Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2. Der j üd iscfte Arbei ter. 26. Mai 1933. Jabotinsky in Wien. l-ih'Näjrh-f.'deit Emissären* des Drittem Reiches hlat tfer Repräsentant des „dritten Zionismus" .Wien) (mit seinefri Besuche beglückt. Es hat eine» Zeit gegeben, da Anhänger Jabgtinskys die Kennzeichnung! des Revisionismus als einer faschistischer* Bewegung als Verleumdung gekennzeichnet haben. Insbesondere nach der Wiener Konferenz wurde .auf (die deimokratisciWen: Bekenntnisse, die da laut würden; hingewiesen! Heute werden wohl alle, die gutgläubig die demokratische Geste des Herrn Jabotinsky für wahr hielten, seinen politischen: Charakter erkannt haben, Man muß Herrn Jabotinsky dafür dankbar sein, daß er uns deutlich genug gezeigt hat, wie er geeignet ist, Führer einer großem Bewegung zu sein: er hat nach dervKonferenz von Kattowita die revisionistische Organisation zerstört, und hätte, wenn er jemals die Führung innerhalb der zionistischen Organisation erlangt hätte, auch aus dieser eiw^.^ntwerhlaufeni;:;:gemacht.; Demagogie und abenteuerliche,' verantwortungslose Einstellung zu den fragen, der Politik — dies sind die .charakteristischen Merkmale der zionistischen Persönlichkeit Jabbtinskys, derart Erkenntnis wohl auch schon vor der Tat nach Kattowitz. möglich gewesen wäre. Der -Versuch Jabotinskys, eine gemeinsame Politik der zionistischen Organisation1 mit dem weißgardistischen Massenmörder Petljura zu inaugurieren', seine Kampfesart gegen das. „System Weizmann", dem er Taten zum Vorwurf machte, die er als früheres Mitglied der! Exekutive selbst zu verantworten hatte, die unerhörte Geschich'tslüge, die er-dadurch beging, daß er, der gegen die Verteidigung der obergaliläischen Kolonien in den entscheidenden1 Besprechungen eintrat, eine ideologische Beziehung, zwischen ,* seiner Bewegung und Tel-Chai Hergestellt hat, all dies. läßt das Bild der Persönlichkeit Jabotinskys keineswegs in der Geschichte schwanken. . - In dieses Bild des zionistischen Politikers Jabo- •tinskys fügt sich harmonisch seine Stellung zur Arbeiterbewegung .ein. Er ist nicht unser einziger Gegner innerhalb' des Zionismus,. aber er ist nicht nur "linser Gegner, er ist auch unser Feind. Keine Verleumdung der zionistisch-sozialistischen Bewegung, ist »ihm niedriggenug, als daß .er sie nicht als Waffe gegen1, dieselbe verwenden würde. Mit Gegnern1 kämph fert wir, setzen wir uns geistig auseinander; einem Mann, dem Fairneß ein unbekannter moralischer Begriff ist, können wir nicht jene Achtung entgegenbringen, die er vielleicht auf Grund seiner intellektuellen Fähigkeiten .^.verdienen würde. Der Bund sabotiert den ersten ' Mai ' Die. polnische Sozialdemokratie und die Poale Zion. - Die Warschauer Organisation. des „Bund" hat sich am 1. Mai geweigert, an der gemeinsamen proletarischen Kundgebung teilzunehmen; <sie begründet diesen Verrat damit, daß die Poale-Zion in ihrem Zuge ein Transparent mit der Losung „Es lebe , das sozialistische Palästina" trug. Zu dieser erstaunlichen Rechtfertigung der bundistischen Saboteure nimmt der Führer der polnischen Sozialdemokratie, penosse Niedzalkovsky, im Zentralorgan der Partei folgendermaßen Stellung: „Der Bund hat die Zugehörigkeit der Poale- Zion zur Internationale bis jetzt zumindest nicht in Frage gestellt,, er. hat sogar mit ihr'im Jahre 1930 ein Wahlbündnis -geschlossen.' Die Internationale hat anerkannt, daß die Losungen des zionistischen Sozialismus mit: ihren Prinzipien vereinbar sind. Die polnische Sozialdemokratie konnte daher Die Wiener Kultusgemeinde und der Schutz der Juden Anfrage unserer Vertreter In der Kiiltusgemelnde. In der öffentlichen Sitztthg dies Kultusvorstandes vom 22. Mai richteten unsere Vertreter an den Präsidenten Dr. Friedman« fo%eJ»de Anfrage: In öffentlichem Kundmächungen der jüdischen Volkspartei; die auch in ganz Wien plakatiert waren* wird zu der österreichischen Tagespolitik Stellung genommen und die Behauptung ausgesprochen^ daß . * /' t. der Schutz dter jüdischen Bevölkerung nur durch diese Partei bewerkstelligt werden könne, und , 2. daß die gesamte jü4«siche Bevölkerung unserer Republik sich hinter die derzeitige Regierung unseres Landes stelle. v , Diese Kundgebungen tragen unter anderen auch die Unterschrift des Präsidenten dör Israelitischen Kultusgemeinde. Wir sind der Ansicht, daß ungeachtet des jedem Mitglied des KuWusvorstandes freistehenden Rechtes zu jeglicher politischer Betätigung die jüdische Bevölkerung Wiens in einer Stellungnahme des Kultuspräsidienten eine Kundgebung der Gemeinde erblickt und halten wir uns für verpflichtet, folgendes festzustellen: ■ I. Wir hallten den ,Schuiz*?der jüdischen Bevölkerung für die alleinige Aufgabe der Gemeinde und kann die Entwicklung der bisherigen Kultusgeaneinde zu einer wirklich volkstümlichen jüdischen Gemeinde nur den Sinn haben, daß die Gemeinde zum Träger aller wichtigen Aufgaben und Rechte der" jüdischen Oesairtthert wird, insbesondere der Schutz der jüdischen Bevölkerung nur ihr als der Gesamtvertretung der Juden anvertraut wird. Die Stellungnahme des •.Präsidenten der Isrl. Kultusgemeinde kann den Anschein erwecken, als würde diese Angelegenheit dem Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinde, in den sie gehört, entzogen. HI. Die gekennzeichneten Kundgebungen erwecken weiter den falschen Anschein, als ob die gesamte jüdische Bevölkerung durch den Kultuspräsddenten als ihren Sprecher hinter der derzeitigien Regierung stünde und ihr Programm voHintbahlich billige. Demgegenüber stellen wir fest, daß lediglich bürgerliche Gruppen der Zionfeten verschiedener Schattierungen und die Union österreichischer Juden dies getan hat, daß aber die sozialistischen Juden hinter dieser Regierung aus allgemein politischen wie besonderen jüdischen Gründien nicht stehen können. Wir verweisen darauf, daß düe politische Partei, auf die sich diese Regierung hauptsächlich stützt, ein ausgesprochen antisemitisches Programm hat, an dem sie nach wie vor festhält. Wir fragen daher an: »?. ' I. Was gedenkt der Herr Präsident zu tun, uni die Weiterverbreitung der Meinung, daß der Schutz der jüdischen Bevölkerung nicht Aufgabe der Kultusgemeinde sei, sondern eine politischen Gruppe innerhalb der Judenschaft überantwortet werde, entgegenzuwirken? ' '*'•''•' -•' II. Wie will der Herr Präsiden* zum Ausdruck bringen, daß seine Stellungnahme nicht, die der Kültusgemeinde, sondern nijr einzelner Gruppen ist, und daß insbesondere die sozialistischen Juden nicht für die jetzige Regierung Stellung genommen haben. * ( Präsident Dr. Friedanann behielt sich vor, diese Interpellation, wie auch eine Anfrage des Herrn Dr. Plaschkes in derselben Angelegenheit schriftlich zu beantworten. Die Werktätigen, die seit Wochen die Nachricht verbreitet haben,' daß siie einen Mißtrauensantrag gegen dien Präsidenten einbringen werden, haben sich in Schweigen gehüllt. .Wahrscheinlich hat die „Union" nicht gestattet... Wir macheii5 alle Genosseft und Freunde darauf aufmerksam, daß sämtliche Veranstaltungen und Vorträge bloß im Wege der Presse bekanntgegeben werden, da wir aus Ersparungsgrttnden keine persönlichen Einlädungen aussenden können. dem.-Wunsche des Bund nicht.entsprechen, die poalezionistischeni Lösungen zu zensurieren. Wir lehnen es ab, eine schwächere jüdische Partei zu terrorisieren und. von ihr einen Verzicht auf eine'Losung'zu fordern, die für ihren Charakter wesentlich ist: Wir können in der Losung' „Es lebe' das sozialistische Palastina" keine Parole erblicken, die im Gegensatz zu irgend einem Prinzip des internationalen Sozialismus : steht. Daher sind. wir über die Forderung des Bund zur Tagesordnung gegangen, und ich bin bereit, dafür auch vor der Exekutive der Internationale die Verantwortung zu übernehmen." Muß man nicht angesichts dieser würdigen Stellungnahme eines riiehtjindischen Sozialisten über die Hai tung des Bund schamrot werden? Protestbewegung in Ostgolizlen Die ungeheure Entrüstung der jüdischen Arbeiterschaft über die deutsche Hitlerbarbarei fand in Ostgalizien ihren Ausdruck in der Veranstaltung eines „Tages für Kultur und Freiheit". Die imposanteste Kundgebung fand in Lemberg statt: sie gestaltete sich zu einer Manifestation internationaler. Solidarität, da an ihr Führer der polnischen und ukrainischen proletarischen Parteien teilnahmen.. Unter stürmischem Beifall protestierten die Genossen Skolak im Namen der polnischen Partei Dr. Hankjewi^h' im Namen^der ukrainischen Sozialdemokratie .und-1 Abgeordneter Mätschak als Vertreter der radikal-sozialistischen ukrainischen Arbeiter partei gegen die physischen und geistigen Verfolgungen des Judentums in Deutschland. „Hanothe" kolonisiert. Zwei Kolonisationsgesellschäften haben in der letzten) Zeit., im Golut und in Palästina große Po^ pularität erlangt. Eine von ihnen; ist die Kolonist tiönsgesellsch'aft der j'üdisphen1 Arbeiterschaft, :der Jachin, bekannt durch seine' hervorragenden Leistunr gen auf diesem- Gebiete: "Er hat Tausenden von tä$plsi^§l6m/z\i \pnem;,Mttelbesitz im-nLande verhol feny unid auch Arbeitern, die einiges Geld erspart haben, -den; Erwerb eines landwirtschaftlichen Besitzes in! der Nähe der Kolonien ermöglicht. Die zweite- KolorasationsgeseTlschaft, für welche insbesondere die ( biürgerlich-zionist4sche Presse eifrig die Werbetrommel rührt, der „Hanoteh" ist durch1 den folgendem Skandal' zur ''traurigen Berühmtheit im Lande geworden1. '\* ■ Seit längerer Zeit befaßt man sich' in1. Palästina mit dem Plan eines Herrn Mahl, in Gemeinschaft mit dem Hanioteh1 m;it jüdischem Geld aufl j ü d i s v: h e m B o d e n, Ar a b e r z u k o 1 o n i s i e r e ri, Es ist das erste Mal in; der Geschichte des Zionismus, daß eine nationale Kolonisationsgesellschäft ein1 Werk in Angriff nimmt, die unsere Aufbauarbeit in1. Gefahr 'bringen kann. Die Gefahr der Verwirklichung dieses Planes ist um so größer, als dieser die Beschäftigung der angesiedelten Araber in den benachbarten! jüdischen Kolonien vorsieht. Zuerst haben .die Herren vom Hanoteh versucht, die Angelegenheit zu vertuschen; nunmehr hät aber Dawid Horowitz, ein Mitglied des Sekretariates dieses geplante Attentat gegen die jüdische Arbeit durch Veröffentlichung eines an die Leitung der „Bnej Benjamin" (Organisation junger Landwirte), gerichteten offenen1 Schreibens enthüllt. Lag b'Omer-Kämpfe in Warschau Die zionistischen Jugendorganisationen , Warschaus mit Ausnahme des Brith Trumpeldor veranstalteten anläßlich des Lag b'Omer-Festes einen Festzug durch die Straßen Warschaus. Nachmittags fanden- Akademien und Feiern uniter freiem Himmel statt. Abends schlössen sich die Teilnehmer;an den verschiedene'ri'Yeranstaltuiigeni Nieder* ^u'^Heitf^Ztio; zusammen1, an dessen1 Spitze der Führer der palästinensischen Arbeiterschaft Ben Gurion und die Führer der einzelnen Jugendorganisationen schritten;. :' : Der Brith1 Trumpeldor veranstaltete eine den* ganzen Tag in1 Anspruch nehmende Reihe, vor* Feiern1. Abends veranstaltete der Brith' Trumpeldor eine Straßenkundgebung, bei der es zu Zusammenstößen zwischen Revisionisten einerseits und Kommunisten, Bundisten und Unken Poale-Zionisten anderer- .seits kam. Auf beiden Seiten gab es mehrere Verletzte. Das frühere palästinensische Zentralkomitee der revisionistischeni Organisation, das sich der Jabotinsky-Rich'tung in der revisionistischen Bewegung angeschlossen hat, ist vom Exekutivkomitee der Weltunion Zionisten-Revisioflisten als aufgelöst erklärt worden. Der Leiter des Weltexekuti'v - Komitees Meer, Großman ist im Palästina! eingetroffen; um .persönlich den Kampf gegen die Jabotinsky-Ricft* tung zu führen1. Im seiner Gegenwart fand in Tel-Awiw die Grün'dungsversammlung der neuen revisionistischen Jugendorganisation! Brith Kanajim statt, die im Gegensatz zu dem zu Jabotinsky übergegangenen Brith' Trumpeldor einen integrierenden Bestandteil der revisionistischen und zionistischen Organisation bildet. Zion* sog. Arbeiterorganisation Poale Zion-Hltachdath, Sektion Brigittenatt Donnerstag/ den 1. Juni 1933: präzise 8 Uhr abends im Saale des Vereines „Jad charuzim", XX., Karl-Meislstraße: Nr. 5 VORTRAG: Gen. Pr. Eduard Bloch Thema; Antisemitismus und Reaktion