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Der Jüdische Arbeiter · 1933-08-25 · Heft 34 (25.8.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 34 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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25. August 1933 Der jfidUsMä..Arbeiter. Seite 3, Die vergrößerten Einnahmen der Palästinaregierung Die Quellen des beberschufies Mit einer Verspätung von' 9 Monaten veröffentlicht die Palästmaregiierung ihr Budget für 1933-34, das auf der Grundlage'der vorjährigem Ein- und Ausgaben aufgebaut ist; es ist daher ein Prüfstein' der Staatswirtschaft des vorigen Jahres. Wie immer waren die Zölle die wichtigste Staatseinhah'me: 1,286.944 Pfund, (d. h.: 45 Prozent aller Einnahmen1 ausschließlich der Eingänge bei den verstaatlichten! Bahnen und der englischen1 Subvention für die Grenzpolizei), gegen 922.080 Pfund1 des Vorjahres, was ein! Plus von 364.764 Pfund ergibt. Man kann mit Sicherheit feststellen', daß 70—80 Prozent der Steigerung der Zolleingänge auf die jüdische Einwanderung und den jüdischen Jusch'uw zurückzuführen sind. 'Gewiß hat der Jmport des jüdischen Kapitals auch1 die arabische Bevölkerung bereichert. Der Anteil der Araber an: den Zolleingängen beträgt höchstens 10—20 Prozent, der aber indirekt auch' vom jüdischen Jischuw stammt. Eine vorsichtigeiBerechnung des jüdischen Anteils an den; Zolleinnähmen auf Grund der von den Juden verbrauchten Waren ausländischer Provenienz, 'hat ergeben, daß er 42 Prozent erreicht, daß: heißt, daß wir der Regierung eine Einnahme von1 378.000 Pf und ermöglicht haben. Wenn wir hiezu noch 70—80 Prozent zuschlagen — soviel' betrug ja die Erhöhung der Zölleinnahmen — so ergibt' sich', daß; der Jischuw aus dem Titel der Zolleinnahmen im Jäh're 1932-33 der iRegierung wenigstens 677.000 Pfund einbrachte. Was die Steuereinlgänge anbelangt (sowohl direkte wie indirekte), so sind sie im ' Budget mit 824.443" Pfund veranschlagt und betrugen im vorigen Jäh're '604.771 Pfund. Auch hier ist die Steigerung hauptsächlich dient Juden zu verdanken. Die landwirtschaftlichen Steuern, die hauptsächlichst die Araber zahlen1, wurden von der Regierung ermäßigt und werden dahler nur 'geringere Erträge zeitigem. Die Steigerung geht hauptsächlich auf die Bödenwertabgabe zurück, deren Steuerzahler hauptsächlich die Juden sind. Die Gebühren' weisem eine Steigerung um 48.000 Pfunld, die hauptsächlichst auf dem vergrößerten' Grundstückverkehr zurückzuführen1 ist, am dem die Juden mit 75 Prozent beteiligt simd. Auch1 die Gerich'ts- (geblüh'ren sind außenordenlic'h gesfegeu, an ihnen} 'haben die Juden: 50 Prozent Anteil. Dasselbe gilt auch vom dem Post und1 Telegfapjhengebühren, zu welchem die Jüdische Bevölkerung mit 57 Prozent der Gesamtsumme beiträgt. ■ JDie- UebersiCht beweist wieder einmal, däß die jüdische Bevölkerung die Hauptlast des Budgets der Palästinaregierumg trägt. 'Es ist sicher, daß' der Anteil der jüdischen Bevölkerung am den Gesamteinnahmen durchschnittlich mehr als 50 Prozenit beträgt. Zu diesem Ergebnis kommen: wir nicht nur durch' die Analyse der einzelnen Einnahmen, sondern durch1 eine allgemeine 'Berechnung. Hoffeim hat so berechnet, daß jeder Jude jährlich 7.27 Pfund, jeder Araber 1.33' Pfund an Steuern, zahlt. Die ZahT der Juden beträgt jetzt (fn Palästina 220.000, die Zahl der Araber 830.000', (on'me die Beduinen. Es ist keineswegs anzunehmen, daß 'die Araber in den kommenden 2 Jahren eine höhere Steuersumme abführen werden.1 — da doch gerade jene Steuerformem, die sie treffen1, verringert wurden. Hingegen ist die Besteuerung der jüdischen Bevölkerung im Zeiten der Alijäh' und Gründung neuer -Unternehmungen 'höher als im Zeiten) der wirtsChaftlich'eim . Stabilität, ijedenifalls sind1 im Jahre 1932-33 vom Jüdischen Jischuw 1,592.700 Pfund1, vom dem Arabern- 1,518.900 Pfund an die Palästinaregierumg abgeführt worden:. Unser Anteil am den! (Staatseinnahmen! wächst von Jahr zu Jahr, und ist höher als 50 Prozent. Aus allem diesem Feststellungen! ergeben sich folgende zwei wichtige Schlüsse: Die Regierung'ist verpflichtet, bei der Gewährung von1 Subventionen den wirklichen Anteil der Juden! an) den Staatseiinn ahmen zu ber ücksichtigen, u n d b ei' der Vergebung von: Arbeiten1, die durch1 die Anleih'e finanziert sein werden, in Betracht zu ziehen, daß die Juden für die Amortisierung unid Verzinsung derselben1 die Hauptlast tragen werden!. Soeben erschienen; MAX ADLER: «r Das Verhältnis Oer nationalen zur f ozialiff if eben lOee Bemerkungen zum PoaIc*Zionlsimis Das Bekenntnis des geistigen Führers der Linken zu unserer Bewegung! PREIS: 70 Groschen Genossen und Genossinnen! Leset und verbreitet diese Schrift, die für unsere Bewegung ein geschichtliches ppfcunient ist! Verschmähte Liebe Die jüdisch« Volkspartei hart in ihren Kundgebungen immer wieder ihre Solidarität mit der Vaterländischen Front zum Ausdruck gebracht — in ihrer positiven Einstellung zu derselben unterscheidet sie sich nicht wesentlich von ihrem Gegenipart, den Unionisiten-Werktätigen. Als nun die Nachrichten über die Benachteiligung der jüdischen Aerzte in den Spitälern in der jüdischen Bevölkerung die größte Beunruhigung hervorriefen — mit Recht sah diese in diesen Vorkommnissen eine Art der „Gleichschaltung", wandte sich die Jüdische Volkspartei an die Regierung mit der Bitte, das Unrecht, das da an dem jüdischen Aerztenachwuchs begangen wird, abzustellen'. Es ist für die Einschätzung der jüdischen Bundesgenossen durch die Vaterländische Front bezeichnend, daß die Eingabe der Jüdischen Volkspartei von den maßgebenden Faktoren unbeantwortet blieb — die einzige Reaktion auf den jüdischen Protest war ein Drohartikel der „Rekhspost" 1 Für uns ist dieses Verhalten dler vaterländischen Kreise keine Ueberraschung, denn wir haben nicht angenommen, daß sich die antisemitischen Parteien, die die vaterländische Partei bilden, ihres Antisemitismus nur deshalb entledigen werden, weil sie sich vom Hitlerismus abgrenzen wollen. Möge die jüdische Bevölkerung nun aus diesem Ereignis die Lehre ziehen, daß die Vaterländische Front keineswegs geneigt ist, jüdische Fragen im Wege der Auseinandersetzung mit irgendwelchen Vertretungen des österreichischen Judentums zu lösen. Der Teil des österreichischen Judentums, der die Notverordnungsgesetze auf dem Gebiete der Sozialpolitik billigt, wird sich wohl auch damit zufrieden geben müssen, daß über Lebensfragen des österreichischen Judentums im autokratischen Wege entschieden wird. Misrachi gegen Chaluzim Die Misrachi bilden in Wien eine verschwindende Min derheit — jede Stimme für ihre Liste bildete bei den Kongreßwahlen eine Sensation! Unsere Klerikofaschisten, die in jeder Beziehung den Schwarzen anderer Konfessionen nicht nachstehen, ja in ihrer Intoleranz und Scheinheiligkeit noch gefährlicher als. jene sind, suchen ihre Bedeutungslosigkeit durch die Sabotage des für die Chaluzim aller Parteirichtungen geschaffenen Keren Alijah zu überkompensieren, weil auch arbeits- und mittellose sozialistische Chaluzim aus diesem Fonds einen Reisebeitrag erhalten. Die Misrachi haben die Stirn, die Bedürftigkeit unserer arbeitslosen Genossen anzuzweifeln und lügen bewußt, wenn sie behaupten, daß die „Linken." ein Monopol auf den Reisefondis haben. Getreu dem Prinzip aller Klerikalen glauben sie, daß es genügt, in heuchlerischer Werkheiligkeit Gott mit ein paar gedankenlos gesprochenen Gebeten abzuspeisen, um sich die Absolution für jedie Lüge und Verleumdung zu sichern! Jüdische Rundschau verboten! Die „jüdische Rundschau", das Zentralblatt der zionistischen Organisation Deutschlands, ist von,' der Hitlerregierung verboten! worden', iund hat ihr Erscheinen bis zum 1. Februar 1934 eingestellt. Wenn1 wir von der jüdischen Rundschau in diesem Augenblick Abschied 'nehmen, werden wir uns erst so recht bewußt, was sie uns stets war;und heute noch1 ist. Offizielle Zeitungen sind 'nur zu oft in Gefahr, farblosi zu werden: die jüdische Rundschau: hat diese Gefahr vermieden, sie war stets ein Blatt, das es verstanden hat, tiefe, gründliche Sachlichkeit mit leidenschaftlicher! Kampfgesinnung zu -paaren. Und ihr Kampf galt jener Richtung, die sich heute als der Feind zionfe tischer Verwirklichung offenbart: dem Revisionismus, dessen nationalen Chauvinismus sie immer wieder geißelte. Darüber hinaus war die jüdische Rundschau stets die wich'tgiste Erkenntnisquelle für jeden, der; sich mit 'allen1 Problemen des Zionismus, den außenpolitischen, kulturellem und wirtschaftlichen, wirklich vertraut machen wollte. Denlni die jüdische Rundschau war immer bemüht, ihre Leser zu selbständigem! Denken zu erziehen', sie wollte ihnen vor allem das Material geben, sie selbst sollten das Urteil fällen. Es ist nicht nur die positive Stellungnahme der jüdischen) Rundschau zum arbeitenden Palästina, die sie uns, dem „jüdischen' Arbeiter", besonders nahe gerückt hat. Im Kampfe um die friedliche Gestaltung der jüdisch-arabischen Beziehungen bestand zwischen der jüdischen! Rundschau und unserem' Blatte eine ausgesprochene Waffenbrüderschaft 'und1 es war uns eine wahrhafte Ermutigung, als uns der geistige Führer des Redäktiomsstabes der jüdischen) Rundschau, Dr. Robert Weltsch1, im einem Schreiben seiner Anerkennung und Solidarität versicherte. , Die „jüdische Rundschau" hat auch unter dem neuen Regime für unsere Sache gekämpft: der (Mut, die Offenheit, mit der sie für das tausendfach beleidigte Lebensrecht des deutschem Judentums eingetreten Ist, ist'im der gegenwärtigen Charakterwüstet des deutschem Reiches univergleich lieh. Man erinnere sich nur der'Antwort der jüdischen Rundschau! {auf die Proklamierung des Judenlboykotts, des Aufsatzes: „Tragt ihn: mit Stolz, dem gelben' Fleck!", — ein Wort, das eine Tat war, die im die Geseh'ijchtej unseres Volkes eingehen wird.; Schwerem Herzens nehmen wir Abschied voni einiem Blatte, das wir über alle bestehende Gegensätzlichkeit hinweg als Bruderblatt empffuinldem haben.. -Wir grüßen! vor allem aber die Männer, deren Werk} die jüdische Rundschau War, insbesondere Ihrenj Führer Robert Weltsch und hoffen!, daßi es" ihnen «vergönnt sein wird, bald unter einem günstigeren! Stern ihre Arbeit fortzusetzen. M. P* Genossen Gelles-Hermann zum Abschied Wiedeir verläßt uns «ine Reihe lieber Genossen, die nach Palästina gehem, um dort, dem einzigen Lande einer jüdischen Zukunft, eiiin neues Leben zu beginnen. Als erster dieser Herbstaliijah wird von uns Genosse Gelles Abschied nehmen. Es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, daß in Genossen Gelles ein Stück zionistisch-sozialistischer Geschichte Wiens verkörpert ist: ist er doch Begründer des zionistisch - sozialistischen Jugendbundes Brith Hamischmar, der als eirster Jugendibund die utopischen Gedankengänge einer vollkommen autonomem Jugendbewegung überwunden hat, und sich als Parteijugemd unserer Partei angeschlossen und untergeordnet hat. Das Verdienst, die Ideologie dieser starken Jugendgruppe in der Richtung zum Poale-Zionismus entwickült und schließlich diese der Partei auch organisatorisch angeschlosseln zu haben, gebührt unserem Genossen Getleis, und dafür vor allem wollen, wir ihm heute unseren Dank sagen. Es war nur selbstverständlich, daß Genosse Gelles, kaum daß .er seinen. Uebertriitt aus der Jugendorganisation in die Partei bewerkstelligte, in die Leitung gewählt wurde. Man betraute, ihn mit der Aufgabe dies, Jugendreferates, der eir sich mit der größten Hingabe und Opferwilligkeit widmete. Insbesondere die Erneuerung der zionistisch-sozialistischen Studeintenbewegung Wiens ist ausschließlich sein Werk. Genosse Geles war stets bemüht, das geistige Leben innerhalb der Organisation zu intensivieren: er führte einige Semester hindurch Arbeitsgemeinschaften jüngerer Genossen, die wirklich zur Klärung vieler Probleme innerhalb unserer Partei beitrugen. Insbesondere war es das histö? risiche Verdienst der von Genossen Gelles geleiteten Arbeitsgeiniiciinschaft des Jahres 1931—32, daß sie den Kampf gegen die damals besonders drohende Gefahr des Kommunismus aufnahm und sie in vorbildlichc/m geistigen Ringen besiegte.. ' Sollen wir nach all dem wirklich noch ausführlich davon sprechen, was wir an Genossen Gelles verlieren? Palästina nimmt uns da einen Genossen, der mit Leib und Seele nicht nur an dem Schicksal unserer Bewegung, sondern auch unserer Wiener Organisation teilnahm. Er hat keine Kleinarbeit verachtet — was auch seine Tätigkeit iiriiroerhaib der Liga immer wieder gezeigt hat. Ein guter Genosse und manchem von uns. ein guter Freund, ver^ läßt uns. . : . ..' '"''"V Unsere besten Wünsche begleiten Genossen Gelles auf seinen Weg. Möge es ihm gelingen, sich in Erez .ein[ neuest schönes und glückliches, Lehen aufzubauen — das wünschen wir ihm als seine Freunde und als Zionisten: denn jeder wirklich zufriedene Genosse in Palästina ist das wichtigste Aktivum unserer Bewegung! Konsumgenossenschaftswesen in Palästina Hamaschbi'r hamerkasi im Jahre 1932. 1 Viojni'Wii'M'ji1 Fe'uejrsitielffilni. Seit der vollständigen Reorganisierungdes „Hamaschbir" vor zwei Jahnen! undseiner Umwandlung] in den. „Hamaschbir Hamerkasi" zeigt sich eine, lebhafte Entwicklung und Erweiterung der Tätigkeit der Konsumgenossenschaft Sowohl auf wirtschaftlichem! als "auch auf kulturellem Gebiete (Propaganda und Aufklärungsarbeit) übler das Genossenschaftswesen im1 besondereni. 'Der Tji'tigkeifeibericht für das Arbeitsjahr 1932 zeigt vor allem eine Steigerung des Jahresumsatzes um 38.5 Prozent gegenüber dem' Jahre 1931 tind1 erreicht beim Abschluß, des Jahres 1932 die Umsatzsumme von .nahezu 90.000 Pfunld. Diese Stimme; verteilt sich auf das Hauptrager in! Haifa zu1 60 iindi auf die Zweigstelle Tel Awiw zu 40 Prozent. Bemerkti sei noch, daß; die eigentliche Steigerung des Umsatzes1 fast ausschließlich auf die zweite Jahreshälfte fällt, so daß; mit Beginn des Jahres 1933 ein! noch1 rapideres Anwachsen zu erwarten1 ist. Das System des Warenankaufs durch den „Hamäschbir" '(kennzeichnen zwei Grundprinzipien: 1. Warenbestellungen! direkt vom Erzeuger und 2. Barzahlung. Nach langen Bemühungen ist es der Leitung des „Hamäschbir" gelungen, direkte Verbindungen! mit ausländischen Erzeugerfirmen anzuknüpfen', um s(b Idie Verteuerung durch die Vertreterfirma im Interesse seiner Mitglieder zu lumgeheni. Voni besonderer) Bedeutung sind die Verbindungen des „Hamäschbir" mit den englischen Genossenschaftsfabriken und! -unternehmen, die als Gegenleistung für den1 Warenlankäuf Orangen und Grapiefrucht palästinensischer'. Herkunft auf .den englischen Marktvbringen. Hier erschließen sich' neue Möglichkeiten für die Organa sierung dies Absatzes von palästinenslischen CytrusH früchtem, 'da der Einfluß, der englischen Konsumgenossenschaften auf den allgemeinen englischen Markt ein ziemlich bedeutender ist. Zu diesem Zwecke haben sich die großen Genossenschaften „Hamaschbir'', „Tenuvah" :und die Pflanzungskooperative „Jachin" zu einem genossenschaftlichen Dachverband vereinigt,; um vor allem die Cytrusprodukte der Arbeitersiiedn lungen durch günstigere Bedingungen auf den Markt zu bringen. Bereits in der Fruchtsaison 1931-32 ge-, lang es über 53.000 Kisten Orangen und Grapefruchü

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