Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1933)
- Date
- 1933-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4. ÄugüSt 1933 Der jüdische Arbeiter. Seite 3. Die arabischen Extremisten und die Anleihe Die extreme arabische Partei ist der Ansicht, daß die Regierung kein Recht hatte, die Anleihe ohne vorherige Verständigung mit der Bevölkerung von Palästina zu beschließen, auch wenn die Anleihe zur Belebung der Wirtschaft in Palästina bestimmt ist. Sie ist auch der Ansicht, daß die Araber mit der englischen Regierung nicht verhandeln werden, solange sie den French-Bericht nicht als offizielles Dokument anerkennen wird. Der Führer der belgischen Revisionisten tritt aus der Union der Zionisten-Revisionisten aus. Flucht aus den Reihen der Revisionisten. Joffe, der Führer der belgischen Revisionisten und des Briith Trumpeklor, der auch zu diesem Kongresse als Spitzenkandidat der Zioniisten-Revisdonisten in Belgien aufgestellt worden war, hat an die ZerotralleÄtung des Brith Trumpeldor in Pari« ein Schreiben gerichtet, in dem, er seinen Austritt anmeldete. Er begründete dies damit, daß es ihm unmöglich sei, bei den Methodfön., derer sich die Revisionisten bedienen, weiterhin ihrer Union angehören, zu können. Rosenblatt hat Arlosoroff gemordet Geständnis eines jugendlichen Revisionisten. Aus Tel-Awiw wird uns mitgeteilt, daß. die Genossin Arlosoroff auch das zweite Mal Roseublatt als den Mörder Arlosoroffs zweifellos erkannt hat. Die Verhaftung der Revisionisten ist erfolgt] auf Grund der Aussagen i eines Betars (Revisionistische Jugendorganisation) über die Einzelheiten der Organisierung des Mordes. Er teilte auch mit, daß Rosen Watt die Schüsse abgefeuert hat. Die Aussage der Genossin Arlosoroff ist auch deshalb von Bedeutung, da sie bd der Konfron üerung mit Rosenbiatt von der Aussage des Betars keine Kenntnis hatte. Dürfen die Revisionisten am X VIII. Zionistenkongreß teilnehmen? Das Geheimnis um den furchtbaren Mord an Arlosoroff wird nun; gelichtet. Ein Mitglied der revisionistischen, Jugejnd hat verraten, was für uns schon' seit einiger Zeit feststand, daß* der Mörder der Revisionist Rosenblatt ist. Es wird wahrscheinlich in Kürze zu erweisen: sein, daß Stawsky sein Gehilfe war. Es ist auch enthüllt worden, daß die Terrorgruppe der Revisionisten in Palästina nicht nur dieses Attentat vorbereitet und durchgeführt hat, sondern schwerwiegende Terrorakte vorbereitete, die Palästina in ein ungeheures Unglück stürzen könnten. Wie wird die zionistische „Bewegung diese Enthüllungen aufnehmen? Wird der großsprecherische Komödiant Wladimir Jab'otinsky, der für diese verbrecherische Verführung der Jugend moralisch' verantwortlich ist, endlich zum Schweigen gebracht werden? Oder wird er sich auch weiterhin erfrechen, der Sprecher des „Antimarxismus" zu sein, die jüdische Arbeiterschaft zu beschimpfen und zu verleumden? Werden die bürgerlichen Zionisterr aller Schattierungen sich1 noch trauen, mit dem Revisionismus zu; sym pausieren? Werden' wir die Zerstörer unserer Idee und unseres Werkes davonjagen, oder mit ihnen zum Beratungstisch am 18. Zionistenk'ongreß. gehen? Das sind Schicksalsfragen, .deren Beantwortung keinen Aufschub duldet. Geplante Verbrechen der Revisionisten in Polen Tel-Awiw. (31. Juli). Bei den verhafteten; Revisionisten fand man Dokumente über geplante Provokationen, die über den Jischuw in Palästina das größte Unglück heraufbeschwören könnten. Der Sieg in Polen Von "den 650 Ortschaften wurden bereits 473 Orte mit 146.254 Stimmen gezählt. Es entfielen auf die Arbeiterliste 64.747 Stimmen oder 44.27 Prozent auf die Revisionisten 33.002 Stimmen oder 22.56 Prozent. Sieg der jüd. Arbeiterschaft in Jugoslavien In Jugoslawien erhielten die Allgem. Zionisten 49 Prozent, die Arbeiteriiste 43 Prozent aller abgegebenen Stimmen, dk Revisionisten erhielten bloß 8 Prozent. Von den vier Mandaten erhielten die Allgem. Zionisten und die Arbeiterschaft nur je 2 Mandate. Der Haifaer Hafen eröffnet Am 1. August wurde im neuen Hafen von Haifä der Verkehr aufgenommen. Die Referate auf dem XVIII. Zioiiistenkongrefi Bialik lehnte es ab, auf dem 18. Zionistenkongreß ein Kulturreferat zu halten;1, da seiner Auffassung nach die zionistische Weltbewegung das Kulturproblem nicht ernst nimmt. Dr. Weizmann dürfte das Referat über die Lage der Juden in: der Welt erstattein. Ukrainische Jünger Hitlers In der Nähe von Lemberg überfielen ukrainische Hooligans eine Gruppe badender junger Juden. Unter der Losung, daß sie das Beispiel Hitlers nachahmen wollen, verletzten sie 10 Juden. Die Agudah bemüht sich um freie Einwanderung nach Palästina Die Führer der orthodoxen Juden in Palästina, die Rabbiner Duschinsky und Blau, intervenierten: bei den englischen Vertretern in der Tschechoslowakei für die freie Einwanderung der orthodoxen jüdischen Jugend nach Palästina. Es wurden ihnen angeblich entgegenkommende Zusagen gemacht. Gegen den Besuch Hendersons bei Hitler Die Internationale Information", die das Sekretariat der Sozialistischen Arbeiter-Internationale herausgibt, nimmt gegen den Besuch Arthur Hendersons in Hitler-Deutschland Stellung. Es wird dort u. a. darauf hingewiesen, daß sozialdemokratisch« Arbeiterführer das beschämende Beispiel Sowjetrußlands, welches mit Hitler einen Freundschaftsvertrag, nicht nachahmen dürfen. Es werden folgende Worte des Aufrufes der Labour Party gegen Hitler-Deutschland entgegengehalten: „Die Tyrannei, die alle menschlichen" Gefühle ablehnt, muß mit anderen Waffen bekämpft werden." Arnold Schönbergs Rückkehr zum Judentum Der bedeutendste Komponist der Gegenwart, Arnold Schönberg, und seine Gattin sind als Protest gegen die Behandlung der Juden in Hitler-Deutschland zunr Juden turne zurückgekehrt. Die Zeremonie der Rückkehr zur jüdischen Gemeinschaft vollzog sich beim Rabbiner Löwy in Paris in Anwesenheit des berühmten jüdischen Malers Marc Chagall und des Dr. Parianow, ein Schwiegersohn1 des Prof. Einstein'. Schönberg gelobte, seine Kunstwerke dem jüdischen Volke zu widmen. Wassermangel und Wasserleitung in Jerusalem Der Wassermangel in Jerusalem wirkt sich sowohl gesundheitlich wie wiirtschaifit'Ech zerstörend aus. Infolge der geringen Regeininiedierschiliäge iist der Wasservorrat in den Zisternen sehr gering. Die Stadtverwaltung verteilt in kleinen Rationen Wasser aus ihren Vorräten. Der Wassermangel hemmt auch die Bautätigkeit und verringert die Arbeitsmöglichkeit. Die Einwohner Jerusalems sehen daher mit großem Interesse der Eröffnung der Wasserleitungsarbeiten aus den Mitteln der Anleihe entgegen.! 1reffen der jüdischen Jugend Am 20. Tarnus fanden in TeL-AvLv und! Haifa große Zusammenkünfte der Jugend des Landes statt. An jedem dieser Treffen nahmen Tatisende junger jüdischer Arbeiter teil Sie wurden mit herrlichen Fackelzügen beendet. Terror gegen die Chaluzim-Gruppen in Polen In mehreren Orten in Polen sind Chalim-Gruppen, die sich dort für Palästina vorbereiten, von Bundisten und Kommunisten überfallen worden. Es kam zu Prügeleien und es gab Verletzte. Der Terror ist nur ein Ausdruck der Ohnmacht dieser Gruppen gegen die herrliche Erscheinung der jüdischen Jugend, die durch ihrer Hände Arbeit das neue jüdische Leben in Palästina schafft. Die timschichtung des Ungarischen Judenltifti^ Vom Saul Kam zier. Mit Recht sagte Theodor HerzI vjor "dreißig Jähret*, daß es in Ungarn1 und England n o d h' - keinen' 'Änffsemitismus gebe, er fügte aber hin'zü, es werde1 nicht! lange dauern, daß der Antisemitismus auch' diese) Länder erfassen werde. Diese Prognose ,geht in Ungarn in; den letzten Jahren1 in Erfüllung. Das ungarische Judentum, mit seinen 480.000 jüdischen Seelen, steht seiner Zahl nach an 6. Stelle fn der. Reihe der Länder jüdischer Siedlung. Es ist darum schon seiner Größe wegen! wichtig, sich mit seiner Zukunft zu befassen, und darum ist es auch1 nicht gleichgültig, ob es ein: „vertrockneter Ast des jüdischen Stammbaumes" bleibt oder ein; aktives Glied1 der jüdischen: Volksbewegung werden wird. Um die Lage des ungarischem Judentums zu: verstehen, müssen wir die Fragte stellenij welch'e Stellung es innerhalb! der ..ungarischen Volkswirtschaft einnimmt. Um. diese Frage zu beantworten, müssen! wir einen Blick auf die soziale Statistik Ungarns werfen. 46 Prozent der ungarischen! Bevölkerung sind Bauern, deren! größter Teil Kleinbauern und landwirtschaftliche Arbeiter sind. Es besteht nirgends in ganz Europa ein1 so krasser Gegensatz zwischen den; arbeitenden landwirtschaftlichen Massen; und1 den Großgrundb'esitzerrr, die den größtem Teil des ungarischen Bodens besitzen. Es gibt 19 Prozenit industrielle Arbeiter, deren Mehrheit in der Hauptstadt, im Budapest konzentriert ist, 14 Prozent Bürokraten! (Staatsangestell'te), 14 Prozent freie Berufe (Kaufleute, Initeliektuelle), 7 Prozent Verschiedene (Verkehrsangestellte, Bergarbeiter usw.). Das ungarische Judentum ist mit sehr geringen Ausnahmen nur im Handel und im den freien Berufen (Aerzte, Advokaten', Angestellte usw.) beschäftigt. Unter den industriellen und landwirtschaftlichen Arbeitern; ist der ungarische Jude fast gar nicht zu! finldeni. Jüdische Unternehmer und Grundbesitzer gibt es ziemlich viele, darum übt auch die jüdische Bourgeoisie einen starten Einfluß auf die jetzige Regierung aus und darum hat auch der Nationalsozia-* lismus keine so große Bewegungsfreiheit, Geld1- 'mittel und1 Einfluß. Bevor wir aber die erwähnte Klassenschichtung) Üer ungarischen Juden1 in Betracht nehmend, über ihre heutige Lage und1 Zukunft sprechen wollen, müssen wir auch einen Blick auf ihre geschichtliche! Entwicklung werfen. 'Das ungarische Volk lebt etwa taüsenld1 Jahre auf seinem jetzigen Heimatboden. Das bedeutet, daß; die Klassenherrschaft des ungarischem Adels schon t'ausend Jahre dauert, an dessen! Macht auch die bürgerliche Revolution Michts zu ändern vermochte. Im ganzen Mittelalter und in der neuen Zeit bis! zur bürgerlichen Revolution 1848 war das ungarische Judentum der Vermittler zwischen*dem ungarischen: Bauer lund Adel. Der ungarische Jude führte ebenso wie die Ostjudem sein eigenartiges' Kulturleben in seinier eigenen! Sprache. Mit der ungarischen bürgerlichem Revolution! Tritt eine 7\end!erung| ein. Das' ungarische Judentum 'differenizfieft sich1, es "bildet sieb emi jüdisches Kleina und Mittelbürgjertum' Und eine; jüdische Großbourgeoisie .(Weiß Manfred, Goldb'erger usw.) Das brachte aber auch eine geistige und kulturelle Um Schlichtung. Mit der Umschichtung des ungarischen Judentums nähnr dieses auch die ungarische Sprache und Kultur auf und damit auch die Ursache, daß: das an Zahl so gjroßie ungarische Judentum (Größungarn hatte zirka' eine Million Juden!) so wenig! zur jüdischleni Kultur beitrug und darum' ist 'auch der jüdisch^nationälie Gedanke dem' ungajrjis'cben1 Juden bis zum heutigen Tage so fremd. Nach dem Weltkriege trat eine Aemderung ein. Es entstand1 allmählich eine ungarische nationale Inteirektuelleniklasse meistens aus den Kindern der Mittel- und Kleinbauern bestehend, dföln dem' jüdischen! Intel Aktuellen einen starken Konkurrenten 'TancTen . Und, wie es überall geschah'1, wo es eine jüdische Mittelklasse gab, drängfeni die ungarischen Intellektuellem ihre jüdischeini Klassengenossen: aus ihren Positionen 'hinaus, zuerst aus den Staatsstellen, allmählich bekämpften sie sie auf allen wirtschaftlichen! Positionen. Langsam verloren die jüdischen Intel'lekfuellien (besonders die neue Generation) ihre materieile Basis. Nicht anders geht es mit den jüdischen Kaufleuten. Bis zur Weltwirtschaftskrise ging es Reise zum XVIII. Zionistenltongress Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltet eine Reise nach Prag zum XVIII. Zionistenkongreß. Auskünfte und Anmeldungen täglich von 19 — 22 Uhr im Sekretariate,!!., Blumauerg.l und imHechaluzXX.,Kluckyg.7 Anmeldeschluß: Samstag, den 12. August.