Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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II. b. Erscheint jeflen Freitag öer «epcsinigteii zionisfisdi^oztdlisfiscb^ Rrb^et^orasssisstio» Mte Zlcn—Hifadsdiifii in Ocsts??eidi ReMctan uni Aitataistration: Wi*n, II, aiBmaiiörßasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.87& Bezupspreis: ganzjährig S I2 —, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 17. November 1933 Nr. 46. Die bnruhen in Palästina im Lichte der Weltpolitik Die Unruhen in Erez Israel sind ein Sturmzeichen; '— eines unter vielen. Um die Lage richtig zu verstehen, muß man sie im Zusammenhang mit den anderen weltpolitischen Geschehnissen betrachten. Mitteleuropa .und der Ferne Osten sirnd die beiden Brennpunkte der Kriegsgefahr. Die russisch'-ämerikan^ sehe Annäherung bestärkt die japanische Kriegsparteil in ihrer Ansicht, im geeigneten Moment — vielleicht im Frühjahr — den Präventivkrieg gegen Rußland' zu führen. Das. völlige; Versagen des Völkerbundes un!rJ die Zurückhalung dter Westmächte h'at die Nankingregierung in die Arme Japans getrieben1. Tschiang- Kai-Scrteck, •fder. „nationale," Führer, kämpft lieber mit japanischer Munition gegen) die roten Armeen, im südlichen Mittelchina, als gegen Japan. Sein langjähriger Mitarbeiter V. Surig, der Vertrauensmann! der Vereinigten Staaten in der Kuomintangregierung, hat das Finanzministerium zurückgelegt. Japam h'at den Rücken frei. Die Sowjets fühlen' sich heute zuversichtlicher als je und ihre Sprache wird schärfer Nur durch kräftiges Auftreten gegen1 Japan glaubten! sie, einen Konflikt mit Japan1 verhindern zu kön'nen Die Japaner führen auf allen Märkfeni den schonungslosen Dumpingkrieg gegen England und Indien;. Alle Einigiuingsverhand]u.ngen scheitern an deni Forderungen der Japaner. Diese fehlen, sich als die Vorkämpfer, der. Befreiung .Asiens von dem Joch der 'Weilten^ In einer maßgebenden^ japa;nischea; Zeitung wurde unlän!gst von den. ausgebeuteten Massen Indiens gesprochen. Den; Führer der japanische 111 Kriegspartei, den Kriegsmiriister Sadao Aräki, bestärkt wohl die Tradition , der japanischen Geschichte im seinem Vorhaben. Sein Aufstieg vom Gemüsebauern und gemeinen Soldaten zum Führer der feudal-inldnstriellen; Herrenschieht, erinnert ,arr Toy:otomi Hideyoshi, den. größten Kriegsheiden der japanischem Geschichte, .der auch ein einfacher Bauer war, und den1 nur der Tod an der Eroberung Chinas hinderte, die seitdem1 sein Vermächtnis geblieben ist. Seine Laufbahn ist der Arakis so ähnlich, daß bei einem traditionsgernindenem Volk, wie es die Japaner sind, diese ParaleHe sicher ihren Einfluß ausüben wird. Im anderen; Brennpunkt, Mitteleuropa, ging die Entwicklung den an, dieser Stelle vorausgesagten Weg. Die kleineren Staaten, von: der Tschechoslowakei bis' zur Türkei, suchen ihre. Streitigkeiten zu beenden!, um durch engeren Zusammenschluß, dem Krieg der Großmächte möglichst zu entgehen und wohl auch' um „im Ernstfalle" Forderungen an: die Großmächte stellen zu können1, ohne daßdiese dann Nachbarn! gegen einander ausspielen' könnten. Langsam bereitet sich die öffentliche Meinung Frankreichs darauf vor, anstatt der AbrüstungsVorschläge die Sanktionen des Versailier Vertrages als politisches Mittel anzusehen. Die „Abstimmung" in! T3eutschland ermächtigt Hitler für Deutschland1 zu| hjandetnfc' (berechtigt aber die ehemaligen Alliierten', seine Taten als die Deutschlands anzusehen und darnach zu handeln. Zwischen diesen beiden Brennpunkten liegt der riesige Nahe Osten, ein dünnibevölkertes, schwer übter-» sehbares Gebiet, voll kriegerischer und unruhiger,/ fanatischer Bevölkerung. England muß! in diesem Gebiete absolute Ruhe •haben, jetzt und in nächster Zukunft, um in dem1 doppelten Konflikt im Fernen Osten und in Europa sich auf seine Verbindungen: verlassen zu können1. Besonders, wenn die Japaner panasiatische Propaganda mit billiger' Ware treiben. Die Assyrermassaker und der plötzliche Tod1 König Feisals, zusammen mit den nicht verstummenden Gerüchten über einen Rückzug] Frankreichs aus Syrien, wobei der Libanon .französisch' bliebe, haben ein' Moment der Unruhe in den Nahen Osten gebracht, das den arabischen Führern gelegen: sein. kann. Diese' haben England mit den blutigen. Demonstrationen! zeigen wollen, daß. die Ruhe im Nahen Ostern vom der Erfüllung ihrer Wünsche abhängt. Die Sympathiekundgebungen in Syrien und im Irak sollten auf den weiten Wirkungskreis der Führer hinweisen. Es sind daher weitere Einschränkungen unserer Einwanderung zu erwarten. Es muß, uns klar seinu daß wir auf das Einvernehmen und den guten Willen der Mandatann acht (angewiesen sind. Wir Juden können und dürfen kein Faktor der Unruhe werden. England ist unserer Ruhe sicher, und die fortschrittliche Meinung der Welt ist unauffälliger zu/ beschwichtigen, als arabische Großgrundbesitzer, die! gerne tausende fremder Leben für ihre Zwecke aufs Spiel setzen. Allerdings ist es für England eine schlechte Politik vor Erpressungen zurückzuweichen. Jede Konzession' ruft eine neue Forderung hervor. Das gegenseitige) Abwägen der beiden Nachteile für England: Unruhe in Arabien und Nachgeben gegenüber Forderungen, die das englische Prestige schwächen', werden unsl immer einen kleinen Spielraum zur Vergrößerung unserer Basis in Erex Israel geben. Eines scheint ziemlich sicher., Im Moment eines) Konfliktes in' Ostasien und Mitteleuropa wird auch der Narre Osten erschüttert werden: Dann wird1 der Jischuw ein Faktor der Ruhe sein1. Vielleicht der Einzige. Für diesen Moment müssen wir rüsten und Volksbildungsvereih Jüaisches Volksheim.: IL, Blumauergasse 1. Samstag, den 18. November 1933, 20,15 Uhr, feierliche Unterrichtseröffnung des Wintersemesters 1933/34. Vortrag Prof. Dr. Salome Rappaport über das Thema: Ans im Mntümm pifte UeUcslsb^ns 1. Kursabend: Schicksal und Werden des jüdischen Volkes. gerüstet sein. Der Tag kann kommen, an. dem der Jischuw für die Sicherheit und Ruhe in! Erez Israel wird sorgen müssen. Nicht allein, aber hauptsächlich1. Die Hauptlast wird die Arbeiterschaft tragen müssen'. Erinnern wir uns an den Aufsatz über die überragende Bedeutung der Sicherheit, den Ben Gurion' vor einiger Zeit im „Jüdischen Arbeiter" veröffentlichte. Die heutige Lage und die, kommenden Schwierigkeiten wer langen gebieterisch1 diie Einigkeit der Organisation und die. rasche Durchführung des Mifal1 Arlosoroff. *" Alroy. Revisionisten verraten die zionistische Organisation Unser polnisches Bruderblatt, das Wort, veröffentlicht ein Dokument, das ohne Uebertreibung als ein Dokument der revisionistischen Schande bezeichnet werden muß. Es handelt sich um ein Rundschreiben der Führung der revisionistischen Jugendorganisation Brith Trumpeldor, in welchem die einzelnen Ortsgruppen aufgefordert werden, einerseits die Annahme der Zertifikate aus der Hand der PaJästinaämter zu verweigern, andererseits die geeigneten Mitglieder zur Alijah zu mobilisieren. Diese. Mitglieder werden auf Grund von Anforderungen seitens der Arbeitgeber, insbesondere der Organisation der Kolonistensöhne und der Pflanzungsgesellschaft Hanote, die direkt mit der Regierung verhandeln, Zertifikate erhalten. Damit wird die Alijah des Bejtar unabhängig von der zionistischen Organisation werden. Dieser Plan bedeutet natürlich nichts anderes als die Vernichtung der einzigen kontrollierenden nationalen Instanz des Palästinaaufbaues, die Unterstellung der Alijah unter die Arbeitgeber Organisationen. Er bedeutet die Auslieferung der jüdischen Kolonisation an jene, deren Ideal die billige arabische Arbeit ist, der Feinde der zionistischen Organisation und der Kneset Israel. Der Bejtar kennt seine Verbündeten: aus dem Kreis der Organisation der Kolonistensöhne ist jener Held hervorgegangen, der arabische Arbeiter gezwungen hat, einen Juden anzubinden und zu schlagen, der Hanote hat den Plan der Kolonisierung billiger arabischer Arbeitskräfte ausgeheckt, er ist der Partner des Transfervertrages mit der Hitlerregierung. Nunmehr muß auch ein Blinder das Wesen des Revisionismus erkennen: es bewährt sich in einem Plan, dessen Verwirklichung nichts anderes bedeutet, als die Vernichtung der zionistischen Organisation und Errichtung einer Agentur zur Lieferung eines willigen Menschenmaterials an die ausbeutungshungrigen Kolonisten. Nach ivelchen Gesichtspunkten wird auf nationalem Boden kolonisiert? Eine Antwort auf die Bedenken gegen Mifal Aslosoroff. Von Mendel Singer. Auf dem IS. Zionistenkongreß hat sich die Arbeiterschaft redlich bemüht, alle Gruppierungen der Weltbewegung mit Ausnahme der destruktiven. Revisionisten zur Mitarbeit an der Leitung heranzuziehen. Für jeden rechtlich denkenden Menschen ist es selbstverständlich, diaß diie Arbeiterschaft, die nahezu die Hälfte des Kongresses repräsentierte, verlangte, ihre zahlenmäßige Kraft beii Bildung der Leitung zum Ausdrucke zu bringen, wobei aber diie Vertreter der Arbeiterschaft äußerstes Entgegenkommen bewiesen. Die der Arbeiterschaft feindlichen Kräfte aber machten zur Bedingung, daß die Arbeiterschaft,.,in, der, .Leitung.», eine , Minderheit und. die. arbeiterfeindlichen, revi&ioniisierenden. Elemente eine geschlossene Mehrheit bilden. Es ist nur selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft einer derartigen Fälschung des Willens der jüdischen Massen, der durch das Ergebnis der Kongreßwahlen kundgetan wurde, nicht zustimmen konnte. Das war das- Wesen; des Kampfes um die Bflklung der Leitung, den wir in .der PermanenzkommLssioii Tage und Mächte hindurch führen mußten, im letzten Momente mußte sich die tArbeiterschaft entschließen, diie Bemühungen um Bildung einer Leitung auf breiter Grundlage aufzugeben und .sich zu begnügen mit einer Leitung, hinter welcher außer ihr die . Radikalen Zionn'sten und' der linke Teil der'Allgemeinen Zionisten stehen. Auch die von diesen Gruppen gebildete Leitung vertritt eine klare Mehrheit auf dem IS. Zionlsterikongreß. Es soll noch festgestellt werden, daß jene Allgemeinen Zionisten, die an der Bildung der Exekutive nicht teilgenommen hatten, in der Permanenzkommissiow wiederholt erklärten, sie werden. einer Leitung gegenüber, die ohne sie gebildet werden sollte, sich, loyal verhalten. , Nun hat die neue Leitung aufi Grund eines ein hei Ii* gen Beschlusses des 18. Zionistenkortgresses die Aktion zur Schaffung einer Kolonie auf den. Namen von Chaim Arlosoroff proklamiert. Der Misrachi und die Revisionisten nahmen gegeu diese Aktion offen Stellung. Von den allgemeinen Zionisten, die der Leitung nicht angehören, hat sich ein Teil, unter ihnen auch Oesterreich und Westgalizi.cn, in den Dienst des. Mifal. Arlosoroff . gestellt, während die größte Gruppe der Allgemeinen Zionisten in Ostgalizieti, ähnlich wie der Misrachi und die Revisionisten, gegen die Aktion auftraten. Wir wollen hier von den besonderen Einwendungen der Revisionisten absehen, da wir längst erkannt, und nachgewiesen haben, daß sie auf; die Zertrümmerung der Zio* nistischen Weltorganisation lossteuern und sie bedenkenlos jede Gelegenheit benutzen, um dem von ihnen angestrebten Ziele näher zu kommen. Auch die religiösen Argumen+e des Misrachi wollen wir hier nicht erörtern, da sie, insofern sie nur die Beachtung der Interessen des religiösen Juden und nicht eine Einschränkung im Denken und. .Handeln der nichtreligiösen Juden beinhalten, in der Arbeiterschaft volles Verständnis finden. Wir wollen uns hier auf ein einziges Argument beschränken, welches alle Gegner und auefo manche laue Anhänger des Mifal Arlosoroff mit besonderer Vorliebe breittreten. Es lautet: Die „linke" Leitung der Zionistischen Welt- Hilfe durch Aufbau: Mifal Arlosoroff!