Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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18. August 1933 Der jüdische Arbeiter. Seite 3. SONDERANGEBOT an Abonnenten unseres Blattes 1* Ber ßorochowt Sozialismus u>nd Zionismus (Ganzleinen). Dieser 400 Seiten starke Band enthält die Hauptwerke des größten Theoretikers und Führers der Poale-Zion-Bewegung. 2< S. Kaplansky: Fyn Unsog zu Farwirklichung. In zwei Bänden von insgesamt fast 650 Seiten sind die wichtigsten Aufsätze unseres Führers Kaplansky in jiddischer Sprache gesammelt. Die Themen sind außerordentlich vielfarbig. Das Werk hat aktuelle Bedeutung. 3. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina, Aufgabe und Werke (Ganzleinen). Diese dem Kongresse der Sozialistischen Arbeiterinternationale in Brüssel 1928 unterbreitete Denkschrift hat nicht nur historischen Wert, sie dient als ausgezeichnete Einführung in die Be- ■ strebungen und in das Organisationswerk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Die Denkschrift, von Walter Preuß verfaßt und mit einer Einleitung von S. Kaplansky versehen, Ist im Buchhandel* nicht mehr zu haben. Wir verfügen über eine beschränkte Anzahl von Exemplaren. 4. Mendel Singer: Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus (Ganzleinen)* Das Werk von Singer führt in die Ideologie der zionistisch-sozialistischen Bewegung «in und enthältauch eine eingehende Auseinandersetzung mit den Vertretern der Assimilation. Dank seiner gemeinverständlichen Abfassung erreichte dieses Werk eine große Verbreitung. 5. Die blutigen Ereignisse in Palästina (1929). Diese Schrift enthält eine sachliche Schilderung der traurigen Vorgänge des August 1929 in Palästina und Kundgebungen der größten sozialistischen Parteien der Welt, sowie ihrer Führer zum Palästinaaufbauwerk und zum jüdisch-arabischen Problem. Sie schiließt mit einer. Erwiderung von Mendel Singer an Karl Kautsky auf einen den Zionismus ablehnenden Aufsatz. Diese 5 Werke, deren Buchhandelspreis S 25.50 beträgt, erhalten die Abonnenten des „Jüd. Arb." zum Preise von S 15.—, gegen Voreinsendung des Betrages an die Administration unseres Blattes, Postspäirkassetnkonto 17878, Wien, II., Blumauergasse 1. ' Niemand versäume die, Gelegenheit, um einen verhältnismäßig geringen Betrag eine so wertvolle Sammlung zu erwerben! auf diesem Gebiete vom tönenden Schlagworten und nebelhaftem Vorstellunigien leicht angefangen werden konnten!. Die! Gefahren, die der Organisation drohen, wenn mit der revisionistischen Partei Methoden zur Geltung kommen, die zwar innerzionistisch Sensation erregen;, außenpolitisch, aber nur zum Bankrott führen, können nicht überschätzt werden. Diese Gefahr ist solange da, als den, Massen1 und vielfach! auch' den zionistischen' Journalisten solches Verständnis fehlt. Gerade wir sind geneigt, mit messerscharfes Logik an; der Wirklichkeit vorbeizuschließen, Voraussetzungenals unabänderlich anzusehen, um.von ihnen zu Folgerungen zu gelangen, die zwar in ein System passen, aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun! haben, und vor allem, unangenehme Tatsachen, besonders solche des psychologischen! Oberbaus zusehen, aber nicht in Rechnung zu stellen. Dazu kommt noch, daß die jüdischen Massen; in Ost- und Zentral:-* europa unter Völkern' leben, die selbst erst zu außenpolitischem Verständnis erzogen werden. Die revi-. sionistischen Außenpolitiker konnten es sich daher erlauben, sofort neue Systeme hervorzuholen, wenn die alter« durch .überraschendes Eintreten des Gegenteils zu absurd geworden waren. So ist ihr der-; zeitiges Programm ein Bukett von: Wünschen, deren Erfüllung niemals von Leuten erzielt werden kann,, die am liebsten mit Kräften drohen, die noch .garl nicht vorhanden sind. Das jüdische Volk ist seit dem Uganda-Angebot Joseph Chamberlains ein Objekt der Außenpolitik. Will es handlungsfähiges Subjekt werden, so darf die! Zionistische Organisation: als sein Repräsentant außenpolitische Eskapaden' einer untergeordneten Gruppe nicht zulassen. Insbesondere die jüdische Arbeiterschaft muß; mehr als bisher in ihrer Presse außenpolitischen! Vorgängen, ihre Aufmerksamkeit schenken, denn sie ist es ja letzten Endes, die bezahlen muß, wenn] es schief geht. Im allgemeinen: soll bemerkt werden, daß. jedaf " Betrachun'gt außenpolitischer Vorgänge vom zionistischen Standpunkte, davon ausgehen muß, daß, Erez Israel, einerseits von den Vorgängen im nahen undi mittleren Osten und im östlichen Mittelmeer beeilt-* flußt wird und andererseits weltpolitische Ereignisse, die die Lage des jüdischen Volkes in; der Gallith beeinflussen, mittelbar und auch unmittelbar auf Erez Israel wirken, denn die Entwicklung in der Galutfh! iuwd im Jisch'uw stehen: in: direkter Wechselwirkung zu einander. Dazu kommt noch die Politik der Mandatarmacht, die in ihren Bezieh'ungien zu den: Dominien, Indien und den Weltmächten, ihre Behandlung des Mandates von Erwägungen abhängig macht, die . mit den Aufgaben des Mandates nichts zu. turß haben, aber doch oft die Handlungen Englands in Erez Israel entscheideni. Efas Letztere läßt sich aber deshalb nicht vermeiden, weil jede andere MachU als Mandatarmach't ebenfalls ihre Entscheidungen in Erez Israel von ihren eigenen Interessen ebenso! mitbestimmen ließe, wie von den Aufgaben des Mandates. Alroy. Alijahfragen auf dem 18. Zionistenkongreß Von1 J. Mereminsiky. a) Ali jah! 'oder Spekulation»? Es gibt beute kaum ein Land, wo die Auswan'derungsfrage nach' Palästina nur theoretislcher Natur wäre, keine jüdische Familie, in der nicht ein; Mitglied sieb bemüht; mach Palästina1 tau gelangen. Di© Häuser aus1 Beton.' gebaut, die Orangen, die durch ihre Qualität sich den Weltmarkt; erobert haben, die Kinder!, die neue Generation auf dem Boden des arbeitendem; Erez-Istael — sie alle sind Zeugen' tfiesi wirtschaftlichen und kulturellen; Aufschwungs deis Lanldles, tfu einer Zeit, da die ganze Welt darniederliegt. Bodenspekulation "besteht schon geraume Zeit am Langte, in letzter Zeit gesellte sich dazu eine Spekulation! mit Alijahlosungen und Zertifikaten'. Masisen wollen nach Palästina, sie sehen', daß die Arbeit der Ohaluzim Ewiohte trägt, sie freiueü sich darüber, ihr Mut steigt, und sie sehen' alles im Lande leichty einfach und schön. Masisen lesen von Prosperität und denken; es1 gibt keine) Armut ■ im Lande mehr, man lebt dort sorglos in den; Tag hinein. Es finlden sich politische Spekulanten1, die durch ihre Presse Nachrichten in die Welt hinausposaunen;, daß jeder Jude auch ohne Beruf und >obne Kapital im kurzen Zeit zu Reichtum ^gelangen kann1. Nur eines1 darf eri nicht stein: Chaluz. Der Chaluz hat sich überlebt. UoJd die sogenannten Mittelständler kommen ins Land ur/d wisfseh nicht was anzufangen, sie sind keine Spekulanten, aber — sca unserem Unglück unß zu ihrer eigenen' Schanide sei es gesagt: Hier in Erez-Israel werden sie es. Unid sie müssen es werden1, weil sie ohne Geld und ohne chaluziache Willenskraft keinen anldejren' Weg finden' können. Und diejenigen1, welche der Masse diesen Weg gewiesen' haben — sie wenden zu Rettern- Israels und haben obendrein noch die Stirne, sich als Kämpfen gegen! Spekulantejntum auszugeben. Aber diese Alijah-Spekulation! ist in Wirklichkeit der. größte Feirid des' Mittelätändes,seiner Existenz, und Ehre; und bringt Unglück über den Aufbauproaeß im Lande. So werden die eigenen. Grundfesten unterminiert. Das Land ist öde und verwahrlost, und kann nun durch, hingebungsvolle, selbstlose Arbeiter, und1 jene Teile des mm^mmmm^mmmmmamummmmmammmmMmmmm^ammm Bürgertums aufgebaut werden1, welche Treue halten der jüdischen Arbeit und der neuem Alijah. Mehr denn je muß man heutet mit Alijah-Losbmgenl vorsichtig sein. Die Massen, die nach Hedmatserde, nach menschlichen Lebensbelddngungen lechzen', mit falschen,' titiopiistis'c'menl Dosungen täuschen au wollen, ist unverantwortlich, ja sogar venbrechedsoh-, notahenei, wenn diese Losungen von1 Führern des reinem, lOOprozentigen Zionismus kommen. Der Weg zum Judtenstaat ist noch weit' und1 dornenvoll uinid chaluizischer Idealismus ist die erstei Voraussetzung) für 'den Erfolg der Volksalijah, für ihre Eingliedeirung unid damit für den weiteren Aufbau dejsi jüdischen' Volks - Staates. b) Der Alijahweg des» Arbeitein'zi'onlis'mus. ■ Gewiß ist heute die Juidenn'ot aktueller, als sie vor 1& Jahrein war, aber auf der anderem! Seite sind auch' die Alijahmöglichkeiten heute bedeutend größer geworden'. Und dies ist dem chaluzischen Charakter de|st Palästinaau'fbaues' zu verdanken und jede Aenderung dieser Struktur unterbandet den Weg der Volksalijah'. Den' Weg nach Erez- Israel erkämpft man nicht mit Losungen', sondern mit' Ta/ti'eln'. Die Giesbhichte liefert; unsi den' besten1 Beweis hiefür: nicht diejenigen, welche zur Zeit Kemal Paschas! auf dien zionistischen Kongressen von freier! Alijah geträumt haben', haben die Tore Palästinas! geöffnet1,- sondern jene Menschen', welche einzeln und' mit Einsetzung ihrer gan'zen Person den Weg nach Erez-Isfnael gegangen' sind1, Ihalben d]i> heutige Situation geschaffen. Die Bewegung darf micht vergessen, daß nloch gestern .sich große Schwierigkeiten auf dem Wege nach Erez-Isfnael türmten', sie muß bedenken, daß schon1 morgen' die Alijah-Inflation —- ihre moralische und kulturelle Entwertung — sich am Geis'amtaufbau bitter rächen kann:. Einige Worte wegen die|s „Gestern". Es war am Morgen nach dem Weltkriege. Millionen Juden' standen an täten Trümmern' ihner zerstörtem1 Städte, ihres1 geraubtenf Hab und Gutes. Elend und verwaist standen1 sie an der Wiege fller neuentstandenen „Freien Republiken". Damalsi hat der. Aiheiteraioarismus1 auf der Jahreßkonferenz in jLonÜjon die Forderung auf „freie Einwanderung nach Palästina" aufgestellt. Der Jude selbst s'oll sein Schicksal' in Idiie ,Han'd nehmen. Alle Beisehränkungen von außen urid von innen1 müsiseu fallen. Nur schöpferische Leistuug, auf daß das1 Volk im Lam'de Wurzel fasse. Das war der große Alijah-Weg desi Arbeitszionismus'. :Zweimal wurdeni unsere Fordeirumgen in der politischen' Kommission abgelehnt mit der Begründung: Alijah wäre verfrüht, ja sie wäre eine Gefahr. Erst die Drohung de& Alijahgläubigen. und nach Alijah' durstenden Arhieitsizionismu'S die Frage im Plenum deju Jahreskonferenz; aufzurollen, hat dje Ehre demselben' gerettet und im Plenum wurde der Beschluß! formuliert: B,Wir fordern' das Recht auf freie Einwataldeftuing". Aber wer hat sich fün diese Forderung eingesetzt? Nur die Ghaluizim, welche gegen1 den! Kurs! des! offiziellem! Zionismus schwer ankämpfen mußten; da sie bereit waren!, das Recht auf Alijah zur Tat umzuwandeln!. Man hat.'der Arbeiterß'tfhaft vorgehalt!ejn<: Es) herrscht ja Arbeitslosigkeit in Erez Israel, eß' gibt keine Erde;( keine Wohnungen. Uniöl (damit nibhtj genug, haben' sie auf den' Bahnhöfen und! Hafenstädten sie versucht, die von Arbeit un'd Aufbau beseelte Armee aufzuhalten. Aber stärker als alle Zweifel und EKndemis'se von Dejdarationis- und Messiaszionisten; war den gewaltige Strom jder an die Zukunft glaublenden Chaluzim. Sie haben denj Weg geebnet, siei haben dasi Volk mit Glauben' und Mut' beseelt und ArbeitsmögHchkeiteu geschaffen für Tausen.de; die bereit waren; sich mit den Erde zu1 vermählen' undi ihre Früchte zu genießen. r Herr Jabotinlsky hat nach dem Jaffaen Pogrom Sir, (Herbert Samuel, .dem Manne, den die Alijah abstellte^ slein Vertrauen ausgedrückt. Aber die Arbeiterschaft antwortete mit Verdoppelung ihrer Anstrengungen' und Vergrößeirung der Alijah. Heute sieht schon; jeder, daß die Alijah nelue Arbeitsmöglichkeiten im Landie Schafft und sie dem Schlüsisel zur in1- . düstriellen Entwicklung ist. Die Arbeiterschaft mit ihrer Alijah; mit! ihrer hart- . näckigen, allem Trotz bieten'dem Energie,- hat Anbeit'simögr lichkeit geschaffen; für sich; für ihre Eltern!; fün nationale Kollektiven urid für Privatkapital. c) Alijah-Wirklichkeit ö'd'er Lcälungen'. Aber geradle jetzt, zur. Zeit des! Siegest des gerechten! chaluzisclbem) Wegeei, werdem Verleumdungen und Ränke! geschmiedet gegen \die Chaluzbewegung. Menschen; bei! denen,, Freiheit und Alijah nie mehr afe Lippenbekenntnis! war, rufen1 plötzlich nach „freier Alijah" und. bekämpfem: die Chaluz-Alijah. Der Chaluz hat seine Pflicht getan und nun ist' die Reihe |an! uns' .seine Saat zu ernten'." — Das' ist der tiefe Sinn des' antittbaluziisichen. Kampfes, der auf diesem Kongresse entflammen wird'. j^Eine Sintflut ist über die Erde gejkbmmen^ rufen! die Revisionisten und ihre klerikalen Ablegen, die Misraohi. Für sie ist die Alijah eine Ehe, geschlossen1 zur Zeit der Katastrophe auf dem Friedhofej, um die' bösen! Geisten zu vertreiben'. Für unsi bedeutet Alijah Kampf gegen die Katastrophe, aber nicht mit trüben, zauberischen' Mitteln; sondern mit gesunden, schöpferischen Kräften; auf dem Kampfboden' (dier Arbeit. Sie bedetutet ferner für ums Sammlung aller! produktiven; im Dienste des Volksganzem1 stehenden' Energien, um den geistigem und ökonomischen' Untergang! dier Volksmasisen hintanizuhalten. Für uns ist Alijah keine; regellose Flucht, sfonldiem1 eine systematisch organisiert©! Bewegung im Kampfe für unser Recht auf Arbeit um ein freies), gesUn'dJes Land. Anstatt des Kampfes gegen; Ohaluzim muß der Kongreß' den Hechaluz s'tärken durch konstnufctive SchöpfuJigeni; Auch der Mittelsltändler, den etwas? Kapital, Unternehmungsgeist und •Alijahwillen' besitzt, seil gefördetrt1 unJdl unterstützt werden'. Jielder muß .produktive Arbeit leüsten; damit: das Land aufgebaut werde durch die Händie anbeiteriden Mem- . sehen, eines schöpferischem Volkes in Stadt und! Dorf.. 50° oFaiippreisermäBigung nach 2m zum Zionisteit-KofigreB und zur Prager Herbstmesse_ Messelegitimationen ä S 5,— in allen Reise* büros und beim Bevollmächtigten der Prager ^^^^^k Messe, Wien I, Dorotheag. 6, Tel. ^^^B