r. sozialen Lage der palästinensischen Araber und'^er Untersuchung der Zusammenhänge' de? riäiiöfeäftfr und sozialen Probleme im OrieÄt. Von* netfer#-w4ftl uns Juden vor Aügeri geführt, daß eine Politik der Oewalt der gerade Weg ins Verderben wäre1; 'Unser. Nationalismus ist, gemeinsam * mit dem arabiScn^rt Landarbeiter, dessen Lebensständard durch deh«jüdischen Arbeiter gehoben wird, gegen die Demagogie des Kapitalismus anzukämpfen, Die arabische^'Unruhen haben bis jetzt immer die;gleiche1 Strüktüfl gezeigt. Stets gehen sie zunächst in den1 Städte^ vtir sich, dem Sitze der arabischen Großgrundbesitzers der Effendis, die sich -in ihrer Macht; 'über'' den-' ausgesaugten Fellachen bedroht fühlen und*mit-nationalen! Schlagworten das Proletariat der Städte aufwühlen. Dieser arabischen Wirklichkeit kann nti?iein! sittlicher Nationalismus gerecht werden,- der' sich' die' ganze Schwere der ihm gestellten Aufgabe'klar''gefri'aeht als Frucht der nationalen Politik der Linken und der hat und mit vollem sittlichen Ernst/und^Verantwor linken, Mitte darstellt, scheint mir das Gesunde der, tungsbewüßtsein vor-der Menschheit ahi/.die-'Lösung Reaktion auf die palästinensischen, Ereignissei zu "liegen. | schreitet. . , '!" . \ ,; <!:Mi'"^* .•)(! r/w Streng nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten Die Einwanderungsbeschrärikungen im englischen Parlament London, den 2. Dezember. Bei der letzten Sitzung des englischen Parlaments hat der konservative Abgeordnete General Nacs folgernde Anfragen, an dten Kolonialminister gestellt: Was hat die Regierung bewogen, üii dien ersten 8 Monaten den laufendien Jahres doppelt so viel Zertifikate für Einwanderer nach Palästina herauszugeben als in den letzten zwei Jährten 'eingewandert sind? Hierauf liat der Staatssekretär für das Kolonialwesen fblgendie Erklärung abgegeben: Die Hauptursache .für die Vergrößerung der Einwanderung nach Palästina;Ls/t diiie Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landles. Dieser Umstand hat vilele bemittelte Einwanderer ijns Land gezogen und hat se dem Oberkommissar erlaubt auch eine größere Arbeiitereinwanderung zuzulassefru Der Interpellant: fragte weiter, ob es nicht möglich sei, daß die Vergrößerung der Einwanderungsquote die; letzten - Airbeiteruiniruhen hervorgerufen habe. Dje^ Staatssekretär verneinte diese Frage. Die Einwand'erungspolitik reguliert die Einwanderung 'streng nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. ,v , Hierauf interpellierte Colonel Wegdewoodj den Staatssekretär" und fragte ihm,, .ob dlie neuen Einwanderungsbeschränkungen'dte, Folge d^ Araiberumiruhen seien. Der Staatssekretär verneint die Frage. Colohel Wedgewood konkretisiert die Frage: „Stehen dlie letzten Ausweisungen im Zusammenhang mit den arabischen .Unruhen?" Der Staatssekretär gibt eine ausweichende Antwort.. >X|edgewood fragt, ob alle 20.000 iiilegale Einwanderer auagewiesen werdien sollen. Der Staatssekretär gibt auf dfiese Frage, keime Antwort. /Schließlich) fragt Wedgewood;, ob das geplante Parlament in- Palästina Hoheitsirechte der Polizei aiusüberi werde. Der Staatssekretär antwortet, daß diese gesetzgebende Körperschaft keineswegs d!ie Rechte des Obörkommfesärs beschränken' werde. <• -f '.r^V/ LiN U!>hll\ :;'.;•':-:'! nrrthvwx ■ •. ' ü Ii i:>•;!•!/»>• .• . ' [ i;:)]•/;•:/ g'estfellt hat. Architekt Kaufmann hat einen Plan* zur Kolonteierung von 200 Familüen entworfen. » Jede Familie1 -bekommt einen Dunam auf .49 Jahre. Es sind 4» Typen von Häusern festgestellt worden, die Kosten werden-sich'zwischen 160 und 350 Pf und bewegen. Jeder Kolonist wird "300 bis 500 Pfund investieren müssen. Herr Leib Joffe1 teilte ■ mit, daß in Kürze d:er Keren Hajessod sein Gesamtsammelengöbnis auf 5 Millionen Pfund bringen werde. Ein Drittel'des "'Ergebnisses des Mifal-Arlosoroff werde für Bodenkäufe, 'zwei Drittel für neue Siedlungen zur Verfügung gestellt' .werden.. Von dem britischen Zentralfondis für die deutscher! ' Flüöhtlinge werden 115.000 Pfund für Palästina zur... Verfügung gesteilt werden. Alles in allem werden für die Palästinakö'lonisation 200.000 Pfund zur Verfügung stehen." In' Wadl :.Ghawant sind 2000 Duinam für deutsche Juden zur. Verfügung gestellt worden. Die Kolonisten werden sich mit - eigenen Mitteln ihre Wirtschaften gründen.'50 Familien: werden •dttfch das zuständige Departement der Agency, weitere : 50 durch den Jacbin angesiedelt werden. . 11 ,'• .•»•'..<;v Siurmzefc^ l;! •■'.vif. Der syrisch-französische Vertrag, der dite ^-Aufhebung des französisehen Mandats in Syrien vorsieht, ist ums yrisclien Parlament abgelehnt worden. Der nationale Block hat gegen den Vertrag gestimmt, weil er seiner Ansicht'' naichnoch schlechter sei als das Mandat. Insbesondere wjfd ' dem^Vertrag. vorgeworfen, weil er Syrien in mehrere Staaten'vteile. Er hallte an„ der Herrschaft Frainkreiichs 'fest: intleri("»'syrtsch«n Städten fanden Demonstrationen statt. Das Parlament ist vom französischen Kommissar vertagt, worden^vEs 'verlautet, daß der Republik Libanondie Autonomie genommen werden soll. Die syrischm Nationalisten haben -Begrüßungsschreiben von der arabischen Exekutive erhalten: •••!'^} 1 ' Die Kolonisation der deutschen Juden in Palästina Dr. Artur Ruppin und Leib Joffe haben in einer Pressekonferenz folgende Aufklärung1 über dde Aneiedlungsplänef für dlie deutschen Juden gegeben: Dr. Ruppüi hat berichtet, daß der Nationalfonds 1700 iDunam Boden in der Nähe von Haifa zur Ansiedlung deutscher Juden zur Verfügung «rf Verschärfte Lage der Touristen: i;r;. v Wie dlie palästinensischekrv Zeitungen mekteh, 'nehmen die Verfolgungen der Touristen-Einwanderer 'immer'«'größeres fAusmaß an. Juden werden auf der Straße i angöhälteh;ünd perlustriert. Bei diesen Aktionen finden Geheimpolizisten Verwendung, i . " , •* .y'. •l'.i.. ■ und Aberglauben gehaltenen und einer ungeheuren Ausbeutung ausgesetzter Fellachen fürchten. Interessiert ist die städtische arabische Bourgeoisie und Int e 11 i g e n z, die die wirtschaftlichen Hilfsquellen des Landes, die sie selbst einmal für sich ausbeuten wollte, nunmehr ron jüdischen Unternehmern in immer steigendem Maße erschlossen, in Besitz genommen sieht. Interessiert ist der mohammedanische K1 erus, der naturnotwendig allem neuen, freiheitlichen, nichtmohammedanischen feindlich gegenübersteht. Einer marxistischen Betrachtung unterzogen, reduziert sich also der angebliche „arabische Volksaufstand** im wesentlichen auf ein leichtsinniges Abenteuer, in das arabische Großgrundbesitzer und städtische Intelligenz nationalistisch gesinnte Jugend und die durch Mißernte und Ausbeutung in kritischer wirtschaftlicher Lage sich befindenden Fellachen gegen die Regierung, die angebliche „SachwaJterin" der Juden, hetzte. .Auf die Unruhen des Jahres folgte ein neuere licher Aufschwung des,Palästinäaufbaues. Die Juden ließen sich weht einschüchtern, Vom wachsenden Antisemitismus Hoffnung, der nationalen und sozialen Zukunft, in dem es auf gesunder wirtschaftlicher und sozialer Basis ein neues Leben aufbauen will. Es wird sich auch durch die letzten Ereignisse nicht abhalten lassen, die mit ungeheuren Mühen und Opfern geschaffene Basis für ein, auf eigenem Boden schaffendes, Gemeinwesen auszubauen und zu vergrößern. Uns sozialistischen Zionisten jedoch' solleh die letzten blutigen Geschehnisse in Palästina eine neuerliche Mahnung sein, die Araberfrage' nicht wie bisher zu vernachlässigen. Mit den arabischen Nationalisten allerdings wird sich wohl'kaum eine gemeinsame P1 a11f orm f inden 1 assen. Unsere Pflicht hingegen ist es, mit den arabischen Bauern und Arbeitern Methoden der Zusammenarbeit zu suchen und zu finden, sie dem Einflüsse' der nationalistischen Kreise zu entziehen und sie davon zu überzeugen, daß ein jüdisches arbeitendes Palästina auch' für: sie Besserung der Lebenslage' bedeutet. Insbesondere unsere Arbeiter* Partei in Palästina könnte auf diesem Gebiete; vieles,; un« geheuer Wichtiges leisten und, den Boden vorbereiten für #Ld!? *uroPäisohen ändern getrieben, wurde FaJäsiina, l eine Zusammenarbeit jüdj^Äui^ last für aas gesamte jüdische Volk das Und der großen Jim ganzen vorderen Orient J. Imber. Englind gef ährdet Palästinas,, Wirtschaft .' " o"' '•■iteww Der Inhaber der Toten-Meerkonzession, .Ingenieur iNövö* meisiky hat in der PaJestiine-Post einen Artikel veröffentlicht, in welchem er die Regierung darauf verweist, daß ^sie''durch ihre Einwanderungspolitik die palästinensische Wirtschaft' gefährdet. Ende vorigen Jahres hat da9 Angebot an Arbeitskräften die Nachfrage, gedeckt. Im. lautier 1933'^war. -es •' •>;. . . .t.- - ■. i a , :;.: ..■('. i Vf.' '-1J i schon schwer, qualifizierte Arbeiter* zu erhalten., Seit A.ugust ist die Lage noch schwieriger. iSo. konnte die Totes^MeergeselLsehaft ihre geplanten Erweiterungspläne nicht durchführen, weil ein Mangel an Arbeitern besteht. Die Imigratipnspolitik macht die Gründung neuer Unternehmungen .iünm^g- Uch. Viele von den Eiiniwandierern aus . Deutschland, ^Öeiterrekh, der Tschechoslowakei luidl den Verewigten ^-Staaten sind erfahrene Industraelle mit Kapital und ausgearbeiteten Plänen; der Marigel an Arbeitskräften verhindert'- sfev-ßite Pläne zu verwirklichen. Dadurch wiird die ,En)twi^kIürig?d^s Landes gestört. ' '»,, '•' " '' * .vji v! h' rl'l rt? /- ' * f '~t » Verhör der arabischen Demonstranten - Bei dem Verhör der Mitglieder der arabischen^ E.^ekut^e h^ben diese; erklärt n'icht gewußt zu haben, daß es Verboten sei, in Jerusalem zu demonstrieren. Sie hatten nur von einein penionstrationsverbqt h>ewn Jaf.fg,tor gewußt, nichts aber* von einem allgemein geltenden Verbot ' .

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