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Der Jüdische Arbeiter · 1933-08-25 · Heft 34 (25.8.1933) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 34 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Erscheint jeden Freitag ARBEITER Organ der Vereinigten zionistisdi^sozialistisdien Arbeiterorganisation Poale Zlon — Hifadiduth in Oesterreidi -Jeda'ction und Administration: Wien, II, Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 10. Jahrgang. 25. August 1933 Nr. 34. Der Kongreß tagt Der erste, Erfolg der Arbeiterschaft: die Ausschaltung der "Revisionisten! aus dem, Kongreßpräsidium. — Mis-; rachi im Schlepptau jabotinskys. — Deutschland, die wichtigste Sorgte unserer Fraktion1. (Vöhl unserem Berichterstatter Delegierten Mendet S feiger.) . Der Lucernia^Saal, ini welchem;die . Eröffniungssitzung des XVIII. Zionistejnikongresses siartfiri'clet, ist selbst für die Begriffe einer Großsta'dt sehr imposant Und dieser unigeheure Saal scheint übbrhiesetzt zw sein, ab!er h'unlderte Menschen strömen uiiäufhörlichj in den Saal. Trotz des Ernstes der Situation hat es sich jabotinsky selbstverständlich1 nicht hehnien1 lassen^ einen „Spektakel" zu inszenieren'. Er betrat dien Saal1, umgeben vo!n| eihieriGr,üppeBeta!rim' ,$h volter .Wichs". Einige bestellte Burschen ibegrüiß^en' ihn von der Galerie mit Beifall, worauf die Arbeiterdelegationl;un!d die Mehrheit ^er.^^senidien mit einem donnernden „Pfui'? geantwortet haben'. Jabotinsky dürfte sich dijese . Begr^uii|g,, gernerjä tab^ni. 'Das Erscheinien 'der Arfteitervertreter im Aktionskomitee mit Ben^Gunp.n'aW der. Spitze auf der Tnü'bine, wurde mit donnerndem Äpplaus^ begrüßt, Sokplow , hält, seine Eröffnfting^jieide , in drei! Sprachjen:: Hebräisch; englisch^ französisch. Geschickt war, d|e, Wendung im der Rede, daß es lächerlich ist,, von1 Abrüstung jund Entw'affnürnig zu reden in1 einem' -Zeitpunkte, ,in;: welcbem' Hitler-lDeutech'ian^-^Pläne schmiedet, um .die Juden Jn Deutschtad auszurotten.' Ist dieser furchtbare Angriff auf wehrlose Juden1, darunter auch1 Greise, Frauen: und. Kinder kein Krieg? Kanin man das als eine innere Angelegenheit Deutschlands betrachten? ■Diese Stelle machte Eindruck. Es wäre nur zu wünschen!, daß der Kongreß, auch1 weiterhin, die Frage der Juden in: Deutschland offen und1 aufrichtig er-i örtere. Leider besteht die Befürchtung, daß man Hehl Appell der Zionisteni Deutschlands befolgen und die Frage der Juden in; Deutschland' schonend behanh dein wird. . Die Begrüssungsworte der Diplomaten hätten im allgemeinen deni üblichen Charakter, die der tschechoslowakischen Vertreter herzlichen Charakter. So oft der Name Masaryk genannt wurde, erscholl spontan' lebhafter Beifall. /Die Begrüssungen waren z,u Ende. Ein Vorhäng! wird verschoben und es leuchten vor uns weiße Lettern auf schwarzem; Böden': C W a fl m A r I o s o r o f f. Berl Katzen.elsoh!ni besteigt die Rednertni'bme, um die Gedenkrede für den; ermordeten Führer zu halten. Eine tiefe Bewegung bemächtigt sich' des Kongresses, Den Inhalt dieser Rede kann man nicht wiedergeben, es war dn tiefempfundener „Hesped", für dieses große Forum war diese Rede vielleicht zu persönlich gehalten1. , ' |Die wehmütige Stimmunig, die die Erinnerung an Arlosoroff wachgerufen hat, will nicht weichen, sie beeinträchtigt das Singen der ,;Hatikwah", die den Abschluß der Eröffnungssitzung bildet. Dienstag wurden einige Referate gehalten, das interessanteste war der politische Bericht des Prof; Brodetzky. Am Mittwoch vormittag sprach' Adolf Böhm. Die Atmosphäre war von der gereizten Stimmung des Kampfes um die Zusammensetzung des Präsidiums erfüllt. Es war 'deshalb nicht leicht Ruhe und Aufmerksamkeit für die sehr interessanten Ausführungen Böhms zu sichern. Es ist nur zu bedauern, daß Adolf Böhm sein Referat mit einem Ausflug in das Politische geschlossen hät, indem er für die große Koalition;, die die Revisionisten und die Arbeiterschaft umfassen soll> eintrat. Das war eine Dissonanz. Nun trat man an die Wahl des Präsidiums heran. Die beharrliche Politik der Arbeiterschaft führte zu ihrem ersten großen Erfolg. Es gelang ein Präsidium' Bei Ausschaltung der Revisionisten zu bilden. DM Revisionisten und die Misrachisteri, dife sich innert immer mehr und mehr anbiedern,' versuchen durch verschiedene Manöver die Wahl MhäuszuscHieben. Sie IIÄ^-FÄ ^.St)ifleg:#r Mittwoch nachmittags erfolgt .endlich die Wahl. lAls Präsident wird Motzkin gewählt, zu Vize-. Der XVIII. Zionistenkongreß Die letzten Nachrichten: Prag, 23. August. Nach einer stürmischen Debatte wurde das Präsidium des Kongresses ohne Misrachi und Revisionisten gewählt, und zwar Leo Motzkin, M? Ussischkin, Izchak Grünbaum, Dr. RüfeTsen, Ing. Kapiansky, E. Kaplan, J. Sprinzak. Prag, 24. August. In der mit der deutsch&n Judenfrage Befaßten Nachtsltzung kam es., heute zwischen den Är^eltervertretern und den Revisionismen zu einem Handgemenge; die Faschisten wurden hinausgedrängt. Nachstehend berichten wir über Eröffnung undi Verlauf des Kongresses: . v., ..... , , per ErÖffrrongsabend. Prag, 21. August. Nach einem wirkungsvoll vorgetragenen Chor „Ha' Ielujah" erhob sich Präsident Nahum Sokolow zu einer Eröffnungsrede. Er sprach hebräisch. Begrüßte die Vertreter der Tschechosifowakischen Republik, die Bevollmächtigten Großbritanniens, Frankreichs, Polens, Italiens und Amerikas in französiactaemg'Hscher Sprache, und führte dann aus: Der Zionisttenkongreß versammle sich in einer Zeit der Not und des Leidens. Die ganze Tragödie des zweitausend jährigen Galiuth habe sich unseren entsetzten Blikken entschleiert, Die 'ruhige Diasporastimmung sei verrauscht und man stehe vor den Trümmern der Judenemanzipation in einem der größten Staate der Wel/t. Sei das wirklich so plötzlich, so unvorhergesehen! hereingebrochen? Nein; Schon vor 36 Jahren habe Theodor HerzJi -die antisemitische Lawine' herannahen gesehen. "Mit seinem Instinkt ha.be er die-Stimmunge»'' <fer •■ Massen'*-:lmd''-der Parteien in der Welt erkannt; deshalb sei '■ seine Judenstaatsformel so trostlos notwendig, so verzweifelt folgerichtig. Und er hatte den Mut, die Wahrheit in der Tragödie der jüdischen Heimatlosigkeit zu erkennen und sie der Welt zu verkünden. Die Zionismen schufen die Parole vom konzentrierten Aufbau Palästinas. Weicher Segen wäre jetzt eine fertig gebaute Heimstätte als Zuflucht für unser unglückliches, heimatloses Volk, hätten wir von Anfang an im Laufe der vielen Jahre alle an diesem Werk gearbeitet. Aber die Lüge in unserer Mitte, die Lüge der Assimilation und der Mimikry bemühte sich, unser Volk glauben zu machen, der Antisemitismus sei eine Vorübergehende, rasch überwundene Episode, ein Popanz, die Kinder zu schrecken. Und daß gerade in Deutschland der Assimilationsdusel die Kaprize hatte, Zion und Jerusalem aus dien zweitausendjährigen Gebetbüchern auszumerzen, in der Annahme, hiedurch für alle Zeiten die Liebe der Mitbürger sich zu sichern, oder daß die jüdische Gemeinde Münchens im Jahre 1897 in „ihrer' Stadt den Zionistenkongreß micht abhalten ließ, bleibt eine bittere Ironie der Geschichte.,, Der. Sirin dieses ZioMSitenkongresses besteht darin, öffentlich vor der Weit die Klage einer verfolgten Nation aufzurollen. Die Lösung der Zjons-Idee muß jetzt wieder als Lösung der Judenfrage wie ein neues Tageslicht vor die Oeffentlichkeit aufsteigen. Erfüllt vom Ernst des Augenblicks, richtet die gegenwärtige zionistische Tribüne, in aller Schärfe, von der Höhe eines unpersönlichen. Objektivismus, aber mit einem Verantwortungsgefühl, das über Leben und Tot einer Nation entscheidet, folgende Fragen an die zivilisierte Welt: „Wie denkt Ihr Euch iflie Sicherung der weiteren Existenz des jüdischen 'Volkes, wo rna(i> die Axt an die Wurzel seines Daseins gelegt hat? Soll dieses Volk immer und ewig in der Welt herumvajgabundieren? Soli unser Volk immer von Latnd zu Land, ein. lebendes perpetuum mobile, seines historischen Landes beraubt, abgewälzt werden? Soll das irrende Leben, welches zur Ruhe kommen iwill, nie und nirgends Ruhe finden? Ist dies nicht ein Zustand, der den elementarsten Begriffen menschlicher Zivilisation Hphn spricht? Wo bist Du, zivilisierte Welt, Du, Europa., Du, Völkerbund? Und wo bis/t Du, hochverehrtes Deutschland Goethes, Schülers, Leasings und Kaiser Friedrichs, der den Antisemitismiis als „größte Schmach des Jahrhunderts" gehrandmarKt hat?" Präsidenten1: Kapiansky, Sprinzak und Elieser Kaplan/ von der'Arbeiterschaft, Grülnibaum von den Radikalen, Ussischkin und Rufeisen von den „Allgemeinen". IDas Präsidium wird mit lebhaftem Beifall begrüßt. Die Revisionisten und der Misrachi erklären, daß sie dem Präsiditim kein Vertrauen! entgegenbrin- Aucli d|e Ju^enhetze sei ein Krieg, mit ,äliien seüien Schrecken. Die Juden steien fteliie .Fejnc|j Dei^chjands? ini Gegenteil, sie seien,Freunde und., Bewjm<lerer seiner Kultur. Aber wo es sich lini Ehre und die nackte Existenz nändfe, müsse auch das jüdische Volk seine Stimme erheben. Da der freie Entschluß aber die Zusammengehörigkeit des Volkes nicht herbeiführen konnte, so müsse es jetzt eben das Unglück tun. Noch nie stand das jüdische Volk so mitten im Leiden — noch nie war Palästina so im Glänze wie gerade jetzt. Das Land der Verheißung habe begonnen, ein Land der Erfüllung zu werden. Palästina habe aufgehört, nur ein Diskussionsthema zu sein und sei infolge der Zeitereignisse eine jüdische Volkssäche geworden und ein Obdach für leidende Juden — vielleicht auch für Antizionisteh. Der Weg zur Lösung gehe über die V ersehn fachung der Arbeit für die Fonds, die für die Ausgestaltung und den Ausbau Palästinas sorgen. Es folgten Begrüßungsansprachen von seiteri des Vertreters ''der tschechoslowakischen'>Regierung, des Vertreters der englischen Gesandtschaft, des . Präger Stadtrates, des Vertreters des Internationail'en Arbeitsamtes in Genf, des Präsidenten der Israelitischen Kulitusgemeinde, und . vieler anderer jüdischer und nichtjüdischer Gäste. . Die Beifallsstürme der Freude und der Begeisterung nach den warmen Worten der vielen Freunde des Zionismus sind verrauscht — die Trauerweisen des „Ussane Tokef" ertönen vom Sängerchor vorgetragen, zum Gedächtnis Arlosoroffs. Berl Kätzejielson, der langjährige frührer der palästinensischen Arbeiterschafit, nahm das Wort, üm des sö frühzeitig durch einen verbrecherischen AnselJlag• dahingerafften politischen Leiters der zionistischen RäJästina-Exekutive, - Dr. Chaim Arlosoroff, zu gedenken. In tief empfundenen Worten, die von Freundschaft und Verehrung für den großen Toten getragen waren, entwarf Katzenelson in der. altneuen Volkes ein lebendiges, ergreifendes Charakterbild Arlosoroffs und seines tragischen Geschickes. Er führte aus: „Wer nicht die Arllosoroff-Trauer in Erez Israel miterlebt hat, weiß nicht, was nationale Trauer bedeutet. Dieses Moment von nationaler Wachsamkeit gehörte vielleicht z uden wenigen entscheidenden Momenten in unserer Geschichte, ein Moment, das vielleicht als historisches Datum, vielleicht als trauriges Datum, aber als historisch entscheidendes Datum gelten wird. In solchen Momenten fühlt man die lebendigen Kräfte des Volkes. Arlosoroff hat nicht nur im theoretischen Studium Ausdauer bewiesen, er war ein Mann des Geistes und der Tat. Er hatte ein Herz, das die Schönheit empfand, in Literatur, in Kunst und Poesie. Hauptsächlich die Schönheit im Leben, im Menschen und in seiner Arbeit. Sein Gefühl für Schönheit hatte nichts mit Aesthetentum gemein. Vor zwei Jahren wählte ihn die Bewegung in schwerer Zeit zum Verwalter, zum politischen Leiter der zionistischen Exekutive in Jerusalem. Die Parteien kamen mit Vorwürfen, ja man' stellte an den Präsidenten die Forderung, er solle die Bestellung Arlosoroffs rückgängig machen. Damals standen in einer Zeitung die Worte: „Nur nicht Arlosoroff!" Und dieser junge Mann in der Arbeiturbluse trat, jung und unerfahren, ans Werk heran. Er bediente sich nicht gleißender Worte, jagte nicht nach politischen Gesten, ging ernst und gewissenhaft an seine politische Arbeit, wie ein Künstler an sein Werk, nicht wie ein Handwerker, denn vom ersten Moment fand er seinen Weg, der war wie er: frei und natürlich. Chaim Arlosoroff isft uns genommen worden. Aber :;v'vi , ■■•■;»■■,'.:.'.■ -/uu«i:.'>,t-, r,- i^k.u't w*mmmmm*mmmmmmmm mm gen. Keiner kümmert sich mehr um sie. Die erste; Schlacht ist siegreich beendet worden. Die Ueberlegenheit 'i-der Arbeiterfraktion! ist dokumentiert >Die Arbeiterfraktion arbeitet sehr fleißig. Ueberj das Problem der Juden in Deutschland wurde eine sehr interessante Ausspräche abgeführt.

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