Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1933)
- Date
- 1933-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite, 2. Der jüdjM k% J^tj>g i, t e n 25. August 1933 nicht nur Arlosoroff wurde uns genommen. Die Kugel, die ihn traf, durchbohrte auch die zionistische Bewegung. Wenige Augenblicke vor seinem Tode sagte Arlosoroff einem Manne, der an seinem Sterbellager stand, dem Burgermeister von Tel-Aviv, Meir Dfcengoff: „Sieh, was man mir getan hat!" Diese Worte eines verletztem Kindes, das keine bitteren Worte finden kann, enthalten die Tragik des persönlichen Schicksals von Arlosoroff. Aber die zionistische Organisation muß sich fragen: „Sieh, wer mir das getan hat!" Diese Frage bohrt steh in unser Innerstes ein und wird uns nicht ruhen lassen, bis die Wahrheit, wer der Feind ist, der das jüdische Volk ins Herz getroffen hat, ans Licht kommt!" Verlauf des Kongresses. Prag, 22. August. Heute, 11 Uhr vormittags, wurde die I. Arbeitssitzung des Kongresses eröffnet. Die Wahl) des Kongreßpräsidiums könnt enkht vorgenommen werden, da unsere Vertreter es ablehnten, mit den Revisionisten gemeinsam im Präsidium zu «sitzen. So mußte Prof. Brodetzky sein'politisches Referat halten, ohne daß ein Präsidium gewählt worden wäre. Brodetzky sprach hebräisch. Nach Gedenkworten für Arlosoroff führte es aus: „Wir stehen am Ende einer neuen, Periode in dem Entwicklungsprozeß, der mit den Unruhen vom Jahre 1929 einsetzte.. Ein neuer Kurs wurde unter Mr. Thomas und Sir Robert Hamilton eingeschlagen und unter Sir Philip Cunliffe-Lister und Lord Plymouth1 fortgesetzt. Ein neuer Oberkommissar kam nach Palästina, der unseren Problemen Verständnis und Sympathie entgegenbrachte. In Jerusalem wie in London kam eine günstige Einstellung gegenüber unserer Arbeit zum Ausdruck. Diese Besserung ging nicht ohne viele Hindernisse vor sich. Bodenkauf, Einwanderung und yielle andere Probleme unserer Palästina-Arbeit stoßen auf ernste Schwierigkeiten, und dieser Kongreß tagt im Schatten einer Anzahl von Beschlüssen oder Projekten der .Regierung, die uns Grund für tiefe Besorgnis geben. Da ist z. B. die Bodemfrage, das wichtigste praktische Problem, mit dem wir uns während! der letzten, zwei Jahre zu beschäftigen hatten. Vor einem Jahr, alis der French-Berieht uns ausge^ händigt wurde, erklärte die Regierung, daß seine Veröffentlichung erst nach Empfang der Bemerkungen der Jevvish Agency und dar Araber, sowie der Empfehlungen des Oberkommissars, und nach der Beschlußfassung seitens des Kolonialministers erfolgen würde. Am 14. Juli wurde die Entscheidung der Regierung in bezug aufdie Freneh-Berichte durch den Kolonial minister im Unterhaus verkündet und die Berichte erschienen am selben Tag, ohne daß darauf hin' gewiesen worden wäre, daß die Behauptungen des Herrn French und seine Empfehlungen von Männern bestritten werden, die mit der Autorität einer auf zwei Generationen zurückgehenden Erfahrung sprechen. Ich will hier nicht wieder auf die Unrichtigkeit der , Behauptung von der Verdrängung von Arabern durch jüdische Ansiedliung sprechen.. Die von der Regierung selbst erwähntein Zahlen zeigen, wie unsinnig und übelwollend die Verleumdung war, mit der man uns vier Jahre lang verfolgte und die auf diese Behauptung gegründet war. Ich will nichts gegen die Wiederansiedlung von dislozierten Arabern mit öffentlichen Geldern «igen. In Palästina befinden sich aber Hunderte von jüdischen Siedlern, deren Arbeit unter Bedingungen getan werden muß, die mindestens an Schwierigkeit den Verhältnissen einer großen Anzahl armer Fellachen gleichkommt. Sie brauchen die Hilfe der Regierung genau in demselben Maße, wie andere Einwohner Palästinas. Es ist meine ernstliche Hoffnung, daß die Regierung in bezug auf Bodenpolitik nicht den fatalen Grundsatz gelten lassen wird, der bei früheren Gelegenheiten für andere Ausgaben zur Anwendung gelangte, nämlich daß es Sache der Regierung sei, für die Araber zu sorgen, weil1 doch die Juden für sich selbst sorgen können. Unsere Besorgnis ist aber noch größer mit Bezug auf die geplanten neuerlichen Beschränkungen der Bodenübertragungen. Solche Beschränkungen sind durchaus ungerechtfertigt. Die Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Stadt und umgekehrt ist schließlich eine Erscheinung im Leben eines jeden Gemeinwesens. Wenn es noch Araber gibt, die auf besondere Berücksichtigung und die väterliche Fürsorge der Regierung Anspruch haben, so sollte man doch gewiß nicht neue Schwierigkeiten der Arbeit der Juden machen, die bei der Behandlung solcher Fälle besonders feinfühlig vorgegangen sind und den Arabern und dem Lande große Vorteile haben angedeihen lassen. Während der Berkhitezeit war das zweite große Problem das der Einwanderung. Die reichlicheren Bewilligungen von Zertifikaten sind mehr als gerechtfertigt durch die bedeutende Wandlung in der wirtschaftlichen Lage Palästinas während der beiden letzten Jahre. In jedem einzelnen Falle wurden die von uns genau ausgerechneten Arbeiter-Schedules in einer Art gekürzt, die in vollem Gegensatz zu den Tatsachen der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkait des Landes stand. Während Palästina nach weiteren jüdischen Arbeiterhänden schreit, wird die Einwanderung von Arbeitern in das Land aufgehoben. "-Es ist Pflicht der Mandätarmacht, jüdische Einwanderung nach Palästina zu ermutigen; und wir haben ein Recht, zu erwarten, daß diese Ermutigung offenkundiger werden soll, als sie es bisher war. Selbst das Argument, weiches sich auf die Behauptung einer sogenannten jüdischen „illegalen" Einwanderung nach Palästina stützt, wird weit aufgewogen dadurch, daß Tausende von Arabern aus den Nachbarländern ohne jegliche Kontrolle ins Land kommen. Palästina ist nicht nur ein Territorium, das von einem Mandatar verwaltet wird, sondern es ist das Leben des jüdischen Volkes selbst, die Bedingung unserer künftigen Existenz. Das jüdische nationale Heim ist kein Luxus, kein Ferienheim und kein Weekendhaus. Die ganze Zukunft des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit und das Leben unzähliger jüdischer Mensehen ist mit Palästina verbunden. Zehntausende deutscher Juden mußten bereits auswandern, sie finden aber ringsum aMe Türen geschlossen. Die Straßen der Welt sind wieder einmal mit jüdischen Wanderern übersät, die keinen Weg wissen, weil es kaum irgendwo einen Ort gibt, wo man sie einläßt. Ich beklage mich nicht über die Völker der Welt. Und die Hauptaufgabe dieses Kongresses ist es, zu vollenden, was der erste Kongreß sich vorgesetzt hatte, nämlich das ganze jüdische Problem in seiner ungeheuren Breite und bitteren Tiefe vor das Gewissen der Menschheit zu bringen und damit zugleich jene Auffassung des jüdischen Problems, die wir Zionisten erarbeitet haben. Wir brauchen Zuflucht für Zehntausende und die freien Plätze zählen nach Dutzenden, bestenfalls nach Hunderten. Die einzige Ausnahme ist Palästina. In Palästina ist Raum für Hunderttausende von Juden in den nächsten paar Jahren und für Millionen von Juden in den nächsten Generationen. Wir müssen an das Gewissen, der Mandatarmacht vor der ganzen Welt appellieren, damit der Jude wahrhaft „von Rechts wegen und nteht geduldet" in das Land kommt. Dieser Kongreß muß ein für alllemal die Einheitlichkeit zionistischer Aktion lösen, Er muß es klar machen, daß jeder Jude, der die fundamentale theoretische Basis des Zionismus anerkennt und zugleich die Entscheidungen des Kongresses und der vom Kongresse gewählten Körperschaften — ob sie mit seinen* Auffassungen sich decken oder nicht — annimmt, daß die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation unvereinbar ist mit dem Bruch der zionistischen Disziplin. Der zweite Punkt, auf fcien wir uns konzentrieren müssen, ist die Mobilisierung der jüdischen öffentlichen Mein.ung. Von diesem Kongreß muß ein Ruf an das Volk ergehen, der nicht überhört werden kann. Palästina ist unsere einzige Zuflucht." Mit einem Appell an. die Kulturmenschheit, mitzuhelfen an der Befriedung des jüdischen Volkes, schloß Prof. Brodetzky seine bedeutungsvollen Ausführungen. In der Abendsitzung sprachen H. Farbstein über „Probleme der städtischen Kolonisation in Palästina", und Izchak Wilkansky über „Probleme d e r 1 a n d w i r t s c h a f 11 i c h e n Kolonisation Palästinas". Prag, 23. August. Heute hielt Adolf-Böhm, Wien, ein großangelegtes Referatüber „Die Aufgaben des nationalen Kapitals in Palästina", in, welchem er ausführte, daß im Zentrum unserer Auf bauarbeit, die nationale Kolonisation stehen müsse. Ohne die nationa 1 e Arbeit, wäre auch nicht der landwirtschaftliche jüdische Arbeiter .entstanden; nur auf n a t i on alem Boden ist die jüdische Arbeit gesichert. Das Vorhanden sein des überwiegendsten Teiles der ländlichen Bevölkerung ist der Tätigkeit des nationalen Kapitals zu danken. Die Privatinitiative spielt in der Erlösung .des Bodens eine sehr bescheidene Rolle. Durch die jüngsten Ereignisse in Deutschland ist die Erreichung einer Völkerbundanleihe nähergerückt. Jedenfalls ist u ,n s e r e erste und wichtigste Aufgabe die Führung einer großzügigen Bodenpolitik unter Bekämpfung der Bodenspekulation in Stadt Und Land. Das wichtigste Mittel zur Beherrschung des Bodenrnarlctes ist die Schaffung einer zentralen Bodienkaufsgesellsichaft unter Mitwirkung des Nationalfonds. Prag, 23. August. In der heutigen Nachtsitzung sprachen Leib Jaffe über „Weg des Keren Hajessod", Gen. Ber 1 Locker über „Die Lage der Zionistischen Organisation", und Ussischkin an seinem siebzigsten Geburtstage über „Die Aufgaben des Nationalfonds". Der Kongreß brachte Ussischkin stürmische Ovationen dar und beschloß die Schaffung einer Siedlung in Erez Israel auf den Namen Menachem Ussischkin. 3P6 Delegierte auf dem Zionistenkongreß Prag, 18. August. Das Kongreßgericht hat 396 Delegierte als zur Teilnahme am XVIII. Zionistenkongreß berechtigt anerkannt, Davon sind 318 gewählte Delegierte, 8 Mitglieder der Exekutive und 70 Mitglieder des Aktions-Comitees, von denen jedoch nur diejenigen stimmberechtigt sind, die gleichzeitig ein Mandat zum Kongreß erhalten haben. Demgemäß beträgt die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder des Kongresses 332. Auf dem im Jahre 1931 abgehaltenen XVII. Kongreß gab es 254 gewählte Delegierte, Empfang der Arbeiterdelegation Die Prager Poale Zion veranstaltete für die Arbeiterdelegation am Kongreß einen Empfang, der sich zu einer großen und eindrucksvollen Kundgebung für den zionistischen Sozialismus gestaltete. Es ergriffen vor allem zu herzlichen Begrüßungsansprachen die Vertreter unserer BriH derparteien das Wort: im Namen der tschechischen Partei Genosse Ing. Necas, für die deutsche Partei in der C. S. R. Genosse Paul und schließlich im Namen des Vorstandes der der deutschen Sozialdemokratie Genosse Kumenerl. Während der Rede des letzteren kam es zu ergreifenden Kundgebungen für die geknechtete deutsche Arbeiterklasse. Im Namen der Arbeiterdelegierten sprachen Ben Gurion, S. Kaplansky, Berl Locker und Salman Rubaschov. Die eindrucksvolle Kundgebung schloß mit dem Gesang des Techesaknah. Beschlüsse des Aktionskomitees Vor der Eröffnung des Kongresses tagte das zionistische Aktionskomitee in Prag. Vor allem bildete die Frage des Kongreßpräsidiums den Gegenstand der Verhandlungen. Auf Antrag der Arbeitervertreter wurde eine Untersuchungskommission, die die Schandtaten der Revisionisten untersuchen wird, mit 27 gegen 7 Stimmen gewählt. Der Kommission gehören an: Ussischkin, Jakobsohn, Motzkin, Brodetzky» Meir Berlin und N. Goldmann. Die Revisionisten haben gefordert, daß sich die Untersuchung auch auf die jüdische Arbeiterpartei erstrecken soll; da dieser Forderung nicht Rechnung getragen wurde, erklärten sie, der Kommission kein Material zuzustellen und ihre Beschlüsse nicht anzuerkennen. Fraktionssitzung der Arbeiterschaft Samstag, den 19. August, nachmittag, fand die erste Sitzung der Arbeiterfraktion statt, die eine unerhört starke Beteniligung aufwies. Im Mittelpunkt der Sitzung stand ein Referat von D. Ben, Gurion, der sich in sehr ausführlicher Weise mit unserer Stellung auf dem Kongreß, der Frage des Schicksals dter Revisionisten, der Koalition und des Aufbaubudgets befaßte. Die Fraktionsberatungen wurden am Sonntag fortgesetzt. Uniformverbot im Verhandlungssaal Präsident Sokolow verkündete in der gestrigen Plenarsitzung, daß das Aktionskomitee einen Beschluß gefaßt habe, wodurch es verboten sei, im Verhandlungssaal Uniformen zu tragen. Dieses Verbot ist darauf zurückzuführen, daß d'? Jugendorganisation der Revisionisten, der Brith Trumpeldor, Braunhemden be der Eröffnungssitzung getragen hat, was in den übrigen Delegiertenkreisen Mißbilligung erregt hat. Redeverbot außerhalb des Kongresses für Jabotinsky Wk die Pariser tschechoslowakische Gesandtschaft offiziell mitteilt, wurde dem Revisionisteniführer Wladimir Jabotinsky das Einreisevisum in die Tschechoslowakei unter der Bedingung erteilt, daß er während seines Aufenthaltes auf tschechoslowakischem Gebiete keinerlei Reden außerhalb des Kongresses halte. Festkundgebung des Keren Kajemeth ~m großen Saal des Repräsentantenhauses fand am 19. August eine von 1500 Personen besuchte Festkundgebung des Keren Kajemeth statt, auf der Dr. A. Goldtein in tschechischer Sprache, Agronom Wilkanski in hebräischer Sprache und der Präsident des Keren Kajemeth M. M. Ussischkin in deutscher Sprache Ansprachen hielten. In großangelegter Rede zeigte Ussischkin die in den letzten drei Jahren in Palästina erzielten Fortschritte auf und richteten an die Versammlung den Appell, dem jüdischen Volk, dessen größte Gefährdung darin liege, daß es keinen Boden unter den Füßen habe, Boden zu verschaffen. 'Es sei tragisch, daß der Keren Kajemeth gerade in diesem Augenblicke vermehrten jüdischen Bodenhungers keine Bodenreserven mehr zur Verfügung hat. hnsere Vertreter bei der Konferenz der Internationale Der zionistisch-sozialistische Weltverband wird bei der Pariser Konferenz der Internationale durch die Genossen Jahrblum, Herzl Berger, Oskar Cohn und Dow Hos vertreten. Achi Meir — am Mord mitbeteiligt Gegen Achi Meir, den „geistigen" Führer der palästinensischen Revisionisten, ist im Zusammenhang mit dem Mord an Arlosoroff von der Staatsanwaltschaft die Anklage erhoben worden. Achi Meir wird beschuldigt, an der Verschwörung Anteil genommen zu haben, deren Ergebnis der Mord an Arlosoroff war. Die Beschuv/'digung stützt sich auf Dokumente, die bei Hausdurchsuchungen aufgefunden wurden. Auch Dr. Weinschal, der politische Führer der papalästinensischen Revisionisten, wurde einem polizeilichen Verhör unterzogen. Votr einigen Tagen wurde Achi Meir in das Jerusalemer Gefängnis geführt. Compass Tours New York Wien Paris IX. Spitalgasse 3 Offizielles Reisebüro des XVIII. Zionistenkongresses Prag zu ftoscfvHaschartah Palästina Reise 1 7. September 1933 mit dem Riesen-Ocean-Luxusdampfer „Roma1* ß 1.000 T Reise II 12. September 1933 mit dem Eildampfer „Hartha Washington" Auskünfte und Anmeldungen auch beim Palästina-Amt in Prag, wie auch Im Kongreßgebäude