Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28. Juli 1933 Der jüdische Arbeiter. Seite 3. Genosse Meier Henisch ~ 50 Jahre Die Tatsache, daß die zionistische Oeffentlichkeit, den 50. Geburtstag und das 30jährige Schriftstellerjubiläum des Genossen Meier Henfechs verspätet feiert, ist für seine Persönlichkeit und sein Wirken symbolisch: seit 30 Jahren am Webstuhl der jüdischen Publizistik, der hebräischen, jüdischen und deutschen Sprache wirkend, der anerkannte Führer der jüdischen Journalisten Wiens hat er seine Person in seltenster Bescheidenheit stets hinter sein Werk gestellt. Vom Wort zur Tat drängend, hat sich Meier Henisch auf die Dauer nicht mit der worthaftero Analyse der jüdischen Wirklichkeit begnügen können: so ha* er den Weg zum jüdischen Genossenschaftswesen gefunden, und Tausende jü* discher Menschen danken ihm heute für seine produktive Fürsorgetätigkeit als Leiter der jüdischen Kreditkasse. In seiner Stellung innerhalb des Zionismus hat Meier Henisch die Entwicklung aller den Kern der zionistischen. Idee Verstehenden genommen: Endpunkt dieser Entwicklung ist der zionistische Sozialismus, den Genosse Henisch in seiner kristallklaren Sprache gegen alle Angriffe verteidigt. Eine Persönlichkeit voll bester zionistischer Tradition bedeutet Henisch für unsere Bewegung eine .große Bereicherung. Die zionfetisetasozialistische Weltbewegung, die Wiener Poale Zion-Hitachduth beglückwünscht heute den Genossen, Henisch zu seinem Geburtstags- und ArbeitsjubUäum; wir aber vom „jüdischen Arbeiter" wollen es ihm sagen, daß wir es uns zur Ehre anrechnen, in ihm unseren Mitarbeiter begrüßen zu dürfen! Ruften in tfillwDeufscliIcincl Jüdische Geschäfte nicht .zugelassen. Der Reichsfinanzminister hat Richtlinien für die Gemeindebehörden zum Gesetz über die Förderung der Eheschließungen erlassen. In ihnen sind auch die Bestimmungen über die Zulassung von Verkaufsstätten, die zur Entgegennahme von Bedarfsdeckungsscheinen der Ehestandsdarlehen bereit sind, enthalten. Nicht zugelassen sind u. a. alle Verkaufsstellen, deren Inhaber nichtarischer Abstammung sind. Ein Antrag des Münchener Stadtrats. Die nationalsozial/istische Stadtratsfraktion hat laut Meldung der „München-Augsiburger Abendzeitung" vom 10. Juli dieses Jahre9 im Stadtrat München neben anderen Anträgen den folgenden Antrag eingebracht: „Wir. beantragen, der Stadtrat beschließt, daß in Zukunft die. Aschen verstorbener Juden nicht mehr in chrisÄchen Friedhöfen und Urnenhallen beigesetzt werden dürfen." Ein Brief aus etaer deutschen Kleinstadt. Nachstehend veröffentKcheriwir einen ^uszug aus, einem Priyaifcbrief eines Juden, der für die Verhältnisse in der deiiitscfien Kleinstadt charakteristisch ist:;j,Die. Juden ,und besonders.; die Jugend ist vernichtet, in W, wird den juden keine Post zugestellt, sie müssen sie um 6 Uhr abends selbst holen, es-, heißt die Judenipost Der Herr St. mußte seine 15jährige Tochter aus der Schule nehmen, weil kein Mädel riehjen ihr sitzen wollte und sie ein Thema ausarbeiten sollte: -der Unterschied zwischen iMemscheja und Juden. Er gab sie nach Frankreich int ein Pensionat. Seine zweite Tochter M., .18 Jahre alt, hatte einen Verehrer, 27 Jahre alt, ein Konzipient, einziges Kind eines Advokaten. Der jungte Mann bekam sechs Wochen Schutzhaft in B., dann kam er in .ein Konzentrationslager in D., von dort bekamen die Eltern eine Nacbrfchr, sie sollen ihn holen. Als sie kamen, übergab man ihnen einen, yeriöteten Sarg, mit der Drohung, sie dürfen ihn nicht öffnen. Am Grab sagte der Rabbiner in der Rede: „Er wurde von der Welle der Zeit hiniweggespült." Sofort wurde der Rabbiner verhaftet und nach einer Stundle Verhör entlassen. Ich. könnte über dieses Kapitel noch vieli schreiben..." Kulturbund deutscher juden J933 In Berlin wurde unter Beteiligung aller großen jüdischen Organisationen und mit der nach Verhandlungen mit Staatskommissar Hans Hinkel erteilten Genehmigungen der preußischen Regierung der „Kulturbund deutscher Juden 1933" gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland zu pflegen. In einer unter dem Vorsitz des gesehäftsführenden Vorstandsmitgliedes Dr. Kurt Singer, ehemaligen Intendanten der Berliner städtischen Bühnen, abgehaltenen Pressebesprechung setzten der Vorsitzende und der ebenfalls dem Vorstand angehörende Kritiker und Dramaturg Julius Bab die allgemeinen Ziele und nächsten Aufgaben des Bundes auseinander. Es ist beabsichtigt, zunächst in Berlin eine Theatergemeinde zu schaffen, deren Mitglieder Anspruch auf monatlich einmaligen Besuch einer Theäteraufführung, eines Konzertes und eines Vortragsabends haben sollen. Es soll ein eigenes Schauspiel- sowie ein Opern-Ensemble, durchwegs aus jüdischen Künstlern bestehend, sowie ein Orchester geschaffen werden. Die Theateraufführungen (Schauspiel und Oper) sollen in einem zu pachtenden Theater täglich stattfinden. Bei der Auswahl der zur Aufführung geliangenden Stücke sollen neben allgemein künstlerischen Gesichtspunkten auch die Notwendigkeit der Förderung jüdischer Künstler und das Bedürfnis des jüdischen Publikums nach Darstellungen, in denen jüdische Stoffe behandelt werden, Berücksichtigung finden. Für die musikalische Leitung der Oper wurde djer ehemalige Generalmusikdirektor des Mannheimer Nationaltheaters, Josef Rosenstock, gewonnen, der auch als Komponist bekannt ist und fünf Jahre lang an der Metropolitan-Opera in New York tätig war. Frau Arlosoroff hat auch den zweiten Mörder erkannt Eine revisionistische Terrorgruppe festgestellt. Am 25. Juli wurde eine Gruppe von 60 Menschen der Genossin Arlosoroff, der Witwe unseres ermordeten Führers, vorgeführt. In einem derselben, namens Rosenblatt, erkannte sie den zweiten Mörder, der gemeinsam mit Stawsky das Attentat durchgeführt haben soll. Stawsky und Roseniblatt haben der revisionistischen Terroristengruppe („Zionim Mehaschanim" oder „Brith Habinjonim") angehört, von deren Mitglieder auch weitere 12 Personen verhaftet wurden. Im Lande herrscht große Aufregung über die neuesten Enthüllungen der Polizei. Leben in Palästina «iiihiiiMmHmittitiiiinMifflMiHMtiMHWmHmh^^ Schutz der Frauenarbeit. Die Regierung hat eine Verordnung erlassen, nach welcher Hausgehiiifinnen, die weniger als 17 Jahre alt sind, ihren Lohn selbst empfangen müssen. Der Lohn darf nicht an Mittelspersonen ausgezahlt werden. Verträge mit solchen Hausgehilfinnen müssen mindestens für ein Jahr geschlossen werden. jüdisches Bankwesen. Die Regierung bestätigte die palästinensisch-baltische Bank (Kapital 25.000 Pfund) und die palästinensisch-persische Bank (mit einem Kapital von 3000 Pfund), beide in Tel Awiw, sowie die „Städtische Handelsbank" in Jerusalem. Eine Konferenz des Kibbuz Meuchad tagte in Jagur. Der KLbbuz zählt jetzt 2800 Mitglieder (vor einem Jahr nur 1900) und besitzt ein Eigenkapital von 20.000 Pfund. — Die Bodieninvestitionen des Kibbuz betragen bisher 40.000 Pfund. Die Mitglieder des A. C. in Palästina kamen am 3. Jute zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, welche die aktuellen Probleme des Landes ber handeilte. In der vertraulichen Beratung wurde u. a. über die Forderung einer Verschfcbung der Kongreßwahlen und des Kongresses, gesprochen, die bei den Vertretern der .Arbeiterpartei, aber auch bei. anderem Gruppen, auf schärfst^ Ablehnung stieß. In dieseir Sitzung hielt Berl Kazneslon «eine große Rede über die Kampimethoden des Revisionismus. Neuer jüdischer. »Regierungsbeamter. ., j Die Zahl der jüdischen\Regierung9beamten in Palästina ist durch ilie Ernennung von MyKoriansky zürn Verwaltüngsbeamten im. Distrikt Jerusalem vermehrt worden. Herr* Kor&n^y tst Graduierter ider*' Londoner juridischen f^Fäktultä^ ...■M'j-aizz'r-ic... .in. (n-;;i.o-;uvtt>* uvv-!t>\;:>•;■;• i^vY Regierung , zur arabischen .Ausstellung nicht eingeladen. Am 8. Juili wurde in Jerusalem /eine araÜsjcjh$^ seh-! Ausstelimg eröffnet; Entsprechend:der::,von der ,arabischen Exekutive Palästinas vor kurzem beschlossenen Politik der Non-Cooperation. mit der Regierung und den übrigen offiziellen Körperschaften wurden weder die Mitglieder der Palästina-Regierung, noch der Vorstand der Gemeinde Jerusalem zur Ausstellung eingeladen. Gründung einer arabischen Sportorganisation. ..' JDiie. arabische naiiiio^ Jugendofga^ation; hat beschossen, .einen sich über' Palästina und - die Nachbarländer erstreckenden SpoHverband' zu schaffen. /Der ife.iie Vierbaind soll nach dem Muster der Olympiaden1 regelmäßig Sportfeste veranstalten, die" nach Äntar, einem arabischen N^ationälhelden der vorisläiriiitischen Epoche, den "• Natmen 7,Äntaiwa4en" führen sollen.;> ■ ->i" •■ ■■ -■■....... -......... .;ii „Dawar" hat die erste Rotationspresse in Palästina. Die hebräische Arbeiterzeitung* „Dawärt hat: vor-kurzem ihr neues Heim in dem im Zehtrum von Tel Awiw inhder ' Allenby-Street gelegenen Histadruth-Gebäude bezogen. Gleichzeitig wurden vers'chiedlene technische Verbesserungen bei der Lerstellung des; Blattes eingeführt. In der Druckerei des „Dawar" wurde eine Rötätionspresse aufgestellt, die erste derartige Maschine in Palästina, ein Geschenk der Druckereiarbeiter-Gewerkschaft Amerikas und anderer amerikanischer Arbeiterverbäride an den* „Dawar". Durch die Aufstellung der Rotatiohspresse, die acht Seiten des „Dawar" in seinem jetzigen Format auf einmal druckt, das Papier schneidet und die Druckbogen faltet; wird sowohl eine Vergrößerung der einzelnen Zeitungsnummern, als auch eine Vermehrung der Auflage ermöglicht. „Dawar" ist die verbreitetste Tageszeitung in Palästina. Familien aus Deutschland nach Wadi Hawarith. Der Jüdische Nationalfoiids hat eine Parzelle von 1000 Dunam im Wadi-Hawarith-Gebiet zur Anlage einer Siedlung für 50 jüdische Familien aus Deutschland bestimmt. Die Zuteilung dieses Bodens an deutsche Juden wurde durch die von den palästinensischen Gerichten jüngst getroffene Entscheidung zugunsten des Natiorialifonds in dem' um die Wadi-Hawarith-Ländereien entstandenen Bodenstreit ermöglicht. Nachspiel zum jüdisch-arabischen Zusammenstoß in Pardess Chana. Die jüdischen Siedler Arie Erman und Joseph Bedrak hatten sich am 13. Juli vor dem Gericht in Haifa wegen Tötung eines Beduinen bei dem Zusammenstoß zwischen jüdischen Wächtern und arabischen Hirten in Pardess Chana im Dezember 1932 zu verantworten. Erman wurde freigesprochen, Bedrak zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Zwischen den Kolonisten von Pardess Chana und dem Beduinenstamm, dem der Getötete angehörte, wurde inzwischen im Februar ein Friedenspakt geschlossen, Jüdisches Leben iinWiiimiiiRnflimNiiniiimHiiiffl^^^ Die Histadruth fordert 20.000 Zertifikate. Die Histadruth hat mit/ der Untersuchung dter Einwanderungsmöglichkeiten im kommenden Halbjahr begonnen. Es werden wahrscheinlich 20.000 Zertifikate angefordert werden. Stavsky vor dem Untersuchungsrichter. Auf die palästinensische Oeffentlichkeit hat die Feststellung des Untersuchungsrichters den größten . Eindruck gemacht, daß die Hände Stavskys verwundet und. seine Kleider von Eisendraht zerrissen seien. Der Korporal Horisitsch hat . nämlich als Zeuge ausgesagt, daß die Mörder auf'ihrer Flucht gezwungen gewesen seien, über ein Drahtgitter zu springen. Es ist auch festgestellt worden, daß Stavsky für die Zeit von 8 bis 12 Uhr nachts keinen Alibiriachweis erbracht hat. Die Zahl der Kongreßdelegierten. Die Zahl der Delegierten zum 18. Zionistenkongreß wird ungefähr 300 betragen. Kommunistischer Ueberfall auf eine zionistische Versammlung. Die Kommunisten haben in Radom eine zionistische Versammlung, die dem Andenken Theodor Herzte gewidmet war, gesprengt. : Die deutschen Juden sollen ihre Staatsbürgerschaft . verlieren. Wie bekannt ,wirdj wird , sich die nächste Session des Völkerbundes mit der Lage der,Juden in. Deutschland befassen. Das deutsch-polnische Schiedsgericht wird. auch, .die jüdische Frage in Obersehlfesien aufrollen. Leider haben diese Schritte nur platonischen, Wert. Der Standpunkt; der deutschen Regierung, der nur die Volksbürgerschaft anerkennt, macht die jüdische Frage zu einer Emigrationsfrage. Die Polizei verfolgt die ..Linke Poale Zion. Kürzlich fanden in .Warschau in den Lokalen der linken Poale Zion eine. Hausdurchsuchung statt. Alle im Lokal befindlichen Mitglieder wurden verhaftet, von welchen zwei Genossen dem Gericht übergeben wurden. '■'•* ': :■ C'.WiT 1 '"■('•' '■'•,)'■ v 'r-v.-r;• ..-• *■ 20 Revisionisten im Zusammenhang mit dem Arlosoroff- Mpra verhaftet. . ,Wk das „Wort"; meildet,. wurden, in.. Te>Äwiw,, Jerusalem. Kfar Saba; und,;Natania r2jyänzig, Revisionisten.,, verhaftet, die der Teilnahme am Mord an Arlosoroff verdächtig sind,., ■ ■ s.l5l. n ,rr).?v ,.,^) rv;i. . ■ i Antisemitismus überall! In der Schweiz. .. .;. .Der Präsident der Schweizer FrenidenverkehrsgeseHschaft hat in einer Rede erklärt, daß die antisemitischen Umtriebe der schweizerischen Nationalsozialisten-eine Verringerung des Fremdenverkehrs ^bewirkt haben. in Rumänien : die Makkäbiadie verböten! i In? Czernowitz hätte ,im August eine .Spmmermäifc^abiad« stattfinden sollen.y^Die0.Regierung shat.. diese;, Veranstaltung verboten, da sie antisemitische Unruhen befürchtet. Die antideutsche Boykottbeweguhg in Amsterdam. . i-'-^ .-' ■■:,<.. :-. . ,. h**- .si--i,-;;..'if;jT Die. in, Amsterdam . stattgefundene Boykottkonferenz hat die Schaffung eines permanenten,.Bureaus beschlossen, das in London,, seinen, Sitz haben vyill Ortsgruppen werden in alten Ländern geschaffen werden. " K.J.:,.il *»4» i;<-;v» U: ' Hebräische Weltkonferenz, in Prag. v Vom 17. bis zum 20. August findet in Prag die hebräische Weltkonferenz statt. Gemeinsames sozialistisches, antifaschistisches Komitee In; Polen. Am 7. Juli konstituierte sich in Warschau ein von allen sozialistischen Parteien des Landes zusammengesetztes Komitee, das sich den Kampf gegen Hitler und, die Hilfeleistung für die durch Hitler verfolgten. Sozialisten;zftr Aufgabe machte. Der „Bund" verlangte, daß die Poale Zion ausgeschaltet werde. Da^'die anderen Gruppen darauf nicht eingingen, blieb der „Bundi" außerhalb dieses Komitees. , t, i .. - - Das Treiben der JTA. Wir haben bereits auf die Verläßlichkeit und Objektivität der „Jüdischen . Telegraphen-Agentur*,'. (JTA) hingewiesen.;Der „Dawar'* weist nun . in einer, seiner letzten -Nummern darauf hin, daß der Vertreter der JTA in Palästina durch die Verbreitung tendenziöser Nachrichten über die Unter-. «uebung um die Ermordung von Arlosoroff die jüdische- Presse irreführen wollte. :r , / Wir können nur noch hinzufügen, daß sich der Wiener Vertreter der JTA diesen Herrschaften würdig anreiht, Während er alle nichtrevisionistischen .^Veranstaltungen undt:. Aktionen völlig unbeachtet .läßt, posaunte er eine helanglose Veranstaltung der „Volkspartei" des Herrn Dr. Zahnan als christliche Kundgebung gegen die , Hakenkreuzler.{.aus. Wie lange wird man dem Treiben der JTA untätig zusehen? ) •■■■'):' Wir beglückwünschen die Genossen ■ Dr. phil. Friedmann Dr. med. Kornblüh anläßlich ihrer Promotion aufs herzlichste.; Die Orgauisationsleitung. »7mffnmmmTtmiHÜm7i77^