Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 DER JÜDISCHE ARBEITER 19. Mai 1938; Ziele sind eine hemmungslose Demagogie, die die bestehenden Klassengegensätze 2U verwischen und den Klassenkampf als eine Erfindung der »Marxisten« hinzustellen sucht. Propagiert wird eine »nationale Einheit«, die in Wirklichkeit mit einer Unterwerfung der Arbeiterschaft unter die Wünsche der besitzenden Klasse gleichbedeutend ist. Die Verzweiflung und Kopflosigkeit der immer größer werdenden Schichte von Kleinbürgern, die ihre Lebensbasis unter ihren Füßen schwinden sehen, die proletarisiert sind, aber keine Proletarier werden können, die Jahrzehnte hindurch gezüchtete Angst vor den »Roten« wird ausgenützt, das Kleinbürgertum wird von den wahren Ursachen seines Elends abgelenkt und gegen die Arbeiterschaft ausgespielt. Die fascistischen Stoßtruppen rekrutieren sich aus proletarisierten Elementen, aus Lumpenproletariat und aus vom Klassenbewußtsein nicht durchdrungenen, durch langdauernde Arbeitslosigkeit demoralisierten Arbeitern, die so ihren Lebensunterhalt finden. Diese Stoßtruppen terrorisieren die Arbeiterschaft, ermorden ihre Funktionäre, erschweren durch ständige Bereitschaft zum Streikbruch jeden Lohnkampf. Die Einzelheiten der Kampfformen des Fascismus sind selbstverständlich den spezifischen Bedingungen des betreffenden Landes angepaßt. Hitler hat die Macht nicht durch einen »Marsch auf Berlin« erobert und es wäre auch lächerlich, von den österreichischen Fascisten zu erwarten, daß sie das Parlament in Brand stecken werden. Nichtsdestoweniger sind die Methoden aller fascistischen Parteien in allen Ländern bis auf manche Einzelheiten die gleichen. Jedes der von uns angeführten Kennzeichen einer fascistischen Bewegung ist auch für den Revisionismus zutreffend. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation steht die Theorie (des Klassenfriedens, und der Klassenaussöhnung in Palästina, eine Theorie, die in ihren letzten Konsequenzen nichts anderes bedeutet als eine Auslieferung des'jüdischen Arbeiters an die Willkür des Arbeitsgebers. Die nationalen Fonds, die es dem Arbeiter ermöglichten, Arbeitersiedlungen zu schaffen, werden (zumindest in ihrer jetzigen Form und jetzigen Funktion) verleumdet und bekämpft. Die Histadruth, die Gewerkschaft der klassenbewußten jüdischen Arbeiter, soll zerbrochen, der Marxismus in der jüdischen Gasse ausgerottet werden. Die uniformierten militärisch gedrillten Sturmabteilungen des Betar versuchen ganz nach bewährtem Muster Arbeiterversanunlungenzuüberiallenund einzelne Arbeiter und Arbeiterführer tätlich anzugreifen. Durch den Unternehmern geleistete Streikbrecherdienste, durch Unterbietung des Lohnes bedrohen und gefährden sie die Positionen, die sich die jüdische Arbeiterschaft in jahrelanger, mühsamer Arbeit erkämpft hat. Allein die Analogie stimmt auch noch bis in die letzten Einzelheiten. Die Propagatoren der militärischen Jugendertüchtigung in unserem Volke, die Verkünder kommender siegreicher kriegerischer Taten, die Prediger des nationalen Hasses gegen die Araber sind von den Propagatoren ähnlicher »Ideen« bei anderen Völkern nicht allzu verschieden. Es ist wohl klar, wem durch eine Bekämpfung des Solidaritätsgedankens der jüdischen und arabischen Arbeiter gedient ist. Der unorganisierte, niedrigen Lohn erhaltende arabische Arbeiter ist die beste Karte, die der jüdische Arbeitgeber gegen den jüdischen Arbeiter ausspielen kann und auch ausspielt. Je länger wir einzelne Episoden in der Geschichte der revisionistischen Bewegung betrachten, desto grotesker, desto verruchter wird diese Ähnlichkeit. Man bedenke: Einige Wochen, nachdem die Nazi in Deutschland das Parlament demonstrativ verlassen, unternehmen in Palästina die Revisionisten in der Nationalversammlung dasselbe. Während der Machtergreifung Hitlers spricht in Berlin, von Betarim um rin g t, J a bot in sky gegen die Herrschaft des Marxismus in Wir eröffnen die Debatte: Probleme des V. Parteifaires Klal Jlsroel- oder Klassen* poliflk? Es herrscht viel Unklarheit über unseine Klassenlage zu erkennen, sere Stellung zum jüdischen Bürgermüssen mehr Verständnis für die Ta essen mit den Interessen des Es genügt nicht, daß unsere Vertrejüdischen Arbeiters id;enter Anträgen sozialdemokratischer tisch sind Wir müssen ihm fte&fm, Parteien ihre Zustimmung geben, sie «Pinp icin«««nia^ ™ «ri-onnan Wir müssen selbst Initiative ergreifen. Sie müssen im dauernden Kontakt mit den tum. Unsere Funktionäre in den Kultusgesnöte des jüdischen Arbeiters aiif- Parteigenossen sein, und" ihre"*Tätiff" gememden, sowie m anderen öffenthbringen. Selbst auf die Gefahr hin, daß keit einer ständigen, demokratischen chen Körperschaften betreiben oft eine die Befolgung dieser Politik einige Kontrolle unterwerfen, ohne, wie dies Klal-Jisroel-Pohtik, wohl m der gutkleinbürgerliche Elemente abschrecken jetzt vielfach geschieht, die Arbeit in meinenden Absicht, der jüdischen Allwird, dürfen, wir von einer einzig den der Partei zu vernachlässigen In unsegemeinheit zu dienen, exponieren sich Interessen des jüdischen Proletariats rer Partei muß eine weitgehende Demoin manchen Fragen in einer mit den dienenden Politik nicht abweichen. kratie herrschen, denn nur so ist es Grundsätzen einer sozialistischen Partei Unsere Vertreter in den Kultusgemöglich, die Genossen zur Mitverantschwer zu vereinbarenden Weise und meinden müssen mit aller Entschiedenwortung zu erziehen. Anderseits sind entfalten oft m Dingen eine Aktivität, heit gegen undemokratische Wahlsywir davon überzeugt, daß ein engerer die mit den Interessen des jüdischen steme kämpfen, die Initiative zur Um- Kontakt zwischen Mandataren. und Proletariats wenig Berührung haben. gestaltung der Kultusgemeinde in eine Wählern den Ersteren nützen muß Es ist notwendig, dies offen auszuwanre Volksgemieindle ergreifen und Nicht nur daß viele Mißverständnisse, die sprechen. ..... diesen Gedanken verwirklichen, für eben diesem mangelnden Kontakt ihr Unsere Funktionare müssen sich darmoderne Ausgestaltung des Fürsorge- Entstehen verdanken, aus der Welt °-euber im Klaren sein, daß sie den jüdiwesens kämpfen. Es genügt nicht, daß schafft werden würden; die Tätigkeit schien Volksmassen am! Beaten dienen, unsere Vertreter für einzelne Menschen der Mandatare würde oft besser gewürwenn sie bei allen ihren Entscheidenintervenieren, sie müssen sich als Verdigt werden. Nicht zuletzt müßte aber gen die^Interessen des jüdischen Proletreter der gesamten jüdischen unsere Tätigkeit in den Kultusg-emeintanats im Auge haben. Nur so können proletarischen Bewegung den und in anderen öffentliche^ Körwir eine Anziehungskraft auf das sich fühlen, und bei allen ihren Entscheidunperschaften auch durch Kritik, Wünproletarisierende Kleinbürgertum ausgen von diesem Gesichtspunkte leiten sehe und Anregungen der Parteiöffentüben. lassen. Anregunge lichkeit befruchtet werden. A. G. ror eme jüdische Gcnossenschaffliewcguiig Die Anhänger der Klal-Jisroel-Politik halten' dlem entgegen), daß wir es bei uns mit keiner proletarischen Masse zu tun haben — und daß wir unsere politische Haltung dementsprechend einstel- ... Zur Tagesordnung würde ich, ein .ten zu einer Bearbeitung auch kleinerer len müssen. Der Großteil der jüdischen Referat über Wirtschaftshilfe für Gewor- und kleinster Orte zu, geben, so daß wir Bevölkerung setze sich aus Mittelbetreibende und Kleinkaufleute vordie Tschechoslowakei, ohne darauf zu standisschichitlen zusairoimleni und w'enn schlagen1. Eine ähnliche Organisation, die bestehen, daß unser Schwerpunkt in wir eine Massenbewegung werden wollvon Seiten der csl. Sozialdemokraten Mähren liegen muß, mit einem Netz von ten, müßten wir unsere politische Haivor dien letzten Wahlen geschaffen wur- Vertrauensmännern und Organisationstung diesen Schichten anpassen. dej konnte sich nicht behaupten. Die zellen überziehen. In dem Organisation s- Dieses Argument trifft vor allem Gründle hiefür können hier nicht unterreferat müßte der Gesichtspunkt zurni für Karpathorußland und die Slowakei sucht werden. Jedenfalls steht fest, daß Ausdruck kommen, daß ganze große Genicht zu, denn in diesen Gegenden ist es in dieser Berufsgruppe, die heute in biete (Böhtmlen, Westslowakei) von uns eine starke jüdisch-proletarische Masse unerhörtem Maße: proletarisiert ist, einen bisher völlig viernachlässigt worden sind, vorhanden; aber auch in den historigroßen Teil von Juden gibt. Ein. solches Bei dlem; starken Interesse, das heute für sehen Ländern ist der Prozentsatz der Wirtschafitspro'gramm müßte vor allem Palästinafragen besteht, bei dier Auf geerwerbstätigen Juden sehr groß. Es sei die Entwicklung einer jüdischen, Genoswühltheit dier jüdischen Massen, angebloß an die massenorganisierten Hansenischaiftsibewegitng ins Auge fassen, die sichts der zunehmenden Verarmung hadelsangestellten und kleinen Beamten ernsthaft propagiert und. schrittweise ben wir die Pflicht, in breitestem. Raherinnert. Wenn man die große Zahl der ausgebaut werden müßte; Beginnen men unsere Bewegaing zu schaffen und schulentlassenen .Jugend hinzurechnet, könnte m/an mit einer Einkauf »genossenkönnen uns nicht damit begnügen, theodie völlig deklassiert wird, da ihr der schaft für Kleinhändler von Spezereiwaretisch© Auseinandersetzung und Politik Zugang zum Erwerbsleben versperrt ren. Besonderes Augenmerk müßte auch im kleinen Stil zu treiben, sei es mm: vor bleibt, und die bestimmt nicht unbedier Organisierung von, Handwerkern zudem Kongreß, oder vor anderen Wahlen deutende Zahl der Erwerbslosen, ist die gewendet werden. Dabei wären insbejeder Art. Die Zukunft gehört, wie die Zahl des jüdischen Proletariats bestimmt sondere Handwerker-Ko operativen, ins Entwicklungstendenzen klar zeigen, groß genug, die Basis für eine kraft- Leben .zu rufen, die dieser wirtschaftlich auch in. diesem; Lande unserer Bewegung, volle Organisation des jüdischen Soschwer betroffenen Schicht bei ihrem fl$e berufen ist, das Geschick der arb'eizialismus abzugeben. Aber auch wenn Existenzikamtpf behilflich sein könnten, tenden und arbeitslosen Judienschaft in die Masse dies jüdischem Proletariats Auf diese Alrti könnte man mit demi geihre Hand zu nehmten. nicht so groß wäre, ist es unsere nossienschaftlichen Gedanken immer wei- _ Aufgabe, eine klare zielbewußte protere Kreise dies jüdischen Proletariats, er- ——— letarische Politik zu betreiben«. Wir fassen; und1 auch Arbeitsplätze für jene übersiedelt ItäCh PVQÜ stehen erst am Anfang unserer Aufgaschaffen, die sich auf Erez Israel vorbe- * be. Der ^oletorisierungsproaeß der jüdireiten wollen. Es wird Euch interessie- Prag, 14. Mal. Wie wir aus gu? inforschen Bevölkerung schreitet in ein euiunren, dlaß (ohne Einfluß der Partei) in dien mierter 'Quelle erfahren, bereitet das erhörten Tempo vorwärts. Tausende sind letzten Wochen in Bratislava eine Ko- Kontinentalbüro der Jüdischen Telegestern noch wohlhabend gewesen, wisoperative von Schustern gegründet worgraphenagentur (J. T. A.) in London eine dien üsit, die gemieinsaim nach Palästina Verlegung des Berliner Büros nach Prag übersiedeln wollen. Wenn das einer kielvor. Zunächst wird ein Filialunternehmen nen Gruppe Menschen gelingt, müßte es in Prag errichtet werden. Die Maßnahme der Partei möglich sein, eine solche Behängt offenbar mit der zunehmenden Unmöglichkeit einer freien Berichterstattern aber heute nicht ein noch aus. Morgen kann es noch schlimmer werden. Die Existenz der Juden wird von zwei Fronten unterminiert, von der allgemei- Arbeit in die Dreile nen-Krise und' dem sich aiisbreitenden wegung in größerem! Stil zu entwickeln Antisemitismus. Wir wissen, daß die Hier gibt es bei uns selbst viele Genostung über die deutschen Verhältnisse zu¬ Krise eine Krise des kapitalistischen sei-n„ clliie für eine solche Salche Interesse sammen und verdient deshalb als Cfaarak- Systems ist und daß es aus ihr nur hätten und auch geeignete Elemente zur teristikum der jüdischen Situation in einen Ausweg gibt: Den Übergang zu Führung einer Kooperative. Deutschland größte Aufmerksamkeit. einem geordneten Wirtschaftssystem, zum Sozialismus. Wir wissen, daß es auch aus dem Niedergang des jüdischen Mittelstandes keinen Aufstieg gibt, daß das jüdische Proletariat aus den Reihen des jüdischen Mittelstandes immer weiteren Zuwachs erhalten wird. In einer solchen Situation kann es nicht unsere Aufgabe sein, eine kleinbürgerliche Politik zu betreiben. W i r müssen dem Kleinbürger tu m klar machen, daß seine I n t e r - Ein Ositraüer Genosse schreibt zu dien Problemien des Parteitages: Einer der wesentlichsten Fehler unserer bisherigen nochschorati In Dänemark Kopenhagen, 10. Mai (J. T. A.). Durch die königliche dänische Landhaushaltgesellschaft werden, wie die k '±;iM Q^i^fP.,,,^. Kopenhagener Zeitungen melden, au- ÄG1 W<I' da ^«.^Äfs.S genblicklich Verhandlungen mit einer Ortsgruppen » wem* A^e^ikeit von dänischen Landwirten im zugewendet wurde.Die ^tog hirt nördlichen Teil der Insel Seeland gemer wieder den Versuch gedacht d e dem s bestehende Positionen zu verstorken, Deutschland bei sich Jaufzunehmen, um ideologisch auszubilden und m die Tiefe Anf ünde der zu fundieren, dabei hat sich ata elftewirtschaft beizubringen. Wie es in den ben, daß die Entw^cklu^gsmoghchkeitmi Meldungen heißt w^llen die jungen Ju_ ]edw den naöch beendeter Ausbilduni nach soll d^mit nicht behauptet werden daß Palästina auswandern. nicht m mänlchen Gruppen unter besserer, strafferer Führung dei-am Ort sitzen- JOdlSClIC SOlldarlldt den Genossen ein Mehr an Arbeit und Leistung herauszuholen gewesen wäre, Brüssel, 11. Mai (J. T. A.). In Brüsaber die Differenz, die hier besteht, hätte sei fand eine Konferenz statt. Es des Revisionismus innerhalb der zionistiun& \mg# nicht an das heranwurde eine Resolution gefaßt, in der sehen Bewegung oder in Palästina würgebracht, was wir (selbst in den Grenzen die jüdischen Gemeinden der ganzen de dem jüdischen Arbeiter dasselbe unserer Möglichkeiten) werden müssen, Welt aufgefordert werden, eine prozen- Schicksal bereiten, wie es durch den Sieg nämlich an eine Massenbewegung. Destuelle Abgabe von allen Einkünften der Hitlers dem deutschen Arbeiter zu teil halb wird es1 die Aufgabe der neuen Gemeinden einzuführen, deren Ertrag wird. Wir wissen, worum der Kampf Leitung sein, ihre Reisearbeit^ zu intensizur Stützung der jüdischen Gemeinden geht. E. W. Tieren, dem Sekretariat die Möglichkeiin Deutschland dienen soll. der zionistischen Bewegung.« Uund in neuester Zeit — ein »Putsch« zur Wahrung des »Führerprinzipes«. Das ist der Revisionismus. Kein Vertuschungs-, kein Tarnungsmanöver darf uns über dieses Wesen des Revisionismus hinwegtäuschen. Ein Sieg