Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Der jüdisch« Arbeiter. 24. November 1033 Zum Thema: Pflege jüdischer '"/.Müsik >■ Eine kritische Betrachtung Voft.Zeit zu Zeitr wird, in den Spalten jüdischer ZeMngeri'H versucht, für die neue jüdische Musik eine Lanfcc zu' brchen. Im Mai dieses Jahres verbreitete sich Ölja Silberman'n — in der „Stimme" — anläßlich. einer Veranstaltung des Wiener Vereins zur Förderung jüdischer{Musik in elegischen Betrachtungen über die Interesselosigkeit jüdischer Kreise an der neuen jüdischen Musik gegenüber. Kürzlich versuchte Professor Wolfsohn dasselbe' jedoch von einer anderen Perspektive aus („Stimme" vom 28. September 1933). Nach einer statistischen Darlegung der Erfolge" der neuen jüdischen Musik in aller Welt kömmt er zur abschließenden Erkenntnis, daß auch in Wien auf diesem Gebiete etwas geschehen müsse. r- Parallel damit bemühen sich seit Jahren musikalische Peinlichkeiten mit Professor Dzirhitrofsky an der Spitze, durch konzertante Aufführungen das Interesse für dieses Künsfgenre zu wecken, ohiie jedoch einen, nennenswerten Efrfolg aufweisen zu können. Alle Aufführungen vermochten kaum ein Publikum von mehr als 100 Personen anzulocken.'Dio erzielten Resultate stehen in keinem Verhältnis!rzü den gemachten Anstrengungen.? •< ifWo liegen'die Ursachen dieser andauernden Gleich gtiltigkeit des' jüdischen Publikums? Dieses Publikum ist trotte Wirtschaftskrise und politischer Erschütterungen einer «fltfsikalischen Erbauung nach des Tages Mühen durchaus KÜganglich./ Ganz besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt dör' jüdischen kulturellen Sammlung. Es gilt nur, den Blick' für-die Bedürfnisse der Völksseele zu haben und den ärigenv Horizont der „Neutönerei" zu verlassen. fiNt Das;,Grundübel liegt in der einseitigen Betätigung des* ^Vereins zur- Pflege jüdischer Musik" selbst. Diel ßisherigem l^eistungen bewegten sich hauptsächlich in der Wiedergabe * von Kompositionsgattungeri, die nur den in europäischen. Konzertsälen vorgebildeten Hörer befriedigen gönnten.' <J)er musikalisch weniger gebildete Hörer kann sichern"kalten!Ofen der jüdischen Atonalen nicht erwärmen. Streichquartette von'Rosofsky, jiddische Kinderlieder von Milner («von einer deutschen Sängerin vorgetragen), hebräi 8phe: Lied6r von Achron u. a. erscheinen dem unvorbereiteten jüdischen Hörer so fremd, so professoral, daß er £eim erstmaligen Anhören zwar respektvoll den Kopf Schüttelt, jedoch weiter damit nicht belästigt werden will. ^. J. Derf Verein; hat es nicht ■ verstanden, die Brücke) zu Schlägen . zwischen der naiven Operettenmusik des Ppdzamcze-Theaters und. den Kompositionen Schönbergsqherr Prägung. Ein Volkslied* das noch melodisch klingt und , der1 klassiscK-romantischen Epoche angehört, wird von ^e^',3ft^y«ra^üdigen des Vereines genau auf seinen, histo- . rischeriUrsprung geprüft und dann ■ als . „nichtjüdisch" abgelehnt. Gerade das' was einer breiteren Hörermasse, die Vnoctt gefühismäßig jüdisch aufnimmt, so echt jüdisch erscheint, wird, verpönt. Man mag, nach dem Kodex der . ^ModerneiL;\, damit objektiv Recht haben, subjektiv jedoch ^iid; das jüdische Publikum durch solche gelahrten Sezierüngen von der, jüdischen Musik ferngehalten. / „ . Schreiber .dieser Zeilen hat unzählige Veranstaltungen des. Vereine's besucht und mit Bedauern die Kurzsichtigkeit und, »Verstandhislosigkeit gegenüber den berechtigten Ansprüchen jüdischer Volksschichten auf dem Gebiete jüdischer Musik festgestellt. Welch" Wunder, daß der Verein zur Förderung jüdischer Musik ^(richtiger; wäre es, sich .,?yerein zur .Förderung neuer jüdischer Musik", zu ,nennen^ , seit, einem Zeitraum von etwa 10 Jähren, in der Ijlusiksladt Wien mit der großen jüdischen Einwohnerzahl gar keine Fortschritte gemacht hat! Da nützen keine Appelle und Resolutionen gleichgesinnter - Persönlichkeiten. Bei einer so engherzigen Zielsetzung wird der Verein auf das Häuflein Fachmänner angewiesen bleiben und niemals ein wirklicheis Zentrum zur Verbreitung jüdischer Musik werden. Vielleicht werden diese wenigen Zeilen, die das Ergebnis langer Beobachtung darstellen, die maßgebenden Persönlichkeiten veranlassen, ihre bisherige Tätigkeit zu korrigieren und ihr reformbedürftiges Institut, den Erfordernissen der jüdischen Volksmassen anpassen. Vielleicht könnte eine Koalition mit dem kürzlich gegründeten „Verein zur Pflege des jiddischen und hebräischen Volksliedes" auch von Vorteil sein. So wie bisher kann und darf es nicht weiter gehen 1 S. Fiderer. Die Eröffnung des jüdischen Volkheims ' VbrtragjDr, Salamon Rapp ap ort. Am Samstag, den 18. d. M., hat die Unterrichtstätigkeit in unserem Volksheim begonnen. Genosse Mendel Singer eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache, in welcher er treffend diei Stagnation in der jüdischen Bildungsarbeifl kennzeichnete1. Dr. ßalamon Rappaport, der Leiter des Kurses „Ein Querschnitt durch' die jüdische: Geschichte" hielt seinen Einleitungsvortrag über „Die Uranfänge des jüdischen Volkslebens". Der realgeschichtlichen Darstellung ging eine methodologische! Einleitung voraus, die eine gewisse Befangenheit des Vortragenden in religiösen Anschauungen zum Ausdrück brachte: wir denken da insbesondere an sein Werturteil über die Geschichtsphilosophie der Bibel, die er, weil sie religiös gerichtet ist, als „erhaben" bezeichnete. Ein freisinniger Historiker wird in der Anschauung, daß der Sinn der Geschichte! in Gott verankert ist, eine, zwar heute), jm Zeitalter der Kulturreaktion wieder moderne, aber von der positivistischen Wissenschaft längst überwundene Konstruktion seheru Auch' in der dogmengeschichtlichen Darstellung der jüdischen Geschichtswissenschaft mußten wir eine gewiss© Einseitigkeit feststellen: es geht nicht an, Historikern vom Range eines Graetz und Dubnov einen Otto Heller als Vertreter der materialistischen Richtung in der jüdischen Geschichtswissenschaft gegenüberzustellen, und die quellenkritischen Arbeiten des großen jüdischen Sowjetgelehrten Lurie (auch in deutscher Sprache erschienen) und des in jiddischer Sprache schaffenden, bedeutenden Historikers Menes zu ignorieren. Ungeteiltes Lob verdienen die positiven Ausführungen des Vortragenden, der mit Recht diei Bedingtheit des jüdischen Schaffens im Altertum betont hat, und Delitzschs Entdeckung in „Bibel und Babel", sowie die Gesetze fHumurabis verwertend, die babilonischen und ägyptischen « Einflüsse auf das antike) Judentum feststellte. Daß damit der Standpunkt des „Offenbarurigsdogmas" verlassen und der Standpunkt der bibelkritischen Geschichtswissenschaft bezogen wurde, ist selbstverständlich. Es ist also eine durchaus moderne und diesseitige Geschichtsdarstellung ■ des Schicksals und Werdens unseres Volkes, die Dr. Rappapoft vorträgt, und wir können' den Besuch dieses Kurses jedem Genossen aufs wärmste empfehlen. ' Im Anschluß an den Vortrag Dr. Rappaports fand die konstituierende Sitzung des Kuratoriums des Volksheimsi statt. Zum Vorsitzenden wurde Herr Dr. Leo Goldhammer gewählt. ' 1 . ■ M. P. WienerJüdischer Gesang verein (Gegr. 191.9) Alle Juden, die sich für unsere schöne Kunst interessieren, kommen jeden Dienstag, halb, 8 Uhr — 10 Uhr abends in den Hölländersaal (Konzerthaus, L, Lothringerstraße) und singen mit uns. Auch Sie laden wir herzlichst dazu ein. Sollten Sie sich musikalisch' noch nicht genug sicher fühlen, so werden- Sie uns dennoch in kurzer Zeit folgen können, denn. Siel lernen bei uns auch den theoretischen Teil, das Lesen der" Noten. — Also bitte, kommen Sie uns singen Sie mit uns!' Geflügelzuchtkurs Die Organisation „Hechaluz" veranstaltet in der ersten Jännerhälfte 1934 einen vierzehntägigen, praktischen Ausbildungskurs für Geflügelzüchter, geleitet von einem langjährigen Fachmann. Vormerkungen schriftlich, an diel Organisation „Hechaluz", Wien, XX., Klucikygasse 7. Spor'tgruppe der Pioalej Zion-Hitach'duth. Genossen1, betreibt bei'uns Sport! 1 Schwimmen: Jeden Dienstag, 3/4 20 Uhr, •Fa'milien'bad' Dianabad. Treffpunkt Vorhalle. Turnien: Schwedische Gymnastik!. Montag*und1 Donnerstag 7—9 'Uhr abends, II., Czerninplatz 3 (Mädchenschule). Volksbildungsverein „Jüdisches Volksheim"^ 11./ Blumauerg. 1 Voranzeige: Donnerstag, den 30. November 1933, 20.30 Uhr Vortrag Dr. Israel Waldmann: „Judenfrage und Mi nd er hei ten recht" Samstag, den 2. Dezember 1933, 20.30 Uhr Morris - osenffald - Gedenkabend Ausführende: Mendel Singer, Oberkantoij G. M arg u 1 i e s> J. Preiss, u. <ä.; Karten im Vorverkauf: II., Blumauergasse' 1 Das xeiteen??ß* Chanuks»ci<*f?hetik Die Sicherung eines Studien- oder Ausstattungsbei,- trages für Söhne und Töchter um S 1.— bis S 10.— monatlich durch den1 „FamiPenschutz" Gemeinnützige Vereinigung! für Familienfürsorge. Der „Familienschutz" stellt fdie Leistung bei der Lebensversicherungs-Gesellschaft „P h ö n i x" sicher. Der „Familienschutz" wird von1 der Wiener Kultusgemein de befürwortet. Adr.: J(Fa m i 1 i e n s c h u t zV IL, Aspernbrückeng. 2 BENJAMIN Zeitung für das jüdische; Kind Erscheint 14tägig. Unter der verantwortlichen Redaktb.ni des bekannten) jüdischen Jugendschriftstellers S e^fried Abelt-s Redaktion und Verwaltung: Wien, XX., Klosterneubürgerstr. 43/22 Postsparkassenkonte D-33.631 Erscheint anfangs Dezember Einzelpreis 25 Groschen. _ Jüdisches Volksheim, IL, Blumauergasse L Wir machen unsere Mitglieder auf die Vefänstaftunge und Kurse des ,'. Jüdischen Volkshelmes, II., Blumauer gasse 1, aufmerksam. Wintersemester 1933—34. A. Sprachkurse:. Hebräisch für Anfänger und Fortgeschrittene täglic in dien. Abendstunden. Für Kinder täglich nachmittags. Englisch für Anfänger: Montag 8^-9 Uhr, Mittwoc 7—8 Uhr. Beginn: Mittwoch, den 15. November 1933. B. Gymnastik, Rhythmische Gymnastik und Akrobatii Leiterin: Nussi Gottesmann, dipL Turnlehrerin. Für Erwachsene: Montag, Donnerstag nachmittags. Beginn: Mittwoch, den 15. November 1933. C. Allgemeine Kurse. P al ä stin a k ünde: I. Teil. Leiter: Dr. Leo Gol< hammer. 1. Landschaftsbild Palästinas. — 2. Natur — Pflanze; und Tierleben. — 3. Das Städtebild Palästinas, a) jüdiscl Städte, b) nichtjüdische Städte. Mittwoch 8—9 Uhr, Beginn 15. November 1933. Schicksal und Werden des jüdischen Vo k es. Ein Querschnitt durch die jüdische Geschichte. Leite Prof. Dr. Salomo Rapaport. Aus dem, Inhalt: Die Israeliten und ihre Nachba stamme. -/ IKönige 'und Propheten. — Hellenisten ui •Makkabäer. — Judäa und. Rom etc. '' Dannerstag, 8—9 Uhr.' Beginn:' Donnerstag, 16. N vember 1933. Geschichte der jüdischen Arbeiterbew gung. Leiter: Dr. Saul Sokal. Dienstag 8—9 Uhr. Beginn: Dienstag, 21. November 19c D. Nähen. Schnittzeichhen, Anleitung zu Reparaturen und Selb* anfertigung von Kleidern. Leiterin: Frau Dr. Borger. Montag 7 Uhr. Beginn: 14. November 1933. Amtliche Verlautbarung-en de Israel. JCuLtus gemeinde Wien Predigten, bezw. Schriftejrklärungen in de israelitischen Gemeinde- und Bezirkssy agogen. Freitag, den 24. November 1933 werden bei den u 4 Uhr beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannti Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten, bezw. Schri erklärungen abgehalten, und zwar: I,, Seitenstettengasse Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang; IL, Tempelgasse '3: Obc rabbiner Dr. I. Taglicht; VI., Schmalzhofgasse 3: Rabbin Dr. J. DroMnsky; .Villi., Neudeggergasse 12: Rabbin Dr. M. Bauer; IX., Müllnergasse 21: Rabbiner Dr. ~A; Schwarz; X., Humboldtgasse 27: Rabbiner Dr. A. Vffafc XIX., Dollingergasse 3: Rabbiner Dr. A. Fraiikfurter^f Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein; Samsta den 25. November 1933 beim Haüptgottesdienste: Schri erklärung. XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murrm stein. '• * ■ ■ ■ *' Isräelitis chior Jugendgotteisdienst. Samstag, den 25. November 1933 findet in allen G meinde- und Vereins-Synagogen der Jügendgottesdienst üi 3 Uhr nachmittags statt. Die i.K leid erstelle' der Fürsorge-Zer trale bittet dringendst' um/Zuweisung von) brauchbar« Bekleidungsgegenständen jeder Art, W sehe, S c h u h e usw. für Männer, Frauen und Kinder. Tel« phonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an dil .Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde, Wien, I., Sei tenstettengasse! 2, Tel. U-25-5-85, welche die Abholuni veranlaßt. Stellenvermittlung zionistisch^sozialistischer Studenten vermitteil Lehrer für alle Lehrfächer der Mittelschule. Anfragen sind an die Administration unseres Blattes zu richten Lebensversicherungs-Gesell»chaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht lfc32: VersicnerungHr «stand S 2.728.000.000,— Prämien-und Zinsen- Khmen , i79,'0ü000'- . .. Oarantiemitiei . 527,000.000'- Auszatilungen an die Versicherten * 60,000.000'- TfttlgUelUgebiei; Oestwejcö. üe«««e» Keicb, Tbcbechoslovakwchi Re. ublik. ^'^»/n. Hoil nd, Fra.i reich. Spanien Italien, Fürateatu» Llechteni_______Vi«i._ f..n alf.tti^n Mut. nriün. (irlA> Fr^n reich, Spanlea Italien, ruiaiemu« wcwuicw ateia, Ungarn Holen, Jug aluvien, Bul ar>eo, unectie l«nd, Ruman.e», PaWatma, Svri«». ,'UrHe«, Tunis unf Aegypten. ElffMiftMtr, Veffegw, H«musg^Mr u. vw»*woriL Rtdahteur: J«m§ jKng#mawi, MamUomtnm, Wfea, XX, Mfkkmwwrtr. W, Dmtk; „AcWt«, Wim, % Taborstr. 52 b.