Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. •'• D6r jüdische Arberter, 30. Juni 193S XX» Bezirk: XX., Kluckygaisse 7, Heim des Hechaluz, 3 Kommisslon-en: A—G, H—P, R—Z. Agitaitionsleiter: Ch. Kupfer und S. Schönberg. XXI. Bezirk und Zwischenbrücken: XX., Dresdtierstraße 51, Gasthaus Moser. Agitationsleiter: Schleien. Zentralagitationslokal II., Blumauergasse 1. Wahlleiter Erni Welt. .,. Die Agitationslokale der einzelnen Bezirke werden in der nächsten Nummer des „Jüdischen Arbeiters" bekanntgegeben. ö 2m «85e Znalufagcn aus SealeasslSsr»« Die Zeitungen, die wir diese Woche aus Palästina erhielten, sind ' fast ausschließlich diem abscheulichen Morde aa Arlosoroff gewidmet. Aus jeder Zeile im „Dawar" spricht die tiefe Erschütterung, von welcher alle ergriffen , waren. Es sind keine Aufsätze, die diese Nummern füllen, sondern untröstliches Stöhnen. " Die Bilder von der Aufbahrung der Leiche Arlosoroffs und vom Leichenbegängnisse wirken aufwühlend. Ein Bild zeigt die aufgebahrte Leiche des teuren Führers und Heben Menschen, dessen Gesichtszüge unverändert geblieben sind, drei Arbeitern mit gesenkten Häuptern bewacht. Auf einem zweiten Bilde sieht man neben der aufgebahrten .Leiche einen alten Juden mit schönem, schneeweißen Bart und ein junges Mädchen mit zarten, traurigen Gesichtszügen. Das könnte das junge Töchterchen Arlosoroffs sein. Unsägliche Trauer! Und das Bild vom Leichhenbegängnisse mit den 70.000 Teilnehmern!. Kein Jude vor Arlosoroff hatte ein solches Begräbnis. Der Mensch, der so geliebt und geachtet wurde, ist Von einem Juden gemordet worden. Wie soll man die tobende Empörung bändigen? Alle empfanden dasselbe. Locker drahtet: „Ich finde keine Worte", und Ben-Gurjon: „Wir müssen den Schmerz überwinden! Keine Rache!" Wir wollen uns bemühen, Folge zu leisten... Kaspi auf der Suche nach einem Die Untersuchung im Zusammenhang mit dem Mord an Arlosoroff gestaltet sich sehr schwierig. Abraham Kaspi (Stawsky), der von der Polizei als Täter bezeichnet wird, versuchte, ein Alibi zu 'erbringen, das aber nicht gelungen ist. Nachstehend die wichtigsten Nachrichten. Wer ist Kaspi? Abraham .Kaspi, mit seinem richtigen Namen Stawsky, stammt aus Brest-Litowsk, dort gehörte er dier extremsten revisionistischen Gruppe an, trug stets einen Revolver bei sich und wird als edm sehr impulsiver Mensch geschildert. Sein Vater ifet Schmied; In den drei Monaten, da er in Palästina weilte, beteiligte er sich an verschiedenen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Revisionisten und, betätigte sich auch als Streikbrecher. Er stach immer durch seine ungeheure Kärperkraft hervor. Stawsky vor Gericht. Am 21. Junii wurde er vor dem Tel Awiwer Polizeirichter Korngrin gebracht. Als staatsanwaltschaftlicher Funktionär amtierte der Polizeioffizier Selim Hana. Er erklärte, Stawsky sei' des Mordes an Dr. Arlosoroff verdächtig; vor Einleitung des ordentlichen Gerichtsverfahrens verlange jedoch die Polizei die Verhängung einer 15tägigen Untersuchungshaft, um die Sammlung von Beweisen gegen den Verhafteten vervollständigen zu können. Als Zeuge wurde Polizeianspektor Goffer von der Tel Awiwer Polizei vernommen. Er erklärte unter Eid, es seien genügend Verdachtsmomente gegen Stawsky vorhanden. Richter Korngrin verhängte über Stawsky 15 Tage Untersuchungshaft. Der Kampf um das Alibi. Eine Anzahl von Personen in Jerusalem erklären, Abraham Stawsky am Freitag, abendsum 7.30 Uhr und am Sonnabend vormittag 11 Uhr in Jerusalem gesehen zu haben. Hinsichtlich der Zwischenzeit — Dr. Arlosoroff wurde bekanntlich am Freitag, den, 16. Juni, 11 Uhr abends in Tel Awiw ermordet — konnte bisher für Stawsky kein Alibi nachgewiesen werden. Es sind keinerlei Mitteilungen darüber zu erhalten, wo er die Nacht zugebracht hat. Mehrere Personen in Tel Awiw erklären, sie hätten Stawsky am Tag des Begräbnisses Dr. Arlosoroffs auf einem Balkon eines Hauses in der Allenby Street in Tel Awiw gesehen, wie er photographische Aufnahmen machte, Ins Hauptgefängnis überführt. Der unter dem Verdacht der Beteiligung an der Ermordung Dr. Arlosoroffs ^verhaftete Abraham Stavsky wurde von Tel Awiw ins Hauptgefängnis von Jerusalem überführt und in einer Einzelzelle untergebracht. Durch Vermittlung seines Verteidigers erhält er rituelle Verpflegung seines Jerusalemer Restaurant. Von den drei Männern, die Stavsky als Zeugen dafür geführt hat, daß er in der Nacht vom 16. zum 17. Juni im Hotel Turgeman in Jerusalem zugebracht habe, wurden: zwei einvernommen, der dritte konnte noch nicht stelllig gemacht werden. Einer der beiden Zeugen bestätigt die Behauptung Stavskys, der andere widerspricht ihr. die Stadt New-York hat sich verpf&htet, die Hälfte dteäefe Betrages aufzubringen* Die Einheitsfront des amerikanischen Judentums. Die seit längerer Zeit zwischen den großen jüdischen Organisationen geführten Verhandlungen zum Zwecke, ein einheitliches Vorgehen in den Aktionen zugunsten deutscher Juden herbeizuführen, sind erfolgreich abgeschlossen worden. Die jüdischen Spitzenorganisationen American Jewish Committee, Amerkan Jewish Congress und Bnai Brith haben einen Rat eingesetzt, dem die Leitung der Aktionen zugunsten deutscher Juden obliegen soll. Auf Orund der gefaßten Beschlüsse wurde an das amerikanische State Departement (Aussenmuidsterium) ein Telegramm gerichtet, in dem eine Erhöhung dier Zahl amerikanischer Einreisevisa für deutsche Juden gefordert wird. Ein Kreditfonds für deutsche Juden in Palästina. Die jüdischen Kreditkooperativen Palästinas haben beschlossen, einen Fonds von 5000 Pfund aufzubringen, der zur Gewährung von Aufbaukrediten an deutsche Juden bestimmt ist. : I ■ Hilfe in Kopenhagen. Die Jüd. Gemeinde Kopenhagen hat ein Komitee gebildet, dessen Aufgabe es ist, junge Chaluzim, die aus Deutschland kommen und nach Palästina gehen wollen, für ein Jahr als Landwirtscliaftsschülen auf dem Land© unterzubringen. Ferne* wurde von der Gemeinde eine großzügige G eidsam mltmg eingeleitet. Ehrungen für Arlosoroff Die Hebräische Universität in Jerusalem hat in ihrer Bibliothek eine Arlosoroff-Abieilung geschaffen, die alle Werke über Kolonisationsprobleme enthalten soll. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw beschloß eine der neuen Straßen nach Arlosoroff zu benennen. Mehrere Arbeitersiedlungen haben sich neue Namen beigelegt, die den Vornamen Arlosoroffs enthalten. Die „Histadruth" berät darüber, ein großes Kolonisationswerk zur Ehrung Arlosoroffs ins Lbeen zu rufen. Jüdische Jugend darf keinen Sport treiben. Der Preußische Ministen für Wiaseinschaft, Kunst und Volksbildung wies die Regierungspräsidenten darauf hin, daß alle Jugendpflege und Ledbesübiuigen: treibenden j ü d i - sehen Vereine und Organisationein1 aus den Orts-, Stadt-, Kreis- und Bezirks-Aus Schüssen für! Jugendpflege afuSKUSildhlieißen, und daß ihnen auch jegliche) Begünstigungen zu versagen sind. Aber das Geld der Juden... Der Magistrat von Bad Homburg hat ähnlich wie die Stadtverwaltung von; Wiesbaden ejine Erklärung beschlossen, wonach jedem Kurgast, „gleichgültig wedoher Einstellung und Basse" ungestörter und sicheirer Aufenthalt sbwio „politische und konfessionellei Ruhe und durchaus gleiche Behandlung" garantiert weade. Ein Weißbuch über die Lage der Juden in Deutschland, Das American Jewish Committee gibt ein Weißbuch über die Lage der Juden in Deutschland heraus. Das ' Buch stellt eine Sammlung von Dokumenten zu den vor dem IAmtsantritt der jetzigen deutschen Regierurig von antisemitischen Gruppen gegen die Juden gerichteten Angriffe sowie zu den unter der jetzigen deutschen Regierung getroffenen Maßnahmen gegen die Juden, Ein Resolutionsantrag zur Judenfrage in Deutschland im amerikanischen Senat. Im amerikanischen Senat hat Senator M. M. Neely eine Resolution beantragt, in der das Bedauern über die Zurücksetzung der Juden in Deutschland ausgesprochen wird. Bericht über die Lage der Juden in Deutschland. In London fand eine Sitzung des Board of Jewish Deputies statt, auf der Leonard Stein den Bericht des Joint Foreign Committee über die Lage der Juden in Deutschland vorlegte. In seinem Referat erklärte Leonard Stein, die Lage in Deutschland verliere allmählich ihre Neuheit und damit ihren Neuigkeitswert. Man dürfe aber nicht glauben, daß die Situation weniger ernst sei, weil man weniger über sie höre. Diese scheinbare Ruhe sei eher damit zu erklären, daß der erste Abschnitt des Regierungsplanes in dieser Hinsicht durchgeführt worden ist. Im wesentlichen sei die Lage in Deutschland unverändert. Jene Leute, die argumentiert hätten, eine solche Politik könne auf die Dauer nicht fortgeführt werden, hätten eine Desillusion erlebt. Sie hätten gesehen, daß die Art der Behandlung der Juden in Deutschland nicht Ausdruck einer vorübergehenden Aufwallung war, sondern im Gegenteil auf gesetzliche Grundlage gestellt wurde. Der Zusammenbruch der deutschen Judenheit werde über kurz oder lang ein vollständiger werden. 600.000 Dollar für deutsche Juden. Die vom American Jewish Joint Distribution Committee eingeleitete große Sammlung zugunsten des Hilfswerks für deutsche Juden hat bisher über 600.000 Dollar erbracht. Das Ziel der Aktion ist die Aufbringung eines Betrages von zwei Millionen Dollar; das Sammelkomitee für Amtliche Verlautbarung-en der Israel. Klultusgemein.de 'Wien Barmizwah-Unterricht während der Ferialmonate. Es wird zur Kenntnis gebracht, daß der Barmizwah- Unterricht für Kinder mitteloser Eltern auch während der Ferialmonate an der Bibefechule der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XX., Othmargasse 46, erteilt wird. Die Einschreibungen für diesen Unterricht finden ab 2. Juli bis 9. August d. J. au jedem Montag von 11—12 Uhr vormittags im genannten Lokale statt. Unterrichtsstunden: Montag, Dienstag und, Mittwoch, jedesmal von 9 bis 11 Uhr vormittags. Der Unterricht ist unentgeltlich. Montag, den 3. Juli 1933, um viertel 9 Uhr abends, im II. Bezirk, Blumauergasse 1 vertrauiiehe istglieder/ersaa^mlung Erscheinen Pflicht! Mitgliedskarte mitbringen! Samstag, den 1. Juli 1933, um 8 Uhr abends, im Chaluzheim, XX., Kluckygasse 7 Thema: Die Lage im Zionismus und die Wahlen zum Zionistenkongreß. Referenten: Dr. Sokal, Dr. Bernay und Mendel Singer. Ueber dieses Thema sprechen am Mittwoch, den 5. Juli 1933, um 8 Uhr abends in Buchwinkliers Gasthaus, X., Quetlensitiraße 105, Frau Dr. Martha Hofmann und Dr. Paul Sokal. Zionisten! Erscheint zahlreich! hF^hü^^hm^ Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1931: Versicherungsbestand Prämien- und Zinsen- Einnahmen Garantiemittel Auszahlungen an die Versicherten S 2.746,000.000 — „ 182,000.000-- „ 472,000.000*- 42,500.000- Tätlgkeltsgebiet; Oesterreich. Deutschet} Reich. TscbechoslovakiBche Kepublik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palfistina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworth Redakteur; Jonas Jurigermann, Maschinenbauer, Wien, XX, MeWemannstr. 19. — Druck: „Adria", Wien, H, Taborstr. 52 b.