Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Juni 1933 Der jüdysche Arbeiter. Seite 3, jMsdfert Rechte auf Palästina, ein Mach'tkaftor, In der internationalen Politik, soweit der Aufbau Palästinas int ihren Bereich' fällt. Dieser gewaltige Erfolg, den Theodor Herzl angestrebt, und Chaim Weizmann errungen hat, ist gegenwärtig gefährdet. Die zionistische Organisation msd der Zfanistakongreß können mur solange Ihre politischem wtä %oloiiisatorischeii Äufgabeti' erfüllen; und ihre internationalen Rechte und völkerrechtliche Funktion) ausüben, als sie auf Grund ihrer Verfassung Beschlüsse fassen, die für alle Beteiligten; bindend sind. Die Kraft der Zionistischen Organisation beruht nicht auf physischer Gewalf, sie stützt sich ausschließlic auf moralische Grundlagen; werden diese zerstört, dann muß das ganze Gebäude des Zionismus zusammenbrechen! Auch das Palästinamandat macht die Anerkennung der zionistischen Organisation als einer öffentlichrechtlichen! Institution von der Verfassung derselben1 abhängig! Wo liegt nun die Gefahr? Beim 17. Kongreß hat Wladimir Jabotinsky, als der Kongreß einen Beschluß gefaßt hat, mit dem er nicht zufrieden war, seine Delegiertenkarte zerrissen, und' den Kongreß verlassen. Der Kongreß ist über diesen Vorfall zur Tagesordnung übergegangen. Auch die revisionistische Fraktion! hat aus dieser Handlung ihres Führers nicht viel Aufhebens gemacht, und nicht ein revisionistischer Delegierte ist ihm gefolgt. Jabotinsky war konsequenter und hat zwei Jahre hindurch einen Kampf gegen die Beteiligung des Revesionismus an der zionistischen Organisation: geführt. Man muß; zugeben, daß Jabotinsky. ehrlicher ist als seine Genossen. Er hat mit Recht behauptet, daß der Anspruch des Revisionismus, eine selbständige Politik zu führen, unvereinbar ist mit der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation. Aber Jabotinsky ist noch weiter gegangen. Er hat bewiesen), daß die Teilnähme am Zionistenkongreß; auch' mit den Erzieh'ungsprinzipien der revisionistischen Jugend Organisation, des Brit Trumpeldor unvereinbar äst. „Der Brit Trumpeldör", sagit Jabotinsky im einem Zirkular, „strebt die Erziehung der Jugend im Geiste des reinen: Zionismus und der Ablehnung eines jeden: Kompromisses an. .Der 17. Kongreß hat bewiesen, daß die revisionistische Union Kompromisse nicht verhindern1 kann. Daher sind revisionistische Erziehung und Konigreßbieteiligungi unvereinbar." Der revisionistische Führer hat nicht nur den Widerspruch zwischen dem. Ziel des Revisionismus, eine eigenmächtige Politik zu treiben und ihrer Teilnahme am Zionistenkongreß klar und deutlich aufgezeigt, er hat scharf erklärt, daß er den zionistischen Kongreß bekämpfen und paralisieren will. „Ich will nicht den Erfolg und das Aufblühen der zionistischen Organisation, im Gegenteil, mein Ziel ist, daß ihr Einfluß, auf Null herabsinke. Ich' werde mich ihrer Disziplin nicht unterwerfen, im Gegen teil — ich werde ihr immer entgegen wirkein." Im Geiste dieser Ausführungen hat Jabotinsky in den letzten zwei Jahren den Kampf innerhalb' der revisionistischen Partei geführt und als nicht alle seine Freunde die Politik der Zerstörung der zionistischen Organisation mitmachen wollten, schrak er nicht davor zurück, seine Partei zu zerstören1.. Der „Chasit Haam", das palästinensische Organ des Brit Trumpeldor, hat anläßlich' des Kattowitzer Putschs folgende charakteristische Erklärung abgegeben: „Im der öffentlichen Meinung unseres Volkes herrschen! viele konventionelle Uü^en1, wnld1 eine dieser Lügen ist der Kultus der Einheit.' Man: malt uns die Gefahr der Spaltung in schwärzesten Farben, als ob nicht die nationalen Bewegungen der Gegenwart, die mit den herrlichem Namen eines Kemal, Mussolini, De Valera und Hitler (!!) verknüpft sind,, durch Spaltung hindurchgegangen wären ... In allen diesen Bewegungen hat der Maximalismus gesiegt, der die Taktik der Spaltung angewendet hat und1 sich von dem Gesindel der Kompromißler getrennt hat!" Uns interessiert dieser Kampf zwischen den revisionistischen Putschisten und Legitimisten der revisionistischen Partei nicht. Jabotinsky behauptet, daß die Mehrheit der Revisionisten hinter ihm steht, und dies scheint auch wahr zu sein. Der Brith Trumpeldor, dessen Erziehungsgrundsätze mit der Beteiligung am Zionistenkongreß nach den Worten des „Führers" selbst unvereinbar sind, hat von Jabotinsky nunmehr den Befehl bekommen, zum Kongreß zu gehen. Die Inkonsequenz dieses Vorgehens ist die Sache der Revisionisten. Die Sache der zionistischen Bewegung ist es aber, die Rechte der einzigen nationalen, politischen und völkerrechtlichen Institution des jüdischen Volkes, des Zionistenkongresses, zu schützen. Das lid der Revisionisten ist es, den Kongreß nach den Worten Jakotinsky macht- und wertlos zu machen An uns liegt es, dafür zu sorgen, daß der Kongreß das höchste gesetzgebende und obligatorische Organ der zionistischen Organisation bleibt, als der Trägerin des nationalen Willens, und der völkerrechtlichen Repräsentanz des jüdischen Volkes Das Wort, das entscheidende Wort hat in dieser ernsten Frage nunmehr der zionistische Schekelzahler. : D. B.-G. Nach der Ermordung Arlosoroffs Der heimtückische Mord an Arlosoroff hat in der gesamten Judenheit aufrichtigen Schmerz und tiefe Trauer ausgelöst. Im revisionistischen Lager Jabotinskyscher Richtung herrschte jedoch vom ersten Moment an das Gefühl großer Unruhe und Angst vor, das sicli nach der Festnahme des Revisionisten Stawski-Kaapi bedeutend steigerte. Mit Hochdruck wird von dieser Seite an der „Aufklärung" der Oeffentlfchkeit gearbeitet. Allein, alle revisionistischen Erklärungen und Verlautbarungen lassen eines vermissen: das offene und enftschiiedene Abrücken von Gewalt und Terror im Kampfe der Parteien und! Meinungen, von denjenigen Kampfmethodienf, dfie den Boden für politische Morde eigentlich vorbereiten. Sehr richtig bemerkten unsere Weisen: Nicht das wilde Tier tötet, sondern die Sünde ist es, die tötet. In politischen Mordfällen, wie dem vorliegenden, tragen die Verantwortung nicht so sehr die irregeleiteten jungen Menschen, die die Mordwaffen gebrauchen, sondern die moralischen Urheber dieser geistigen Verwirrung. Die Sünde tötet, die bewußte und konsequente Verherrlichung der „Psychologie des Schießens"... Es ist nicht unsere Absicht, das große Unglück zu einer Hetzkampagne zu mißbrauchen. Was wir jedoch angesichts des entsetzlichen Verbrechens an Arlosoroff fordern müssen, ist, eine offene und! entschiedene Verurteilung faschistischer Kampfmethoden auf zionistischem Boden. Insolange eine solche klare Stellungnahme von revisionistischer Seite nicht erfolgt, wird die Welt ihre „ethische Reinheit" kaum gellten lassen. * Herr Dr. Wollfgang Weisl hat über die Ermordung Dr. Arlosoroffs in der „Neuen Freien Presse" einen Aufsatz veröffentlicht. Zeugt schon dieser Umstand an sich von geringem Taktgefühl, so sieht die darin enthaltene Würdigung der Persönlichkeit Arlosoroffs einer Leichenschändung sehr ähnlich.. Von der ganzen Bedeutung und Tätigkeit des Ermordeten weiß Dr. Weis!' nur soviel zu erzählen, daß er ursprünglich der geistige Führer einer Richtung war, die „den Klassenkampf, ablehnte und den Aufbau eines Judenstaates auf der Grundlage der Solidarität der Nation verlangte", später jedoch „seinen Standpunkt wandelte". Diese Verleumdung gegen den toten Führer auszustreuen, blieb einzig und allein Herrn Dr. Weisl vorbehalten. Außer von ihm wurde und wird von keiner Seite die Tatsache bestritten, daß Arlosoroff trotz seiner führendien Stellung in der zionistischen Arbeiterpartei seinen Standpunkt der Solidarität der Nation nie verlassen hat und seine öffentliche Tätigkeit stets im Einklang mit den Interessen der Gesamtheit führte. Vollends verdammenaweirt ist der Mißbrauch des toten Arlosoroff für die propagandistischen Zwecke des Revisionismus, der in dem folgenden Saitz des erwähnten Artikels enthalten ist: „Die Ironie des Schicksals — schreibt Dr. W. — wollte aber, daß seime (Arlosoroffs) beiden Jugendideale . . . zum Programm eben jener Partei wurde, die er auf das heftigste befehdete, der unter Führung Jabotinskys stehenden Revisionisten" . . . Es ist klar, daß damit der Versuch unternommen wird, ähnlich wie im Falle Trumpeldor auch Arlosoroff für den Revisionismus zu mißbrauchen, indem man seine „Jugendr ideale" mit dem Programm der Revisionisten identifizieren will. Dieses Spiel wird jedoch mißlingen. Die Welt kennt bereits die scharfe Trennungslinie zwischen dem konstruktiven Zionismus Arlosoroffs und deimi deklarativen Zionismus der Revisionisten, der sich in unfruchtbaren, mitunter schädlichen Losungen nach außen und in zerstörenden Parolen und Handlungen nach innen erschöpft. * i \ „Die Neue Welt" gibt in ihrer letzten Nummer ihrem Schmerz Ausdruck über die sinnlose, abscheuliche, niedrige Mordtat eines törichten Desparadios gegen den „kostbaren Menschen" Chaim Arlosoroff, der „mit stürmischem Elan die Stufen zu einer dominierenden zionistischen Position aufwärtsgescforitten war"; Sie hebt auch seine Bemühungen zugunsten einer Annäherung zwischen Juden und Arabern und das Zustandehriingen der Besprechung mit transjordanischen Scheichs, die vor einiger Zeit in Jerusalem stattgefunden hat, besonders hervor. Dies auf Seite 1 der „Neuen Welt". In derselben Nummer, auf Seite 6, leistet sich jedoch die „Neue Welt" im Zusammenhang mit der Frage der Besiedlung Transjordaniens die folgende Bemerkung: „Die »linken' Herren in der Exekutive haben gemeinsam mit den jNichtziionisten' die Bemühungen der Herren Farbstein und Newmann förmlich sabotiert." Diese scheinbar harmlose Bemerkung — was bedeutet schon ein Hieb gegen die verhaßte „Linke" — stellt nicht bloß die Tatsachen auf den Kopf, sie ist auch eine unerhörte Verunglimpfung des ermordeten Führers, dem unter dem Deckmantel dler Anonymität ein Giftpfeil ins frische Grab nachgesendet wird. Denn wer sind es, diese anonymen Saboteure und wer sonst sollte durch die erwähnte Bemerkung getroffen werden, als eben derselbe Dr. Arlosoroff, dessen politische Tätigkeit in bezug auf die transjordanische Frage vorhin anerkennend gewürdigt wurde? Bedenkt man, daß die „Neue Welt" die gemäßigte Richtung im Revisionismus vertritt, so wird man sich nicht weiter wundern dürfen, daß das zionistische Parteileben dermaßen vergiftet ist und daß im Kampfe der Richtungen und Meinungen Mittel angewendet werden, die mit einer geistigen und idealen Bewegung, wie es die zionistische ist, absolut unvereinbar sind. m. h. Kongreßwahlen. Wahltag. Donnerstag, den 6. Juli, 1933, von S Uhr nachmittag bis 10 Uhr abends. Wahldokumente. Geburtsschein, Heimatschem, Trauungsschein, Reisepal oder eine sonstige amtliche l^gjtimation, Mitnahme de Schekelquittung ist nicht notwendig! Wahllokale Jeder wählt in dem Bezirk, wohin er die Zuschriftei erhält. I. .Bezirk: Wiesingerstraße 11, Klubheim der Hakoah. Agitationsleiter: Hansi GoldschlSger. II. Bezirk (links von der Taborstraße): Große Schiffgasse 19, Hotel Baron, 2 Kommissionen: A—H; I-O; Große Schiffgasse 3, Hotel Barschak P—Z. Agitationsleiter: Dr. I. Teitelbaum u. S. Hecht. II. Bezirk (rechts von der Taborstraße): II., Kleine Mohrengasse 3. Volksbibliothek Zion. 2 Kommissionen: A—H; I—Q; II., Praterstraße 34, Cafe Reklame, R—Z. Agitationsleiter: David Stahl u. Gisi Qual. Prater: II. , Jungstraße 8, Zionistenhehn, 2 Kommissionen, A—-L, M—Z. Agitationsleiter: Jakob Kanner und K. Rpttenslreich. III., XI. Bezirk und Schwechat: III. , Löwengasse 36, Cafe Lovrana, 2 Kommissionen: A—K; L-Z; Agitattonsleitex: Dr. W. Gottfried u. C. Kandt. IV. und V. Bezirk: V. , Wiedener Hauptstraße 39, Zirenu-Heim; 2 Kommissionen. Agitationsleiter: Dr. W. Schor und L. Landwehr. VI. und VII. Bezirk: VI. , Kasernengasse, Cafe Elektra; 2 Kommissionen. Agitationsleiter: Bubek Hilsenrad und Ch. Stern. Bennoplatz 1 a. F. Deutsch. VIII. Bezirk: Zionistisches Heim. Agitationsleiter: IX. Bezirk: IX. , Porzellangasse 11, Cafe City, 3 Kommissionen, A—G, H—O, P—Z. Agitationsleiter: H. Gelles. X. Bezirk: X. , Humboldtgasse 24, Zionistisches Heim. Agitationsleiter: J. Münzer. XII., XIV. und XV. Bezirk: XIV., Herklotzgasse 21, Zionistisches Heim. 1 Kommission. Agitationsleiter: S. Mayer und Z. Markus. XIII. Bezirk und Mauer: XIII., H/ietzingetr Hauptstraße 22, Cafe Hietzingerbof, 1 Kommission. Agitationsleiter: Rita Schärf und K. Steiner. XVI. und XVII. Bezirk: XVII., Hermateer Hauptstraße 38, Cafe" Neue Welt. Agitationsleiter: Druckmann. XVIII. Bezirk: IX., Währingergürtel 4 ai, Cafe" Dank. Agitationsleiter: Dr. R. Glanz. XIX. Bezirk: XIX.,;Billrothstraße 49, Cafe Döblinger Hof; 1 Kommission. Agitationsleiter: G. Friedmann und J. Goldstaub. Stimmzettel für die Wahl zum XVIII. Zionistenkongreß Oiste Oes arb. Palistina (Poale Zion — Hitachduth) Listenführer: Mendel Singer