Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1933-07-28 · Heft 30 (28.7.1933) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 30 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2641551-2641667-2641694--775-2642803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4. Der jüdische Arbeiter. 28 Juli 1933 Sch. Niger — ein Fünfziger Seit zwei Jahrzehnten bildejfc Sch. Niger die zentrale Figur der jüdischen Litemtnrkrifeik f und Kulturpolitik. Er kam vor 25 Jahnen alsnoch die Anfänge klein wäre» Wnd wuchs mit dem Aufstieg der jiddischen Literatur. Esi gibt kaum eine irgendwie bedeutsame und bemerkenswerte Erscheinung in der jiddischen Literatur- und Kulturwielt, zu der er nicht seine autoritative Meinung geäußert ihätte. Er ist der glänzende, tiefschürfende Deuter" der jiddi^cheii Klassiker und Führer, Lehrer der Jungen. Mag vielleicht der Vorwurf gerechtfertigt sein:, Niger verstehe die „Alten" besser als die „Jungen", mögen n'och Bio viele aus der jüngerem Generation' mit ihm un'zufriedein sein, eine Tatsache steint fest: Niger ist seit zwei Jahr- 'zeünten und insbesondere! nach dem Tode Bai Machschowes der bedieutendötet jiddischie Litera;t unkriti k e r. Nigers Methode beisteht vornehmlich' in der paych'ologiöchen Einfühlung. Während der verstorbene Literaturkritiker Bai Machsichowes mehrt die soziale Umwelt des Dichters oder Dichtwerkes in Beitracht zog, dringt Niger in die persönliche Innenwelt und versteht es vorzüglich die feinsten Verteilungen fremder Gefühls- und Gedankenwelt aufzuspüren und aufzudecken. Als1 Musterbeispiel feleji nur «ein großes Essay über Peres, das1 ein literaturkriti ßchies Meisterwerk ist, geinannt. .Niger ist auch ein; bedeutender Literarhistoriker, äiefelsen' Schriften über;-,Diei jüdische Leserin" u. a. Markfeteie Öleir Forschung den jiddischen: Literaturgeschichte fcänd. Au'oh als' Publizist und 'Tagosschriftsteller spielt! Niger eine sehr ansehnliche Rolle. Nigen ist seit zwei Jahraelrnteü d)er treueate Behüten jiddische» Literaturwertei,; fein Jubüäum ist ein Fest- und Fei(efrtag für die jiddische Literatur in' aller Welt. Der XVIII. Kongreß Nachrichtendienst der Bureaua des XVHL Zionistenkongress I. Visaerleichterungan. Für österreichische Staatsbürger besteht Visumfreiheit. II. Fahrpreisermäßigungen. Die Kongreßteilnehmer erhalten auf den tschechoslowakischen Staatsbahnen ab Grenzstation eine Fahrpreisermäßigung von 33 Prozent auf Grund einer ' Kongreß-Legitimation, die zum Preise von Kc 1.— für die* Korotrolllllmarke bei den zionistischen Landes- und Sonderverbändeni erhältlich ist. Diese Legitimation ist außerdem mit einem Stempel (je nach der Wagienklaase verschieden) zu versehen, welcher an den Grenz- Bahnhöfen in Bahnhoftrafiken (Tabakverschleiß) ©der beim portier erhältlich ist. Die Fahrpreisermäßigung gilt vom 1. August bis zum 15. September 1933. Alk näheren Bestimmungen können' der Legitimation selbst entnommen werden. HI. Devisenbestimmungen. Beim Grenzübertritt müssen die mitgebrachten Gelder, Schecks, Wechsel usw. vom Grenzzoilorgane im Reisepaß •eingetragen werden, damit sde eventuell in gleicher Höhe wieder aus der Tschechoslowakei ausgeführt werden können. Es wird ausdrücklich auf die Vorschrift im Devisengiesetze verwiesen, wonach die Einfuhr von Wertpapieren in die Tschechoslowakei niuir mit vorher eingeholter Zusttimmung der tschechoslowakischen Nationailibank möglich ist. : IV. Gastkarten. Im Vorhinein werden nur Permanenzkarten: abgegeben. Die Preise der Plätze sind wie folgt festgesetzt: 1. Kategorie Kc. 500.—, 2. Kategorie 350.—, 3. Kategorie Kc. 250.—, 4. Kategorie Kc. 150.-. Zur Orientierung werden schon heute die Preise für Tageskarten mitgeteilt, und zwar: Eröffnungssitzung: 1. Kategorie Kc. 150. 2. Kategorie Kc. 100.—, 3. Kategorie Kc. 80.—, 4. Kategorie Kc. 40.—, 5. Kategorie Kc. 20.-, Stehplatz Kc. 12.—. Tageskarten: 1. Kategorie Kc. 60.—, 2. Kategorie Kc 35.—, 3. Kategorie Kc. 25.—, 4. Kategorie Kc. 15.—, Stehplatz Kc 6.—. . . Stehplätze werden nur als Tageskarten ausgegeben. 1 V. Wohnungsamt Unser Wohnungsamt, welchem' die Prager Mustermesse ihre freundliche Mitarbeit zugesagt hat, vermittelt allen Kongreßteilnehmern Wohnungen in Hotels und Privatlogis. Kongreßgäste, die die Vermittlung des Wohnungsamtes in Anspruch nehmen wollen, werden gebeten, mittels Karte ein Merkblatt und Anmeldieformular für Quartierzuweisungen anzufordern. Zur Deckung seiner Spesen hebt das Wohnungsamt pro Bett einer Vermittlungsgebühr von Kc 10.— ein. Es empfiehlt sich, dieses Merkblatt möglichst bald anzufordern. VII. Kongreß-Postamt. Im Kongreßgebäude wird ein eigenes Postamt errichtet werden. Kongreßteilnehmer lassen ihre Post am besten adressieren: N. N., per Büro des XVIII. Zionistenkongresses, Praha. Anläßlich des Kongresses wird das Kongreß-Postamt einen eigenen Poststempel mit tschechischer und hebräischer Aufschrift verwenden. VIII. Teilnahme Jugendlicher. . t In Berücksichtigung der besonderen Sprachverhältnisse in Prag wird das Kongreßbüro diesmal hauptsächlich Jugendliche der tschechoslowakischen Bünde über 16 Jahre als Ordner beschäftigen, darüber hinaus im Innendienst des Kongresses eine geringe Anzähl ausländischer Jugendlicher, falls hiefür Bedarf sein sollte. Vergütungen an Ordner bezw. jugendliche Kongreßteilnehmer werden in keinerlei Form gewährt. Jedoch wird das Kongreßbüro bemüht sein, durch Versorgung billiger Quartiere und Verpflegung Jugendlichen die Teilnahme an dem Kongreß zu erleichtern. Die Tagesausgaben können mit Kc. 20.— bis 30.— beziffert werden, Sämtliche jugendliche Kongreßteilnehmer ohne Rücksicht auf ihre Verwendung im Ordnerdienste werden der Reihe nach Zutritt zu den Kongreßverhandlungen erhalten. Zu diesem Zwecke wird' das Kongreßbüro zur Eröffnungssitzung eine größere, für die übrigen Sitzungen eine Zahl von je 100 Gratiskarten täglich zur Verteilung bringen Die Jugendbünde werden ersucht, dem Kongreßbüro möglichst bald eine Liste ihrer Kongreßteilnehmer bekanntzugeben (Name, Termin des Aufenthaltes in Prag), damit das Kongreßbüro die nötige Anzahl von billigen Quartieren bereitstellen kann. Anmeldungen, die nach dem 5. August d. J. einlangen, können nicht berücksichtigt werden. IX. Bank. f Die offizielle Bank des Ziojnistenkongresses ist die Böhmische Uniojnbaink, Praha, die auch im Hause des Kongresses eine Expositur errichten wird. X. Kongreßabzeichen. Der Entwurf zum Kongreßabzeichen, welches auch als Signet Verwendung findet, stammt von Herrn Wallisch, Prag. Büro des XVIII. Zionistenkongresses. Jüdische Binnenwanderung in Sowjetrußland Bei der letzten Sitzung des Präsidiums des „Ort" wurde der Kolonisätionspilan für die jüdischen Rayons in der Krim und Ukraine festgestellt. Die drei Bezirke der Ukraine haben in diesem Jähre 1000 Familien mit ca. 0000 Seelen aufgenommen worden.- In der Krim sind auch 1000 Familien angesiedelt worden/ Eine Rückwanderung der Kolonisten fand heuer nicht statt, im Gegenteil, solche Koiloniistem, die früher die Kolchosen verlassen haben, sind wieder zurückgekehrt. Die verstärkte Ansiedlung ist darauf zurückzuführen, daß einerseits die Lage in den jüdischen Städten immer ärger wird, -andererseitssich die Lage der Kokhosen dank der jüngsten Gesetzgebung gebessert hat, da dieselben einen größeren Teil ihres Ertrages in der eigenen Wirtschaft zurückbehäiffien können. Gleichzeitig wurde bei der Konferenz festgestellt, daß die Einwanderung nach Biro-Bidschan nicht zufriedenstellend ist, einige' Redner bezeichneten sie 'geradezu als einen Zusammenbruch des Kolonisatiönsplanes für . den fernen Osten. Statt der beabsichtigten Ansiedllung von 25.000 Seelen sind tatsächlich 1448 kolonisiert worden. Richtigstellung Gen. E. Sonderling ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Als Leiter der Hietzinger zionistischen Jugendgruppe ersuche ich Sie um den Abdruck der folgenden Berichtigung: Sie schrieben in Ihrer Nummer vom 14. Juli in, der Besprechung einer Veranstaltung der Poale-Zion: „Bezeichnenderweise versuchte der Leiter der dortigen Jugend seinen Mitgliedern den Besuch der Veranstaltung zu untersagen, übrigens vergeblich." Da ich seljbst Poale-Ziomst bin, lege ich Wert auf die Feststellung, daß ich es nicht nur nicht versucht habe, der Hietzinger Jugendgruppe den Besuch der Veranstaltung zu untersagen, sondern ihr vielmehr nahegelegt habe, beim Referat Mendel Singers vollzählig zu erscheinen. Das erwähnte Ersuchen ging vielmehr vom Leiter der Hietzinger zionistischen Bezirkssektion aus, der eine Weisung des Landeskomitees mißverstanden hatte! ( Mit Parteigruß Ernst Sonderling. Reite mm XVIII. Zionistenkongreß Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltet eine Reise nach Prag zum XVIII. Zionistenkongreß. Vormerkungen und Anmeldungen 7 —9 Uhr abds. II., Blumauergasse 1. Verleumdung? Wir h'abeni in1 unserem Blatte den Brief eines aus Biro Bidsch'an 'h^imKehrenden palästinensischen Genössen veröffentlicht, in welchem in durchaus ma'ßr viölter Wiefee die Unzulänglichkeit der sowjeti'stisdhenl Kolonisätioni am Fernen ' Osten geschildert wurde. Der, „Geser'd" bezeichnet uns wiegen! dieses Artikels a;l$ Verleumder. In anerkennenswerter Objektivität •sidhreübt aber dasselbe Blatt, einem Leitartikel des irjujssi's'dh'ern '„Emes" zitierend, daß der für. 1933 gelteridie K'olonisationsplan ,yahgesdhwollene Zahlen und Ziffern enthielt, die nicht im mindesten' in1 der tatsächlichen! Lagie begründet waren", daß; „in Bezug läuf die Lösung des Grundproblems in! der Besiedlung! des Rayons, dfe Ueberwanderung, in Biro Bidsdh'an U;ni v e r a m t \yi o r 11 i c h'.k e i t, N ä c h1 - Bissigkeit und Zerfahrenheit" bisher geherrscht haben. Diese Kieninizeichnung der Arbeit «jni Biro Bidsch'an1 ist viel schärfer, als sie in1 dem' v\dm Gesierd 'als 'Verleumdung gekenin'zeichnete;n! Brief zum Ausdruck gekommen! ist. Die Redaktion! dies Geserd wird sich zu dem Standpunkt durchrfüngen müssen, daß sie kein Monopol auf die Kritik der jüdischen) Kolonisationsarbeit in Rußland hat! Zur Erinnerung an die blutigen Ereignisse im August 1929, Die in der Bücherei der Poale Zion Wien erschienene Broschüre: „Die blutigen Ereignisse in Palästina (1929)" enthält aufschlußreiches Material über die traurigen Vorgänge, die Stellungnahme des WeHjwoletariats und dessen Führer zum Palästtnaa Ulfbauwerke, wie auch eine Erwiderung des Genossen Mendel Singer an Karl Kautsky. Diese Btoschüre enthält außerordentlich wichtige Auf*- klärungen und sollte anläßlich des traurigen Gedenktages verbreitet werden. Sie ist zum Preise von S 1.50 in den jüdischen Buchhandlungen und in unserem Sekretariate, II., Blumauergasse 1, erhältlich. Amtliche Verlautbarungen der Israel. ICultus&emeinde Wien Karl und Rosalia Goldschmidt'sche Stiftung für Waisenunterstützung. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, im Gesamtbetrage von S 1500.—. B e we r bungts be r e c htigt sind: Bedürftige israel. eitern- oder vaterlose Kinder, welche sich nicht in Anstaltspflege befinden.. Vorzugsberechtigt sind: In erster Linie solche Bewerber, welche nachzuweisen in der Lage sind1, daß sie von jenen Bediensteten israel. Konfession abstammen, welche bei den Firmen „Gotdschmidt & Sonnenfeld", „Goldschmidt, Koblier & Co.", „Goldschmidit & Landsinger" und „Carl Goldschmidt", sämtliche in Wien, im Dienstverhältnisse gestanden sind; in zweiter Linie solche Bewerber, deren Vater bezw. Mutter kultussteuerzahlendes Mitglied'der Wiener Kultusgemeinde war und nachträgifch in Verarmung geraten ist. Gesuchs bei lagen: Geburtsschein, Heimatsschein, Armutszeugnis, Verwendungsausweis (Schulzeugnis, Bestätigung des Arbeitsgebers etc.), Verwaisungsnachweis und gegebenenfalls bei Geltendmachung des Anspruches auf ein Vorzugsrecht die entsprechenden Nachweisungen hierüber. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. Juli 1933. Ein reich st eile: Fürsorgezentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstetteng. 2, I. Stock. Wien, 2. Juli 1933. Das Strftungskuratoriium. Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Fürsorge-Zentrale, I., Seitenstetteng. 2, I. Stock, Tür 17, unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. , , Konkurs. Der Vorstand der israelitischen -Kultusgemeinde Wien beabsichtigt anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage Funktionäre (Kantoren, Vorbeter, die auch als Kaur'im wirken können und Schofarbläser) für die temporären gottesdienstlichen Veranstaltungen zu bestellen. Nähere Auskünfte werden im Schukmte der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, 1. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags erteilt. ■ > / Wien, 3. Juli 1933. , Der Vorstand. Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1931 Oarantiemlttel Ende 1931 Auszahlungen an d. Versicherten i. J. 1931 S 2.746,000.000'- . 182,000.000-- , 472,000.000'- „ 42,500,000- Tätigkeltageblet; Oesterreich, Deutsche* Reich, Tschechoalovaktectiv Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien. Italien, Ungarn Polen. ^^lavlen. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, ästina. Syrien, Türkei, fuoU und Aegypten. EteenMraer, Veriegw, Herausgeber u. vorafctworti. Redakteur: Jonas JiMigermann, Maschinenbauer, Wiea, XX, Meldetnannstr. 19. — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.