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Der Jüdische Arbeiter · 1933-09-29 · Heft 39 (29.9.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 39 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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29. September 1933 Der jüdisehe Arbeiter. Seite 3. Oer Arbeiter ungefähr 20.000 jüdische Arbeiter, das sind 41 Prozent der gesamten jüdischen Arbeiterschaft. Im Jahre 1926 befanden' sich in den Kolonien unten 4.782 Arbeitern und Arbeiterinnen (ohne Arbeiterfrauen) nur 700 fixangestellte Arbeiter, das ist nur 15 Prozent. Anfang 32 finden1 wir 6.800 fixe Arbeiter,, das sind 50 Prozent der jüdischen Arbeiter in den' fMoschawioth. Diese Tatsachen' beweisen, daß die 'jüdische Wirtschaft in: den letzten Jahren eine wertvolle und gesunde .Entwicklung durchgemacht hat: (Ansteigen dies Dorfes in der jüdischen Wirtschaft, (Wachstum des Prozentsatzes der jüdischen Landarbeiter im Vergleich zu den Stadtarbeiiern. In demselben' Maßfe entwickelte sich auch die Stabilität und die Beständigkeit der jüdischen (Koloniearbeiter, Untersuchen: wir jetzt eine andere Frage. Haben' wir im den nächsten Jahreni eine ernste Arbeitskrise im Dorfe zu erwarten? Bestehen dort vielleicht wirtschaftliche Tendenzen, die zu einer Unterbrechung der ständigen Forderung nach Arbeitskräften führen könnte? Untersuchen! wir nun deshalb, was sich1 in' denhauptsächlichen; wirtschaftlichen Zweigen 'des jüdischen! Dorfes abspielt. Vor allem einmal die Pflanzungszone: Die PflanKungszone ist heute ungefähr 125.000 IDunam. Dem Nachrichten zufolge, die sich in unseren. 'Händen befinden, wird im Jahre 34 die Pflanzungsf lache 175.000 Duiram umfassen. Die neue Pflanzung konzentriert sich1 hauptsächlich1 jetzt in der Gegend von Tel-Awiw und auf den' Bodenf lachten ringsum die bestehenden 'Kolonien. Bereits fruchttragende Pflanzungszonen hat es in der -Saison 1932-33 ungefähr 45.000—47.000 Du'nam gegeben. Im Jahre 1933-34 '"wird es ungefähr 60.000—62.000 D.unam fruchttragende Pflanzungen geben, die sieh1 von Jahr zti Jahr vermehren' werden:. Vor allem' beweisen diese Tatsachen1, daß in! der nächstem Zeit in: den Moschawoth' ein Zuschuß von! 5.000 Arbeitern notwendig sein wird, und im Zusammenhang mit dem Anwachsen: der 'fruchttragendem Fläche werden noch 2.500 bis 3.000 Arbeiter über die Zahl der im (nächstem Jahre! notwendigen1 Arbeiter für die Er-mte gebraucht werden. Aus •diesen! Tatsachemi lernen wir, daß', wemn auch aus Ürg'endwelcheni Gründen eine sehr schwere Beschränikunig der neujüdiischen .Pflanzung eintreten: sollte, •auch dawn1 nicht die geringste Sorge für Arbeitstosign ■keif in den1 Moschawoth besteht, sondern' daß; man1 auch danmi noch Tausende vom Arbeitern benötigen' wird, da das im engstem Zusammenhang mit der Arib'eitsart der Pflamzungjswirtschäft steht. Wie bereits) gesagt, vergrößert sich1 die Zahl der fruchttragenden1 Pflanzungen von Jahr zu Jahr. Ernite, Verpack'ung usw. erfordern! im Jahre eine große Anzahl vom neuen 'Arbeitern!.. Auf Qrimd verläßlicher Berechnungen: er-, gibt sich1, daß ja 5 Dunam "Frucht einen Arbeiten für Ernite und Verpackung erfordern. Daraus folgt, daß mit dem Reifwerdeni der jüdischem Pflanzung, die bis jetzt angelegt wurde oder die bis JWiitte 1934' gepflanzt wird, im Laufe der nächsten 5—6 Jahre ■:eim stndiges Anwachsen bis zu neuen 25.000 Ärbeiter.n für Ernte und Verpackung notwendig sein1 werden, ohne jene Arbeiter, 'die bis jetzt bei! dieser Arbeit beschäftigt waren: und diesen, welche Tür die neuem Pflanzungen erforderlich sein werd'eim. Aber es ist bekannt, daßi die Erntesaison nur 5 Monate andauert. Womit werden! nun diese Arbeiter im den anderen! Monaten des Jahres beschäftigt? Auch' darfeiu'f h'abem wir eine Antwort, wenn die Arbeiten im tlen Moschäwoth planmäßig durch'geführt werden.!Die Frage der Saisonarbeit wird überhaupt: eine' sehr brennende Frage, insbesondere im Zusammenhang mit der Vermehrung der Pflanzungszone und grundlegenden Aenderung im der Pfranzungss'äisöm. Vor einigen Jahren wurde nur, im Frühling, gepflanzt. Jetzt geht man dazu über, auch im Sommer zu pflanzen, d. 11 also in! 'den Monaten nach Ende der Ernte). Diese Tatsache' ermöglicht einem großem Teil der Erntearbeiter nachher zur Pflanzungsarbeit überzugehen. Zusammenfassend können wir feststellen, daß die Entwicklung der Pflanzungswirtschaft die Auftniahmsfähigkeit Palästinas außerordentlich vergrößert hat und auch in der Zukunft für die Einwandenings- '.möglichkeitem breiter jüdischer Massem von größter Bedeutung sein wird. Die Untersuchung gegen die revisionistischen Terroristen Bei der fortgesetzten öffentlichen Untersuchung gegen Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir wurde vom Polizeioffiziei' Shef ein Stück des Gatters in der Nähe des Tatortes vorgelegt, über welchen der Mörder Arl'osoroffs gesprungen ist. Es zeigte sich, daß die Verwundung Stävskys von diesem Gitter stammt. Der zweite Zeuge war der Student Mayer Schlang von der (Universität Jerusalem. Auch er machte über eine Rede Achi Meirs in Haifa, die dieser in einer Studentenversammlung 'gehalten hat, folgende Mitteilung. Achi Meir sagte unter anderem: „Ihr seid Sclrwätzer, aber keine Studenten. Unter euch ist niemand, der fähig wäre, zu morden, wie jen0 Studenten, die Ratenau ermordet haben. Ich spräche nicht davon, ob jener Mord gerechtfertigt war oder nicht. Aber ihr seid nicht von dem Geist jener heldische«. Mörder erfüllt. Abschied Zwei Genossen, deren Wirken mit, der zionistischsozialistischen Arbeit unserer Stadt aufs engste verbunden sind, verlassen uns in der nächsten Zeit, um nach Palästina zu übersiedeln: Genosse Sau! W e i n r e b und Genosse Dr. Izchak Teitelbaum. Genosse Saul Weinreb ist einer der Begründer des Weltverbandes Hitachduth, dessen Leitung gr seit Prag angehört hat: Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß sich d e r AI e i s t e r i n der Bcscliriinkung zeige, hat sich Genosse Weinreb auf ein Arbeitsgebiet besonders konzentriert: er hat sich vor allein der Arbeit für den Nationalfonds gewidmet, dessen Erfolge auf Wiener Boden nicht zuletzt seiner hingebungsvollen Tätigkeit zu verdanken sind. Innerhalb der Hitachduth war Genosse Weinreb einer der energischesten Vorkämpfer für die Vereinigung der beiden zionistisch-sozialistischen Arbeiterparteien. So ist es denn kein Wunder, daß die vereinigte Partei Genossen Weinreb als ihren Vertreter in die Kultusgemeinde entsandt hat, und er hat dort wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet! Wir werden die Arbeitskraft dös Gen. Weinreb — aber auch seine Person — sehr vermissen i Avir wünschen; ihm und seiner Familie viel Glück beim Neuaufbau ihres Lebens in Palästina. Genosse Dr. Izchak T e i t e 1 b a u m war stets das Gewissen unserer Wiener Organisation: den feurigen Jugendgeist des „Haschomer'' auch ins Mannesalter bewahrend, hat er stets die größte Entfaltung unserer Arbeit gefordert. Er hatte das Recht dazu, denn mit seltener Hingabe war er immer bereit, schwere und undankbare? Arbeiten auf sich zu nehmen. Auch er hatte ein zionistisches! (Spezialgebiet: die 'Arbeit innerhalb der Liga für das arbeitende Palästina, für den Palästina-Arbeiterfonds. Eine der wichtigsten Aktionen der Liga, die Sammlung für die Anschaffung der ärztlichen Instrumente für die Kupat Cholim war zum größten Teil sein Werk. Aber auch' für die Partei war er rastlos^ tätig, keine Kleinarbeit scheute er, in dem Bewußtsein, daß. die Bewährung im Kleinsten Ausdruck wertvollen Menschentums ist. Seinem rastlosen Schaffen innerhalb unserer Organisation maß umso größere Bewunderung gezollt werden, als dieses in die Zeit seines sclnvierigen, aber mit seltenem Erffolg zurückgelegten Medizinstudiums fällt. Wir wünschen Genossen Tita viel, unendlich viel Erfolg und Glück, in Palästina! Resolutionen der Weltkonferenz des jüdisch - sozialistischen Weltjugendverbandes Die Weltkonferenz der , zionistisch sozialistischen Jugend, die während des Kongresses in Prag tagte, hat u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Partei. Die Konferenz bestätigt den Anschluß an den zionistischsozialiatischen Weltverband- Poale-Zion-Hitachduth, unter der Bedingung, daß dem Jugendverband Autonomie im seiner Jugendarbeit gewährt wird. Die Verbindung zwischen der Partei und den Jugendorganisationen soll ihren Ausdruck finden in 1. den- Beteiligung aller Jugendgenossen an der Parteiarbeit, 2. der Hilfe, die die Partei und ihre Institutionen den Jugendorganisationen gewähren soll, 3. der Vertretung der Jugend in den Institutionen der Arbeiterschaft. ' 4. Die Genossen der Jugendorganisation müssen mit dem 21. Lebensjahr in die Partei eintreten. Der Sieg des Arbeiterzionismus, die Vergrößerung der Massen, die sich um die Fahne, des. arbeitenden Palästina scharen, die Verantwortung, die unsere Bewegung in diesem Augenblick zu tragen hat, legt uns die Pflicht auf, eine große zionistisch-sozialistische politische Partei aufzubauen, die eim führende Rolle innerhalb des Gesamtzionismus haben soll. Die besten Kräfte der Bewegung müssen der Arbeit zugezogen werden. Die Koniferenz verpflichtet alle Genossen an der Parteiarbeit teilzunehmen. Unsere Genossen müssen sich vor allem an der Werbeaktion für die Partei beteiligen. Besonderes Gewicht muß auf die Arbeit unter den unparteiischen Chawerim des Chaluz gelegt werden. Hechaluz. Der Chaluz ist zu einer Massenbewegung geworden, die alle Schichten d.er Jugend umfaßt. Der Hechaluz umfaßt Menschen, die in keiner Jugendorganisation erzogen wurden. Die Gefahren der schnellen Vergrößerung der Chaluz« Organisation, des Eintrittes nicht vorbereiteter Menschen, stellen die Bewegung vor die Notwendigkeit, eine weitverzweigte Erziehungsarbeit zu leisten. Die Arbeit haben vor allem dL Bogrem der Jugendorganisation zu leisten. Angesichts der Notwendigkeit, 1. unter den Chaluzgenossen eine intensive Erziehungsarbeit zu leisten, um der Chaluzbewegung den richtigen Charakter zu verleihen, 2. die Hachscharah weirgehendst auszubauen, erklärt die Konlerenz: 1. Die Genossen der Jugendorganisation müssen den Kern des Hechaluz bilden. 2. Die besonderen Rechte der autonomen Jugendorganisationen schaden der Arbeit de€ Hechaluz, sondern in der Chaluzgruppe und, auf der Hachscharah die Genossen aus den Jugendorganisationen von den Massen ab, die jetzt in den Chaluz strömen, und verhindern die Entwicklung der Bewegung im Sinne der Einheit der Arbeiterbewegung. Die Konferenz beschließt, daß unsere Genossen im Chaluz die Frage der Aufhebung der Autonomie der Iiigendbiinde aufgeworfen haben. Palästina. Die Konferenz begrüßt die intensive Arbeit der Arbeiterjugend Palästinas und hofft, daß diese in wachsendem iMaßc ihre Arbeit der Gewinnung der Olim widmen wird. Die Koniferenz stellt fest, daß die Tatsache, daß eine nicht kleine Zahl von Genossen, die nach Palästina kommen, sich weder der Partei noch der Arbeiterjugend anschließen, die ungenügende Erziehung derselben beweist. Die Konferenz fordert die Galutorganisationen auf. ihre Mitglieder im Geiste des Kibusch Avodah, der Hochwertung der landwirtschaftlichen Arbeit und der politischen und ge« werkschaf fliehen Aktivität zu erziehen. Die Konferenz fordert die Olim auf, ihre Verbindung mit den Galuthländern aufrecht zu erhalten. Dieser Kontakt ist eines der wichtigsten Erziehungsmittel für Palästina. , , i i .' 1; \4\ Die Konferenz begrüßt die Eingliederung unserer Genossen in den Kibuz meuchad. Der Kibuz meuchad bleibt auch weiter der wichtigste Weg unserer Genossen in Palästina. Unsere Parteiberatung Unsere diesjährige Parteiberatung, die am 23. und 24. September in den Räumen, des jüdischen Volksheims stattfand, darf in jeder Hinsicht als ein würdiger und vielversprechender Auftakt unseres neuen Arbeitsjahres bezeichnet werden. Selten hat eine Generalversammlung bei der gesamten Mitgliedschaft eine solche Teilnahme geweckt: sowohl am Samstag abends wie auch am Sonntag (trotz des schönen Wanderwetters und der großen Sportveranstaltungen in Wien) war der Verhandllungsaal überfüllt und in wirklich seltener Disziplin verharrten die Anwesenden, neu viele Stunden währenden Verhandlungen mit größter Aufmerksamkeit folgend. Es ist nicht nur der Geist der heutigen Zeit, die dem zionistischen Sozialismus eine so große Lebensnahe gegeben hat, der bewirkt hat, daß unsere Parteiberatung einen so erfolgreichen Verlauf genommen hat. Die Referate, die erstattet wurden, haben ein außerordentlich hohes Niveau erreicht: mit strenger Sachlichkeilt die Probleme unserer Bewegung und unserer Arbeit analysierend., waren sie alle von dem tragischen Ernst der gegenwärtigen Lage des österreichischen Sozialismus und des jüdischen Lebens erfüllt. Man darf wohl -sagen, daß auch die Debattenredner stets bemüht waren, das Niveau der Referate zu halten, und es muß den vielen Genossen, die das Wort ergriffen, das Zeugnis ausgestellt werden, daß ihnen dies auch vollständig gelang. Auch der aufmerksamste Teilnehmer konnte in den Ausführungen der Diskussionsredner nicht auch, nur eine Phrase feststellen, alle gingen von der Wirklichkeit aus, die zu bewältigen unsere Aufgabe ist. Im Einzelnen: Dr. Bernay erstattete den Tätigkeitsbericht und war in der glücklichen Lage, einen Rückblick autf ein außerordentlich erfolgreich verlaufenes Arbeitsjahr geben zu können. Dr. Rudolf Glanz hat weit über seine Aufgabe, einen Bericht der Kultusgerneindemandatare zu geben, ein plastisches Bild des Kampfes unserer Genossen,- die zicinistisch-soziaüstischen Forderuingen im Gemeindeleben durchzusetzen, gezeichnet. In der Debatte sprachen die Genossen Juinibo, Dr. Pilzer, Münzer und Singer. Am Sonntag ersattete Gen. Dr. Sokal das Referat über die Lage der Juden in Oesterreich: in meisterhafter Weise verstand er es, die Gefahren, die uns drohen, durch die Analyse der gesamtdeutschen Verhältnisse aufzudecken und vor allem die Schicksalsgemeinschaft zwischen' dem jüdischen Volk und der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aufzuzeigen. Die Bedeutung des Referates des Genossen Singer über den Zionistenkongreß liegt dar im, daß er zum ersten Male die Folgerungen aus den Kongreßbeschlüssen für unsere praktische Arbeit zog: es war ein umfassendes Arbeitsprogramm, das Gen. Singer entwarf, und wir wollen hoffen, daß es der neugewühltcn Leitung und dem Orgaganisationsrat gelingen wird, die gestellten Aufgaben, auch zu realisieren. Anschließend fand eine sehr ausführliche Diskussion statt, an der sich, die Gen. Steiner, Meilen, Schnittlich, Aron Singer, Mayer, Menczer, Rottenstreich, Ockin, Schönberg und Dr. Glanz beteiligten. Nach Abschluß der vielstünidigen Debatte fand die Abstimmung über die vom Referenten Gen. Singer vorgeschlagenen Resolutionen und die Wahlvorschläge der Pennanicnzkommission statt. Im folgenden die Ergebnisse der Parteiberatung. lieber unsere Aufgaben Die G.-V. nimmt den vom Referenten; vorgeschlagenen Arbeitsplan zustimmend zur Kenntnis. Insbesondere unterstreichen wir die: Wichtigkeit der Herstellung eines1 engeren Kontaktes zwischen unseren Genossen und Freunden mit Palästina. Das1 soll erreicht werdend (urch die Einrichtung eines ständigen Wirtschaftsdienstes in Wort and Schrift, durch die Schaffung eines „Häowed'c für die Organisierung der Alijah unter dem arbeitenden Mittelstand und der Organisierung von Gesellschaftsreisen nach Palästina» Die G.-V. mächt alle Genossen und Freunde auf die: große Bedeutung des Chaluz im gegenwärtige}!! Zeitpunkte

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