Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1933-05-26 · Heft 21 (26.5.1933) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 21 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2641551-2641667-2641685--730-2642767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite4. Der jüdisehe Arbeiter. 26. Mai 1933. Teilweiser Arbeitsfriede In Palfistlna Der Stadtrat von Tel-Awiw hat am 2. Mai von der Exekutive des Stadtrats mit der Vereinigung der •Baitunternehttter, der Allgemeinen Jüdisdheit Arbeiterorganisation, der revisionistischen Arbeiterorganisation, der Handwerkervereinigung, dem Hapoel Ha» misracM und der'Vereimgunig der vemenitischen Ar* •beiter getroffenes Abkommen über die Aufteilung aller im Tel-Awiw auszuführenden' Bauarbeiten ratifiziert. Das Abkommen» sieht die Einsetzung eines ständigen vereinigten: Komitees vor, das die Arbeiten' unter den bestehenden1 Arbeiterorganisationen und den rtidh'torgartisiertem Arbeitern aufteilen soll. Arbeitsbedingungen und Lohnsätze sind in dem Vertrag •gertau festgelegt. 66 Prozent der Arbeiter sind von der Allgemeinen- Jüdisctteri Arbeiterorganisation, 11 Prozent vom Hapoel Hamisr,achi; 11 Prozent von den Revisionisten! und 11 Prozent von den Yemeniten beizustellen. Streitfälle sind zunächst der ständigen Kommission und, falls diese zu keiner Entscheidung gelangt, einen! von den beteiligten Parteien zu wähfenderi Schiedsgericht vorzulegen. Dem Abkommen '•wird große Bedeutung für die Erhaltung des Arbeitsfriedens in Tel-Awiw beigemessen. •' Petach-Tikwah-Streik beendet Der Streik in Petach-Tjkwah wurde beendet, nachdem folgende Forderungen durchgesetzt wurden: Achtstundentag, Krankenversicherung, verbesserte Lohnbedingungen; ferner: 1. Arbeiter, die vor Ausbruch des Streiks tätig »waren, müssen wieder eingestellt werden. Auch' die Mitglieder des ßetar, die vor dem Streik eingestellt waren, werden wieder aufgenommen. 3. Streikbrecher müssen sofort entlassen werden. In. weiteren 6 Punkten, in denen keine Einigung erzielt werden konnte, wurde zur Bereinigung eine vierwöchentiiehe Frist eingeräumt, nach deren AbL lauf gegebenenfalls ein Schiedsgericht einzusetzen ist, •das seine Entschedunig nach zwei Wochen' fällen 'muß. Leben in Palästina § Lag b'Omer In Palästina. Die traditionelle Lag b'Omer- Feler in. Palästina stand! heuer im: Zeichen des Protestes gegen die Verbrenimumg jüdischer Bücher in Deutschland. Jüdische Schüfer trugen, Transparente mit der Aufschrift: „Das Buch steht in FJamimen, aber; es Wird nicht verbrannt" (eine Anispiehtng auf die Legende voni brennenden;©öiinb^h)^;-^ ^^viA >';<■; ' ■ •.h:?:;\ § Deutsche Einwanderer. In Jaffa ist der Dampfer „Washington" mit 1200 'Passagiereini eingetroflen, unter ihnen sehr viele Emigranten aus Deutschland. § Informationszentrale für Bodenkäufe. Unter Mitwirkung des Jewish Ageney ist kürzlliiich ein Informationsbüro für Land- und Pflanzenikäufe geschloffen worden, dessen Aufgabe es ist, den; Siedll^Jigswilligen gegen Ausbeutung durch Spekulationspreise zu schützen. § Zertifikaten-Verteilung. Die Jewish Agency Iiat 1850 Zertifikate für C ha 1 u zi m, 800 für M itt e Istamdsangehörige und 1000 für Angehörige in Palästina ansässige Juden verteilt. § Der Waad Leutra an den Völkerbund. Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) in Jerusalem hat einen Appell an die Völker der .Welt, erlassen, in dem diese, unter Hin* weis auf die deutschen Juden, aufgefordert werden, mitzuhelfen, daß das Jüdische Nationalheim errichtet werde. An den Völkerbund wird appelliert, eine i n t e r n a t i o n a l e Anleihe zwecks Kolonisation deutscher Juden aufzulegen. § Wiederherstellung der Patriarchengruft. Der Oberste moslemische Rat hat beschlossen, die Patiriarchengruft bei Hebron, die kürzlich bei einem Einbruch beschädiigt wurde, wieder herzustellen... 500 Pfund wurden zu diesem Zwecke vom Rat bewilligt. § Verurteilung wegen illegaler Einwanderung. Das Gericht in Jerusalem hat drei als'Touristen gekommene Juden zu je drei und e^nen zu vier Wochen Gefängnis und Landesverweisung verurteilt, weil sie ohne Erlaubnis versucht hatten, sich dauernd niederzulassen. Die Verurteilten wurden ins Gefängnis von Akko überführt, wo sie ihre Strafe verbüßen werdea. § Einführung einer Touristensteuer? Die zum Studium einer Touristensteuer eingesetzte Regierungskomimission hat dien Vertreter des Waad Leumi, Gen, Ben Zwi, um Abgabe eines Gutachtens ersucht. Gen. Ben Zwi hat in seinem Gutachten sich sqhärfstens gegen die Einführung einer T o u r i st e n s t.e u e r ausgesprochen. Die deutschen Judenverfolgungen vor dem Völkerbund Der Präsident des Komitees der Jüdischen Delegationen, Leo Motz-kin, und der Vorsitzende der Jüdischen Partei der Tschechoslowakei, Dr. Emil Margulies, haben in Begleitung des Dozenten für , Völkerrecht an der Genfer Universität, Dr. N. Feinberg, den Direktor der Minderheitensbteilung im Völkerbundsekretariat, Azcarate Florez, besuch und, ihm .im Auftrage des Komitees der Jüdischen Delegationen, des American Jewish Congress, der Jüdischen Partei der Tschechoslowakei, des Konsistoriums der Juden Bulgariens, des Jüdischen Parfatnentsktubs in Polen und einer großen Zahl anderer Qfgarvfeatkmen m Litauen, Oesterreich, Rumänien, Belgien, Aegypten Und anderen Ländern eine auf Artikel 72 des pomiseh-deut9chen Abkommens, betreffend Oberschiesien« sich stützende Petition überreicht, in der Beschwerde gegen die Zurücksetzung der Juden in Ober- Schlesien erhoben. wird. Eine zweite Petition auf Grund von Artikel 147 des deutsch-polnischen Abkommen® wurde dem Völkerbundssekretariat durch jüdische Einwohner Oberschlesiens unterbreitet. : * Beiden Petitionen ist die1 Dringlichkeit zuerkannt worden, so daß sie bereits in r der Mittwoch stattfindenden Völkerbundratssitzung zur Be&turag gelangen werden. Die Petition des Reichsangehörigen Bernhehn wurde bereits auf die Tagesordnung der Verhandlungen des Völkerbundrates gesetzt. Dagegen wurde die von jüdischen Organisationen Amerikas und Europas eingebrachte Petition dem bestehenden Regulativ entsprechend, einem Vom Völkerbunäsrat eingesetzten Dreierkomitee. zugewiesen, das in der laufenden Woche zusammentreten undi Vermutlich die Petition zwecks gleichzeitiger Behandlung mit der von dem jüdischen Einwohner Oberschliesiens eingebrachten dem Völkerbundsrat vorfegen wird. . Die Zuerkennung der Dringlichkeit für die jüdische Petition hat in Genler politischen Kreisen tiefen Eindruck gemacht, r> Die Petition des jüdischen Einwohners Oberschlesiens Bernheim, enthält eine genaue Aufzählung der gegen die Juden in Deutschland getroffenen gesetzlichen Maßnahmen. Es werden die entsprechenden Stellen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Beamtentums, des Hochschulgesetzes und aller jener Gesetze und'-Verordnungen zitiert, die einschränkende Bestimmungen für jüdische Anwälte, Aerzte, Professoren usw. enthalten. Ferner werden alle jene Bestimmungen des deutsch-polniischen Abkommens, betreffend Oberschlesien, zitiert, zu denen die angeführten rechtsbeschränkenden Maßnahmen im Widerspruch stehen« Oit dentsAe JaONfraye auf Ott Tagesordnung des internationalen Kongresses der Völker: ouriOligen Auf der Tagesordnung des für den 3. Juni nach Montreux einberufenen Kongresses1 der Union der Völkerbundligen steht diesmal auch die Fragender Zurücksetzung, der Juden in Deutschland. Der Vorschlag,. eine Beratung über diese Frage abzuhalten, wurde von!'der Völkerbundsliga Palästinas, die eine Besd^ßfassun^^-^l9 Kongresses über die vom Völkerbund zum Schutz der . Rechte der Juden im Deutschland zu unternehmenden Schritte herbeiführen will, gemacht. Dem Kongreß liegt ferner eine Resolution der französischen Vötkerbundiliga vor, in, der uniter Hinweis auf eine Reihe irti '19. und1 20. Jähirhtyiäert' erfolgter 'Interventionen auf Grund allgemein menschlicher Erwägungen eine internationale Aktion zugunsten der deutschen Juden verlangt wird. i. Waad fcenmi fordert freie Einwanderung öeutsdier Joden nain Palistina Der Wand LeumL hat am 10. Mai eine Sitzung unter Hinzuziehung von Delegierten der ' Gemeindevorstehungen jüdischer Städte und Ortschaften " abgehalten, in der die im Hinblick auf die Lage derideutschen Juden zu ergreifenden Maßnahmen besprocheii^AVurden. In der Aussprache wurde einmütig festg^^ bisherigen Einwänderungsmöglichkeflten in Anbetracht des in Europa Unter den Juden herrschenden Ausiwtin'dterurtgsdrahges und der steigenden Aufnahmefähigkeit - Palästinas völlig unzureichend seien. Es wurde beschlossen; von der •■ Mandatarmacht nachdrücklich die Gewährung freier Einwanderung für Juden aus Deutschland zü fordern.: Die Forderung nach Ermöglichung einer großzügigen Kolonisation soll auch aüf dem Kongreß der VölikerbundKgen und vor anderen internationalen Körperschaften erwogen werden. Besondere Anstrengungen sollen darauf gerichtet sein, möglichst viele Kinder deutscher Juden nach Palästina zu bringen. Die Nazi gegen die armen jüdischen Kinder Der Berliner Magistrat hat beschlossen, die Schulgeldverordnung durch die Bestimmung zu ergänzen, wonach die Schulgeldermäßigung vom '1. Oktober 1933 ab für Schüler und Schülerinnen, die von jüdischen Eltern oder Großeltern stammen, nicht gewährt wird, solange ihre Anzahl über den prozentu^lterii Anteil der Juden an der gesamten Bevölkerung des Deutschen Reiches hinausgeht. Es genügt hiebei ,wenn ein Eltern- oder Großelternteil jüdisch ist, insbesondere der jüdischen Religion angehört hat. Der Oberbürgermeister wird den Zeitpunkt bestimmen, von dem an die Gewährung von Ermäßigungen nach der Schulgektetaffei bei Schülern und Schülerinnen jüdischer Abstammung wieder zulässig ist. J Ein Erfolg des „Cheruth" Beim letzten Wettstemmen konnte der Jüdische Arbeitärsportklub Cheruth einen schönen Erfolg, erringen. Im Mittelgewicht 'hMt er die zweite Stelle) besetzt. Auch' sonst entwickelt sich dieser Klub unter der bewährten Leitung unseres Genossen Josef Pollak vorzüglich. Der Klub! verdient größere Aufmerksamkeit seitens unserer Genossen. Ist das die Rolle des „Allgemeinen Zionismus"? Vor einigen Tagen weilte in Wien der Führer der „Allgemeinen Zionismen" Dr. Schwarzbart. Er sprach in einer öffentlichen Versammlung über die Aufgaben seiftet Gruppe. In den düstersten Farben schilderte er die Gefahren, di£ durch ein Erstarken der Revisionisten oder der Arbeiterschaft heraufbeschworen werden könnten, und gelangte zum Schlüsse, daß es Aufgabe der „Allgemeinen" sei, sich zwischen die beiden kämpfenden Gruppen zu postieren und darüber zu wachen, daß die einen nicht zu viel nach rechts, die andern nicht zu viel nach links vorgehen. Die Ausführungen des Referenten wurden sehr kühl aufgenommen, da die Anwesenden mit Recht ein positives Programm erwarteten, insbesondere eine . eindeutige Stellungnahme zu den Fragen der jüdischen Arbeit und ihre Organisation in Palästina, wie zu den aktuellen Fragen der Einwanderung und Kolonisation in Palästina. Sie wolKert sich nicht damit abfinden, daß eine zionistische Gruppe es für ihre Aufgabe betrachtet, lediglich die Funktion einer Feuerwehr mit der Löschspritze im Kampfe um den Inhalt des Aufbauwerkes in Paitästina zu übernehmen. Rosa Drucks gestorben. Unsere Wiener Organisation hat einen schweren' Verlust zu beklagen. Eine unser treuesten Mitkämpfe^ rinnen, Genossin Rosa Drucks, ist uns durch' den Tod plötzlich entrissen worden. Genossin Drucks zeichnete sich durch ihre Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit bei jeder Parteiarbeit ganz besonders* aus. Bei den letzten Kultuswahten* hat sie geradezu) mustergültige Werbearbeit geleistet, der Wahlerfolgj im der Brigittenau" war auch1 zu' einem erheblichen Teile ihr Verdienst. Genossin Drucks erfreute sich auch allgemeiner Anerkennung und Achtung in.den Kreisen unserer aktiven Genossen. . ■ i Wir werden dieser, braven Mitkämpferin ein treues Andenken bewahren. Spendet für unseren Wahllonds! Wir stehen, vor einem Kampf , zürn Zionistenkongresse, der über die Gestaltung des Aufbauwerkes; in Palästina auf Jahre hinaus entscheiden, wird. Für eine erfolgreiche Führung dieses Kampfes "sind erhebliche Geldmittel erforderlich', über; welche unsere Organisation leider nicht verfügt. .Wir müssen Uns deshalb an unsere Genossen mit der/ Aufforderung Wenden:/ S p e n d e t -f.ü r u n.s ere n' W a h 1 f p n d sl In den nächsten Tagen werden unsere Genossen von Vertrauensmännern aufgesucht werden; um Spenden für den. Wahlfonds einzuheben; Wir ersuchen, an der Aufbringung des Wahlfonds nach Kräften1 mitzuwirken'. Leitung der Wahläktion zum Zionistenkongreß. ' Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1931; Versicherungsbestand Prämien- und Zinsen- Einnahmen Oarantiemittei Auszahlungen an die Versicherten , S 2.746,000.000-— „ 182,000.000-. „ 472,000 000*- 42,500.000' - Tätigkeitsgebiet: Oesterreich deutsches Keicn rsckechoslovakisctie «cpublik. üelglen Holland, PraoKreich, j>pqnien, Italien, Uniiörn, Hplep;|uroslavlen, dulgaricn, Griechenland, Kuin-mien, Haiä- »tlna. Syrien. Tflrke». tum« unu Aegypten Eigetvturoer, Vefleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, 5^X, Mektemannstr. IQ. — Druck: „Adria", Wien, U, Taborstr. 52 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.