Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V Iii fei« Erscheint jeden FreHag Organ der fereinlgten zionisliscn soiäöiisliscnen Arhelfelrorganisaiion Poale ilon-j Redaktion und Administration: Wien II., Blumauergasse l — Postscheckkonto Nr. 17.878 Tschechosl. Redaktion: Brünn, KoliStö 19, Tel. 35.398, Postscheckkonto Brünn Nr. 100.145 in Österreich Bezugspreis: ganzjährig S 12 —, halbjährig S 6 — Einzelne Nummer 30 6ro$pb«n 10. Jahrgang Wien, 19. M^i IS)33 Nr. 20 „Parteilose" Propaganda? Die zionistische Bewegung ist in eine neue Epoche ihrer Entwicklung geraten. Nach einer längeren Periode der Stagnation (vqn der das Aufbauwerk in Palästina nicht immer getroffen wurde) eröffnen sich ihr in den letzten Monaten ungeahnte Möglichkeiten, ihre Reihen zu erweitern, Zu Tausenden strömen neue Menschen der Bewegung zu, erschüttert und aufgeklärt vom großen Propagator und Lehrmeister »Wirklichkeit«. An allen Ecken und Enden werden Bemühungen wach, diesen Strom auch, organisatorisch zu. erfassen. Dabei wird die Forderung laut: Zuerst einmal Zionismus propagieren! An die neuen Menschen nicht mit den Parteischattierungen des zionistischen Programms heran! Erst wenn sie sich eingewöhnt haben werden, kann man sie darüber informieren, daß es in Bezug auf den In- . halt und das Endziel der zionistischen Bewegung und des Palästina-Aufbaus verschiedene Auf fassungen gibt, v Zu diesers» Konzeption w sollen .ein^ paar Worte gesagt werden. Sie entspringt dem verständlichen Bedürfnis, von den Neulingen das Unübersichtliche zionistischer Parteienverhälthisse und Ideologien fernzuhalten. Sie ist aber von einer geradezu kindhaften Primitivität und ebenso mechanistisch wie jene Konzeption der Revisionisten, die da sagt, man müsse zuerst einmal den Judenstaat, d. h. die jüdische Mehrheit haben — die Frage nach der Gesellschafts- und sozialen Ordnung werde sich dann yan-selbst -beantworten, Ebenso/wenig, wje sich die Näturtatsache der blassen aus der Welt schaffen läßt, kann man übersehen, daß heute lebendiger Zipnismus durchtränkt ist von einer bnnten Gedankenwelt; soziale \ind asoziale Elemente, religiöse und «religiöse Anschauungen, ökonomische und nationalpolitisohe Konzeptionen durchwehen ihn, so daß ^ionismns an sich ein UnoUng wird, Körper, dem man das Blut abgezapft, Form, der man den Inhalt entzogen hat. Es ist gewiß schwieriger, aher es wird nicht zu unigehen sein: Wir müssen die neuen Menschen in die ganze Wirklichkeit unserer Bewegung einstellen, sie behutsam, aber doch umfassend über alle ihre Strömungen informieren. Einen »allgemeinen« Zionismus zu propagieren wäre aber, abgesehen von der Unmöglichkeit, die Wirklichkeit auf die Dauer zu verhüllen, auch schon deshalb unrichtig, weil ja bei dem größten Teil der Juden, die jetzt zu uns kommen, die soziale Frage eine unerhörte Rolle spielt. Es kann doch nicht gut behauptet werden, daß die jüdische Katastrophe in Deutschland hätte vermieden werden können, wenn die 600.000 Juden des Reichs Zionisten gewesen wären. Hitler und seine Bewegung sind ein Produkt jener Klasse, die auch in unserem Volke vorhanden ist. Gewiß — das Regime Goerings, Goebbels und Hitlers hätte in 600.000 Zionisten eine besser vorbereitete, eine geistig wehrhaftere, Gruppe vorgefunden, die seelische Tragödie dieses Judentums wäre kleiner gewesen, aber das hätte die Nazi nicht gehindert, ihm den ökonomischen und staatsbürgerlichen Tod zu bereiten. Es gibt, auch unter den allgemeinen Zionisten, wohl keinen, der nicht begreifen würde, daß das, was sich in Deutschland abgespielt hat, nicht eine einmalige und nur für Deutschland gültige, nur in Deutschland mögliche Erscheinung ist. Die Entwicklung der mitteleuropäischen Politik straft eine solche Auffassung täglich Lügen. Erkennt . man •aber, <d.aß es.> auch „anderwärts Gefahren dieser Art gibt, erkennt man gleichzeitig, daß bei allen Anstrengungen und größter Prosperität niemals auch nur alle Juden Europas in Palästina Platz finden werden," dann muß man die Frage beantworten können: Und die, die bleiben? Werden sie versuchen, sich mit reaktionären Regimen auszusöhnen, die Fahnenträger dieser neuen Kulturen zu werden, die durch die Rust und Fey repräsentiert werden? Beginnt für das Judentum eine Periode der schwarzen Assimilation? Wenn nicht — wie wird es sich einstellen, wenn sich der Fortschritt und die Freiheit, wenn sich die Arbeiter und Unterdrückten gegen die Mächtigen und Gewissenlosen erheben? Diese Frage ist ein immanenter Teil der jüdischen Frage. Der Zionismus,, den man den Neuen predigen will, ist ein leeres Schemen, weil er auf diese Frage keine Antwort weiß. Judenstaat — jüdische Mehrheit in Palästina — gewiß! Aber: Sozialistischer Judenstaat, und jüdischer Sozialismus und Kampf an der Seite der Arbeitenden aller Völker gegen die . i ßE^JÖt 'd&s"' taßdsmu s!: ' ', B... Hittcr lehrt die Marokkaner Ausschreitungen in Raööl Tanger, 14. Mai (J. T. Ä.). In Rabat, der Residenz des Sultans von Marokko und Hauptstadt der franz.ösjsc|hen Interessensphäre, ist q am Abend des 10. Mai zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Inn. Verlauf eines Streites hatte ein jüdischer Einwohner seinen arabischen Gegner in Notwehr essensphä're, est es, am Abend des 10. Mai niedergestochen und dieser erlag im ser Zwischenfall keinerlei politischen Charakter trug, wurde er von antisemitischen Agitatoren dazu ausgenutzt, die arabische Bevölkerung gegen die jüdischen Einwohner aufzuwiegeln. Es kam zu Gewalttaten, gegen friedliche Bürger und zur Plünderung von . Läden. Die Behörden haben sofort alle Maßnahmen zum Schutz jüdischen Lebens und Eigentums ergriffen. Zur Unterstützung der Polizei wurden Truppen herangezogen, all© Zugänge %\m jüdischen Viertel Mellah sind militärisch bewacht. Rabat gleicht einer belagerten Stadt. Über 100 Verhaftungen würden vorgenommen. Die Ausschreitungen in Rabat, wo unter einer Gesamtbevölkerung von 14.000 Seelen 4000 Juden leben, haben unter der jüdischen Bevölkerung Marokkos Bestürzung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß erst vor kurzem auch in Casablancä antijüdische Unruhen sich ereignet haben. Es steht außer Zweifel, daß diese Unruhen von ausländischen Agitatoren geschürt werden. Ein junger, Araher. namens, Bermussi wurde verhaftet, als er einige hundert Araber mit zum Päschistengruß erhobenen Armen photographierte. Ein siegreicher Streite Tel Awiw, 14. Mai (Eigene Drahtung.) Zwischen den Unternehmern und der Arbeiterschaft von Petach Tikwah ist ein Übereinkommen zustande gekommen, auf Grund dessen der seit mehreren Wochen andauernde Streik beendet werdn konnte. Die Bedingungen, unter denen die Arbeiterschaft die Arbeit wieder aufnahm, sind: 1. Achtstunden-Tag. 2. Tageslohn: Für einen einfachen Bauarbeiter 300, für einen Pachbetonarbeiter 350 Mil. 3. Unfallversicherung der Arbeiter. 4. Beitrag des Arbeitgebers an die Krankenkassa, der 3% des Arbeitslohnes beträgt. Delogierungen in Tei-Awiw Tel Awiw, 12. Mai. — 10 jüdische Familien, die die hohen Mietzinse in ihren Wohnungen nicht mehr bezahlen konnten, mußten gestern gerichtlich delogiert werden. ist der Revisionismus fascistisch? Der ftegriff des »Fascismus« hat in der letzten Zeit keinen guten^ Xjang in der jüdischen Gasse. Noc|i sind die . Wunden, die Hitler uns schlägt, zu fji.hjbar , und offen. Dieselben Zionisten, die noch vor wenigen Monaten unverhohlen ihre Bewunderung über die »Ordnung« zürn Ausdruck brachten, fte Mussolini in Italien gemacht hat, möchten nun nicht gern als Fascisten gelten. Sie' sind »national«, sie sind 100%ig, aber keineswegs Fascisten, ja sie finden es sogar »lächerlich«, wenn man von einem jüdischen Fascismus spricht. Auch viele, die sonst nichts gegen den Brith Trumpeldor, geigen seine "Ziele und Methoden einzuwenden hatten, stoßen sich heute an seinen braunen Uniformen. Die Gedankenverbindung ist zu offensichtlich, zu kraß. Aber für die allgemeinen Zionisten ist das Problem hicht all zu kompliziert. Wer in unserem Kampf gegen die Revisionisten nichts anderes sieht und nichts anderes sehen will als ejne akademische Diskussion darüber, »wer am Klassenkampf in Palästina, schuld sei und wer damit begonnen habe« (siehe »Stimme« v.^5: Mari933), :hattaüch^; die jjLösung rasch bei "der Hand: Einige hundert Meter grauen oder etwa grünen Stoffes für neue Uniformen, anstatt'brauner sagen wir blauweiße Halsbinden ~- und die Gefahr des Fascismus ist endgül- tig aus der: jüdischen Gasse gebannt.' Es gibt Wahrheiten, die man, Obwohl sie eigentlich selbstverständlich "sind, unaufhörlich wiederholen muß,: um ja nicht mißverstanden zu werden. Wir nennen die Revisionisten Fascisten weder weil sie braune Uniformen tragen, noch weil sie einen götzendienerischen »Füh- ' rer«kult treiben, sondern einzig und allein deshalb, weil sie in,nerhalb unser es Volkes eine Roll e spielen und Ziele verfolgen, wiesie jeder fascis tischen Bewegung zueigen sind. Der Fascismus ist eine Begleiterscheinung des untergehenden Kapitalismus. Er tritt dort auf, wo die Arbeiterschaft innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung und mit Hilfe ihrer Institutionen eine iii politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht dominierende Rolle einzunehmen droht. Seine Ziele sind eine Vergrößerung der. Massenbasis, auf die sich die bestehende Ordnung stützt, die Vernichtung oder Eroberung der politischen und wirtschaftlichen Organisationen, die dem Kampfe der Arbeiterschaft dienen und die'Schaffung einer Gesetzgebung, die den wirtschaftlichen und politischen Kampf der Arbeiterschaft unterbindet und unmöglich macht. Die Mittel zur Erreichung dieser Dienstag, 23. Mai, 20 Uhr (Großer $OPZ-$a<M) Dr. Chcum A R (. O $ O SS © f f (Jerusalem), Mitglied der Palästina - Exekutive der Jewish Agency, spricht als Gast der „Liste för das arbeitende Palastina* (Poale Zion-AGS£) über das Thema T Palästina - der Weg aus der fOclisclTien 3¥of U1JUÜ",J fll fraise der Plötze: KS 8-, und 4'~. ^HdwtePPl«»8r K« fAri der Abendke»««) Vorverkaufsstellen bei Buchhandlung Wioklcr, Rennergawe, Foto«Express, Typos.Passage, Cafe Bsplanade, Sekret, der Poale 7lon, Kiosk 7, Tel! 35.398 iiwiii mmimmmi'^mm^^mm^ hüiüw »u .uuw iifiiuuUm .i uij ihm