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Der Jüdische Arbeiter · 1933-06-23 · Heft 25 (23.6.1933) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 25 (23.6.1933)
Date
1933-06-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■§si»,2< Per j üd}schj* j\rbeiter. ^3.Jttnigt93^ «\nfciiige*) (BerHefkungefi zur Pfökfätriifcfuri& der palästinensischen Verfa^Wng.) Von Chatni Arlosoroff. t)ie in ihren allgemeinen Umrissen seit längerer Zeit schön bekannte Verfassung des palästinensischen Gemeinwesens ist nunmehr vom König voii England öffizieü kundr gefan, vom High Commissaöher der Mandiätarmacht in feierlicher Zeremonie proklamiert und beschworen, von einer mehrhundertköpfigen Versammlung Von Landesnotabeln — darf man hoffen: in gebührendem Schweigen? — entgegengenommen worden. Es ist nicht notwendig — vielleicht nicht einmal möglich — voreilig an die detaillierte Bewertung eines Geschehnisses zu gehen, dessen eigentliche Bedeutung wahrscheinlich weit mehr in seiner historischen Perspektive als in seinem realen, heute schon gegenwärtigen Gehalt Hegen mag. Wir sind 'hier, wie auf so vielen andern Lebensgebieten, die unserem Volke in den Jahrhunderten seiner nationalen Unterdrückung fremd geworden sind, nur Zeugen der Anfänge. Wir schaffen nur Anfänge; wir sehen nur Anfänge; Anfänge einer Entwicklung, die wir bestenfalls eine kurze Strecke weit mit den Augen verfolgen können, bis sie auch dem schärfsten Blicke entschwindet. Mit dieser Konstitution, mag sie imi übrigen noch so tmverhüllt den Charakter des Kompromißstrebens und des Beschwichtigungswilliens tragen, sind die Anfänge zu einem eigenen und selbständigen Staatsrecht Palästinas gebildet; die ersten Steine zum Bau eines zukünftigen palästinalen Stäatsgrundgesetzes gefügt. Alle Baumeister und Zimmerleute, die später .kommen werden, werden auf diesen Steinen weiterbaüen, willig oder unwillig, von dieser Basis aus weiter arbeiten müssen. Die darin iliegende Bedeutung der Verfassung darf man nicht geringschätzen, selbst wenn man — wie es bei uns der Fall ist — manchem ihrer Paragraphen recht skeptisch gegenübersteht. Seihst die an und für sich erfreuliche Tatsache, daß wir damit an der Schwele der Entwicklung demokratischer Selbstverwaltungsorgane im Lande stehen, kann uns nicht darüber hinwegtrösten, daß gewisse Grundrechte des jüdischen Volkes in Palästina — wie z. B. die Freiheilt der Einwanderung — in ihr keine genügenden Garantien gefunden haben. Und es ist schon heute ,klar, daß wir im Rahmen der verfassungsmäßig geschaffenen Institutionen vielleicht für die Verteidigung unserer nationalen Rechte und Forderungen zu kämpfen haben werden. Aber noch wichtiger fast als das staatsrechtliche Wesen der Verfassung und ihre geschicMliche Bedeutung für die Zukunft des werdenden Gemeinwesens scheint mir für die Gegenwart die Tatsache zu sein, daß mit und in dieser Konstitution wieder eine der Desonderen Formen konkret festgelegt ist, in denen sich die innerpolitisehe Entwicklung des Landes in der nächsten Zeit vollziehen, das heißt vor allem: M denen sich dasi politische Gemeinschaftsleben dier Juden und der Araber in Pailäsitina abspielen wird. Und im Hinblick darauf erfordert sie unsere volle Aufmerksamkeit. Ist es doch im Laufe der Jahre greifbar deutlich geworden, daß diese Fragen, die Frage nach den Möglichkeiten und Wegen einer •politischs-ozialen Lebensgemeinschaft von Juden und Arabern im Lande, die Frage nach den Voraussetzungen eines befriedigenden Ausgleiches der jüdischarabischen Interessen im Lande, vitale Probleme der jüdischen Freiheitsbewegung darstellen, deren Lösung ohne Aufschub in Angriff genommen werden muß. Besonders deutlich in diesen Tagen, wo die Ereignisse im vorderen Orient, im Zusammenhang mit den Entscheidungen im griechisch-türkischen Krieg, auf der einen Seite die frappante Labilität der politischen Verhältnisse im Osten, auf der andern Seite die außerordentliche Fragwürdigkeit aller derjenigen Konstellationen gezeigt haben, deren Kraft ünd> Stütze nicht im Willen und im Einverständnis der orientalischen Völker . selbst gelegen ist. " Auch hier stehen wir noch in den ersten Anfängen, und unsere Haltung in dem Punkt, den man bei uns die „arabische Politik" nennt, trägt offensichtlich alle Merkmale des Anfängertums. Dazu tritt erschwerend der Umstand, daß es uns Juden härter ankommt als anderen, die Eigenschaften zu erwerben, die gewissermaßen Grundbedingungen wirksamer und aufrechter Volkspoliitik sind: die Fähigkeit zu ernst wägender Abschätzung real wirkender Mächte, die Kraft zu kaltblütigem "Beharren auf dem Wege zu einmal gesetzten Zielen, die Kraft zu verständiger Selbstbesehränkurag in den Forderungen,, den weiten und sicheren Blick, der auch den politischen Gegenspieler klar und gerecht zu begreifen imstande ist. So ist dienm das, was man bei uns die „arabische Politik" nennt, heute noch weit entfernt davon, diesen Namen zu verdienen, lebensgestaltende, wirklichkeitsformende Politik zu sein; ist vielmehr kaum etwas anderes als ein merkwürdiges Mischprodukt dreier Faktoren: politischer Deklamation,, politischen Sentiments imd politischer Hypothese, dreier Faktoren also, die gleich ungeeignet sind, ausreichende Mittel zum Zweck zu bilden. Aber gerade deshalb sind auch alle diejenigen Ereignisse, Dinge oder Lebenserscheinungen für uns von besonderer Bedeutung, die uns konkrete Aussichten auf reale Möglichkeiten gemeinsamer politischer, wirtschaftlicher und kultureller Arbeit in der Gegenwart eröffnen; oder die uns vielleicht sogar zu der Notwendigkeit derartiger Arbeit in bestimmten, uns fest vorgesetzten Formen, ausdrücklich verpflichten. Während nämlich der jüdisch-arabische Ausgleich in Palästina als Ganzes genommen nur als das Resultat einer *) Diesen Aufsatz entnehmen wir mit einigen Kürzungen der von Arlosoroff herausgegebenen, Zeitschrift >„Die. Arbeit" (1922). ,v •■ langwierigen und nur langsam fortschreitenden Evolution denkbar ist, bieten sich hier in der politischen Praxis schon für die Gegenwart des heutigen und morgiger* Tages Gelegenheiten urid Formen gemeinschaftlichen Wirkens dar. Uftd es kann in der gegebenen Situation wohl katim sfäfk genug betont werden, wie wichtig es ist, daß wif jedef dieser Gelegenheiten bereitwillig entgegenkommen, um jede dieser Formen mit dem Geist des verständnisvolfen Miteinanderarbehens und MHeinaritferlebens zu erfüllen* der nicht nur für uns, soridern auch für das ganze Land von entscheidendem Wert ist und von dem leider bisher der chauvinistische Extremismus, der das Land mit seiner Hetze erfüllt hat, nur allzu weit entfernt war. Solche Möglichkeiten, in konkreter und gesetzlich umrissener Form, eröffnet uns nun auch die proklamierte Verfassung, vor allem in ihrem hauptsächlichen, neu zu schaffenden Institut der nach dem Vorbild der cyprischen Konstitution formierten gesetzgebenden Körperschaft, dem Legislative Council, der außer den ernannten Offizialvertreterrt auch gewählte Abgeordnete der Landesbevölkerung enthalten soll, und zu dessen erster Session die Wahlen in der nächsten Zukunft stattfinden werden. Nim, während einerseits die ernannten Mitglieder des Councils Wohl durchaus eindeutig und beständig die Politik der Mandatsregierung vertreten, eine breite und geschlossene Front der Offizialität im Rate bilden Werden, ist es wohl andererseits unzweifelhaft, daß die Juden innerhalb der gewählten Abgeordneten einer verhältnismäßig sehr starken Majorität von arabischen Deputierten gegenüberstehen werden.. Narren, die angesichts des im Augenblick bestehenden zahlenmäßigen Kräfteverhältnisses etwas anderes hoffen oder annehmen zu können meinten. Selbst in dem heutigen Stadium der ersten schüchternen Anfänge der Entwicklung einer ernsthaft demokratischem Selbstverwaltung im Lande, wäre eine „Verfassung" undenkbar, die das so offenkundig gegebene Uebergewicht der arabischen, Zahl im Lande nicht auch im gesetzgebenden Körper deutlich zum Ausdruck bringen würde. Und man muß dieser Feststellung die Vermutung hinzufügen, daß der Council. nicht nur eine starke Majorität der arabisch Gewählten aufweisen wird;, sondern auch, daß unter diesen arabischen Deputierten antijüdische Tendenzen und Anschauungen stark wirksam sein werden, so daß die Juden dort nicht nur einer arabischen Majorität, sondern wahrscheinlich einer gegnerisch gesonnenen arabischen Majorität gegenüberstehen werden. Es wäre sinnlos, sich darüber unklar bleiben zu. wollen. Dagegen gilt es, aus dieser Lage die Konsequenzen für iinser Handeln zu ziehen, und zwar im Sinne jener politischen Linie, die wir oben als eine vitale Notwendigkeit der jüdischen Bewegung in Palästina bezeichnet haben. Das heißt aber — für unsere konkrete Stellung — meiner Ansicht nach folgendes: Erstens: es wäre von vornherein grund/fatech, wenn die kleine Gruppe der jüdischen Abgeordneten im Council die Haltungeiner mißgestimmten, aus dem Gefühl ungerechter Zurücksetzung verärgerten Minorität einnähme; oder die Haltung der verwunschenen Königssöhne, die, von Thron und Krone fern, unter Menschen verschlagen, die ihrer Vorrechte nicht achten, des Tages harren, wo der Hexensipruch weicht und ihre Glorie und Macht zurückkehrt. Vielmehr sollten sie auch unter dem Druck einer gegnerisch gesonnenen Majorität sich auf keinen Fall von der positiven Mitarbeit an allen im wohlverstandenen Interesse des Gemeinwesens liegenden Gesetzen und, von der aktiven Teilnahme an allen Beschlüssen abdrängen lassen. Zweitens: es wäre ebenso falsch und verhängnisvoll, wenn die Meinung entstehen könnte, die Vertreter des jüdischen Jischuvv im Council betrachteten sich nicht anders, als eben, als Vertreter der jüdischen Eigen- und Sonderinteressen im Gesetzgebenden Körper des Landes. Vertreter einer Nationalität im Staate, die nur geneigt sind, für die Forderungen ihrer Gruppe einzutreten oder gar dieses Programm ihrer nationalen Politik täglich und stündlich bei allen nur möglichen Gelegenheiten im Council zu demonstrieren und im übrigen sich auf die Haltung des nationalen Protestes zu beschränken, in allen den Punkten, wo diese Gruppe sich angegriffen, in ihren Rechten verletzt oder benachteiligt fühlt. Das hieße nichts anderes, als die unsagbar verderbliche Entwicklung mit unseren Kräften unterstützen, die in den letzten Jahren in Palästina eingesetzt hat und die den Nationaiitätengegensatz, in das Zentrum und den Brennpunkt des innerpoMtischen Lebens im Lande gerückt hat. Es hieße nichts anderes, als den Legislative Council vom ersten Tage seines Bestehens an zu einer Tribüne des stetigen haßerfüllten, und fruchtlosen Nationalitätenhaders zu machen, der nicht nur unseren Interessen und Bestrebungen, sondern genau ebenso sehr denen der Araber und denen des ganzen Landes widerspricht. Das darf nun natürlich nicht dahin gedeutet werden, daß wir „um des lieben Friedens willen" uns dem Terror jeder Extremistenifraktion beugen und auf die Verteidigung unserer nationalen Rechte auch in den Grenzen unserer begründeten Ansprüche und dringenden Bedürfnisse verzichten sollen. Um ihre Anerkennung und Durchsetzung im Leben werden wir nach wie vor zu kämpfen haben, mit um so größerem Nachdruck, als der Kampf zuweilen — wie zum Beispiel in der Frage der Einwanderung — um die elementarsten menschlichen und nationalen Grundrechte entbrennt. Was aber nicht sein darf, ist, daß diese Konflikte das Alpha und Omega und den ganzen Lebensinhalt der inneren Politik im Lande darstellen. Es muß vielmehr danach gestrebt werden, daß die gemeinsamen Interessen aller Teile der Landesbevölkerung, also die Fragen des Landes und Staates Palästina als Ganzes, die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben, deren Erfüllung für die Bevölkerung als Ganzes von gleichem Belang ist, weit stärker als bisher hervortreten und in den Mittelpunkt des innerpolitischen Interesses rücken. Anstelle der „nationalen Kampfpolitik" soll „konstruktive Landespolitik" treten, aber nicht als mißtrauisch aufgenommenes Oktroi der Mandatarmacht, särkkfn als der freie WiHensaii§äfttck der natiöfiälen Gfüppen selbst zur gemeinsamen Arbelt an der Zttfctinft des Landes, Palästina ist ein unentwickeltes, unaofgeschlössertes, kulturarrnes Land. Es wäre Wahnsinn, wenn man zuließe, daß dieses Land in einen Völkefkäropf gedfäitgt wird, der an Furchtbarkeit seinesgleichen suche« müßte, anstatt daß alle Etiergien, die d4s Land enthält üfid ä!le, die ihm noch zuströ^ men werden, auf die Entfaltung seiner Kräfte und Möglichkeiten konzentriert werden. Fragen der Zölle gehen den arabischen Kaufmann der Hafenstädte in gleichem Maße an wie den jüdischen, Fragen der Produktionsverbililigung im Lande oder der Ausfuhr lebenswichtiger Güter aus dem Lände den jüdischen und den arabischen Konsumenten gemeinsam, Fragen des Pächterschutzes den arabischen Fellachen, und Charaten sogar noch weit mehr als die jüdischen Siedler,, während sie an Fragen des gesetzmäßig geregelten landwirtschaftlichen Kredites wieder in gleicher Weise interessiert sind. Und, selbst Fragen wie t dje der Festsetzung der Landesgrenzen, wie sie eben jetzt und nicht zu Gunsten. Palästinas erfolgt ist, sollten nicht nur die Juden, sondern: alle tief aufrühren, die sich mit der Zukunft dieses Landes untrennbar verbunden fühlen, gleichgültig, ob sie dam einen oder dem anderen Volke angehören. Eine gesetzgeberische und allgemein politische Arbeit in dieser Richtung wäre wohl der einzige Weg, der geeignet wäre, die stark gespannten Energien im Lande von einer krankhaft übertriebenen Konzentration auf Nationalitätenstreitigkeiten auf die gesünderen und verheißungsvolleren Bahnen positiver Aufbautätigkeit abzulenken, und die jüdischen Abgeordneten des gesetzgebenden Rates sollten keinem anderen als diesem Wege folgen. Sie sollten nicht nur bereit sein, Versuche der Regierung in dieser Hinsicht zu unterstützen, sondern auch vor allem selbst die Initiative ergreifen und in Vorschlägen undi Plänen vorangehen. Uebrigens ist alles andere, was hier über unsere Stellung zum und im Legislative Council gesagt worden ist, unabhängig davon, ob auch diese Möglichkeit heute bereits, verwirklicht werden kann, oder ob ihre Verwirklichung sich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben wird. Es liegen auch ohnedies genug Möglichkeiten vor uns, aus dem Legislative Council ein Werkzeug des friedlichen Ausgleichs zwischen den beiden das Gemeinwesen gleichberechtigt und gieiehverpflichtet tragenden Nationen zü machen. Und Versuche, die heute nur kleine Anfänge zu sein scheinen, können morgen und übermorgen wachsen und Wege öffnen, die wir jetzt noch nicht übersehen können. In jedem Falle, und allem Schweren zum Trotz, das uns auch hier bevorsteht, ist schon heute offenbar, wie tief und wie prinzipiell die Verschiedenheit ist, die zwischen unserer Arbeit in den Instituten der Verfassung Palästinas und unsere Teilnahme an irgend einer Rada, irgendeinem Sejm, irgendeinem Landtag im Galuth besteht. Dafür sorgt nicht nur die einzigartige Atmosphäre Palästinas, die durch das. bloße — gleichsam rein, ideelle — Vorhandensein unserer nationalen Aspirationen geschaffen wird und die uns doch immer wieder vom verwunschenen Königssohn träumen läßt. Dafür sorgt noch besser die lebendige jüdische Arbeit und der jüdische Arbeiter im Lande, die schon heute das jüdische Volk Palästinas tief und, ünablöslich in dieser Erde verwurzelt haben. Der Eindruck des Mordes in aller Welt In allen Ländern der Welt rief der Mord arr unserem Führer Arlosoroff ungeheure Bestürzung' hervor. Ueberall fanden große Trauerkundgebitngen! statt. Arlosoroff und die Arbeiterbewegung Eine Erklärung von Ben Gurjon. In verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Zionismus versucht man den Eindruck zu erwecken, als ob der ermordete Arlosoroff nur losen Kontakt mit der Arbeiterschaft hatte. Diesem Versuche macht Ben Gurjon mit folgender Erklärung, die, er im Warschauer „Hajut" veröffentlicht, ein Ende. Sie lautet: 1. Arlosoroff ist seit 15 Jahren nicht nur mit der „Hitachduth" in der Diaspora, sondern vor allem mit der Arbeiterbewegung in Palästina, mit der Histadruth, dem Hapoel Hazair und der Arbeiterpartei Palästinas verbunden. 2. Die Anspiellungen, daß diese Verbundenheit hur „irgend eine Orientierung" für Arlosoroff war, ist falsch! und verletzt die. Ehre des Märthyrers. Arlosoroff war der unbestrittene Kämpfer der Arbeiterbewegung in Palästina. Jeder Versuch, das zu bestreiten bedeutet die Verleugnung jenes Kampfes, auf der Arlosoroff stets mit Recht so stolz war. Arlosoroffs letzte Rede Donnerstag, den 8. Juni im Wiener Großen Konzerthaussaale, Keiner unter der vielhundertköpfigen Versammlung im Großen Konzerthaussaal, die den Ausführungen der von tiefer Sachkenntnis und staatsmännischer Verantwortung erfüllten Rede lauschte, konnte es ahnen, daß es die letzte Rede des begabtesten und hoffnungsvollsten Mannes aus der jüngeren Führergeneration war. Keinem ahnte es, daß, während Arlosoroff in großer zionistischer und allgemein jüdischer Mission in Europa reiste, Mordpläne gegen ihn geschmiedet werden. Arlosoroff streifte zunächhst das Problem der deutschen Judenuot und die Möglichkeiten einer teilweisen Ueber-

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