Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641710--853-2642897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Svite 2.' Organisation werde die Absiedlung in der Arlosoroff-Kolonie nicht nach gerechten, sondern nach parteipolitischen Grundsätzen durchführen. Es soll vor allem festgestellt werden-, daß Mifal Arlosoroff von den beiden Fonds, Keren Kajemeth und Keren Hajessod, gemeinsam geleitet und daß auch bei der Ansiedlung sie den entscheidenden Einfluß haben werden. Welche objektiven Gründe können die Gegner des Mifal Arlosoroff anführen, um ein Mißtrauen den Leitungen beider Fonds gegenüber zu rechtfertigen? Die Leitung des Keren Kajemeth liegt in den Händen von Menachem Ussischkin, ein Mann, dem man gewiß die Objektivität nicht absprechen wird, und der Leiter des Keren Hajessod, Leo Herrmann, hat in einer Unterredung im „Doar Hajom" feierlich erklärt, daß er strenge Objektivität bei der Ansiedlung in der Arlosoroff-Kolonie beachten werde. Woher also das Mißtrauen für die Leitung der Fonds? Nun wird man vielleicht doch zu behaupten versuchen, daß die Leitung in irgend einer Weise auf die Ansiedlung Einfluß nehmen wird. Wir wollen deshalb die Frage aufwerfen : Darf man von der gegenwärtigen Leitung der Zionistischen Weltorganisation annehmen, daß siedle Ansiedlung auf nationalem Boden nicht nach sachlichen, sondern hac h parteipolitischen Gesichtspunkten vorh e h m e n w i r d? Als die Allgemeinen Zionisten in Östgalizien auf Grund dieser Verdächtigung gegen Mifal Arlosoroff Stimmung zu machen versuchten, verbürgte sich die Leitung in einem Schreiben, daß sie über die Objektivität bei der Ansiedlung wachen wird. Wer wagt es zu bezweifeln, daß die Herren, die die Verantwortung für die Zionistische Weltbewegung in einem so schicksalsschweren Momente tragen, eine schriiftiich gegebene Erklärung nicht einhalten werden? Loyale Gegner tun es nicht> sie gäben vielmehr der Leitung eine Chance, die übernommene Verpflichtung einzuhalten. Aber auch ohne jede Erklärung hat diese Leitung, oder die Mehrheit, diie die Leitung gebildet hat, den Beweis geliefert; daß sie die Kolonisation nach objektiven Gesichtspunkten durchführen will. ' Dieser vielgeschmähte 18. Zioriiisteukoiigreß, der angeblich unter dem. Diktat der Arbeiterschaft gestanden ist, hat für die Ansiedlung in Wadi-Chavvarit folgende Richtlinie beschlossen: Es sollen angesiedelt werden: 400 Familien d e s,, M i tt e 1 st ande s auf einer Fläche von 7900 Dun am; 327 Familien aus dem Kreise der Mitglieder der Histadruth auf 5860 Dunam und 235 Familiien aus dem Kreise, der der Histadruth nicht angehört, auf 4300 Dunam. In der letztgenannten Gruppe sind enthalten: 70 Familien der Poale-Misrachi, 100 Familien der gewesenen Legionäire, 50 jemenitische Familien und 15 Familien von Beamten. Es darf dabei nicht übersehen werden, daß die Histadruth macht nur fast die ganze landwirtschaftliche Arbeiterschaft zu ihren Mitgliedern zählt, sondern, daß sie über die ältesten und. geschultesten Landwirte verfügt. Welcher r e c h 11 i c h d e n k e n de Mensch kann angesichts ei n es solchen Beschlusses der Leitung v o r w e r f e n,.d a ß s i e die Kolonisation nach p a 11 e i p o I i t i s c h e n G e s i c h t s p u n k t e n d ü r c h f ü hren will? Es sind also absolut keine begründeten sachlichen Bedenken, die manche Gruppierungen der Weltbewegung veranlassen, gegen Mifal Arlosoroff aufzutreten, es ist vielmehr ©inj Akt äußerster Illoyalität gegenüber der von unserer höchsten Körperschaft gewählten Leitung, ein Akt, der das Aufbauwerk als solches gefährden kann. Und deshalb wollen wir alle jene Zionisten, die sich der Verantwortung für den Zionismus im gegenwärtigen Zeitpunkte bewußt sind, warnen vor jedem Versuch, die Aktionen der Leitung in einem für die Juden der Welt so kritischen Momente zu sabotieren oder auch nur zu erschweren. Wiedersehen mit Haifa Der Aufsaitz ist vor der Eröffnung des Hafens in Haifa geschrieben. Ich' bim schom ein 'halbes Jahr nicht irr Haifa ^Jewiesdni und bin gefaßt, neues zu entdeckten. Schon1 im Zug kommt mir zum Bewußtsein!, daß! ich1 mich widh't melir in1 Chedera'h' befinde. Hier liest man Zeitunigetü aller Richtungen — t^ei Uns sah ich' nur deni „Dawar". ManichJe Leute lieben es nicht, wenn jemand iiÜber ihre Schulter hinweg die Zeitung mittet. Demenl Wierde ich1 sicherlich unsympathisch! sein. 'Mein! Gegenüber studiert den Haarez: „Eröffnung des 18. ZiorastenWongresses." Dieser Titel Wehrt auf allen 'hldforäfectoeni Zeitungen wieder, im' „Dawar", „Doar iHajom"; aber auch im . „The Palestiriie Ob'server" inteiriles Nachbarn1 bildet diese Aufschrift einen Teil des Titelblattes, währeri'd sich der alnldere mit der Notlage der Bewiohner TranSprdahiens befaßt, weiter drinnen einem Bericht des Jachtklubs Haifa1 bringt und Neuigkeiten von einem zionistischen KolonisationlsfHiojekt inj Jugoslawien. Äur Zeit, d#r rotani BJutnenj bin iqti cl^StTjclce Juni'''tet^tönimal gefahren und jetzt h'abfen die Melanien aufgehört; es ist die Zeit der, Trauben und Feagta jsfur mejnfen Jtygm lÄubg ich', - was ich siehl: y§6\,. sehr; > w%\ *jfni;ei#Ä :te. S'fee». ist neu bbpfUilnizt, rieu! ,um^8!ttn'ti —' weue Brunnen, rteue Röhren'!!»<: r iti :l is r j1 A r hei' v ». Konferenz zwischen J Macdonafd und Weizmann Genf, 13. November. Am Sonnabend, den lt. November, traf Herr James Macdonald, der vom Völkerbundsrat im Auftrag der Völfcerbundsversamtnlung in das Amt eines Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge berufen worden ist, in Genf ein und, hatte kurz nach seiner Ankunft eine Besprechung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes Herrn Avenol über die Organisierung des Verwaltungsrates für die deutschen Flüchtlinge. Der Verwaltungsrat dürfte wahrscheinlich schon am 25. November in Lausanne zu seiner ersten Tagung zusammentreten. Zur Vorbereitung dieser Zusammenkunft hielt James Macdonald, bereits Beratungen mit mehreren diplomatischen Vertretern in Genf ab. "Heute besuchten Dr. Chaim Weizmann und Nahum Goldmann als die Repräsentanten der Londoner Wettkonferenz für Hilfe an die deutschen Juden den Hochkommissar Macdonald. Bei dieser ersten Besprechung zwischen Macdonakl und den jüdischen Führern wurden die Richtlinien der Zusammenarbeit des Flüchtlingskommissariats mit den jüdischen Organisationen festgelegt und die Frage der jüdischen Vertretung im Verwailtungsrat erörtert. Nach der Koniferen/ mit Macdonald hatte Dr. Weizmaun eine längere Unterredung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes, Herrn Avenol. Maßnahmen gegsn die illegale Einwanderung London. Nach einer Erklärung des Kolonialmtnisters werden gegen die ungesetzliche Einwanderung nach Palästina folgende Maßnahmen getroffen Werden: 1. Ein besonderer Beamtenstab wird, mit -der Durchführung der Kontrolle der Touristen betraut werden. 2. An Touristen und Besitzer von Transitvisa werden besondere Warnungen erlassen werden. 3. Personen, die nur Nansenpässe besitzen (es handelt sich hier um Staatslose, also um die Bedürftigsten der jüdischen Einwanderer! die Red.), werden nur ausnahmsweise Visa erhalten Arabische Nationalisten lernen von Hitler Genf, den 13. November. Die arabischen Führer in, Gemf entwickeln seit den letzten Ereignissen in Palästina, eine lebhafte Propaganda gegen den Zionismus und bedienen sich hiebei auch antisemitischer Argumente. Der Gemfcr arabische Studenten verein hat einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: „Die Juden, die über das Schicksal Europas entscheiden, trotzdem sie aus Deutschland vertrieben wurden, nisten sich im Ursprungsland des Christentums ein! Sie versuchen dort ihr Königreich wieder zu errichten!" Der Aufruf ist an viele Institutionen und Einzelpersonen versandt worden. 3900 Einwanderer im Oktober Jerusalem, den. 10. November. Aus den offiziellen statistischen Mitteilungen ist zit ersehen, daß im Oktober 4602 Personen nach Palästina eingewandert sind, darunter 3903' Juden. Von den angekommenen Juden gehören 450 zur Kategorie der Kapitalisten (mit 507 Familienangehörigen), 1250 zur Arbeiterkategorie (mit 1175 Familienangehörigen). 220 Personen wurde die Niederlassung nicht erlaubt. Die Voruntersuchung wegen das Arlosoroffmordes beendet Jerusalem, den 11. November. Als letzter Zeuge wurde in der Mordaffäre von Tel Aviv ein Polizeibeamter verhört. Hierauf hielten die Verteidiger der Beschuldigten ihre Plaidoyers. Der Verteidiger Stavskys, Kaisermann, versucht in den Aussagen der Frau Arlosoroff Widersprüche nachzuweisen und die Bedeutung der Gutachten der Sachverständigen bezüglich der Fußspuren als gering hinzustellen. Der Verteidiger Rosenblatts legt besonderes Gewicht auf den Umstand, daß dieser erst am 23. Juli verhaltet wurde. Der Verteidiger Achi Meirs betont, daß aus den verlesenenen Aufzeichnungen desselben klar hervorgehe, daß dieser ein Gegner der individuellen Terrorakte sei. Ansiedlung von luden In der Türkei? Paris, den 12. November. Die hiesigen Blätter bringen die Nachricht, daß die Ica Verhandlungen mit der türki- Schorr kommieri! die Ausläufer, des Karmel bei Berojämta nätter, ich feiere Wiedersehen mit seinen schwarzen Ziegen, mit dem Meer;' Zwei Negermädielni kugeln sich auf der Bank, auf jeder Wange drei Zierniarb'en'. Am Strand von Bath-Galim baden Kinder. Die Schotten üben mit Maschinengewehren1. Bahnhof Karmelstation. Die Droschken kutschen klingeln, warnend mit dem Fuß wie ehedem. Und dier Wind vom Meer zum Karmel, den die Morgensomnle färb{ — also wirklich Haifa! Die Amerikanerinnen b'eim Poste-restante-Schalten im I^eisecapie und den, kleinen Hütchen; sehen aus wie Modekarrikaturen; des Empirs, Im Stil kann ich1 imich irren' — sicher ist: Es fehlen: ihnen nur die Windhunde zur Vollendung. Danin, gehe; ich den alten Weg zur Arbeit hinan, s'chnell, bis endlich die Bucht in ihrer Schönheit frei vor mir liegt. Sch'öni ist die Bucht. Große Häuser fast modernstem Betonstiles sind ■im diesem halben Jahr emporgewachsen., Das ist der erste Eindruck und der bleibende, solange ich in: Haifa bin. JEinje . IStunde vor Mittag, Die Betonmaschinen1 rattern. Man baut. Ungefähr jedes fünfte Haus auf den. beiden Seiten der Herzlstrafejst Neubau ujflid.. stockt auf. Im 'Haus Krasowski, dgTri/w0 ich1. Y^>£e!cfrs,, Mönatein Erde £U'm FÄn 'geführt <-h'ab& istTm^Wiefnier feffeehaifs^ 1111^^011^ gebogene Eisenmöbe!, gebogene Kellner. 17. *ovpmher?933 sehen Regierung wegen Ansiedlung von 300.000 Juden in der Türkei pflegt. Die ka will die Zahl der zu Koloniaierenden eventuell auf 100.000 herabsetzen, darunter befinden sich qualifizierte Arbeiter, Kapitalisten und Angehörige der freien Berufe. Wleterorganisat'on in TeiAv'v Die Mieter und Untermieter in Tel Aviv haben sich organisiert und der Stadtverwaltung ein Memorandum in Angelegenheit des Wohnungswuchers überreicht, der auf die wirtschaftliche Entwicklung lähmend wirkt. Vollständiger Niederrang der jüdischen Gemeinden In Dsutschlatid Berlin, 13. November. Die Berliner jüdische Kultusgemeinde, vor kurzem noch eino der reichsten jüdischen Gemeinden Europas, befindet sich gegenwärtig in einer schweren finanziellen Krise, da ihre Einnahmen auf ein Minimum zusammengeschrumpft sind. Die großen Spenden, die sie früher regelmäßig für ihre Wohlfahrtsinstitute erhielt, sind in der letzten Zeit ganz ausgeblieben. Die Ursache dieses Ausfalls ist natürlich die katastrophale Verarmung der jüdischen Bevölkerung, deren Not andererseits immer größere Anforderungen an den Fürsorgcapparat der Kultusgemeinde stellt. Um die jüdische Gemeinde zu retten, hat die Gemeinderepräsentanz beschlossen, eine außerordentliche Besteuerung der ins Ausiand emigrierenden jüdischen Kapitalisten durchzuführen. Die Kultussteuer wird auch jetzt von den Regicrungsorganen zusammen mit den Gemeindesteuern eingehober!. Die Kultussteuer wird nunmehr 20 Prozent der ICo m in un a 1 st c u er n betragen. Aus der Provinz kommen fortlaufend alarmierende Nachrichten; die provinziellen Kultusgemcinden sind ruiniert und nicht mehr in der Lage, ihre örtlichen Institutionen zu erhalten. Infolge der Verarmung der Gemeindemitglieder sind die Einnahmen vieler Gemeinden auf, Null gesunken. Zu dieser Katastrophe der kleinen jüdischen Gemeinden hat sehr viel der Umstand beigetragen, daß die reicheren Juden aus Sicherheitsgründen die kleinen Städte verlassen haben und in die größeren Städte übersiedelt sind. Konferenz des Et Uvnot Warschau, den 13. November. Am Sonntag fand hier eine Konferenz des Et Lionot statt, die einen sturmischen Verlauf nahm. Ein großer Teil der Delegierten protestierte gegen Spaltungsversuche des polnischen Zionismus! Die trau in der palästinensischen ■ Wirklichkeit Von TbJamar Buchstab A vi- J.»o n'ä h'^erusalem. Wir beobachten es/ immer wieder an den Touristen —• und das abgelaufene jähr war gewiß reich an Besuchern — wie sie vor allem durch die Wirklichkeit des schon in Palästina geschaffenen Lebens ins Staunen versetzt werdeni. Dieser Uebergang (auch 'bei den aktivstein Zionisten; oder prozionistischen K^ationalj uden}, .„von Parteiarbeit, Meetings, Reden .und Geldsammlungen zum wirklichen, lebenden, seinen; eigenen Atem atmenden Erez-Israel ist in iedem einzelnen Falle das große Erlebnis. Sprache, Schule Universität, Zeitungswesen, Theater, öffentliche Gesund heitspflege und soziale Fürsorge, das moderne Verkehrswesen des Lan'des, der Jude als Bauer und Schwerarbeiter, der Organisationsapparat der Arbeiter, Lehrer, Aerzte, Schriftsteller, der aufblühende Buchverlag — und vor allem als größte sichtbare Errun- 'gensch'aft die. immer erstarkende, gesunde ökonomische Basis und Selbständigkeit dieser kleinen' Gemeinschaft, erregen in jedem Besucher das Gefühl der Bewunderung. Die staunende Freude, die Umwandlung einer Idee in kräftige Realität mit angesehen: zu 'haben, ist das allgemeine Resultat heutiger Palästinäreisen. Erez-Israel ist eine blühende Wirklichkeit, ein junges, seiner Kraft vertrauendes Lebewesen. Und der Anteil der Frauen an: diesem Werk? Im Photogeschäfr gegenüber hole ich mir einen Film; eine Reichsdeutsche Kundin (üterh&upt:. die (neuen Deutschen photograp'hieren viel und heben die Branche), also: die Kundin hat schließlich doch1 eine Kamelkarawane und ein Kind aus dem Film herausgebracht, /und erinnert nur beiläufig daran:, daß sie wohl öfter 'kommen! werde, mein Freund möge ihr einen: guten Preis machen. So ist es ja in Europa. Hier aber ist der sonfet übliche Hergang der, daß der Name eingetragen! wird und man sein! Konto hat. Bezahlt wird, wenin es gerade dazu reicht. Gegen 12 Uhr gehe ich die schöne Herzlstraße zurück zur Mirbach Poalim, der Arbeiterküche. „Weiu^ trauben" preisen1 die arabischen Straßenhändler an, Granatäpfel liegen kisi£n-, ja haufenweise irv den Geschäften. Ja, vor einem Jahr, als ich kam, ging die Zeit der Granatäpfel zu Ende. Schöne, große Geschäfte sind da. Die kleinen1 Hütchen der Amerikanerinneir, die man noch wenig trägt .Und schöne, teure Damenkleider, nur einige wenige im einer Auslage. „90", „170", „170", — was war das miur für eine Zahl? 1 Pfd. 70,, „da muß. man schon Glück haben, ein Zimmer um 1.70 zu bekommen," hatte mir einer gesagt, den wiederzusehen' ich mich sehr gefreut,/h'ab'e. , . In der. Mttba£h RoaU'rn ist's 5 Minuten nach 12 Uhr voll;'die Mädels'bringen das Essen rasch und' wortkarg, geübt. Hinter dem Stuhl steht bald einer,