Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Der jüdische Arbeiter. 18, Augüst 1933 Mögen sie sich aber auch1 dessen: bewußt sein, daß ,Wegd dazu da sind, wirklich begangen; zu werden, daß der Schwerpunkt der Arbeiterbewegung nicht irt Paris, sondern' wie immer auch heute in jedem Arbeiterherzen! liegt! # Der 18. Zionistenlkongreß in Prag wird sich mit Problemen auseinanderzusetzen haben, die sich auf dieni Faschismus innerhalb und außerhalb der eigenen Mauern zurückführen lassen. Alle Verhandlungen und Beratungen des Kongresses werden im' Zeichen) der größten Judenverfolgungen aller Zeiten, der Vertreibung der deutschem Juden, stehen. Es ist unser Schicksal, selbst danin, wenn uns furcht-/ barer Schmerzin der Seele brennt, uns beberM schien zu müssen, selbst das Recht auf den Schmerzensschrej ist uns versagt. Ueber alle, vielleicht nur) zu berechtigten Bedenken hinweg, wird der Kongreß! Protest einlegen gegen das Martyrium, daß! die 'nationalsozialistische Regierung unseren Brüdern in Deutschland! bereitet. Der Protest wird, wie wir hoffen, eine Form finden, die nicht vom Herzen, sondern von der Sorge um die noch in Deutschlands verbliebenen Juden diktiert sein wird. Aber nicht der Protest ist es, was wir vom! 18. Kongreß erwarten;' Was wir von ihm fordern, ist praktische Hilfe füii das deklassierte Judentum Deutschlands und aller anderen! Länderl Die Epoche ist gekommen, da der) Zionismus zu beweisen haben wird, ob er imstande! und berufen ist, einen Teil der Judennot zu lindern1,, die materielle Judenfrage ihrer Lösung näher zu bringen). "Wer den Verlauf der letzten Zionisten-' kongresse und ihre Ergebnisse, 'insbesondere aber? des 17. Kongresses, kennt, weiß es nur zu gut* daß auch, die höchste Instanz der zionistischen Organisation die Tendenz hat, papierene Beschlüsse, die niemals in Wirklichkeit umgesetzt werden, zu fassen. Insbesondere der letzte Kongreß: hat durch1 die von: den zionistischen Faschisten provozierte JudenstaatsL debätte, den1 Kampf um die Endzielforrnuiieruing, jede Beziehung zur jüdischen Wirklichkeit verloren. ,Wir sehen dem kommenden Kongreß mit einigem Optimismus entgegen. Der Wahlkampf hat dem Sieg dler zionistischLsozialistiscben Weltbewegung gebracht, der zionistische Sozialismus wird fast die! Hälfte des Kongresses bilden. Das heißt: die Vertreten des arbeitenden Palästina und der proletarischen jü> dischem'Massen des Ostens, werden die Richtung dieses Kongresses bestimmen. Große Verantwortung lastet auf unseren Genossen und' Freunden, die wir zu diesem Kongreß, entsenden: von ihnen hängt es in höchstem Maße ab, ob dieser Kongreß,1 einj Arbeitslkongrdß im wahrsten1 Sinne des Wortes sei.ni wird, ein Kongreß, wie ihn Ch'aim Arlosoroff an-( _ gestrebt hat. An 'anderer Stelle unseres Blattes wird die Frage erörtert, welche Parteien' des Kongresses für ei nie verantwortungsvolle Gestaltung desselben bereit sind. Aber auch hier muß, 'festgestellt werden, daß dieser Kongreß nur dann ein wirklich' „guter" werden wird(i daß er den breiten Massen, die von ihm die Antwort auf ihre Nöte erwarten, niur dann keine! Enttäuschung bereiten! wird, wenn jeder Einfluß: der faschistischen Fraktion auf den, Gang der Verhand'lungein ausgeschaltet sein wird. Wir wissen nicht, wo unsere Genossen, nein, alle nichtfaschistischen Zionisten, diel Kraft zur Selbstbezwingung hernehmen werden, wenn sie bei der Eröffnung des Kongresses das Andenken Ch'aim Arlosoroffs in einem Saale feiern werden,; inj welchem auch Menschen sitzen, die diese größte, ja einzig große Hoffnung des Arbeiter- und Gesamtziomismusf beschimpft, verflucht, für todeswürdig erklärt haben1 und jetzt auch1 die moralische Verantwortung für die Ermordung Arlosoroffs tragen,! Wir sind uns dessen bewußt, daß die einzige würdige Feier Arlosonoffs, der Ausschluß! der Fraktion Jabotinsky vom Kongreß, leider unmöglich ist, hoffen1 aber, daß es der Kongreßmehrbeit gelingen wird, sie in die! Schranken zu weisen. Die Aufgaben1 des Kongresses sind1 immens. Auf eine Formel gebracht: der Kongreß; wird die Wege< festzustelleni haben, die der jüdische Aufbau in Palästina zu gehen haben wird, um Leistungen zu voll" bringen, die den gewaltig gestiegenen Bedürfnissen; der jüdischen; Massen entsprechen. Das erfordert die1 sachliche Ueberprüfung der bisherigem Kolonisationsmethodeni und Anpassung des Instrumentes unserer? Aufbauarbeit, der zionistischen Organisation, an die neuen Aufgaben. Einheitlich1, innerlich geschlossen,; geht die Abordnung der zionistischen Sozialisten zum' Kongreß. Sie sind so recht die wahren, Vertreter derer, denen der Zionismus nicht eine Angelegenheit der geistigen Spielerei, sondern wirkliches Lebensbedürfnis ist: sie wurden von den jüdischerfi Menschen des Ostens, für die der Zionismus die? letzte; Rettung aus ökonomischer Not, und von den unmittelbaren! Verwirklichern des Zionismus, den jüdischen Arbeitern Palästinas, gewählt. Sie kennen die wahren Nöte der auswanderungshungrigen jüdischen Massen) und die Notwendigkeiten des Aufbaus Palästinas. Von diesen beiden Grundelementen des Zionismus, von seinem Ursprung und seinem Ziele,) werden sich die . Arbeitervertjneter leiten lassen. Sie haben die Wirklichkeit auf ihrer Seite: eine phantastische Spekulationsorgie in Palästina droht den, jüdischen Massen die Tore in ihr nationales Hefmi zu versperren, und zeigt die Gefahr einer planlosen Kolonisation. Das Programm der roten Kongreßdelegation ist eine Synthese privat- und gemeinwirtschaftlicher Aufbaumethodeni: möge sich' beim' Kongreß leine machtvolle Mehrheit für dieses Programm finden, denn nur dann wird' er sich del". Not der Stunde gewachsen1 zeigen1. M. P. M. Neustadt: Organisationsfragen auf dem 18. Zionistenkongreß i. Es ist unzweifelhaft, daß der 18. Zionistenkongreß einen 'wesentlichen Teil seiner Verbandlungszeit organisatorischen Fragen widmen wird. Im Februar fand sogar eine besondere Konferenz der, Organisations- und Propagandakommission statt, die einel Woche igewäh'rt hat und ein sehr reiches Material für den 18 .Kongreß vorbereitet hat .Der verschärfte) Wah'lkampf, die politische Hochspannung) nach der Ermordung Arlosoroffs, hat die organisatorischiejnf Fragen der zionistischen; Bewegung wieder in den! Hintergrund dies öffentlichen Interesses gerückt. Es1 ist unsere dringendste Aufgabe, das Interesse/ der öffentlichen zionistischen Meinung wieder auf! unsere? Organiisationisprobleme zu lenken. Der organisatorische Zustand der zionistischen: Bewiegunlg ist traurig geniug, die organisatorischen* Fragen werden lang genug mit vollkommen1 ungenügendem Ernst behandelt, bei diesem Kongreß muß; zu ihrer Erörterung und Lösung die notwendige Zeit und Geduld gefunden werden. , Die Arbeiterbewegiung hat an; der sachgemäßen! Behandlung der 'organisatorischen Probleme ein besonderes Interesse. Während auf den anderen Gebieten der zionistischen Arbeit der wachsende Einflußi der Arbeiterschaft fühlbar wurde, und gewisse Veränfderungen festgestellt werden konnten, auf dem orgamV satorischeni Giebiet ist fast keine Aenlderung festzustellen; nichts bringt die Veränderung der Kraftverhältnisse in der Struktur der zionistischen Organisation! zum Ausdruck. II.!Es üst wahr, daß die zionistische Organisation) ei nie sehr komplizierte Körperschaft, unier organj-, satoriscbent Gesichtspunkten betrachtet, ist. Ihre Tätigkeit (erstreckt sich1 auf 54 Länder mit verschieden), sozialen Arbeitsbedinigu'ngen, Sprachen1, kulturellenj. Eigen'artigkeiteni, politischen! Besonderheiten. Es lassen sich überdies schwer allgemeine organisatorische Prinzipien aufstellen, die den verschiedenartigen Teilen''' der Bewegung entsprechen würden. Andererseits darf diese Zersplitterung nicht übertrieben wei;den, man1 vergesse nicht, daß sich' mehr als 90 Prozent de^ Bewegung auf einige wenige Länder konzentrieren!1- IDer große Fehler der bisherigen Organisationsimethodenl bestand darin:, daß, die höchsten Organe) der zionistischen1 Organisation einseitig ihre Aufmerksamkeit auf alle 54 Länder konzentrieren. Jedes Land' mit seiner spezifischen Mentalität und seinen arteigenen Interessen wurde als der 54. Teil der Bewegung betrachtet;man hat jedem Land den 54. Teil! der Aufmerksamkeit geschenkt, und den 54. Teil1 der organisatorischen Arbeit gewidmet. Diesel Or'ganisationstaktik muß als völlig verfehlt bezeichnet werden. Es ist für die SchlagfertigkeiU Aktionsfähigkeit das Wachstum und die; Stärkung der gesamten zionistischen Bewegung nicht dasselbe, ob! sich unter fünf eventuell1 organisatorisch schwächeren! Ländern Schweden, Finnland1, Luxemburg, Estland, Danzig,, oder Polen1, Rumänien, Vereinigte Staaten; Litauen und die Tschechoslowakei befinden. ' Es muß, für jeden; klar, sein, daßi sieh1 die OrgainJsaH tionstätigkeit vor /allem der gegebenem Lage, Notwendigkeit und Mentalität der 8—10 wichtigsten1 Länder; anpassen muß. Das bedeutet natürlich1 nicht, daßi man die übrigen 44 Länder vernachlässigen1 sol'l!{ Man muß nlur die Bemühungen aufgeben, für alle) Länder dasselbe richtige organisatorische Arbeitst schema ausfindig! zu machten!. Laßt uns vor allem,1 die richtigen: Arbeitsmethoden für die acht bis zehhl wichtigsten Länder feststellen!, die 90 Prozent den Gesamtbewegung ausmachen! Das ist leichter und; durchführbar. III. Die zionistische Organisation ist eine demokratische Volksbewegung, der Kongreß;, ihr höchstes! Gesetzgebungsorgan, wird auf demokratische Weisel gewählt. Es gibt Zionisten, welchen diese demokratische Verfassung als nicht dem Geiste der Zeit entsprechend erscheint, die das demokratische Wahlrecht zum' Kongreß beschränken möchten, zumindest aber eine Begrenzung 'tfer Zuständigkeit des Kongresse^, vorschlagen. Diese Pläne haben keine Aussicht auf Verwirklichung. Man darf aber die Wahrung des demokratischem Charakters des Kongresses nicht mit der Sicherung der Demokratie, der Vollzugsorganie und der Fondsverwaltungen verwechseln! Der Geist der Bureaukratie beherrscht die zionistischen Behörden. Die Bewegung ist ohne Einflußi auf ihre Verwaltungsorgane! Selbstverständlich -muß die Leitung unserer! Fonds zentralisiert •werden. Muß das aber bedeuten/ daß zum Beispiel das Keren-Hajesso;d-Direktoriuim; in Polen völlig von der zionistischen Bewegung in Polen getrennt sein müsse, daß, die Leitung untd! die Arbeitsmethode des Keren-Hajessöd völlig ohne Kontakt mit der wirklichen Bewegung bestimmt werden? Das Haupitdirektorium enitschekiet, wer die Meinung der zionistischen Bewegung in Polen über: die Arbeitstaktik des Fonds zum Ausdruck zu brimgen hat und damit ist die Sachte! erledigt. Ist es ein? Wunder, daß der Fonds darunter leidet? Gleiche* Verhältnissei herrschen auch beim Nätionalfonds. Ist es zulässig, daß die höchste Instanz in allen Fragender Natinoalfo.nd'sarbeit sich' in Jerusalem befindete Noch' stärker kommt dies beim Palästinaamt zum Ausdruck! Alle .administrativen Angelegenheiten werden von der Bürokratie kontrolliert und erledigt. Es hat sich, fcler gesellschaftlich paradoxe und! schlechthin untragbare Zustand entwickelt, daß* den Leiter; des Palästinaamtes, der einem großen Apparat verwaltet und über relativ große Geldmittel verfügt, ausschließlich nach Jerusalem über seine Arbeit berichtet. Di[e lokale Palästinakommissiora hat kein Recht, diese Berichte zu kontrollieren. Und1 auf Grund dieser Berichte werden dann wieder ausschließlich* in Jerusalem die Richtlinien für die künftige Arbeit beschlossen. Es wird uns niemand verdächtigen, daß wii\ plötzlich Feinde des Apparates geworden sind! Wiir verstehen ausgezeichnet seinen Wert. Wir nehmend alle am Apparat Anteil. Aber gerade deshalb, weifr wir wissen, welche Gefahr ein solcher Apparat für?- die Bewegung werden kann, wenn er sich von ihren Kontrolle losgelöst hat, 'halten wir die Aenderung des geschilderten Zustandes für die dringendste Aufgabe des Kongresses. IV. Die Mißverhältnisse innerhalb der zionistischen/ "Organisation müssen durch den obligatorischen Beschluß! des Kongresses geändert werden, endlich den Territorial verband zu schaffen! In jedem Land muß, ein Territorialverband bestehen, der in Sachen des Palästinaamtes, des Kerert Hajessod, des Nationalfonlds, des' Schekelverkaufes, der Kongreßwahlen, der Palästinainformation, die höchste Instanz sein soll. Die Beschlüsse des Territorialverblandes! in den erwähnten Problemen sollen für alle Teile desselben bindend sein, und auch die Fonds» und die Exekutive müssen sich nach ihnen richten.. Der Territorialverband wird in allgemeinen Wahlen in» den kongreß losen . Jahren von den, Schekelzahlern' für zwei Jahre gewählt. Damit haben wir auch1 mit einem Schlage das Problem des Schek'els in dentkonlgreßloseni Jahren gelöst. Ausschließlich in den bezeichneten Gebieten sind die Beschlüsse des Territorialverbanid'es für den gesamten Zionismus bindend. Die übrigen Probleme,, zum Beispiel die Frage gemeinsamer Organisationen,, einer allgemeinen Landeskonferenz, die den Territorialverband wählen! soll, etc., etc., müssen, offen/, bleiben! Es gibt Länder, in welchen gemeinsame Lokal organisati onen aller Parteien möglich sind (z: B. 5n Jugoslawien, Schweden), weil alle Teile den zionistischen Bewegung sie wollen. Dort mögen sieauch bestehen. In Polen; Litauen ist dies unmöglich,, und daher soll man es auch nicht erzwingen. Es interessiert uns dabei nicht, ob andere Teile desl polnischen Zionismus eine solche gemeinsame Organisation anstreben, es genügt uns, daßi wir luns'. zu einem solchen Plane abilehnend verhalten. Wir zweifeln sogar, ob es in Polen! zweckmäßig wärey eine allgemeine Konferenz mit der Wahl der Leitung»; des Territorialverbandes zu betrauen!. Wir können es uns sehr gut vorstellen, daß diese Leitung von(> den Wählermassen selbst gewählt wird. Doch das sind schon technische Fragen, die nicht obligatorisch1 ■gelöst werden können. Die wichtigste Voraussetzung; der Verwirklichung unseres Reformzieles, der Schaffung eines lebendigwirksamen Territorialverbandes, bildet eine Verfas-1 sung der zionistischen Organisation, die dem Territoriaiverband einen wirklich tiefgreifenden Einfluß! auf die zionistische Arbeit ermöglicht. Der Schekel1 im konigreßlosen Jahr muß mit einem rechtlichen,! konkreten) Inhalt verbunden werden1, wenn, man ihm eine massenhafte Verbreitung) sichern will. liebet» JVußenpoltlils Die folgenden Atisführungen wollen als Einleitung zu einer .neuen außenpolitischen: iRubrik unseres Blattes verstanden werden. Die Red. Das jüdische Volk' h'at in den zweitausend jäh1* ren der Gallith! nicht die Möglichkeit gehabt, als! aktive Einheit außenpolitische Erfahrungen zu machen. In der geschichtlich kurzen1 Zeit, die der zich nistiseben Organisation für die Renaissance des jüdischen Volkes iund seine soziale Neugliederung in! Erez Israel zur Verfügung steht, muß) die Organisation ein außenpolitisches Verständnis aufbringen; das der schwierigen Lage des Volkes entspricht.! Aus Man'gtel an Erfahrungiön ist dieses Verständnis inj der zionistischen öffentlichen Meinung selten 2u 'finden. Es ist die Aufgabe einer verantwortungsvollen! zionistischen Presse, dieses Verständnis zu wecken1 und wachzuhalten, wobei die Schwierigkeit in kurzer ' Zeit vieles nachzuholen, nicht verkannt wer-< den darf. Die innerzionistische Geschichte der letzten Jahrehat gezeigt, daß breite zionistische Massen gerade