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Der Jüdische Arbeiter · 1933-11-17 · Heft 46 (17.11.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 46 (17.11.1933)
Date
1933-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17. November l»33 Der j u d i s c h e Arhe? ♦ e r. Seite 3. Auch darüber hört man ausnahmslos staunendes Lob. <D.re in der Frau wohnende Erzieherin', die sorgenda Hüterin des Lebens und der Gesundheit des Kindes, die mitfühlende Helferin der Armen und Verlassenen, fand in dem Lande, wo alles neu zu schaffen ist, ihren eigentlichen Wirkungskreis. Und neben ihr die Chaluza, die arbeitende Jugend, die den Boden: ihrer, Heimat zu erobern und * zu beleben kam. Die schaffende Frau ist das Symbol Palästinas, sie ist es, die nach dem Hebräischen Ausspruch: Sein aus dem Nichts zaubert. In einem Zelt oder in einer Holzbaracke, irgendwo in der heutigen Sandwüste — dem Orangengarteni von morgen in Jahne oder Wadi ChawarettV stellt die Frau neben den zwei weißen Eisenbetten und der peinlich reinen Kinderwiege mit Moskitonetz, einem Speisetisch und dem Bücherregale, in einer bescheidenen Ecke hinter einem Wandschirm oder einem Wellblech verschlag, zwei Kisten auf. Der schwedische Schneil'kocher „Primus", die Grundfeste palästinensischer Hauswirtschaft, wird auf eine Kiste gestellt, der häusliche Herd ist damit errichtet. Die zweite Kiste, bedeckt mit einem Stück Wachstuch oder mit Blech beschlagen, bildet den Arbeitstisch. Ein Waschtisch, eine kleine Hausapotheke, eine primitive Dusche- Einrichtung sind da, eine Kulturecke ist geschaffen. An diesem schweren Arbeiterdasein hat die organisierende und schöpferische Hand1 der Frau den; wichtigsten Anteil. Durch1 sie und mit ihrer Hil'fe bleibt: der Mann hier, sie treibt ihn auch1 von hier fjort. In einer Kolonie, wo fast alle Arbeiterfrauen! in den Orangenpflanzimgen arbeiten,, wird voit ihnen! gemeinsam mit der lokalen bürgerlichen Frauen'organisation eine Tageskrippe für ihre Kinder errichtet. Verwaltung und Budget wird geteilt; durch' erfolgreiche Bemühungen ist es gelungeni, ein großes schönes Haus von einem vermögenden südafrikanischen! Juden für zehn Jahre unentgeltlich1 zur Verfügung zu bekommen. 30 Kinder der Arbeiterfrauen verbringen hier ihren fröhlic'hen Tag, gepflegt und gehütet, bis sie am Abend von ihren Eltern1 abgeholt werden. In derselben Kolonie haben die Jemenitenkinder ihr reizendes Tagesheim, von einer anderen Frauengruppe errichtet. Sie haben ihren .„Pardess", den sie bearbeiten, ihre Tischlerwerkstätte,. ihr selbstgemachtes Spielzeug, ihre Lieder und Spiele. Ihre Mütter ,aus Arabien eingewanderte, sonnverbrannte Jüdinnen, lernen von ihrem Kindern und dem. Kinderhaus Kultur, 'Ordnung; Kinderpflege. - Frauen schaffen hier wichtigste Kuiturwerie. Ein 'anderes Bild: In einer, desorganisierten kleinen) Gemeinde Palästinas, wo ..infolge von' Streitigkeiten), zwischen asch'kenäsischen und sephardischen Einwohnern keine Gemeinide Verwaltung besteht, jede medizinische Hilfe mangels finanzieller Beteiligung der Gemeinde fehlt und der einzige Kindergarten geschlossenist, ergreift die lokale Frauenorganisation die Initiative: sie knüpft Verbindungen; mit der Hadassah und' anderen Zentralstellen des Landes an, übernimmt es, die fehlende ärztliche Hilfe zu organisieren, den Kindergarten wieder zu eröffnen usw. In den; Städten Und. Kolonien wirkt die amerikanische Frauenorganisation Hadassah mit ihren: Spitälern, Ambulatorien, Säuglingsstationen, Spielplätzen, in den Gesund heitszentren der von der Hadassah verwalteten Nathan Straus-Stiftung wird groß angelegte volkserzieherische Arbeit geleistet. Die^ Abteilung für soziale Gesundheitspflege der Hadassah1 dringt durch' ihre „grünen Schwestern" (so genannt nach ihrer Uniform) in alle Winkel ein. Die grüne Schwester besucht die in ihren Kellerwohnung hockende schwangere Frau, das Kind, das sie seit langem in der Säuglingsstation nicht mehr sieht, das lungelnikranke SchWkind', welches vom Schularzt der Hadassah' ihrer Pflege empfohlen wurde. Sie spricht alle 70 Sprachen Jerusalems, versteht alle, auch die wunderlichsten Sitten1 und Gebräuche orientalischer Juden, der Perser, Bücharier, Jemeniten. Eine andere „grüne Schwester" heilt bei Schul kindern kranke Augen und Kopfhaut. Trachoma ist durch die Hadassah bei der jüdischen Bevölkerung von 70 Prozent auf 0 Prozent gesunken. Tn den Volksschulen und Kindergärten ist für alle Kinder der Mittagstisch' gedeckt. Hadassah' speist sie mit ihrem besonderen School Luncheon' Fund aus, Hadassah, deren Losungswort „Heilung der Tochter meines Volkes" ist, heilt durch' die Tochter des Volkes das ganze Volk. In den1 Kwuzoth und anderen Siedlungen des jüdischen Palästina arbeitet die Frau mt Stall und Hühnerhof, zieht Gemüse, verbessert^durch1 Kenntnisse Obstsorten, macht die hier früher un bekannten Erdbeeren zum täglichen Nachtisch der Kinder. Üeb'er die langen Beete sprühen künstliche Beregner zauberhaft reine, in der Sonne schillernde Wasserstrahlen (i denn es gibt, dank dem Jüdischen! Natioualfonds, der auf seinem Boden brunnen für die Siedlungen gräbt, genug Wasser, um feines Gemüse zu pflegen. Die Ausbildung in dieser Arbeit haben die Frauen in den Schulen der WIZO erworben. Im ganzen Lande reist die Wanderlehrerin herum, die praktische Gemüse- und Geflügel nicht, Blumen- und Bienenpflege' unterrichtet. Die "Grundlagen der gründlichen theoretischen landwirtschaftlichen «Ausbildung gibt die WIZO in ihren Schulen In NahäTal, Tel Awiw und in der großen, mit der Arbeitercnneniorganisation gemeinsam geleiteten Mädchenlehrfarm ini Neß Ziona. WIZO verwandelt die jüdische Städterin des Gallith in eine kenntnisreiche Bauersfrau. Die Verschmelzung der verschiedenen ins Land strömenden Elemente zu einer einhleitllehen Vertretung der jüdischen Frau in Palästina erstrebt die Landesorgan isation jüdischer Frauen, die Histadruth Nashtm Ivrioth. Sie ist die führende Kraft im sozialen' Fürsorgedienst des Landes und nimmt Teil an der Organisation der neu entstehenden jüdischen Gemeinden; durch ihre Vertreterininen1 in der Gemeindeverwaltung übt sie sichtbaren Einfluß' auf die öffentliche Gesundheitspflege, Erzieh'ungsfragen und den Ausbau sozialer Fürsorge aus. Die arbeitende weibliche 'Jugend, die ihr Lebensziel in der Bearbeitung des Heimatb'odens sieht, iüst in der weiblichen Sektion der großen Allgemeinen' ArbeiterOrganiisation, in der Moazat Hapoalot, organisiert. Ii .000 arbeitende Frauen, 60 Prozent der gesamten palästinensischen weiblichen Arbeiterschaft, haben dieser ihrer Vertretung die Wahrung ihrer Interessen inallen ErwerbszweigenS .übergeben; zu ihrem Wirkungskreis gehört auch1 die kulturelle Entwicklung und, Beeinflussung der palästinensischen Arbeiterinnen und Erleichterung der Lebensbedingungen der arbeitenden Mutter. Die Arbeiterinnen Organisation ist die Gründerin von' Mädchenfarmen, von denen: die größte die im April d. J. eröffnete Lehrfarm in Neß: Ziona in! 'gemeinsamer Verwaltung mit der Wizo geführt wird, welche durch ihre rumänische Föderation 21.000 Pfund für die Errichtung dieser Farm aufgebracht hat. Die MöazäL Hapbäloth bat in der amerikanischen) Liga für Hilfe an. Chaluzoth und der daselbst entstandenen Frauengruppe für das arbeitende Palästina eifrige Mitarbeiter gefunden; die letztere Organisation! hat im laufenden' Jahre das erste mustergültige Chaiuzoth-Heim in Haifa errichtet, dem andere in den übrigen Städten folgen sollen1. Das Heim ist eine Wohn- und Arbeitsstätte der arbeitenden: Frau, ein Sammelpunkt für ihre kulturellen und sozialen1 Interessen; Lesezimmer, Gesell'sch'aftsräume und Vortragsräume geben die Möglichkeit der Erholung. Die jüdischen Frauein können sich rühmen, daß. sie hier in Palästina, wo, alles von unserem Wirklich- 'keitssinn abhängt, die Fähigkeit gezeigt haben1, Forderungen des Lebens zu verstehen. Sie haben die vorhandenen Kräfte ipraktischer, schöpferischer Arbeit zugeführt, sie sind die Miter'bauer der palästinensischen Wirklichkeit. Worte eines au frichfüxen Mitkämpfers Eine Begrüßung von Julius Braun'th'al. Anläßlich des Erscheinens der hundertsten Nummer des großen Tageblattes unserer Bewegung in, Palen ,;Das Wort"" richtete Gen. Julius Braunthal an die Redaktion folgendes Begrüßungsschreiben: Liebe Genossen, ich begrüße die Gründung und dem Aufstieg Ihres sozialistischen Blattes mit jener herzlichen Solidarität,, die sieh mit jedem proletarischen Werk in: der Welt verbunden fühlt. Darüber hinaus empfinde ich! m diesen Zeiten, da tückischer Mord und irrsinnigen Haß den deutschen Zweig des Judentums bedrängt, das Bekenntnis zu meinem verfolgten, in seiner Ehre! und in seinem Leben; bedrohten Volke als gebieterische! Pflicht. Als Sozialist erstrebe: ich eine soziale, wirk schaftliche und moralische. Verfassung der Welt, die die Nationen in einer brüderlichen Völkergemeinschaft: vereint. Der erfüllte Sozialismus, der die Klassengegensätze aufhebt, hat keinen Raum für den' Haß der Nationen, der in den Traditionen einer Massen^ zerrissenen Welt wurzelt; er wird auch den Antisemitismus, die stupideste, roheste, grausamste Entartung des Nationalismus, zum Verlöschen bringen. Aber "heute ist er noch da, er rast über Mitteleuropa. Da darf man sich nicht ducken! Da muß; man) sich! mannhaft als Sozialist, als Bürger der kommenden! Zeit, als Jude, gegen ihn stellen. Und wo sich der Abwehrkampf verbindet mit herrlichem sozialistischen! Werk, das ihr, Genossen1, in Erez Israel leistet, . da; strömt die bewundernde Sympathie jedes Sozialisten. Euch zu. Ich bin mit Euch, Genossen, hier und in Palästina, verbünden mit Euch in echtem, sozialistischem Geist, der die Arbeiter der ganzen Welt und' ihre Werke trägt. Freundschaft! Julius Braunth'a 1. : U®b&raa&m$siMe?ge'' P. f. Gestattemir h'öfl. mitzuteilen, daß ich das . Caf6-Kreindler (ehem. Guth) Wien O., HoUaridstraße. 14 (Autobushaltestelle der Linie 4) übernommen habe. Nach vollkommener Renovierung ist den geehrten Gästen, Gelegenheit gegeben, in einem gutventilierten /Kaffeehaus mit mäßigen Preisen und aufmerksamer Bedienung einen angenehmen Aufenthalt zu finden. Um zahlreichen Zuspruch ersucht W. Kr ein dl.er, IL, Hollandstr. 14 — Tel. A-43-2-35 Was ist mit den Arbeitsamt der Wiener Kultusgejueinde? (Eine Zuschrift.) Bei den letzten Kultuswahlen haben sowohl, die Vertreter der Arbeiterschaft als auch d;ie Zionisten u. die Schaffung eines Arbeitsamtes versprochen. Nun ist bald ein Jahr verstrichen, und von der Eröffnung eines solchen Amtes ist noch immer nichts zu hören, obwohl die gegenwärtigen Verhjiltnisse das Wirken eines Arbeitsamtes zur unbedingten Notwendigkeit machen. Könnten nicht diie Arbeitervertreter die Schaffung eines Arbeitsamtes beschleunigen? L. R. Antwort der Redaktion: Wir sind ■darüber informiert, daß unsere Vertreter in der Wiener Kultusgemebde d,iie Eröffnung des Arbeitsamtes wiederholt gefordert haben, daß sie aber mit dieser Forderung bis jetzt nicht durchdringen kannten. Wir werden veranlassen, daß sie abermals diie Erfüllung dieser Zusage fordern. der sich den Platz bestellt. Man; wird das Lokal vergrößern müssen. Angeblich gibt es „Wucherer", die sich das Vorsitzrecht mehrerer Sitze gleichzeitig erwirken und dann den ersten freien 'belegen. Mir scheint, ich bin der einzige, der nicht vom'Bau kommt. Schließlich kommen Bekannte, viele Jungen, die früher in Gruppen waren und jetzt Einzelgänger sind. Es geht ihnen' gut, man verdient. Nur die Wohltun gern sind zu teuer. Plötzlich kenne ich mich nicht mehr aus auf der Straeß. Da Ist doch das Makkabihaus und dort das Technikum. Ich drehe mich nach' dem Handelszentrum um. Und stehe daneben. Darum also Wabe ich es nicht erkannt, auch die Pfeiler nicht, an denen ich an meinem ersten Arbeitstag im Land mitgegossen habe: tnam stockt schon das vierte Stockwerk auf! Stiegen!,'breite Treppet* — wo wir über Schutt turnten, Geschäfte, kühle Zimmer. Ich möchte da irgendwo eintreten. Ins Kaffeehaus am Eck öder in: die Apotheke am anderen? Auch' die Möb'elhandlung und der Laden mit orthopädischen Schubert kommen nicht in Betracht. Folglich gehe ich' ein Gasos trinken. Später konstatiere ich, dajß es an den . drei Fronten vier Gasosstub'en gibt. Dieses Geschäft und seine Industrie sind krisenfest — zumindest in' beziig auf die klimatischen Vorbedingungem... Vor dem Sonnendach Asphalt-Trottoir, unterbrochen für einies der Bäiimchen, die jetzt diei Herzl- Straße ganz erobert haben, jedes mit einem Eisengitter geschützt. Von hier also habe ich den Schotter zur Maschine geführt. Rechte vom mir stand der Eisenwerktisch, an der Ecke, und wir waren1 erkoren, Auskünfte zu erteilen und Wagen beizuspringen. 'Drüben' leim deutscher Fensterputzer bei der Arbeit. In forscher blauer Bluse, ein1, gelbes Berufszeichen auf Brust und Kappe, die Leiter lehnt an der Scheibe. Die Idee haben1 die „Deutschen:" einge-; führt. Die Buchhandlung daneben führt deutsche Zeitungen. Zwischen Büchern .das Bild Arlosoroffs. Es geht gegen) 4 Uhr. Bald werdenl dfe Autobusse nach Bath Galim überfüllt sein. Ich springe über den felsigen Boden den altem Abk'ürzun'gsweg hinab, treffe die steile Asphaltstraße, an .der Kreuzung denselben Polizisten! mit den an'gekniöpfelten weißeni Aermeln, und dem khakiüberzogenem, weißen Helm1, (der an1 ein gegen Motten geschlitztes Fauteuil erinnert) — die Straße weiter ist w^e immer feucht, gesprengt. Hinunter geht eis, vorbei an Muslims, die die großen Bernsteinkugeln ihres Rosenkranzes durch die Finger gleiten lassen1, an alten Gewölben;, wo Juden Fensterrahmen für Neubauten! tischlern. Die Lichter der Stadt verschwinden! hinter der Karmelspitze, nur über dem Meer ist der Himmel fahlrot, der Strahl des Leuchtturmes streift die KJlostermauern' und dreht sich weiter über das Land, über das Meer. Wenn1 die Nacht klär ist: und besonders in Winter- „und Frühlingsnächten, sehen auch' wir in Chederah das Aufleuchten des Leuchtturmes über Haifa. Sech'arja Weimer. Hcunt voran« Nif Sil Arlosoroff 1

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