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Der Jüdische Arbeiter · 1933-11-24 · Heft 47 (24.11.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 47 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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24. November i§33 Per jfldiseftg Arbeiter. Seit« 3. Ein gutes Beispiel Der Haschomer Hazair in der CSR. hat diö Losung eines Spartages für den Mtfal-Arlosoroff für die CSR. herausgegeben. In dem Aufruf heißt es: Wir wollen von dem, was wif füf unsere« Lebensunterhalt' tägliöh ausgeben, einen Teil ersparen, sagen die Jugendlichen des Haschomer Hazair in der CSR., nicht für uns, sondern für den Bodenerwerb und Ansiedlung jüdischen Pioniere^ in Palästina* die jahrelang arbeiten urid ihre Ausgaben für Essen, Kleidung und Woh nung auf das niedrigste Minimum herabsetzen müssen, um ihre chaluzische Pflicht für den Aufbaü des Landes zu erfüllen und um die jüdische1-Arbeit in allen privaten und Regierungsunternehmungen zu sichern und kleine Ersparnisse für ihre Ansiedlung zu erzielen. Auch1 die allgemein zionistische Jugend Palästinas hat beschlossen, sich am Mifal Arlosoröff zu beteiligen. Belgische Zionisten ffir den iWifat-Arlo soroff i Antwerpen. Die Jahreskonferenz der belgischen Zionisten, an der 100 Delegierte aller Richtungen mit Ausnahme der Revisionisten teilnahmen, hat einstimmig die aktive Beteiligung an dem Mifal ArlösoroM Die Konferenz hat wögen taktischer Schwierigkeiten keine neue Leitung gewählt. Streik von Bäüä^beiterii Haifa. Die Arbeiter, diei beim' Bau der Agrarschule in Cescher-Tabur beschäftigt sind, sind in Streik getreten. Dj,e Unternehmer haben schon längere Zeit keine Löhne ausgezahlt und haben auch' die.^eingehalite ne^erpflicntuhg, mindestens zu 80 Prozent jüdische' Arbeiter zu beschäftigen, nicht eingenähten,. Der Öv*angenexport hat begonnen Früher als iti den letzten Jähren hat der Orarigcnexport aus Palästina begonnen. Vom 30. Oktober bis zum 5., November wurden 5312, Kisten über Pord-SaM nach England transportiert. An Grapefrüichten wurden .. in dieser Saison 37.607 Kisten', an Zitronen1 8217 Kissen, an Mandarinen 44 Kisten versandt. " Klefderfabrik in ßnej Barak Die (üÖiisetie Fäiniilie Sandiedand, die aus England nach Palästina' eingewandert ist, hat in Bnej Barah eine große Konfektionsfabrik gegründet. JUdische^ Angestellten Schicksal : Mit stets wachsender Besorgnis sehen alle verantwortungsbewußten Teile des; Judentums die immen größeren Umfang annehmende!: Ausschaltung! der jüdischen Arbeitnehmer aus dem Wirtschaftsprozeß. Mag] der in Arbeit stehende jüdische: Angestellte vom den. Arbeitslosigkeit nicht in höherem Grade bedroht sein! als sein christlicher Kollege, wenn er einmal in das Heer der Arbeitslosen gestoßen wurde, ist seine] Chance, wieder einen Arbeitsplatz zu finden, 'unvergleichlich geringer. Für den jüdischen Angestelltem äst der Arbeitsmarkt 'grundsätzlich1 (anders gestaltet als' für den nichtjüdischen: die Nachfrage, die seim wirtschaftliches Schicksal bestimmt, deckt sich' nicht mit derjenigen, die über das Wohl und Wehe des christlichen Angestellten entscheidet. Der christliche Ange-i stellte hat die Möglichkeit, jüdischen und christln chen Unternehmern; mit gleicher Aussicht auf Erfolg! seine Arbeitskraft .anzubieten; .(.der Jude hingegen,;, wird .immer mehr die Erfahrung machen müssen, daß: les für ihn utopisch , ist, sicft um eine Arbeitsstelle ün christlichen, individual-wirtschaftiicheni oder gesellschaftlichen Unternehmungen zu bewerben, daß diese vielmehr ein Monopol der christlichen Angestelltem sind.. In dieser Zeit des Nationalfaschismus i;ni allem möglichen Formen wird sich ein christlicher Unternehmer selbst dann nicht bereit finden, einem Juden! anzustellen, wenn ,ier im konkreten Falle innerlich! von der besonderen Eignung und Fähigkeit desselben überzeugt wäre: er steht unter dem Druck der gesellschaftlichen Exekution' seines siozialerf Kreises, der in der Anstellung! eines Juden ein Vergehen gegen! die Interessen der christlichKleutschien Bevölkerung sieht. Im übrigen bedarf es nicht erst dieser Einflußnahme der. christlichen' Oeffentlichkeit auf deni christlichen Arbeitgeber und des verschärften Wirt?. Schäftsantisemitismus, um den arischen Unitemeh'mei zu ibewegen, seine Auswahl unter, dem angebotenen! Arbeitskräften (unter Ausschluß) der jüdischen Arbeitskräfte zu treffen: selbst in der Vorkriegszeit mit ihren vom heutigen: Standpunkt geradezu idyllischen) Beziehungen «zwischen Judeini und Nichtjuden war es ja ein Ausnahmsfall', wenn1 ein christlicher Einzellunternenmer Juden im seinem Betrieb einstellte^ Im Geiseltöchaftsunternehmungem fanden , Juden dann Arbeitsstellen, wenn, Uniter den Leitern und Gründierri derselben solche jüdischer Abstammung waren, die relativ große Zahl der jüdischen Bankbeamten war im letzten Grunde auf den großem Anteil der Juden am Finanzkapital ^rücjbufühlrein; j$r: -dieses auch inj äer Vorkriegszeit bestehendie proportioneile Verhälti nis zwischen1 dem von Juden1 in einer Branche inivestierten Kapital und den vom diesem, Wirtschaftszfe| den Jifdiehj gebö'temam ArbeifssiiellieÄ) ließen sich! noch1 eine ganze Reihe vom Beispielen anführen)/man! denke am die Holzbranche, Textilbraniche usw. . Was nun die gegenwärtige! Arbeitslage der Judieni angelangt, so unterscheidet sie sich dadurch1 wesienty li'Ch. von der Gestaltunsg1 des jüdischen Arbeitsmarktesy in der VbrkrjegstÄ&it/;dstßmiunmehK die Nachfrägeseitel lernte weitere - Efnefigumg erfahren hat. Der jüdischei Uftfern^hrner' Iwird immer mehr gewillt, sich vom. 'der herrschenden antisemitischem Umwelt die Gesetze seines Handelns vorschreibeini zu lassen. Die Zahl der jüdischen Untaiehmer,' die bei Neuaufnahmen von Arbeitskräften' einen praktischen Boykott •der jüdischen Angestellten durchführen!, wird immer großer. Die in den' östlichen jüdischem Mässetisied-- Iuri|en! geübte Praxis der jüdischen ÜnferMhhrer, jüdische Arbeiter aus ihren Fabriken a'us'zuschließerj) — leine Praxis, die die Produktivierumg1 der jüdischen! 'Massen so überaus 'erschwert, — sie hat nunmeh'r auch1 im Westen Nachahmung gefunden! und führt dazu, daß dem jüdischen Angestellten die einzige Möglichkeit der Eingliederung in die. Wirtschaft geraubt wird. , ....... ,... i ■ 'Diese judenfeindliche . personalpiplitik der jüdischen Unternehmer jh'at im wesentlichen folgende Grü'nd'e: Man trägt vor .altem' der anti^mitisph-ehi, Einstellung der Kundschaft Rechnung. Das,.trifft die im Verkaufs- und Schalterdienst tätigen jüdischen! Änge-t stellten, die unmittelbar mit den Kunden und Kommittenten in Berührung kommen, das trifft aber auch die Vertreterberufe, da man sich von arischen! Reisenden usw. eine fruchtbarere Tätigkeit insbesondere in der Provinz verspricht. Dazu kommt noch', daß ein immer größerer Teil der Angestellten, innerhalb der modernen Volkswirtschaft, die in so /h'ohem Grade <von der staatlichen' Bürokratie abhängig ist, die Aufgabe der Intervention bei dem Behörden der verschiedensten Art zu erfüllen hat. Der jüdische Unternehmer läßt heutei zu! dieser Funktion ausschließr lieh1. Nichtjuden zu, und erhofft sich' bei der Mentalität der mittleren und höheren Bürokratie vom denselben eine "erfolgreichere Tätigkeit. Und schließlich! kommt auch1 riioch dem Moment der Arbeitsldiszip'lin eine nicht zu (unterschätzende Bedeutung zu: ,gar mancher 'Unternehmer befürchtet, daß sich' zwischen) rüdischen und lantisemitischiqm Angestellten Differen-t zen »ergeben1 körinten, i\x töeMnl •Streitigfceife^ führen, die (Betriebsdisziplin lockern üratf d& Arbeitsproduktivität senken. . -t Wir haben oben im wesentlichem die objelrtivenj Motive der negativem Beziehung! der jüdischem Onter-- nehmer zur jüdischem Arbeit festgestellt. Öazu koittV men noch1 subjektive Faktoren, die im der Psvcfie des Assimiläntentums begründet ist. Der jüdisch«) Assimilant ist stolz darauf, daß seim „Betrieb" hundertprozentig arisch ist, er achtet im christlichen Aiige^ stellten den Menschern höher als im jüdischen., Man, halte das für! keina Uebertreibung, wer die Verhältnisse} in jüdischem Unternehmungen kennt, wird es be-> stätigen, daß: der jüdische Unternehmer dem jüdischen Angestellten nicht jene Behandlung zukommen läßt, wie er sie für dem christlichen für selbstverständlich hält. Es muß. als die größte! Heuchelei bezeichnet und gebrandmarkt werdam> wenn der jüdl* sehe Arbeitgeber behauptet, »daß er deshalb derts christlichen Angestellten dem jüdischem vorzieht^ weil er sich1 ihm gegenüber zu. patriarchalischen .Empfc düngen verpflichtet fühle; das ist eine pure Unwahrheil); die Erfahrung leh'rt uns vielmehr, daß. der. jüdi-. sehe Unternehmer seinem ,,Herr4m-Haus-Standpunkt'' dem jüdischen Angestellten gegenüber in ihöheremi Maße geltend macht, als dem christlichen. Auch1 allq jene Argumente, die sonst vorgebracht , werden', um) die Ablehnung! der jüdischen Angestellten zu rechtfertigen, sind tfadensch'einiig. Ist es denn wirklich! glaubhaft, daß es heute Unternehmer gibt, die, t>'e? fürchten, daß ihnen, Ideri jüdische Angestellte m seinem) „Selbständigkeitsdrang" zum 'Konükrremten wird?. Oder soll man jenes Argument ernst nehme», dafll man jüdische; . ^Angestellte aus RentabilitätsgründeiÖ meide, da .jeder jüdische- Arbeitnehmer einen Ausfall an Arbeitstagen infoIge. der, jüdischeni Feiertage b& Ideute? Versöhnungstäg^ Neuljahr, die drei Täge irrV Jah're, die der (jüdische Angestellte ohne Gegenleistung} bezahlt erhält, können wohl keine solche Belastung des Geh'altkontos bedeuten1, daß sie selbst in dieser! Zeit eine ausgesprochen ^antisemitische PeröoraaP politik des jüdischen .(Unternehmers rechtfertigen) könnten! v jpiese Persomarpiolitik der jü'dlstehew 'Ärb^,tg6beif •wird das Kampfobj'ekt der jüdischen ' Sozialpolitik der Gegenwart werdeni müssen.. Es wird die wienti^std (A.ufgabe der jüdischen Gemeinde u'nd ihres ArbötfsS lam.tes sein, den jüdisichejn Arbeitgebern' die Nied-; rigkeit ih^es Vorgehens Ins Bewußtsein zu rufem, ündj' ihnen Idar zu machen, daß, die gegemw^n"|C! ver^ zweifelte Lage der jüdischen ÄngestellÄschaft'' zufnf größten Teile auf ihr Sch'uldkonto zu buchen ist. Die* jüdische Konsumentenschäft wiWisichifür das Pr01emf der Beschäftigung jüdischer . Arbeitskräfiie zu ihter-| jessieren beginneni {müssen, die jüdische Gemek$e? wird unter diesem Gesichts punkte ihre Lieferänlqhf: auswählen, £hre Arbeiten vergeben müssen. Arbeit^; 'beschaffüng für jüdische Ahgestellte, das' muß diö' zentrale Parole der jüdischen1 Wirtschaftspolitik wer-i, den. Aufklärung- und Wirtschaftskampf, das sihä die Mittel; ihrer) VerwirkliGhung., , M. P. Vorlesung Ernsf L?s<«auer Am 25. d. M. wird Ernst Li ss au er ini jüdischen. Volksheim aus seinen alttestamehtarischen Dichtungen vorlesen. Man wird so Gelegenheit haben, einen Blick in -das' große Schaffen des Dichters zu werfen, innerhalb dessen' der von ihm in den ersten Kriegstagen gedichtete; zu großer Popularität gelangte „Haßgesang gegen England'4 ein© längst überwundene Phase bildet. Lissauer, der auch' eine seltene rezitatorische Fähigkeit besitzt, wird unter anderem!1 Bruchstücke aus seinem Mosesdrama „der Weg des1 Gewaltigen" zum Vortrage bringen. Fr. K. engl. Gelehrten C. R. Conder dem Stempel des Aramäischen, der Sprache der jüdischen Dorfbevölkerung! zur Zeit des zweiten Tempels, deren Merkmale sich weder bei der städtischen arabischen Bevölkerung] tioch bei den Beduinen vorfinden. Ferner ist bei dem Fellachen fast die gesamte biblische Nomenklatur des Landes unverändert erhalten geblieben. (Etwa 10.000 jNamen v'on Siedlungen, Bergen, Flüssen u. ähnl.) Dies beweist, daß. die Fellachen trotz ihrer Arabisierung, trotz aller Umwälzungen' im Laufe vom Jahrtausenden die Traditionen; ihrer jüdischen Herkunft von Geschlecht zut Geschlecht} überliefert haben. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte die biblische Nomenklatur, wie im den( vom Beduinen bewohnten Gebieten, verschwinden (müssen. Interessant ist auch, daß viele Ortsbezeich'numgen, hergeleitet aus dem (Namen biblischer Personen bis heute erhalten geblieben sind, so z. B. wird die Stadt Mizpa, in der Prophet Samuel die Israeliten zum Kampf gegen die Philister sammelte, von dem Fellachen „Nävi Samueil" Igenannt. Die „Gesetze des Stammvaters Abraham" werden noch heute von ihnen höhergestellt als die? Gesetze des Propheten, d. h. die an den Ort geknüpften uralten Ueberlieferungem ihrer Väter sind bei} den Fellachen weit lebendiger als die rechtlichem prophetischen1 Gesetze. Daß die Fellachen Öhre einstige Religion und Sprache vergessen haben, darf nicht wundernehmen, Als die Araber das Land eroberten:, versuchten sie, wie in den anderem von ihnen eroBertem Ländern, durch1 Zwangsmaßnahmen der Bevölkerung aufzuzwingen. Der Islam, ursprünglich der jüdischem Religion sehr ähnlich, konnte schon deshalb unter der 'jüdischen Bevölkerung leichter Verbreitung finden, Weil sich der Uebertritt zum Islam auf die einfache Formel der Anerkennung M'ohamrheds als Propheten und Gesandten Gottes beschränkte und daher nicht! als Lossagung von der jüdischen Religion anges^hem wurde. Diese Einstellung zum Islam wurde auch1 in/ späteren Jahrhunderten (im 12. Jahrhundert) von dem Juden Spanienis und Nördafrikäs übernommen. Damals kam die Losung des „Jode, w'al jamuth", (das heißt: „Anerkenne, aber bleibe am Leben") auf, sodaß viele Tausende von' Juden, darunter auch Persönlichkeiten wie Mainionides, lange Zeit als Juden unter dem Deckmantel des Islams leben konnten. Außerdem spielte bei' der Verbreitung des Islams unter der Fellachenbevöikerung Palästinas noch die Tatsache mit, daß ihnen bei einer etwaigen: Weigerung^ zum Islam überzutreten, Verlust des Bodens, wenn? nicht gar Lebensgefahr drohte. i:'",;'• Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß(^ die einheimische jüdische Bevölkerung Palästinas den) Uebertritt vorzog. Da die arabische Herrschaff ini' Lande Jahrhunderte hindurch1 andauerte, geriet dieserj Historische Vorgang in Vergessenheit; die einstigen] Marannen vergassen ihre ursprüngliche Herkunft und! arabisierten sich völlig. Das Gleiche vollzog sich auch1 in der Entwicklung ihren Sprache. Das alte Aramäischl verschwand, an seinet Stelle trat die arabische Sprache. Geht rnan von der Annahme aus, daßi die Fellachen 4^ömmUin&e der ursprünglichem, jüdiscHenj' Landbevölkerung sind, so erscheint, die, Existenz jiidij. Scher Fellachen erklärlich. Die jüdischen Fellacjicri,, in Peki'in und den benachbarten Dörfern sind allem Anschein nach Nachkommen der Maranen, die später,,, als die Strenge des arabischen Regimes nachließ, siqty' wieder zum Judentum bekanntem, Allerdings muß auch dieser Vorgang sehr weit zurückliegen, daß er im Laufe ,der Jahrhunderte in Vergessenheit ge^ raten konnte. Allem voran: Mifal Arlosoröff!

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