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Der Jüdische Arbeiter · 1933-11-10 · Heft 45 (10.11.1933) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 45 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Oer jüdische A rbeiter. 10 N'ovemlw »933 Nach jüdischem Muster wurde ferner aus Anleihegeldern ein großes Kanalisationssystem ausgebaut, welches der Bewässerung bei Jericho, Beth-Schan, Berscheba usw. dient. Wie es mit der arabischen Landwirtschaft in jenen „glücklichen'' Ländern aussieht, in denen es keine jüdtech'e Einwanderung gibt, kann man aus der bloßen Lektüre des „Falastin" erkennen. Der Korrespondent dieser Zeitung in Damaskus schreibt letzthin, daß die Nachrichten« über die Lage in Palästina dort einen starken Eindruck machen. Die ökonomische Krisis in Syrien habe alle Arbeitsgebiete ergriffen1 und deshalb seien viele auf den Gedanken gekommen, daß es vielleicht an der Zeit wäre, judische Einwanderer nac!V Syrien zu bringen____ Die syrischen Zeitungen schreiben, daß; die Einwohner einer Anzahl von Dörfern' geflohen sind, weil es an Wasser mangelt und weil die Trockenheit große Verwirrung stiftet. Gut bekannt ist auch' die; furchtbare wirtschäftiiche Lage in Transjordanien. Mant erinnert sich noch der Berichte der Scheichs, „daß die Einwohner nach Brot h'ungem, daß ein großes' Dorf, welches einen Wert von 50.000 Pftmd darstellt, durch1 die Agrarbank wegen einer uneinbringlichen Schuld von 200 Pfund zum Verkauf gebracht wird. Die Be^ völkerung verkauft Hammel und Pferde, um das nötigste Brot einzutauschen und ganze Stämme verlassen des nachts ihre' Dörfer und überlassen', was alt und sch'wach ist, seinem Schicksal. Die Armut steigt in der furchtbarstem Weise, Raub- und Mordfälle nahmen zu und die Sterblichkeit ist in ununterbrochenem Steigen begriffen." Und die städtischen Araber genießen die Vorteile der jüdischen Einwanderung! nicht weniger, besonders in jenen Städten, die der jüdischen' Siedlung nähe sind. Die Tatsache, die die Volkszählung von 1931 bestätigte, daß Städte und Dörfer in der Nähe jüdischer Siedlungen' rascher; waeltsen, ist in den letzten beiden/ Jahren, noch deutlicher geworden. Jaffa hat im Jahre 1$32 für 101.500 Pf. gebaut, während die Baubewegung 1931 nur 76.150 Pfund betrug. Und Ramleh', Lnd'd', Beth Schau u. a. m. häben 1932 Bauten für 41.424 Pfund gegen solche für 33.424 Pfund im Jahre 1931 errichtet. Dagegen ist die Bautätigkeit in' den Städten, die außerhalb des Aktionsradius der jüdischen Einwanderung liegen, g efallem. Scheehem, Djenin, Hebron, Esch1, Migdal, Beth Lechem nsW. b'autem 1932 für 51.393 Pfund, 1931 dagegen! für 54.500 Pfund. Ebenso sind die städtischen Budgets nnd ihre Ausgaben' für öffentliche Arbeiten gestiegen und dies wiederum in' jenen; Städten, die der jüdischen Siedlung nahe liegen'. Man spürt auch ein mächtiges Anwachsen des arabischen Handels und der Industrie (wenn man von der Seifenindustrie absieht, die unter Aegypten stark gelitten^ hat). Es sind Werkstätten für Tischler- und' Metallwarem entstanden, man beginnt, sich' mit dem Gebrauch der elektrischen Kraft vevrtraut zu machen, eine (arabische Gesellschaft zur Erforschung, von Naplftha-Vorkommen wurde gegründet und auch das Auto wird vom den Arabern im Frachten- und Passagierverkehr immer stärker benützt Die erhöhte wirtschaftliche Tätigkeit hat auch die Arbeits läge der Araber wesentlich verbessert. Die Regierungsziffern über arabische Arbeitslosigkeit sind nach' einem bestimmten System' aufgebauscht, das selbst die Vertreter des Arbeitsamtes •im Völkerbund schön scharf kritisiert haben1. Dieses System rechnet Bauern und andere kleine Landbesitzer, die saisonweise einen1 Nebenverdienst haben müssen, in die Kategorie von „Arbeitslosen". Aber auch diese aufgebauschten1 Ziffern weisen: auf eine Verbesserung der Arbeitslage hin, und' dies trotz der Mißernte. Im Juli 1931, als die jüdische Einwanderung eingestellt war, führte die Regierungsstatistik als „arbeitslos" 38.800 Araber au, im Juli 1933 d agegem bloß 20.500, d. h. um 40 Prozent weniger. Ini den Gebieten der jüdischen Kolonisation geschieht es jetzt oft, daß; man keine Arbeiter mehr für die jüdischem Pflanzungen bekommen: kann, oder daß die jüdischen Arbeiter in ihren eigenen! Pfianzungs- oder Gemüsewirtschäften beschäftigt sind. Es kommen immer mehr Araber aus Transjbrdanien, die diese Arbeitsplätze eroberm. Zu diesem wichtigsten Tatsachen hätte man noch viel Beweismaterial für den' unaufhörlichen! Fortschritt der arabischem Wirtschaft hinzuzufügen, der auf die jüdische Einwanderung zurückzuführen ist, und auf die wirtschäftiiche Kultur, die allmählich1 auch alle Zweige der arabischen Wirtschaft durchdringt. Man muß a'uch1 daran erinnern, daß die arabische Bevölkerung sehr wesentlich von1 der Staatswirtsch'aft genießt durch Erleichterungen in der Sch'uldenzahiung, durch ein vergrößertes Erzieh ungs- und Gesundheitsbudget, vergrößerte Zuwendungen für Landwirtschaft usw. Dies alles wäre Unmöglich, wenn' die Regierung nicht ihre Einnähmsquellen aus der großen jüdischem Einwanderung bezöge. Die Einnahmen der Palästinaregierun'g sind von (über zwei Millionen Pfund im Jahre 1931 auf über drei Millionen Pfund im Jahre 1933 gestiegen. Dagegen' sind die Einnahmen der syrischen Regierung von 10 Millionen Lires im Jahre 1931 auf sieben Millionen im Jahre 1932 gefallen und werden sich im diesem Jahre noch weiter verringern, H. Frumkin. B. Katznelsohn: Mit der Kraft des Volkes! (Aus einer Rede für den „Mifal Arlosoroff".) Wir schaffen jetzt in Palästina ein neues Werk, ein tragisches Werk, ein Werk, das in seiner Art einzig dasteht: „Den Mifal Arlosoroff"! Ich will jetzt nicht von der menschlichen Tragödie Arlosoroff, sondern vom Werk sprechen, das diesen Namen trägt. Dieses Werk wird einen neuen eigenartigen Ring in der Kette der nationalen Kolonisation bilden; denn der Mifal Arlosoroff wird unter eigenartigen schweren Bedingungen im Zionismus geschaffen. Es wird allgemein geglaubt, daß in Palästina alles blüht und prosperiert; das stimmt wohl, aber es gibt auch Schattenseiten, die ich nicht verschweigen kann. In Palästina gibt es wohl keine Arbeitslosigkeit, aber dieser ökonomische Wohlstand ist nicht das Resultat der Pardessim-Pflanzungen, auch nicht des privatem Kapitals, das letztens ins Land strömt. Wißt ihr, wer diesen Wohlstand in Palästina begründet hat? Ihr jüdische Massen in allen Ländern der Diaspora, ihr Zionisten, die ihr verlacht wurdet, als ihr eure Groschen für den Keren Kajemeth und Keren Hajessod gegeben habt. Ihr habt die Grundlage für die Pardessim, für die Industrie und für das grandiose Werk eines werdenden Staates gelegt. Ohne eure Hilfe, ohne eure Groschen, ohne nationale Fonds wäre dieses grandiose Werk, diese Pardessim, diese! Städte, diese Industrie, nicht möglich. Jetzt kommen die mächtigen Herren, die verehrten Geldbeutel, und spielen' sich als die Retter des Volkes auf, sie wollen uns glauben machen, daß ihr Kapital all das geschaffen habe. Sie begehen damit nicht allein eine historische Sünde, sondern auch eine Sünde gegen den Zionismus. Der gegenwärtige Zeitpunkt im Zionismus ist Charakterisiert durch die Geringschätzung und Beleidigung der nationalen Fonds. Man fand jetzt die Gelegenheit, sich von ihnen loszusagen'. Es gab eine Zeit im Zionismus, da die soziale Differenzierung kaum sichtbar war, da der Zionismus eine Einhielt, eine geschlossene Front, bildete. Damals war es auch möglich, ein allgemeines Werk zu schaffen. Es gab wenig Interessenten für dieses Werk, und kein Mensch neidete dem anderen, daß der andere am Werk beteiligt ist, und nicht er selbst. Jene guten Tagen sind dahin. Heute ist der Zionismus ideologisch und sozial' differenziert. Man soll darüber -nicht klagen, politischer Kampf ist oft nützlich. Aber dem Kampf müssen bestimmte Grenzen gezogen werden;. Man muß wissen', wo das Interesse des einzelnen aufhört, und das der Allgemeinheit beginnt. Bei uns führt nicht die Differenzierung zu einem Konkurrenzkampf, der positive Resultate zeitigt, sondern zur Zersplitterung. Würde heute Professor Schapira die Gründung des Nationalfonds beantragen, zweifle ich sehr, ob er damit Erfolg hätte. Bei der Aktion für das Arlosoroff-Werk fragt man: Wer wird dort angesiedelt werden? Darauf kann ich1 nur das eine antworten:! Wir werden Elemente ansiedeln, die dem Zwecke dieses Werkes entsprechen werden. Nach diesem Prinzip haben wir das Ruth'en- »berg-Elektrizitätswerk geschaffen, dem nationale Bedeutung zukommt. Dies war auch das herrschende Prinzip bei den Arbeiten am Toten Meer und bei allen anderen Arbeiten von nationaler Bedeutung. Nur so war es uns möglich, nationale Werte zu schaffen in einer Epoche, wo nur sehr wenige Lust hätten, Piouierarrbeit auf dem felsigen: Palästinaboden zu leisten. Und nur so werden wir auch jetzt, da alles nach Palästina will, das Schaffen nationaler Werke fortsetzen können. Wir stehen' heute in einem schweren Kampf für eine vergrößerte Einwanderung, es wird uns täglich1 klarer, wie tragisch1 der Gegensatz zwischen den ökonomischen Möglichkeiten und der politischen Lage ist. Aber es gibt etwas, das noch1 gefährlicher als die Politik des High Gomissiomärs ist —- nämlich: der Mangel an nationalem Kapital, das die privaten Kapitalien regulieren könnte. Das private Kapital kann unter Umständen ein Segen für das Land sein, fehlt aber das National'ei Kapital, dann wird das private Kapital zu einem Fluch. Glaubt nicht, ich sage das, weil ich Sozialist bin und das private Kapital bekämpfe. Alle Sozialisten schätzen das Privatkapita!, wenn es für produktive Zwecke verwendet wird. Aber das Kapital, das dem arbeitenden Volk keinen Nutzen bringt, sondern Schäden, ist ein Fluch für das Land. Viel Kapital, das mach Palästina fließt, wird nicht auf die Bearbeitung des Bodens, der brach liegt, auch nicht auf Kolonisation oder Häuserbau verwendet, sondern es führt einen, wilden Konkurrenzkampf um den Boden. Es wird Spekulation mit dem Boden getrieben, der täglich teurer wird. Millionen fließen in fremde Taschen, der Mietzins wird in die Höhe getrieben. Für ein Dunam Boden in Tel Aviv zahlt man schon 800—1000 Pfund. Ein Großteil der Arbeiter kann sich den Luxus einer Wohnung nicht leisten. Dem Handwerker wird die Möglichkeit genommen die Kleinindustrie zu bauen, sogar die GrohV industrie kann sich infolge der Bodenspekulation nicht entfalten. Das Privatkapital in Palästina führt nicht zum Aufschwung der Wirtschaft, sondern zur Entwicklung des Maklerwesens. Infolge der hohen Mietzinse müssen auch die Löhne und die Waren steigen. Wir haben keine staatliche Kraft, die Spekulation zu unterbinden, hätten wir aber genug nationales Kapital, dann könnten' wir gegen die Spekulation einen Damm aufrichten und uns gegen sie schützen. Wenn wir diesen Zustand ändern wollen, müssen wir unsere schöpferische Kraft zeigen, und uns nicht mit fruchtlosen Debatten begnügen. Leider gibt es noch weite zionistische Kreise, die dieser Notwendigkeit kein Verständnis entgegenbringen. Sabotage-Resolutionen sind gegen die nationalen Fonds gefaßt worden. Es gibt aber keinen schlagenderen: Beweis des Niederganges als die Sabotage. Es gab eine Zeit im Zionismus, als die Arbeiterschaft von einer diktatorischen Exekutive, die sich das Ziel setzte, der Macht der Arbeiterschaft ein Ende zu bereiten, aufs heftigste bekämpft wurde. Wir standen damals in Opposition, wir kämpften für unsere Rechte, aber niemand wird behaupten können, wir hätten die Exekutive Laker sabotiert. Normale Völker erringen ihre Freiheit durch Kampf und Revolten. Unser Weg in die Freiheit ist viel schwerer. Wir opfern uns selbst, oder wir lösen uns durch Geld aus. Wir verlangen von: euch [Opfer f ür die nationalen Fonds! / Palästina hat im letzten Jahre drei große Aktionen durchgeführt, die 70.000 Pfund eintochteni. Die Aktion für den Mifal Arlosoroff brachte 18.000 Pfund ein. Das Arlosoroff-Werk muß den Anfang der Erweiterung unseres nationalen' Besitzlandes bilden, es soll einen neuen Einwandererstrom ins Land bringen!. Wenn der „Mifal" tatsächlich eine Vergrößerung des nationalen Kapitals herbeiführen wird, wenn alle Zionisten sich aktiv an der Aktion beteiligen werden, kann diese Aktion ein neues Kapitel' in der Geschichte! Palästinas eröffnen. Die Londoner Hilfskonferenz L o n d io in, 2. N o v e m b e r. Heu te wurde in eine r öffentlichen Sitzung die Londoner jüdische Welthilfskonferenz für die deutschen Juden geschlossen. Die Konferenz hat eine Exekutive von' Personen gewählt, es sind das Vertreter folgender Organisationen: Joint foreign cometee, das jüdisch-amerikanische Komitee, der jüdisch-amerikanische Kongreß, dfe jüdische Delegation in Paris und die AfHamide israelite universelle. In der Resolution, die von der Lonidioner Konferenz beschlossen wurde, werden alle Organisationen,' aufgefordert, bei allen Arbeiten für die deutschen Flüchtlinge, bei Sammlungen und Verteilungen gemeinsam vorzugehen. Die Exekutive wurde beauftragt, Pläne für die Verteilung der Fonds auszuarbeiten. Die Landesorganisatinoen wurden: nicht verpflichtet, die gesammelten Gelder an: die Exekutive zu senden, sie werden! sich aber bezüglich der Verteilung mit der Exekutive zu verständigen haben. Von den zu sammelnden zwei Millionen Pfund' soll 1 Million für die Ansiedlung der Flüchtlinge in Palästina ^gewidmet werden. Die Grundsätze der Verteil urig sind von der Exekutive festzustellen. Es wurde weiters die Gründung eines Verbintdungsoüros beschlossen, das den Konttakt zwischen; den einzelnen Ländern aufrecht erhalten soll. Es wurde an alle jüdischen Organisatianeii der Appell gerichtet, mit diesem Büro zusammenzuarbeiten1. Chaim Weizmann hat gefordert, daß ein Büro für den politischen Kampf um die Rechte der deutschen Juden; geschaffen werde, diese Forderung wurde aber abgelehnt. Die Konferenz hat dagegen protestiert, daß im den Verwaltungsrat des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge bloß drei Juden aufgenommen werden sollen. Die Konferenz fordert, daß die Zahl den jüdischen Vertreter vergrößert werden1 soll, und zwar soll 1 Vertreter aus Polen, 2 aus Amerika, 2 von' der Jewish Agency, 2 vom Joint foreign cometee und 2 von der Allianoe nominiert werden. Wie bekannt wird, haben sich Norman Bentwich1 und NahUm G old man n1 nach Genf per Flugzeug begeben, um die Forderungen, der Londoner Konferenz; dem Völkerbundssekretariat vorzulegen. Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes Dio bereits angekündigte Ausgestaltung dos Palästina- Amtes soll nunmehr in der Weise durchgeführt worden, daß sämtliche wirtschaftliche Agenden einer eigenen Abteilung, der Wirtschaftsstelb des Palästina-Amtes übertragen werden. Diese Wirisrhaftsstolie wird insbesondere Palä* stina-Interessenten in sämtlichen Fragen, betreffend, dio Wirtschaft Palästinas; berufen und diesbezügliche Aufragen beantworten, wobei nicht nur uAskfmfto allgemeiner Art, wie über Stand des Handels, (Jewwb;*s und der Industrio, Lebenshaltung, Kxport und Import usw. oileilt werden: sollen, sondern auch über wirtschaftlich;» Spezialgebiete. Die ncugeselunfein» Stelle wird dauernden Kontakt mit den einschlägigen wirtschaftlichen Institutionen Palästinas* (Handels- und Industrieiuimmcrn usw.) -anbehalten. Sehrifiütvo Anfragen sind richten an die WirtschaftsstoUc* des* Palästina-Amte:-', Wien, J„ Käruluerstraße 28. Sprechstunden werden vorläufig jaden Dienstag und Donnerstag voift 1.8.30 Uhr bis »9.30 (Kämtnerstiu'Je 28) ubgehaltra.

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