Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1933)
- Date
- 1933-09-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. per jüdische Arbeiter. 29 September 1933 Aufmerksam und verlangt eine weitere: Intensivierung unserer Tätigkeit auf diesem Gebiete. Auch die Liga für das arbeitende Palästina wird im Interesse der jüdischen Arbeiter Palästinas wichtige Aufgaben zu erfüllen haben. Es ist unsere selbstverständliche Pflicht, sie hiebei kräftig zu unterstützen. Im gegenwärtigen Zeitpunkte betrachten wir die ßntfaltung einer großen Werbetätigkeit für unsere Organisation und unsere Presse als imbedingte Notwendigkeit. Wir rufen lalle Genossen auf, uns bei Durchführung dieser Werbeaktion zu unertstützen. Die Erziehungs- und Bilclun^sarbeit im jüdischen Wien ist sehr mangelhaft. Das von uns1 geschaffene „Jüdische Volksheim" will diesem Mangel abhelfen. Es ist daher Pflicht aller Genossen und Freunde, das Kuratorium des1 „Jüd. Volksheimes" in seiner Tätigkeit zu unterstützen. Wir erwarten von der künftigen Leitung, daß sie der Pflege des Sportes größere' Aufmerksamkeit widme. Den Kampf für die Schaffung eines Territorial ver- •bandes sollen wir fortsetzen. Die Erfassung der Sehokelizahler kann eines der Mittel zur Erkämpfung eines Terri- Jtorialverbandes werden. lieber den XVIII. Zionistenkongreß Nach Anhörung des Berichtes über den XVIII. Zionistenkongreß beschließt die Generalversammlung: < l Zur Frage der Juden in Deutschland In der Behandlung des Problems' der Juden; in Hitler- Deutschland, ließ der XVIII. Zionistenkongreß jene eindeutige Stellungnahme vermissen, die1 angesichts: der unaufhörlichen Verfolgung unserer Brüder, des Verniclitimgskampfes gegen die sozialistische Arbeiterschaft und der Unterdrückung jeder Regung eines freien Gedankens erforderlich wäre. Dieser Umstand gibt den Feinden des Zionismus und der Zionistischen Organisation die Möglichkeit unwahre Behauptungen und Verdächtigungen übgr )die Zionistische Weltorganisation und ihre Führung zu verlbreiten. Wir erachten es deshalb als dringende Pflicht der Zionistischen Exekutive den Gerüchten und Verleumdungen entgegenzutreten und zu bekunden, daß die zionistische Bewegimg den Kampf gegen das bestialische: Hitler-Regime gemeinsam mit den jüdischen Massen' aller Länder und imifc den. progressiven Kräften aller Völker zw fühlen; entschlossen ist. ■'' i II. Arlosoroff-Aktion "Die Poale-Zion-Hitachduth Oesterreichs erklärt, daß sie: sich hinter die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation stellte. Wir sind entschlossen von ihr proklamierte Aktionenimit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften durchzuffuhren. Insbesondere wollen wir den' Mifal Arlosoroff, der hauptsächlich der Ansiedlüng der Juden aus Deutschland Idienen soll, zu einer großen' Volksaktion gestalten. In Üer Erkenntnis, daß nur durch eine neue große' kolonisatorische Tat in Palästina der Zionismus! die Notlage der Juden mildern und die Zionistische Weltorganisation den Weg zu den jüdischen Volksmäss'en finden kann. Solidarität mit den Opfern in Hitler-Deutschland Wir entbieten den von' den Hitler-Bändeln gemarterten jüdischen Brüdern und den proletarischen deutschen Massen den Gruß treuester Solidarität. Wir leiden mit ihnen' und sind entschlossen gemeinsam mit ihnen gegen Reaktion [und Bestialität zu kämpfen. Jüdisches Arbeitsamt Die Generalversammlung drückt ihr Bedauern darüber aus, daß das von der Kultusgemeinde geplante: Arbeitsamt noch immer nicht eröffnet wurde. Die jüdische Jugend, die daran verzweifelt, Arbeits- und Lehrstellen ausfindig zu machen, erwartet von unseren Mandataren in der Kultusgemeinde, daß sie alles aufbieten werden, danirteli las Arbeitsamt, in dem die Berufsberatung und die Beschaffung von Lehrstellen einen, wichtigen Platz 'einnehmen soll, so bald als möglich1 ins: Loben' gerufen wird. Stadt-Kibuz Die Generalversammlung begrüßt es, daß, seitens der Chaluzim der Parteijugend, die Initiative zur Schaffung von städtischen Hachscharahkibbuzim ergriffen wurde. Sie terwärtet von allen Genossincn und Genossien, daß sie diese Kibbuzim tatkräftigst unterstützen und zwar durch Beschaffung von Arbeitsstellen und die Beistellung von iWolmungseinrichtungen hilfstätig sein werden. Die Weltkonferenz der Gordonia Am 24. September wurde in Lodz in der Philharmonie die 2. Weltkonferenz der Gordonia' eröffnet. Die Tagesordnung der Konferenz heutet: 1. Jelioschua Schapiro: Die Lage der Weltbewegung. 2. M. Horwitsclr: Die Lage der Gordonia in Palästina. 3. Lubja'nker: Gordonia (in der Arbeiterbewegung im Gallith. 4. M. Mandel: Unser!-Weg in der Kibüzbewegung. 5. J. Spira: Unsere Stellung im Chäluz. 6. Die Erziehungsideen in unserer Bewegung. i7. Unsere Arbeit für den Nationalfonds. Die Yolkerbundsession und die deutschen Juden In Völkerbundkreisen wird lebhaft die Frage diskutiert, ob die am 25. September eröffnete* Völkerbundversammlung die Frage der deutschen Juden behandeln wird. Die deutsche Regierung wurde anläßlich der Bernheim- Debatte beauftragt dem Berichterstatter einen Bericht über die Wiederherstellung der Rechte der Juden in Oberschlesien zukommen zu lassen. Wie verlautet, hat die deutsche Regierung diesen Auftrag nicht Erfüllt. Man nimmt an. daß die deutsche Judenfrage den Gegenständ der Verhandlungen der politischen Kommission der Völkerbiuidversammlunn bilden wird. Man wird feststellen, daß den Juden auf dem gesamten deutschen Staatsgebiet Bürger und Menschenrechte gebühren. Der Völkerbundrat wird schließlich' auch auf Grund des Berichtes der Mandatskommission die Frage des Pallästinamandatcs behandeln. "Man nimmt an. daß der Palästinaaufbau im Zusammenhang mit den deutschen Seschelmissen diskutiert werden wird. Allen Freunden, 'die mir anläßlich' des Neujahres GlückVünsch'e über- 'mittelt haben', erwidere ich dieselben auf das herzlichste. Me'n'del Sing!er. Die Lage der jüdischen Flüchtlinge Was die Einordnung der Einwanderer betrifft, so beschäftigen steh damit alle zentralen Instanzen des Jischuw, besonders auch die Hiitachduth olej German>i>a. Im Durchschnitt werden aHein von der Hitachduth Olej Germania monatlich m Tel-Aviv 4500, in Haifa 200, in Jerusalem ca. 150 neue Einwanderer in der Arbeiitsregi&trierung abgefertigt. Ohne weiteres können geschulte oder ungeschulte Kräfte in der Landwirtschaft untergebracht werden, ferner findei Facharbeiter und. Handwerker der verschiedensten Art leicht Stellungen, ebenso sind Stellen im Haushalt für Mädchen zu beschaffen; Schwierigkeiten macht die Unterbringung kaufmännischer Angestellter, besonders wenn sie nur die deutsche Sprache beherrschen, während für Personen, die hebräisch, englisch, französisch oder wenigstens zwei dieser Sprachen beherrschen, die Stellungssuche weniger aussichtslos ist. Ein besonderes Problem bilden die Akademiker. Diejenigen, die — wie Architekten und Ingenieure — mit dem Baufach zu tun haben, können zumindest as qualifizierte Arbeiter, häufig auch in ihrem Beruf untergebracht werden. Dagegen sind für Aerzte und Anwälte die Schwierigkeiten sehr groß. Der ärztliche Beruf ist überfüllt, auch in den Kolonien gibt es heute vielfach schon Fachärzte. Die Vorbereitung zum palästinensischen Anwaltsexamen .erfordert besonders bei mangelnden Sprachkenntnissen (hebräisch und englisch) geraume Zeit, und die Aussuchten, nach bestandenem Examen Praxis zu bekommen, sind gering. Es besteht in Palästina, einzentrales Komitee, welches Gelder für die Einwanderer sammelt; Vorsitzende des Komitees ist Miß Henriette Szolid. Es wurden bisher in Palästina etwa 10.000 Pfund gesammelt, doch rechnet man, daß noch weitere 10.000 Pfund in der nächsten Zeit gesammelt werden können (Mitteilungen folgen). Es ist hier nicht der Ort, die zahlreichen und schwierigen Probleme der Einordnung größerer Massen deutsch-jüdischer Immigranten in Palästina zu erörtern; entscheidend sind für die Möglichkeiten, die an sich bestehen, die Aufbringung sehr großer Geldbeträge. Aegypten. In Aegypten sind 50 deutsch-jüdische Flüchtlinge eingetroffen, von denen die Hälfte unterstützungsbedürftig ist. Hier sind selbst die Aufenthaltsmöglichkeiten außerordentlich beschränkt, denn die Behörden geben sie nur Industriellen mit Kapital. Das Komitee in Alexandrien, hat beschlossen, aus seinen Geldern eine Kolonie in Palästina für deutsche luden zu gründen- C. Uebersee. 1. Nordamerika. Nach Nordamerika besteht bisher faktisch noch die absolute Ein\vanderungss,perre. Gegenwärtig bemüht sich der Joint Council (bestehend aus Vertretern des American Jewish Congreß, dem American Jewish Comittee und der Bnai Brith) bei der Washingtoner Regierung durchzusetzen, daß auf Grund der noch nicht ausgenutzten Einwanderungsquote aus Deutschland ca. 25.000 jüdischen Flüchtlingen, insbesondere solchen der intellektuellen Berufe, die Einwanderungserlaubnis erteilt wird. Es bestehen Anzeichen dafür, daß bis zum Herbst ein gewisser Erfolg in die Sicht erzielt werden wird. 2. Argentinien. Die Zahl der Flüchtlinge beträgt ungefähr 100, die meisten von ihnen sind Verwandte von in Argentinien ansässigen Familien. Die Einwanderung nach Argentinien ist praktisch gesperrt. Nur im Lande ansässige Familien können für Familienmitglieder Einwanderungserlaubnis erhalten, wenn sie die Bürgschaft für ihren Unterhalt für zwei Jahre übernehmen. Sonst können nur Deutsche einwandern, die vorher bereits einen beglaubigten Arbeitsvertrag mit einer argentinischen Firma vorweisen können. Der Versuch, deutsch-jüdische Flüchtlinge in der Landwirtschaft unterzubringen, ist bisher am Widerstand seitens der Behörden gescheitert. Doch hoffen die verschiedenen Organisationen der argentinischen Juden, noch gewisse Möglichkeitenin dieser Hinsicht ausfindig zu macheu. Misrachistische Wahrheiten Aus feisenstadt wird uns geschrieben: Unter der Ueberschrift „Endgültige Abrechnung mit den Poale-Zionisten im Burgenland'' bringt die von einem: Malkiel Grünwald herausgegebene Zeitung „Misrachi" 'folgende verlogene Nachricht: „Sonntag, den 17. September d. J., fand in Eisenstadt das jüdisch-nationale Massenmeeting statt, zu welchem sich mit auswärtiger Hilfe die Poale-Zionisten rüsteten, um unter „getarnter" Flagge sich der einzelnen Ortsgruppen1 zu bemächtigen. Anlaß hiezu bot der „Jom-Brith" des Haschomer-Hadati in Eisenstadt, zu welchem auch die Gruppen aus Mattersbnrg und Deutschkreuz sich eingefunden hatten. Der Feier wohnten auch bei die Herren Sandor Wolf, Direktor 13uxbaum und Kultuspräsident Schneider u. v. a, Nachdem der Vorsitzende Jenö Goldstein die ääste: begrüßt hatte, entwickelte Juda Kittaigorodsky aus Wien den Werdegang des Haschomer-Hadati im Burgenland und seine Bemühungen zum Aufbau thoratreuer Jugendgruppen: auf nationaler Basis. Der Wortführer der anwesenden Poale-Zionisten, der Sohn des Agudaführers Hirschler, meldete sich zum Wort, um für die P. Z. Propaganda zu machen. Trotzdem die Anwesenden und speziell die erwähnten Notabilitäten ihm das Wort verweigern wollten, wurde er auf Verlangen Kittaigorodskys doch angehört, von dem er dann auch endlich' die gebührende Abfuhr, erhalten hat, so daß er mitseinem „linken" Anhang fluchtartig das Fest verlassen mußte. Einstimmig "kam der Wunsch zum Ausdrucke, daß im Burgenlande keine Ausbreitung der klassenkämpferisclien Partei geduldet werden: darf, weil der Einstellung der dortigen Bevölkerung nur der Ideologie des „Misrachi" entspricht, usw." Und nun die wahre Begebenheit. Seit einigen Monaten gibt es in Eisenstadt eine kleine poale-zionistische' Gruppe. 'Sie hat bis heute noch nirgends Propaganda für ihre Idee gemacht ,da jeder proletarisch und zionistisch bewußte Chaluz von selbst in sein Milieu findet; auf andere können wir leichten Herzens verzichten. Die Arbeit der Eisenstädter Chaluzgrnppe besteht hauptsächlich in Selbsterziehung und in K. K. L.-Werbearboit. Diese Gruppe hat sich aus eigener Initiative zusammengefunden. Bei dem „Massenmeeting" des Haschomer-Hadati waren außer unseren Genossen kaum 20 (zwanzig) Erwachsene. Als der Redner des Misrachi die palästinensische; Arbeiterschaft auf unschöne Weise angriff, forderten unsere Chawerim eine Diskussion. Das Präsidium lehnte es anfangs ab, da aber sämtliche Anwesende — mifc einer Ausnahme — heftig eine Aussprache verlangten, mußte es auch das Präsidium zulassen. Einer unserer Chawerim, der sich um den. Zionismus, K. K. L. und die hebr. Sprache sicher mehr verdient gemacht hat, als so mancher misr. Sekretär, verteidigte in objektiver Weise die angegriffene Arbeiterschaft und wies auf deren große1 Verdienste um den Aufbau hin. In seiner Schlußrede ging der misr. Redner auf keine von unserem Chawer aufgeworfenen Fragen und Beschuldigungen ein. Er sprach' die gewohnten Misrachiphrasen und -lügen, so z. B., daß in Dagania „Chaserim" gezüchtet werden. Auf die Anwesenden, die trotz ihrer Unwissenheit in ziou. Dingen diese Demagogie! merkten, machte diese Schlußrede selbstverständlich nicht den mindesten Eindruck. Einige S—12jährige Kinder zollten diesen Ausführungen großen Beifall. Unsere Chawerim verließen als letzte den Saal. Für die Richtigkeit dieses objektiven Berichte's können' wir misrachistische Zeugen zur Verfügung stellen. Ein „Abesid jüdischer Musik KoiTzertsänger J. S e g a 1 - R o s e n b' a c h (Ten or) singt Samstag, den 7. Oktober d. J., umrS Uhr abends, im Konzertsaale „,Post",' I., Fleischm'arkt 24 — „Misimrat—Haarez" — (Aus den Gesängen 'unseres Landes Erez-Israel") und populäre lostjüdische Lieder und Volkslieder (hebräisch und jiddisch).'Mitwirkend: Prof. Josef Zimbler (Violinvirtuose), Jüd. Volksmelo'dien' ch'assidisch-.jüdische Hoc'h'zeitstän'ze usw. (Violine). Am Flügel: Kapellmeister Rudolf Beck. Karten' vor S. —.80 bis S. 3.— bei Keren' Kajemeth1, I., Kärntnerstraße 28. — Bücherstube M. Rath, II., Taborstr. 20 a. zionistisch=sozialistischer Studenten vermittelt Lehrer für alle Lehrfächer der Mittelschule. Anfragen sind an die Administration unseres Blattes zu richten. Lebensversich eninsrs-Gesesbchaft Nachricht Filme der gleichgeschalteten national-sozialistischen „Ufa" werden im Ufa-Tonkino. II.. Taborstraße 8. und im Buschkino aufgeführt. Aus dem Jahresbericht IS32: Versicherung^ «stand Prämien- und Zinsen- Einnahmen Gararitiemittel Auszahlungen an die Versicherten S 2.728,000.000'- , 179,000 000-— , 527,000.000-— „ 60,000.000- Tätigkeltsgeö'ei; Oesterreich, Ueuifc»«* Keich, T^chechoslovakisclu Republik, "«n/len, Holland, Frankreich, Spanier.. Italien, Fürstentum Liechtenstein, linyarn Polen, ]uisl;«vien, ßuleanen, Orleche'ijand, Rumänien, Pald»tna, Syrien, illrkei, Tunis uiu Aegypten. Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworH. Redakteur: Jonas Jtcngermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Metdemanastr. 19. — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52 b.