Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Mai 1933, De r j üd isfefoe Arbeiter. Seite 3. Jüdisches Leben - --,;; ■ ■■ ' ' Kurzberichte aus ulier Welt 2 Millionen für deutsche Juden. Das American Joint Distribution Comirtittee hat einen Drive zwecks Aufbringung von 2 Millionen Dollar proklamiert. Das Geld ist für die Aktion zur Rettung deutscher Juden bestimmt. Universitätsprofessor protestiert. Der Professor an der jüdischen Fakultät der Czernowitzer Universität, Dr. Ra« dulescu, hat seine Vorlesungen! zum Protest dagegen eingestellt, daß die cuzistischen Studenten beschlossen haben, jüdische Hörer nicht mehr zu dien Vorlesungen zuzulassen, i ' : < ~ Dänemark hilft deutschen Juden. Durch die Kgl. dänische Landhausgeselschaft werden Verhandlungen mit dänischen Landwirten auf dier Insel Seeland geführt, zwecks Aufnahme junger Juden aus Deutschland, um ihnen die Anfangsgründe der Landwirtschaft beizubringen. Nach beendeter Ausbildung werden die jungein Leute nach Palästina auswandern. Massenversammlung in England. Unter dem Vorsitz von Mrs. Dugdalie, dier Nichte Lord Balfours, fand in London eine von zahlreichen englischen Jugend- und Studenitenverbänden einberufene Massenversammlung statt, an der 4000 Jugendliche teilnahmen. Es sprachen Mrs. Dugdale, Lord Melchet, Snowdlen u. a. Am Schluß wurde eine entsprechende- Resolution; gefaßt. Britische Völkerbundliga protestiert. Die Exekutive der englischen VölkerbuindHiga hat der Regierung eine Entschließung überreicht, in dier die englische Regierung ersucht wird, die deutsche Regierung von. der Empörung der britischen Oeffentlichkeit über die judenfeindlichen Maßnahmen in Kenntnis zu setzen. Gleichzeitig wird die Regierung aufgefordert, den deutschen Juden die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen.. Auch belgische Völkerbundliga protestiert. Die belgische Völkerbitndliiga hat eine Entschließung gegen die Zurücksetzung deutscher Juden gefaßt. Sie beschloß gleichzeitig den Völkerbund aufzufordern, Maßnahmen zur Sicherung der gleichen Behandlung der Bürger ohne Unterschied der Rasse in allen Ländern zu ergreifen. Alexandria gründet eine Kolonie. Die jüdische Gemeinde in Alexandria hat beschlossen, im Rahmen einer Hilfsaktion für deutsche Juden, einen Fonds zu schaffen, aus dessen. Mitteln eine Kolonie deutscher Juden in Palästina errichtet werden soll. 200 jüdischen Aerzten aus Deutschland wurde von der ägyptischen* Regierung das Ansiedlungsrecht erteilt.;== Der Boykott deutscher Schiffe durch die amerikanischen Juden.ist so..starke daß die Schiffe, von New^York .fast:leer abgehen. — Der deutsche Pelzwarenhandel befindet sich infolge des Boykotts englischer Juden in einer furchtbaren Krise. In London erschien kürzilich ein, Abgesandter einer Leipziger Peiz-Weltfirma, um die jüdischen Rauhwarenhändler zu bewegen, wieder in Leipzig einzukaufen, wurde aber abgewiesen. X Entwicklung der Konservenindustrie. In einem offiziellen. Communique wird eine Aktion der Palästina-Regierung zur Förderung der Entwicklung der Konservenindustrie in Palästina angekündigt. Diese Aktion wird mit Rücksicht auf den ununterbrochenen wachsenden Ueberschuß der palästinensischen Obst- und Gemüseproduktion über den An unsere Leser! Seit dem Jänner 1933 erscheint unser Blatt wöchentlich. Um allen Ansprüchen unserer Leser gerecht werden Lzu können, haben wir das Wochenblatt gemeinsam mit unserer Bruderpartei in der Tschechoslowakei herausgegeben. Infolge verschiedener Schwierigkeiten waren wir gezwungen, die gemeinsanve Herausgabe des Blattes einzustellen. „D er Jüdische Arbeiter" wirdalsoalsselbständiges Wochenblatt erscheinen. Diese Aeniderung zwingt uns, den Umfang des Blattes vorübergehend zu reduzieren. Wir sind aber bemüht, unser Wochenblatt in der kürzesten Zeit in größerem Umfang erscheinen zu lassen. Dazu benützen wir aber der. tatkräftigen Unterstützung unserer Genossen und Freunde. Die Zahl unserer Abonnenten muß erhöht werden. In den letzten Monaten nimmt das Interesse für unsere Bewegung unaufhörlich zu. Die Zahl unserer Genossen wächst. Es kann deshalb nicht schwer sein, den Kreis unserer Leser zu erweitern. Unsere Parolen lauten: Jeder Genosse abonniere den „Jüdischen Arbeiter"! Jeder Genosse und Freund werbe einen Abonnenten für den „Jüdischen Arbeiter"! Wenn wir von unseren Genossen und Freunden die entsprechende Unterstützung erhalten werden, werden wir in dier Lage sein, unsere geistige „Waffe in dieser schwierigen Zeit kampffähig zu erhalten. Redaktion und Administration „Der Jüdische Arbeiter". Inlandsbedarf, che stetige VergYÖßerung der Anbauflächen und die wachsende Konkurrent auf den ausländischen Märkten in Angriff genommen. X 35 Mittelstandsfamilien nach Wadi Hawarith. Auf Grund eines Uebereinkontmensi mit der Leitung der Jewish-Agency wird mit der Errichtung einer Kolonie für 35 Mittelstandsfamilien auf dem Gebiete von Wadi Hawarith begonnen. X Young geht. Der Chelsekretär der Palästinaregierung Mark Aitchison Young ist zum Gouverneur von Barbados in Westindien ernannt worden.., Chefsekretär Young war im Jahre 1930 als Nachfolger H. C. Lukes, der wegen seiner Haltung während der Unruhen im Jahre 1929 stark angefeindet und 1930 zum stellvertretenden Gouverneur von Malta ernannt worden war, flach Palästina berufen worden. » x Arbeitersiedlung in* Herzliah. Der Arbeiterrat von Herzliah hat mit Hilfe der Ärbeiterbank eine Fläche von 60 Dunam für die Ansiedlung von 40 Arbeiterfamilien erworben; i ' X „Einheitsfront" zum Kongreß. Montag, den 8. Mai hat in Jerusalem eine Versammlung stattgefunden, in der die Möglichkeit eines „nationalen Blocks" zum 18 .Kongreß erörtert wurde. Die Initiatoren der Versammlung, sind einige Gen. Dr. Chaim Arlosoroff, der Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, der gegenwärtig-in einer großen zionistischen: und all'gemein-jüdi-'. sehen Mission' m Europa weilt, hat vor einigen Wochen, anläßlich1, einen-,vertraulichen Besprechung mit den leitenden Genossen unserer Organisation, andeutungsweise vonseinem großen rekonstruktiveri/ Plan' gesprochen, der Palästina als Lösung'der deutschen Judenfrage vorsieht. Wir sind nun in der Lage, die Grundzüge dieses wahrlich großen Planes bekanntzugeben. Es verlohnt sich noch, auf die Tatsache hinzuweisen', daß dieser, große Plan, der in die Tat umgesetzt, den deutschen! Juden, wie dem Gesamtaufbau Palästinas, zum Segen gereicheni könnte, ebenso wie die meisten anderen; schöpf enschJein1 zionistischen, Pläne und Taten aus den Reihe*« des sozialistischen! Zionismus, stammen, von- <;Märin ern, ■ die '"seit;Jah?und' Tag vom"*" f äs1 fcfrfct?-* sehen Zionismus aufs heftigste und schmutzigste bekämpft werden. Der Plan) umfaßt drei für die Juden besonders brennende Fragen: ' Erzieh'ungsfrage, Umschichtung und Exis'ten zgr,ün d u n g. Ebenso die Fragen der Kapita 1 sbeSchaffung und Kapitalst b'e r f ü h r u n g nach Palästina. Umschichtung in Palästina Die Hachscharah, der Anpasisungsübergang zu manueller Arbeit müsse zum großen Teil nach Palästina selbst verlegt werden. In besondere Abteilungen zusammengefaßt, würden die jungen, Menschen' im ersten Jahre bei Straßenbau-, Aufforstungs- und Mdftorationisarheiten beschäftigt werden; gleichzeitig die hebräische Sprache erlernen und sich den Lebensbedingungen des Arbeiters anpassen, um nach Ablauf dieses Jahres in die eigentliche landwirtschaftliche oder gewerbliche Berufsarbeit übergeleitet zu werden. Die Kosten dieser, volkswirtschaftlich zwar produktiven, nicht aber unmittelbar rentablen „Irgune Hachscharah" würden sich bei jährlicher Rekrutierung von etwa 3000 Menschen auf etwa 60.000 Pfund belaufen. , Mit Rücksicht auf die Beschränkung der Zulassung jüdischer Kinder zu den höheren Schulen in Deutschland, und auf die schwierige seeische Situation, in die jene jüdischen Kinder, die zum Besuch staatlicher Schulen zugelassen werden, geraten könnten, kommt naich Dr. Arlosoroffs Ueberzeugung Palästina als Stätte der Erziehung jüdischer Kinder aus Deutschland überragende Bedeutung zu. Es könnten, erklärte Dr. Arlosoroff, in den Schulen der Siedlungen etwa 600 bis 700 Kinder gegen geringes Entgelt untergebracht werden. Wenn die Eltern der Kinder, die in landwirtschaftlichen Siedlungen geringe Verpflegskosten und ein bestimmtes Schulgeld bezahlen, könnten die Schulen in Ain Charod, Beth Alpha oder Nahalal sofort erweitert und die zur angemessenen, Unterbringung der Kinder erforderlichen Gebäude so rasch errichtet werden,; daß keine Verzögerung in der Ueberführung einzutreten brauchte. Andererseits können etwa zehn neue SchuJsiedJungen nach dem Muster des Kinderdorfes Ben Schemen geschaffen werden, in denen die Jugend in eigener Gemeinschaft, dem Boden und der Arbeit nahe, aufwächst. Dr.. Arlosoroff zweifelt nicht, daß die Jewish Agency, in deren ■ Schulen ja auch bisher etwa 25.000 Kinder erzogen worden sind, bei Organisierung eines solchen Schulwerks für 3000: bis 4000 Kinder aus Deutschland Verständnis und Unterstützung seitens der Regierung finden wird. Die nächste Frage ist die, die Altersklassen von 12 bis 22 Jahren berührende Umschichitungsfrage. Für ältere Gymnasiasten und junge Studenten, die die Aussichtslosigkeit einer akademischen Latfcfbahn erkannt haben, für die arbeitslos gewordenen junge» Angestellten ist sie dringendes Lebensproblem. tedtfsgeflctttete a%e^herne^biMen, dltiuttef Üslfechktn und P. Kornfeld. Wie «verlaute^ weTdöi auch Verhandlungen über eine Vereinigung des rechten Fiugels der allgemeinen Zionisten und der Großmann-Revisionisten geführt. y Ausdehnung der „Kollektivstrafenzone". Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht eine Liste von 206 Dörfern, die neu in die sogenannte KoBektivstrafenzone einbezogen werden. Diese Zone umfaßt solche Ortschaften, in denen nach Ansicht der Behörden „gefährliche und unruhige Verhältnisse" herrschen. Im Falle von Unruhen können diese Ortschaften mit Koflektivstrafen belegt werden. X Weltkongreß der jüdischen Aerzte in Palästina. Auf einer vor kurzem in Tel-Aviv stattgefundenen Besprechung: jüdischer Aerzte aus Palästina und anderen Ländern wurde beschlossen ,den geplanten Weltkongreß jüdischer Aerzte, auf dem ein Weltverband jüdischer Aerzte gegründet werden soll ,sobaId als möglich nach Palästina einzuberufen. X Neues Ausstellungsgebäude in Tel-Aviv. Die Tel- Aviv Development Company hat ein zwischen dem Meeresufer und dem Yarkon gelegenes Gelände für Ausstellungs- Zwecke erworben. Auf diesem Ausstellungsgelände sollen die Gebäude der Ausstellung für Palästina und dem Nahen Osten errichtet werden. Kolonisation Was die eigentliche Kolonisation betrifft, so könnten sofort 85.000 bis 90.000 Dunam bewässerbaren Bodens, den wir bereits zum Teil besitzen, zum Teil jetzt erwerben könnten, zur Ansiedlung von 4000 selbstarbeitendeni Kleinsiedlern zur Verfügung gestellt werden. Um die Ansiedlung junger Arbeiter, die sich im Laufe einiger Jahre Arbeiitserfahrungen erworbein! haben, auch in Zukunft zu ermöglichen, sollte der Plan Ing. Ruthenhergs, der die Schaffung einer Paliestine Development Corporation mit einigen Millionen Pfund Kapital als Siedlungsgesellschaft vorsieht, in den Rahmen dies gesamten Programms eingegliedert, werden. Unbedingt erforderlich wäre eine spezielle Stelle, die praktisch vor der Ausführung stehende Industrieprojekte zu registrieren und Projektanten mit gleichgerichteten Plänen .zwecks Koordinierung und; Vermeidung vonnutzlosem, N^ebenumd Gegeneinander miteinander in Verbindung* zu bringen. Kapitalien mehrerer Personen ' zu größeren Investitionen zu kombinieren und, Menschen mit: aussichtsreichen < Planen mit; solchen, die AnlagemöglkhJkeiiten suchen, zusammenzuführen hätte. i , ..( , r , . .. •., Ueberführung des Kapitals Zur Frage, wie die Ueberführung der notwendigen Anlagekapitalien nach Palästina bewerkstelligt werden könnte, äußert sich Arlosoroff folgendermaßen: Lloyd George "hat in der Rede, in der er fair play für Deutschland verlangt hat, gleichzeitig von dem fair play gesprochen, daß das Deutsche Reich den Juden schuldet. Es ist ein Minimum von fair play, denjenigen Juden, die' uniter den gegenwärtigen Verhältnissen sich eine Chance außerhalb Deutschlands suchen müssen, das Vermögen zu iliassen, das ihnen diese Zukunft sichern kann. Das wäre z. B. durch ein Abkommen möglich, demzufolge die für Paläsitina-Wanderung freigegebenen Vermögen durch deutsche Warenexporte nach Palästina, aufzuwiegen wären. Es wäre wert, unter Außerachtlassung aller Sentimentalitäten ein solches Abkommen mit Deutschland, das heute um diV Ankurbelung seiner Wirtschaft bemüht ist, zu treffen'. "Es könnte auch eine Treuhandgesellschaft geschaffen werden, mit Beteiligung des Reiches und ariderer europäischer, vor allem ' englischer; und italienischer Interessen, die bei sofortiger Belehnung ihrer Pfandbriefe bis zu einer gewissen Grenze durch palästinensische und europäische Banken die betreffenden Vermögenswerte längsam zu liquidieren hätte. Ein von öffentlichen jüdischen Institutionen geschaffener Garantiefondls könnte diese Beleih ungsgrenze so hoch als möglich treiben. Auf jeden Fall kann ein Ausweg nur in Verhandlungen mit der Regierung gefunden werden. Was ich hier dargelegt habe, sind Grundzüge für die im ersten Jahre durchzuführenden Arbeiten eines auf Palästina eingestellten Vierjahresplanes. Was an öffentlichen Mittelin zur Durchführung des Plans notwendig iislr, wird von dem Palästina-Hilfswerk aufgebracht werden müssen, das heute uniter der Führung von Dr. Wetzmann im Auftrage der Exekutive der Jewish Agency organisiert wird. Die Lebenskraft des jüdischen Palästinas wird eine auch starke Einwanderung aus Deutschland bewältigen. Die deutschen Juden, die heute in Palästina Mitträger und Mitverantwortliche des jüdischen Lebens werden sollen, werden dort mit Freudie aufgenommen. Dienst am gemeinsamen nationalen Werk wird ihnen und dem' Jeschuw die Verschmelzung zu einem Ganzen erleichtern. ( i Liga für das arbeitende Palastina Samstag, den 10. Juni 1933 um 7 Uhr abends am Konstantinhügel,II.Hauptallee QARTENFEST unter Mitwirkung prominenter künstierisdher Kräfte. Kartenvorverkauf: II./Bfumauergasse 1 *****^**n*^i*K*Bmmmmmmmmmmmmmmwmmmmmmm .1 . . i 1 Palästina — Ausweg aus der deutschen Judennof Großer Plan Dr. Arlosoroffs zur Rettung der deutschen Juden