Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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!9. Mai 1933 mn jnmmm mmnm Seite 3 Wir grflflcn Arlosoroff! In der nächsten Woche trifft einer der Führer der palästinensischen Arbeiterbewegung und, wie man wohl sagen kann, allgemein anerkannter politischer Führer der Zionistischen Weltorganisation, Gen. Dr. Chaim Arlosoroff, zu einem kurzen Aufenthalt in, der Tschechoslowakei ein, um in Kundgebungen in P r a g, B r ü n n und Bratislava zu den die jüdischen Massen gegenwärtig bewegenden aktuellen Fragen! zu spi'echeirt. In Brünn und Bratislava werden außerdem Pressekonferenzen, an allen drei Orten interne Besprechungen mit den Chawerim stattfinden. Dr. Chaim Arlosoroff weilt gegenwärtig in einer besonderen Mission in Berlin, die mit den Kolonisationsplänen der Jewish Agency in Zusammenhang steht. Gen. Dr. Chaim Arlosoroff ist der Mitbegründer und einer der Haupttheoretiker der „Hitachduth" gewesen. Er ist 1899 in'Romny (Ukraina) geboren und lebte in den Jahren 1905—1924 in Palästina, wo er sich eine tiefe Kenntnis der wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes erwarb, die ihn befähigte, sich wiederholt in kritischer Weise mit der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Zionistischen Organisation zu befassen. Er ist der Schöpfer des Gedankens einer Internationalen Anleihe für das stete er uäserer Einladung Folge, sich zu begegnen. Wir freuen uns, daß er mit ati die Spitze der „Liste für das uns gemeinsam den Kampf für die Anfa,r b e i t e n d e Palästina" zu stelkfärung der jüdischen Massen ffifiteH lefy in der Tschechoslowakei alfe Efewird, daß er sich mit uns in die Front mente zum Kongreß zu führen, die hin- >fölH;geg&ft die Reaktion, die ins; jüditer dem Werk und den Aufkantendensehe Lager eingebrochen ist. Er wird zen des jüdischen Arbeiterg stehen. Wir begrüßen Arlosotoff in aller Einfachheit — sein Werk würdigt ihn und es macht sich überflüssig, ihm mit, in diesen für das Judentum und die Arbeiterklasse so schweren Zeiten. ..Ehren" uns behilflich sein, mit den Mitteln des Geistes und des Wissens das Gespenst der Lethargie und der Verzweiflung, aber auch cUe Gefahr des jüdischen Fascismus aus der jüdischen Gemeinschaft dieses Staates zu bannen. Alle Juden müssen heraus! Äus einer Woche Hitler-Deutschland Arlosoroff im Kreise der neugewählten Exekutive (Basel 1931). Von links nach rechts: Brodetsky, Newmonn» Sokolow, Arlosorofi", Locker. Aufbauwerk in 'Talästina.' Diesen -Vorschlag stellte er schon 1923 zur Diskussion und förderte, man möge sich den internationalen Kapitalmarkt zur Unterbringung, einer solchen Anleihe sichern. Für die Sicherung und Deckung des Zinsendienstes einer solchen Anleihe arbeitete er einen genauen Plan aus. Seit 1923 ist Dr. Chaim Arlosoroff Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Organisation. Auf dfem XVII. Zionistenkongreß in Basel wurde er zum zweiten Mal in die Exekutive berufen und übernahm in der schweren Periode des Jahres 1931 die Führung der politischen Geschäfte der Exekutive in Palästina. Er vernuöCöiite, in isefor behutsamer und umsichtiger Weise Beziehungen zü wichtigen arabischen Kreisen anzuknüpfen und hat auch ausgezeichnet verstanden, die Beziehungen der hohen englischen Beamten zum jüdischen Aufbauwerk zu beeinflussen, sodaß heute tatsächlich eine augenfällige Verbesserung im Verhältnis der Palästinaregierung zu den jüdischen Bestrebungen und Wünschen eingetreten ist, die, wenn auch noch lange nicht alles erreicht ist, sich von der Atmosphäre früherer Jahre kategorisch unterscheidet. Seinen Bemühungen simid! alle jleine politischen Vorarbeiten anzuschreiben, die auf eine Erschließung llransijordaniens für die jüdische Siedlung hiäizieilien. Innerhalb der Exekutive ist Arlosoroff in den letzten zwei Jahren immer wieder Gegenstand heftiger Angriffe gewesen, die hauptsächlich in der Tatsache begründet waren, daß Arlosoroff nicht nur der führende Kopf an der politischen Front, sondern auch ein hervorragendes Mitglied der palästinensischen Arbeiterpartei war. Gestützt auf die Kraft der Miphlegeth Poale Erez Israel, gestützt auf seine umfassenden Fähigkeiten, konnte Gen. Arlosoroff in den letzten beiden Jahren seiner Tätigkeit in der Exekutive ein großes Stück Arbeit im Interesse des Aufbau der na-, tiönalen Heimstätte vollbringen. Daß er die lebendige Verbindung mit der Arbeiterklasse keinen Augenblick verloren hat, muß nicht besonders hervorgehoben werden. Ohne Zögern lei- Berlin, 13. Mai (J. T. A.). Auf einer unter dem Leitworte »Für deutsches Recht und deutsche Rechtspflege« abgehaltenen Juristenversammlung, an der auch Reichsjustizminister Dr. Güriner teilnahm, erklärte Reichskommissär Dr. Frank unter »stürmischem Beifall«, der Bund nationalsozialistischer Juristen werde niemals von der Forderung ablassen, daß alle Juden restlos aus jeder Form des Rechtslebens heraus müssen. Ferner erklärte Dr. Frank, der Erfolg des Nationalsozialismus, den er als germanische Revolution kennzeichnete, habe es zum ersten Mal ermöglicht, daß der Begriff der Rasse Eingang in das Recht findet. Er wolle ausdrücklich feststellen, daß der Kampf um das deutsche Recht eine nationalsozialistische Angelegenheit sei und ausschließlich von den Machtexponenten dieser Bewegung geführt werde. Jetzt sei die Gesetzgebungsarbeit sehr vereinfacht, künftig aber werde es schwer sein, Reichsgesetze zu brechen. Der Staat sei nicht gewillt, die Humanitätsduselei vergangener Epochen fortzusetzen. »ie praMisclien Folgen... Frankfurt a. M., 12. Mai (J.T.A.). Vor dem Frankfurter Gerichtsgebäude fand eine Ansammlung mehrerer hundert Menschen statt, die gegen die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte demonstrierte. Wildt, dem Handelsreferenten der NSDAP, und gleichzeitigem Vizepräsidenten des Reichsstandes des deutschen Handels, gebe ich bekannt, daß jüdische Firmen der Rauchwarenbranche, die in Deutschland, hauptsächlich in Leipzig, ihren Sitz haben, keinerlei Eingriffe zu gewärtigen brauchen, wenn ihre Geschäftsführung in jeder Beziehung einwandfrei war und bleibt. Eingegriffen wird nur Fällen von Betrug, Korruption und ungesetzlichem Verhalten, und dies gleichermaßen bei Nichtjuden und Juden. Die Leitung des Reichsverbandes ö>r deutschen Rauchwarenfirmen, Sitz Leipzig, steht selbstverständlich allen Mitgliedern, also auch den jüdischen, gemäß den Satzungen zur Verfügung. Die Mitglieder des Reichsverbandes der deutschen Rauchwarenfirmen werden ersucht, allen anders lautenden Gerüchten, ebenso wie der Greuelpropaganda im In- und Auslande mit allem! ihnen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten. Verspätete Befeuerungen... Hiezu wird! aus London berichtet: Am 8. Mai wurde hier der Internationale Pelzmark eröffnet, der bisher in Leipzig abgehalten worden ist. Der Markt dauert 4—5 Wochen. Es werden gewöhnlich Waren im Werte von etwa 100 Millionen Einige Gruppen drangen auch in das An- Mark abgesetzt; waltszimmer ein, aus dem sie durch*'die 5 ' SA-Wache entfernt wurden. Sfadf Berlin löst Verträge mit jüdischen Ärzten Urteile des Berliner Sondergerichtes '\ Berlin. 12. Mai. (J. T. A.) Am 11. Mai 'wurde vor dem Berliner Sondergericht. der Prozeß gegen den 63 jährigen, wegen Ver- ■breitung von Greuelnaclirichten angeklagten staatenlosen Pferdemaikle* Isidor Klein in zweiter Verhandlung durchgeführt, nachdem in der ersten Verhandlung dem Antrag des 'Beschuldigten auf Einvernahme weiterer Berlin, 14. Mai (J. T. A.). Wie der „Berliner Beobachter" mitteilt, hat Staatskommissär /Hafemänn bekanntgegeben, daß alle laufenden Verträge der Stadt Berlin mit jüdischen Ärzten und Zahnärzten gelöst und ihre Stellung-'Zeugen stattgegeben worden war. Das Ge •rieht verurteilte den Angeklagten, der erzählt hatte, das entführte Kindl einer jüdischen 'Familie sei nach 8 Tagen als zerstückelte : Leiche vor die elterliche Haustür gelegt worden, einem anderen Kinde habe man das Gesäß abgeschnitten und däe Wunde mit Salz;und Pfeffer bestreut, dem Antrag des Staatsanwaltes entsprechend, zu 15 Monaten Ge- 'fängnis. Als den schwersten Fall, mit dem sich' das Sondergericht bis heute zu beschäftigen hatte, erklärte der 'Staatsanwalt das Vergehen der Angeklagten Gerda Goebring, einer geschiedenen Christin, die mit dem1 im April d. J. ausgewiesenen Salomen Paszkailski. leiriem Juden polnischer Staatsangehörigkeit, in freier Gemeinschaft gelebt hatte. Sie hatte die Absicht geäußert, zu ihrem Freund nach Polen zu fahren und dort zu erzählen, Avas in Deutschland geschehe. Sie habe mit ' ■ Roll- Bart mit nationalen Ärzten und Zahnärzten besetzt -wurden. Ferner habe er einen hauptamtlichen jüdischen Vertrauensarzt und) dlesöen Büroscnweöter entfernt, sowie die Stellen: von drei Krartkenbesuchern eingespart. Weiters seien Lieferungsverträge mit dem Konsumverein und dem Warenhaus Hermann Tietz gelöst worden. Rothschildbibliotlieli zensuriert Frankfurt a. M., 12. Mai (J. T. A.). Der Direktor der Rothschildschen Bibliothek, Dr. Kirchner, nimmt gegenwärtig mit einer Kommission, der u. a, auch Bibliothekar Dr. Beer angehört], die Enteigenen Augen gesehen, wie einem im fernung von Büchern jüdischer Autoren BtuM gefahrenen, wehrlosen Juden der und Wprkpn dpr marxkttephftn T.itorahir ^"^enssen Wörden sei. Ein Bekannter von una vverKen aer marxistiscnen Literatur im, sei von der gA e,rraordet mä nackt an aus den städtischen Bibliotheken vor. Die aus den Ausleihbeständen ausgeschiedenen Werke werden in je einem Exemplar unter Verschluß als Archivbestand für Forschungszwecke zurückgestellt. Bei der Rothschildschen Bibliothek,, deren Bestände nicht für die breiten Volksmassen bestimmt sind, sollen die bei den Volksbüchereien gesperrten Werke in den allgemeinen Beständen verbleiben. Sie sind jedoch durch eine rote Marke gekennzeichnet und werden nur an solche Personen ausgegeben, die den Nachweis erbringen, daß sie sie für wissenschaftliche Zwecke .benötigen. Pelzhondel und Judenfrage Leipzig, 8. Mai (J. T. A.). Der Kreis* witsehafäreferent deir NSDAP,, Krea> leitung Leipzig, teilt folgendes mit: „in einem Baum im Grunewald aufgehängt worden. Die Polizei habe den Leichnam heimlich begraben. Ein Kind jüdischer Eltern sei mit Messerstichen im Rücken aufgefunden worden. Das und vieles andere wisso sie aus eigener Anschauung und werde es in. Polen zur iSprache bringen. Der Staatsanwalt erklärte es als besonders erschwerend', daß die Angeklagte, eine deutsche Frau, lediglich, weil sie voii dem Verhältnis m einem; polnischen Juden nicht loskommen konnte oder wollte, sich als freiwillige Agentin des Auslandes zur Greuelpropaganda erboten hatte. Ihr Vergehen sei eine Folge der Sünde wider das Blut (!). Er beantragte zwei Jahre Gefängnis, Der Vorsitzende betonte, daß die1 Äußerungen der Angeklagten von außerordentlicher Feindseligkeit gegen ihr Vaterland und schlimmster Gehässigkeit gegen die nationale Regierung zeugen. Unter Berücksichtigung der Jugend der erst 24 jährigen Frau veruiv teilte sie dasi Gericht zu einem Jahr, neun Monaten Gefängnis. Der Urteilsbegründung fügte der Vorsitzende hinzu, diese exemplarische Strafe splle eine Warnung für andere T>, - .. - .. .. .. v , deutsche Mädchen sein, nicht-auf dem Wege Ubereinstimmung mit Hefili Erich, der Angeklagten zu wandeln. Überschätzen Sie nicht Ihre Gesundheit Auch das Frühjahr ist eine gefährliche Jahreszeit ALPA Franzbranntwein sollte auch jetzt noch gegen Schmerz, Verkühlung und Ermüdung in jedem Hause vorrätig sein.. Unsere Wattlbewegnng fVor dem XVIII. Kongreß) Dr. Chaim Arlosoroff in der Tschechoslowakei. Der Vorsitzende: der Palästina- Exekutive Dr. Chaim: Arlosoroff kommt in diesen' Tagen: in die Tschechoslowakei, um als Gast der „Liste; für das. arbeitenid'e Palästina" in öffentlichen Kundgebungen zu sprechen. Die Veranstaltungen; finden am- 22. Mai in P r a g, am 23. l&ai in Brünn: und am, 24. Mai in Bratislava statt. Naich sieineim Aufenthält in der Tschechoslowakei besucht Gen. Chaim Arlosoroff Polen, wird! aiber voraussiclitlicih nochimlalsi in; die Tschechoslowakei zurückkeihiren, iim! in; einjer Rtetühe weiterer Städlte zu sprechen. Den Vorträgen sieht miau allenthalben mit größtem Interesse entgegen. Das Wahlkoniitee für Karpathorußiand hat süch1 bereits konstituiert und.' diel ersten Sdhiriitte zur Vorbereitung des WaMkaimipfes auf diestem: ents:cheidend!en Posten, der Walilbewegiing unternommen. Das Komitee beisteht aus dleni Chawerim Dr. Bergenbanm1, Herskovicz, Iczkovics, Izakovicz, Dr. Chaim Kugel, Mermelstein. uinld Weiser. Die Bearbeitung der Proviruzorte, die Intensivierung der Sche^ kelaktiom und! eine ausgedehnte! Presseprofpaigand'a ist vorgesehen. Die größeren Orte P. K. R. werden noch von einer führenden Persönlichkeit dier Weltbewegung blesucihit werden. Die oflzlelle Einberufung London, 11. Mai 1933. Amtlich wird mitgeteilt: Die Executive der Zionistischen Organisation teilt mit, daß der 18. Zionisten-Kongreß für den 16. August einberufen wurde, Wegen des Ortes des Kongresses finden gegenwärtig Verhandlungen statt, deren Abschluß in den nächsten Tagen erwartet wird. Der Endtermin für die Abrechnung der Schekelgelder wird auf den 20. Juni festgesetzt. Laut den an diesem Datum bei der Executive bezahlten und abgerechneten Schekalim wird die Zahl der Kongreßdelegierten für jedes Land bemessen werden. Über das Ergebnis der Delegiertenwahlen muß die Executive spätestensam 1. August informiert sein. Instruktionen wegen der Durchführung der Wah- ' len werden gleichzeitig erlassen. Die Revisionisten rüsten ... Jabolinsky aui der Suche nach Um zerrissenen ScliekeJ