Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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,1, September 1933 per,j,fidjsche Arbei ter. Seite 3. Arlosoroffmord in Geheimsitzung revisionistischer Terrororganisation beschlossen! Die Fraktion des arbeitenden Erez-Isxael erhielt folgendes ,Telegramm: Tel-Aviv, 25. VIII. 1933. .; Im Gericht&saal wurden die Schriften AcM Meirs zur Gäoze vorgelesen. Diei handschriftlichen Aufzeichnungen.' l>einhalten folgenden Absatz.: JVIoazah der Zionisten-Rerisioniaten in Pctach-Tikwah, Donnecrstag. .Fraktion A für: den Mord. Weinschal sehlägt Verschiebung bis nach diem Kongreß vor. Da sein Vorschlag in&dht fingenornmen wurde, verlieiß er die Moazah. Am Schfeibbatih-Atisgang fand im Hauise Achi Meirs eine getßiell^naftliche Zusammenkunft anläßlich des großeox Sieges statt. Ein anderer Zettel mit Achi Medrs1 Handschrift hat folgernden Wortlaut: Tretend' 'der Engländer, zehrt vom heirrfstohaftlichen Bi*ot, gefeHen von anonymer Hand. Am Kopf de» Zettels sind folgende; Worte geschrieben inndi durchgestrichen: In Blut und Feuer wird Juda ersltehiein'. ( Auseinem Brief vom 2. Juli 1933 von Achi Meir am Awnieli in Jerusalem: „Vom .Tage der Arreistieruing Stawakys an 3ind alle Eure Taten; unter aller Kritik. Ich werde mioh sehr freuen, wenn 'der Inhalt dieses meines Briefes dem Merkas zur Beratung 'vorgebracht werden wird. Man kann diei Hosen ajüfe Angst naß maichen, das gibt aber noch nicht die Berechtigtolg, 'sich wie ein Schiuft ziu betaehinen. Schäme fbfäcfh. jVVfle ich gehört liabe, habt Dir der Polizei ein Statement ftberreic&t, daß Stawsky e|in Provokateur sei. Diese »Information stammt vom Provocatieur der Komintern StfcfrmatelkJ)'/' fan@J vota Provokateur der palästinensischen Polizei C;h. Eljahu." In einem Brief an die Lelute vom „Ohaasit Haam" fiSord'etrte Uri Zwi Grimberg sie auf, die Sache Arlosoroff- Abbas Hilmi aufzubauschen, Arl'osoroff als Zielscheibe allen Pfeile hanzui&tellen, die Zeitung im Publikum durch Wahrhieit 'und auch durch heilige Lüge beliebt zu machen, nicht auf Edtoms „Risches" zu reagieren! in einer Zeit, in der innere Angelegeinheiten zu ordnen sind, die Ruhe zu stören ßio wie sie die alten „Birjonim" geistört haben, die Führer ßier Arbepiteafetehaft „Sanbalatim" und „Tasbhendiebe" zu betiteln. Grünberg spricht über eine Sekte, die wichtige A/ufgaben izu erfüllen hat. \ IWlefiters iwurde das Tagebuch von Achi Meir vorgelesen, ,in welchem er unter anderem erzählt, daß ei iGeUd aus einer Nationalfonfosbuohse entnommen und sich Idafür Schuh© gekauft habe. Es wurde ferner die Zeugenäuisisage eines des Diebstahls ibeischuldigten Gefangene^, der mit Rosenblatt die 'Zelle teilte, angehört. Er siagte aUsi," daß Rosenblatt, der in ihm einen Bundelsibruder zu seihen] glaubte, gestanden hat, 'daß er auf Arlosioroff geschos'seinj habe, daß "er die Tat aus. politischen» Grüniden begangen haibei und daß Minz am Morde nns'chuldüg s'ei. Auf Grund dieser. Zeugenaussage wirrde Mainz au© dem Gefängnis entlassen. Die 'Enegung in Palästina ist groß. Ehrengericht verurteilt. Jabotinsky; Montag, den 28. August kam vor dem Kongreßgericht die Klage der Histadruth Haowdim gege|n den Rasswjet Btor -Verhandlung, die auf Grund 'eines im „Rasswjet" erschienenen 'Artikels eirhoben worden war, in welchem sich der Satz befand: „Es sind Fälle vorgekommein', in denen ÖS© Vertreter der füstadilurh bei der Regierung Revisionisten (denunzierten, daß sie sich ungesetzlich im Lande aufhielten.;„Das Kongiießgericht beistand' aus Dr. Gronemann, (Da-. Eckstein und Dr. Wahiihaftiig. Als Kongreßanwalt erschien Dr. Barth. — Die Histadruth vertrat D. Ben Gurion, den Rasswjet, bezw. den Verfasser des Artikels, Berchin,; Vladimir Jabotirusky. Die Verhandlungen, die bis in die späten Nachtstunden andauerte», endeten mit einer ^Verurteilung iJafootinskys. Das Kongreßgericht sprach dem verantwortlichen Redakteur des „Rasswjet" seine Mißbilligung aus1. Jabotinsky hatte sich darauf beschränkt, den Beweis ziu versuchen, daß die Üebersetaung dies inkriminierten Paslsus „Vertreter der Histadruth" und nicht ,,die Vertreter" heißen müsse und' anderseits aus der Tatsache, daß ein Artikel in einer Kielcer Zeitung mit einer ähnlichen Behauptung von seiten der Histadruth nicht geklagt worden ist; die Berechtigung des „Rasswjet" abgelötet, idiie aUii%estellte Behauptung als erwiesen zu betrachten. .Wie a.u& dem Urteil hervorgeht, hat sich das Gericht dieser Auffassung nicht angeschlossen: Theodor Lessing Die Bestien der deutschen) Reaktion haben es scheinbar auf alle jene großen sozialistischen Denker abgesehen, die sich zum Zionismus durchgerungen haben. Nach Gustav Landauer und Fechenbach haben sie nun Theodor Lessing gefällt. Ihn, den pessimistischen Geschichtsphilosophen, der in seinem Jugendwerke den Verlauf der Menschheitsgeschichte als sinnlos kennzeichnete, schließlich aber doch durch seinen, geistigen Anschluß an unsere Bewegung jenen unfruchtbaren Standpunkt überwunden hat, hat die braune Feme beseitigt. Wir, die wir ihn. stolz alis Genossen bezeichnen dürfen, der in Wien in unserem Kreise Zeugnis seiner tiefen Geistigkeit gab, werden ihn nie vergessen! Prag, 1. September. Der Zionistenkongreß begann gestern seine Sitzung mit einer Trauerkundgebung für Prof. Theodor Lessing. Präsident Motzkini erklärte, die Ermordung Lessings beleuchte die tragische Situation des jüdischen Volkes und jener Männer im Judentum, die für hohe Ideale eintreten. Der Kongreß ehrte das Andienken Lessings durch Erheben von den Sitzen. Genosse Singer — Mitglied der Permanenzkommission Die Arbeiterfraktion hat u. a. auch Genossen Singer in die Permanenzkommission entsendet. Die Permanenzkommission leistet die zentrale Arbeit des Kongresses und bereitet die wichtigsten Entscheidungen vor. Gegen einen jüdischen Weltkongreß? Das Zionistische Aktions-Comitee hat sich in einer Nachtsitzung mit der Frage der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses befaßt. Während Dr. Stephan S. Wiese, Dr. Nahum Goldmann, Leo Motzkin u. a. auf die Wichtigkeit eines jüdischen Weltkongresses hinwiesen, brachten zahlreiche Mitglieder des A.-C. die Befürchtung zum Ausdruck, daß ein jüdischer Weltkongreß eine Art Konkurrenz für den Zionistenkangireß bilden und einzelne seiner Funktionen übernehmen könnte, was zu einem Venlust des Prestiges der Zionistischen Organisation führen müßte. Außenpolitisches Ueberbtick über die Lage Bevor auf die außenpolitischen! Ereignisse! in und! um Erez Israeli näher eingegangen werden1 kann, müssen die allgemeinen; außenpolitischen Beziehungen kurz besprochen werden, was wegen! der Innigen Verflechtung "der Dinige notwendig ist. Die Beziehungen! der Mächte werden! gegenwSrtig bestimmt durch1 den Kampf um Raum un3 Absatz^ markte, durch die jahrhundertealten! geschichtlichen! Ueblerlieferungen1, die jeder Macht ihre Stellung In? gewisser Hinsicht vorschreiben1, durch die Spannung zwischen! dem gesättigten1 Mächten, die den gegenh wärtigeni Stand der Dinge (status quo) aufrechter-« h'alteni wollen und den Mächten, die diesen! Stand der Dinge zu ihren Gunsten verändern! wollen, welche Spaniniumg durch1 die Verschiedenheit der Bevölk'e-r runjgjsbewegungi üm den beiden Gruppen verstärk^ wd. Schließlich1 klommt noch1 die Verschiedenheit Rassen, der Gegensatz Weiß und Farbig hinzu, der ebenfalls durch die Verschiedenheit der Geburtenrate verschärft wird. Nehmen wir dein Kampf um Absatzmärkte ziuerst, so geht dieser vor allem um zwei Märkte, China 'un'di Soeben erschienen: Stucke» Das Palästinafriformatiansbuch. Wien, Ludwig Nath 1933. Selten ist ein Buch zeitgerechter erschienen als das vorliegende, von Artur Holzer und Ing. Rudolf Seiden verfaßte Palästinainformationsbuch. Jeder zionistische Vertrauensmann weiß, in welch hohem Maße heute das Bedürfnis jüdischer Menschen aller Schichten ist, sich über die Verhältnisse und Möglichkeiten in Erez zu orientieren: das Buch beantwortet alle solche Fragen in verläßlicher, prägnanter und doch erschöpfender Weise. Als besonders verdienstvoll muß festgestellt werden, daß die Autoren in ihre Aufgabe auch die Darstellung der wichtigsten Daten der zionistischen Bewegung einbezogen haben — jene Zionismen, die unter dem Eindruck der letzten Ereignisse zu uns gestoßen sind, sollen auch erfahren, wem sie es zu verdanken haben, wenn sie in Palästina einen Zufluchtsort erblicken können. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß sich die Autoren auch dieser ideologischen Aufgabe mit seltener Objektivität unterzogen haben. Wir können das Buch jedem Genossen wärmstens empfehlen. P, MAX ADLER: Das Verhältnis Oer nationalen zur fozialiffifeben Idee Bemerkungen zum PoaIe*Zionismus Das Bekenntnis des geistigen Führers der Linken zu unserer Bewegung! PREIS: 70 Groschen Genossenund Genossinnen! Leset und verbreitet dleseSchrJff, die für unsere Bewegung ein geschichtliches Dokument ist! •r Ostumd Mitteleuropa. Da a'ni dem Kampf um China alte fünf Weltmächte, England, Amerika, Frankreich1, Rußland;un'd Japan; beteiligt sin'd un'd fast die Hälfte der Bevölkerung der Erde dabei in! Betracht kommt, übt dieser einen bestimmenden Einfluß auf die Ereignisse in Europa aus. Das zeigt die jüngste Ent^ wcklu;n!g|. Japani, gezwungen durch' seinen' Bevölkerurigsdruck, durch die zunehmende Verarmung seiner] auf Ausfuhr angewiesenem Bauern, durch1 die vom' allgemeinen) Preisfall bedingten Schwierigkeiten seiner; Iridustriea!usfu!hr, .umteriniahm 'im Herbist 1931 einen) Angriff auf China. Sein1 Erfolg ist bekannt. England, Frankreich' .und 'Amerika mußten nach! einigem Zögernwegen ihrer inneren wirtschaftlichen SchwierfgkeitenC und aus Scheu vor der bloßen Möglichkeit eines! 'bewaffnetem Konflikts sich mit schwächlichen diplo-i matischen1 Maßnahmen begnügen', deinen durch1 die 'offene Parteinahme Frankreichs und eines großen Teiles der englischen Presse für Japan der Nachdruck genommen wurde. In der Folge führte der Abschluß des ersten: Teiles seiner ostasiatischert Erobening&pläne! zum Austritt Japans aus dem Völkerbiulnd1, auf dessen Cinizelheiteni nächt eingegangen' werden kann'. Rußland, neben Japan und den1 Westmächten der dritte S. Picker: KotigvcßtiolSzen* Die Arbeiterfraktion Auch auf den früheren Kongressen war die Vertretung des arbeitenden Erez Israeli, ails diejenige Richtung, die den Aufbau Palästinas unmittelbar vollzieht, die tonangebende, trotz immerwährender Attaicken auf die Entwicklung des gem<ednwirt&chaÄchen Erez Israel seitens der bürgerlichen Gruppen. Diesem Kongresse drückte nun die Arbeite rfraktion ihren Stempel auf. Und man könnte fast zurückschrecken vor der eigenen emporgewachsenen Stärke, vor der Anzalhil der. bedeutenden Köpfe in der eigenen Mitte, wären nicht alle von einem und demselben Grundgedanken, bei mancher wohlverstandenen Nüancierung, beherrscht und beseellt. Schon die Sitzungen der Fraktion bilden eine geistige Erhebung für diejenigen, die die Möglichkeit haben, an ihnen teilnehmen zu dürfen. Sieht man doch hier den wahren Kongreß, das Forum, in welchem allein die Entscheidungen, wohldurchdacht und nur im Interesse des Ganzen, vorbereitet und sodann hinausgetragen werden. Und wollte die Fraktion nach gewissen Methoden vorgehen, sie könnte den Kongreß unruhiger gestalten. Die Verantwortlichkeit auch .für die Würde des Kongresses trug ihr indes auf, so weit es angeht, den. äußersten Gegner im Plenum gewähren zu lassen. Nur wo es die Sache erforderlich macht, mag es sich da auch nur um einen achtunggebietendem Gegner wie um einen Stephan Wise u. dgl. handeln, wird nicht gescheut, auch durch etwas stürmische Argumentation seitens unserer Temperamentvollen, die in Fülle vorhanden sind, diesen entgegenzutreten. Jabotinskys doch gehaltene Rede Man sah Jabotiinßiky nicht anders ausgehen, als unter Bedeckung von Vorder-, Hinter- und auch Seitentrabanten. So saß er auch im Kongreßpienum, nur in der Mitte der zweiten Reihe seiner Jünger, die erklärten, daß er schwerlich diese Kongreßtribüne betreten dürfte. Und sie mußten schließlllich recht behalten, als ihm die Möglichkeit, seine Rede zur Deutschlandfrage vom Stapel zu lassen, vorweggenommen wurde. Sie wurde jedoch nicht vorenthalten — den Journalisten, die eingeladen wurden, um die neue Offenbarung zu vernehmen, die dem Kongresse zugedacht und nicht beschieden worden war. Nur ist in dem Wahnwitz inzwischen eine „geringfügige" Aenderung zutage getreten, der diesen bis zur Spitze treiben soll. Die Zionistische Organisation, sie sollte die Führung der Bojkottbewegung gegen Hitler- Deutschland übernehmen. Da nun aber dies vereitelt erscheine, so werde dies der Revisionismus allein um so lieber tun, ate er hiemit das ganze jüdische Volk auf seine Seite reißen würde. So sprach Jabotinsky. Der sprachliche Umsturz Dieser Kongreß machte einem eingebürgerten Uebel, das er nicht los zu werden schien, den wohlverdienten Garaus. Das „Kongreß-Deutsch", das seit langem eine sprichwörtlich gewordene Schwäche der Zionistischen Kongresse war, griff auf den letzten Kongressen geradezu epidemisch um sich. Nun mußte man staunen, wie die hebräistische Histadrut auf einmal kampflos ihre Wünsche bezüglich der Verhandlungssprache des Kongresses erfüllt sah. Die Referate, die Debatte, ja die Leitung der Sitzungen, alles ist hebräisch und mitunter auch jiddisch, nur wer nicht anders kann, bedient sich seiner ihm geläufigen Sprache — besser wurde es ja nie erhofft, alis es sich diesmal spontan) gestaltete! Wohl sind äußere Momente hier mit im Spiele gewesen. Abgesehen vom Hitlerismus, erwies es sich als wohltuend, daß einmal von der deutschen Sprachsphäre als Tagungsgebiet der Kongresse abgegangen wurde, oder vielmehr abgegangen werden mußte. Die Tagungen der Arbeiterfraktion während der Kongresse hatten indes diese Neuerung nicht notwendig, da die Sprachenfrage hierin längst als überwundener Standpunkt wohl bekannt ist. Nun bemühten sich auch alle anderen Tagungen neben dem Kongreß, diesen Standpunkt einzuhalten. Und es stellte sich heraus, daß Hebräisch bereits in Kreise eingedrungen ist, von denen man dies nicht glaubte. Soll der nächste Kongreß in Erez Israel tagen, so würde auch der Rest, dem die Verständigung mit dem achtzehnten Kongresse noch zu sehr erschwert schien, besser vorbereitet zu kommen wissen.