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Der Jüdische Arbeiter · 1933-05-12 · Heft 19 (12.5.1933) · page 5

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 19 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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12, Mai 1933 t)tu ämmcm A&mnm Seite 8 ■i;.............. in die für den ffNatten Weg11! Nütef den Monat Mai, der als Werbemonaf proklamiert isil 1000 neue Abonnenten — 1000 Kampfer für den jüdischen Sozialismus! X Baumfrevel in einer jüdischen Kolonie. In der vor einiger Zeit in der Nähe von Tel Mond zur Erinnerung an den verstorbenen belgischen Zionistenführer Jean Fischer gegründeten jüdischen Kolonie Kfar Jona, in der durch die Gesellschaft Hescharon unter der Leitung des holländischen Bankiers und Zionistehführers Jakobus H. Kann große Pflanzungen angelegt werden, haben unbekannte Täter 500 junge Orangenbäume entwurzelt. Der Schaden wird auf etwa 1000 Pfund geschätzt. X Ein Chaluz aus Bessarabien im Jordan ertrunken. Beim Baden im Jordan ist der 22jährige Chaluz Kaiman .Ben Israel, der erst vor zwei Monaten aus Bessarabien nach Palästina eingewandert war, vor den Augen von fünf Kameraden, die ihn vergeblich zu retten versuchten, ertrunken. Der Verunglückte war Mitglied der Jugendorganisation „Gordonia". X „Erlösung des Wassers." Unter dem Namen „Gesellschaft zur Erlösung des Wassers" wurde eine neue jüdische Vereinigung gegründet, die in allen Teilen Palästinas Wasserbohrungen vornehmen, und moderne Brunnenanlagen schaffen will, die an die Bevölkerung der einzelnen Ortschaften verkauft oder verpachtet werden sollen. Die erste Tiefbohrung soll in Aftileh, das unter starkem Wassermangel zu leiden hat, vorgenommen werden. Brief aus Olmütz Kultusgemeinde. In der Olmützer Kultusgemeinde ist die Poale Zion durch 7 Genossen (bei 30 Mandataren) vertreten. Im Präsidium sitzen die Gen. Grün und Jul. Huth; ebenso sind wir in allen Kommissionen entsprechend vertreten, insbesondere in der durch unsere Initiative geschaffenen.Fürsorgekommission. ■ Momentan arbeiten wir ah der Errichtung eines jüdischen Arbeitsnachweises, einer jüdischen Kreditgenossenschaft und beeinflußen die . Schaffung des Fürsorgeheimes und einer Fürsorgezentrale. Israelitischer Frehlschverein. Der Freitischverein gehört zu jenen Vereinen, die als Hauptziel der Wohltätigkeit das Sparen eines großem Staim,mverm6gens ansehen, damit der Präsident sich in den Generalversammlungen einer sorgsamen Führung rühmen kann. Die Generalversammlungen haben die Herren des Ausschusses durch Jahrzehnte immer unter sich abgehalten und so haben sie, insbesondere aber der Präsi- : dent, Herr Felix Zweig, es als unliebsame Einmischung empfunden, als bei der Generalversammlung durch unsere Genossen gefordert wurde, endlich auch Wohltätigkeit zu üben und eventuelle Uberschüsse mangels bedürftiger Schüler oder Lehrlinge anderen Armen zuzuführen. Der Präsident erblickte in diesem Antrage ein Mißtrauensvotum und ließ unter Drohung des Rücktrittes diesen durch Gen. Huth eingebrachten Antrag abstimmen. Diesmal noch konnte er sich durch »Umfallen« zweier Herren des Hilfsvereines bei Stimmengleichheit das Vertrauen dirimieren lassen. Das dürfte aber das letzte IMal gewesen sein! Jüdische Manifestationsversammlung. Am 4. April fand im Redutensaale die Manifestationsversammlung wegen der Vorgänge in Deutschland statt. Als Veranstalter zeichneten die »Zionistische Organisation« und die »Jüdische Partei«. Wir stellen fest, dato die Poale Zion dieser Versammlung fernstand da ein Angebot der Poale Zion auf gemeinsame Veranstaltung im Vereine Zion abgelehnt wurde. In einer abgehaltenen Versammlung hat unsere Gruppe beschlossen, gegen den Mißbrauch des Namens »Zionistische Organisation« Protest einzulegen, jedoch an der Versammlung teilzunehmen. Wir erklären, daß wir Kundgebungen der »Zionistischen Organisation« nur dann zugeben werden, wenn alle Fraktionen an denselben teilnehmen werden. Wir hoffen, daß diese Warnung den gewünschten Erfolg haben wird. Jüdischer Hilfsverein. Unter guter Beteiligung fand die Generalversammlung des Hilfsvereines und der Fürsorgesektion statt. Trotzdem der Wohltätigkeitsverein der beste im Orte ist, hat er es leider noch immer nicht verstanden, weite Kreise des Judentums, insbesondere der Reichen, zu erfassen. Unsere Genossen und Freunde, waren zahlreich erschienen und überreichten eine Reihe von Vorschlägen: 1. Der jüd. Hilfsverein empfiehlt seinen Mitgliedern, den neu zu schaffenden jüdischen Arbeitsnachweis der Kultusgemeinde zu propagieren und in jeder Hinsicht zu unterstützen. 2. Der jüd. Hilfsverein empfiehlt seinen Mitgliedern, sich zur Gründung einer Kreditkassa voll zur Verfügung zu stellen und diese weitgehendst zu fördern. 3. Zur Frage der Schaffung des Fürsorgeheimes wird eine Besprechung aller in Olmütz bestehenden Wohlfahrtsvereine und der Kultusgemeinde einberufen, die feststellen soll, ob auf Grund der vorhandenen Mittel und der zur Verfügung stehenden laufenden Unterstützungen die Schaffung des Fürsorgeheimes erfolgen kann. 4. Antrag auf Einsetzung eines zentralen Fürsorgerates unter Teilnahme aller Vereine. Wiederum konnte es sich Herr Felix Zweig nicht versagen, in der ihm eigenen Art in die Debatte einzugreifen und den würdigen Verlauf der Generälversammlung zu stören. Gen. Huth gelang es, in entsprechender Form diese ungerechtfertigten Ausführungen abzutun. Herr Zweig hat wieder bewiesen, daß er zur Führung »seines« Freitischvereines unfähig ist. Zum erstenmal gelang es uns, in den Ausschuß zu gelangen und wir werden durch unsere Mitarbeit den Beweis liefern, daß wir unsere Pflicht voll erfüllen werden. J. Unser Marsch am 1. Mai Prag. Im großen Umzug der sozialdemokratischen Parteien beteiligte sich diesmal auch die Poale Zion, die im Aufmarsch hinter dem Parteivorstand der tschechischen Partei und den Arbeiterturnern marschierte. Neben Parteimitgliedern und Studenten nahmen zahlreiche Ältere des Tcheleth Lavan an der Mai- Dem'onstration teil. Die poalezionistische Gruppe demonstrierte durch zwei Standarten, ,Es lebe das sozialistische Palästina" und ..Fascismus — das Verderben der Republik". Die Teilnahme der Poale Zion weckte bei den Zuschauern lebhaftes Interesse und hat sicherlich nicht wenig zur Populai'isierung des jüdisch-soziatlistischen Gedankens im arbeitenden Prag beigetragen. Olmütz. Die Maifeier unserer Partei in Olmütz fand ihren Auftakt durch eine aam Sonntag, den 30. April veranstaltete Maikundgebung. Nach einer Ansprache des Gen. Jul. Huth in tschechischer Sprache hielt Gen. Elieser S c h ä c bter die Festrede. Die Chaluzim des Kibbuz in Olmütz belebten die Feier durch hebräische und deutsche Lieder und Rezitationen. Am 1. Mai beteiligte sich unsere Partei am Umzug mit einem Transparent „Es lebe das arbeitende Palästina" in deutscher, tschechischer und hebräischer Sprache, Vor dem Rathaus sprach der Generalsekretär der deutschen Sozialdemokraten in der CSR,, Gen. Abg. Taub und im Namen der Poale Zion Gen. Elieser Schächter. Bratislava. Am 1. Mai nahm unsere Bratislavaer Ortsgruppe an dem Aufmarsch der vereinigten sozialdemokratischen Parteien Teil. Unsere Gruppe mit unserer Standarte Poale-Zion und ISI, sowie die Aufschriften: »Palästina wird und muß sozialistischsein!«, »Es lebe das arbeitende »Palästina4!«, »Wir wollen keine Sklaven sein!" etc. haben einen tiefen Eindruck ausgeübt. Die Wahlarbeif beginnt Das aus den Vertretern der Poale Zion (Karl Baum, Dr. Adolf Grünfeld, Dr. Elieser Schächter) und der A. G. S. Z. (Attermann und Ing. E. Fuchs) bestehende Zentralwahlbüro ist am Donnerstak, den 4. Mai zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten und hat den Plan für den Kongreßwahlkampf ausgearbeitet,— Die Adresse des IWahlbüros lautet: Büro der Liste f. d. arbeitende Palästina, Brünn, Kiosk 7. * Die Ortsgruppen der Partei werden aufgefordert, alle Anstrengungen zu machen, um die Schekelaktion raschest und erfolgreich abzuschließen. Besonderes Augenmerk soll mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage der Werbung neuer Schekelzahler gewidmet werden. Tschechoslowakei : Ing. Anselm Reiss, der Generalsekretär des Weltverbandes der Vereinigten Partei Poale Zion-Hitachduth, der sich gegenwärtig in London aufhält, trifft in den nächsten Tagen in der Tschechoslowakei ein. Aus diesem Anlaß findet am 13. Mai eine Besprechung mit den Mitgliedern der csl. Parteiexekutive in Prag statt. Führerlager und Führertag des Techeleth Lavan. Vom 9.—17. IV. fand! in Klopoty bei Wildenschwert im Adlergefbirge das Führerlager des Techeleth Lavan statt, an dem sich 60 Chawerim aus den verschiedenen Ortsgruppen der C. S. R. und aus Österreich, beteiligten. Der Charakter des Lagers war ein einheitlicher. Außer ' den Referaten und Mustersich'oth, die die Aufgabe hatten, vor allem die Jungführeir mit der Methodik unserer Ideologie vertraut zu machen, gab es noch eine Reihe anderer praktischer Führungsfragen, die wir in besonderem Diskussionsnachmittagen ibehandelten. Die Abhaltung von Spiel und Sport, einem literarischen Gericht undi einem Sederabend, der im Zeichen des a'rb. Erez Israel stand), trugen viel zur gesellschaftlichen guten Ausgestaltung des Lagers bei. Wie ein roter Faden durchwirkte unsere boToehowistische Ideologie! nicht nur die Diskussionen im Führerlager, sondern, diese fand am Führertag der anschließend an das Lager .stattfand, ihren vollen Ausdruck. Der Führefotag, an dem sich 120 Chawerim unserer Histadruth beteiligten, trug viel zur tieferen ideologischen Fundierung und besseren organisatorischen Ausgestaltung der Bewegung bei. Auf Grund der Referate und Diskussionen faßte der Führertag des T. L. eine Reihe von Resolutionen. Zur Tarbufhwoche Vom 14. bis zum 21. Mai öoll die diesjährige Tarbuthwoche stattfinden. Wiederum wenden wir uns an alle Freunde der Tarbuth- Organisation, an alle Freunde des hebräischer .Schulwerkes mit der Bitte, sich aktiv in die •Dienste der ^,Tarbuth" zu stellen und in diesen Tagen den Tarbuthgedanken zu propagieren, die Organisation auszubauen und materielle Mittel für dieselbe zu schaffen. :,Tarbuth" soll zur Verbreitung deir hebräischen Kultur., zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache auch in der Tschechoslowakei durch Errichtung von Hebräischkursen, durch Verbreitung des hebräischen Buches usw. beitragen und das hebräische Schulwerk unterstützen. Insbesondere an die Jugend ergeht der Ruf, sich in dieser Woche der Arbeit zu widmen. Die Jugend ist am onleisten daran interessiert, sich wieder die Kultur des Volkes anzueignen und durch die Anlehnung an die Kultur ihres Volikes ihrem Dasein Inhalt zu geben, sich ein Ziel zu stecken. Im Osten der Republik besteht ein hebräisches Schulwerk mit dem Gymnasium in Mukacevo an der Spitze. Kinder aus mehr als sechzig Orten der P. K. R. und Ostslowakei beisuchen dieses Gymnasium. Aus entlegenen Dörfern des verlassensten und zurückgebliebensten Teiles der Republik' sücht die Jugend sich aus der Finsternis des Mittelalters zu befreien und strebt einem normalen und gesunden Leben zu. P. K. R. ist ein Ländchen, wo Fanatismus, Aberglaube und entarteter Chassidismus der Entfaltung der jüdischen Jugend im Wege stehen. In; die* sein Lande hat das Schulwerk eine doppelte Aufgabe: die Jugend iim iüdisch-positiven Geiste zu erziehen, sie mit den Werten der jüdischen Kultur bekanntzumaohem und so die Hebung des allgemeinen sozialen und kulturellen Niveaus zu ermöglichen. Diesem Schulwerk zu seiner Erhaltung zu verhelfen, ist eine der wichtigsten Aufgaben aller Juden, die Sinn für Jüdisches und Menschliches haben. Schwere und bittere. Tage macht das Schulwerk! durch. Wir wollen Ausdauer haben, bis bessere Zeiten kommiem. Unsere Freunde müssen uns aber unterstützen, uns in der Arbeit ermutigen. Jeder, dem der Gedanke der hebräischen Kultur nahe ist, jeder, der einsieht, daß ohne Wiederbelebung der Sprache des Volkes und seiner Kultur keine vollständige Renaissance möglich ist, jeder, dem die Befreiung der karpathorussischen Jugend von finsterem» Fanatismus wichtig erscheint, jeder, dem die Heranbildung einer gesunden jüdischen Jugend am Herzen liegt, stelle sich in der Tarbuthwoche in die Reihe der Mitarbeiter und trage so sein Scherflein zum Erfolge der Tarbuthwoche bei! Cech. Teschen. Donnerstag, den 11. Mai findet ein von der Ortsgruppe Poale Zion veranstalteter Vortrag des Redakteurs unseres Parteiorgans „Der neue Weg", Karl Baum, über das Thema „Aktualitäten" statt. Es wird erwartet, daß alle Genossen zu diesem Abend erscheinen. Gäste sind gern gesehen. Bratislava. Wir führen eine rege Schekelaktion und es ist £u hoffen, daß wir eine große Zahl aufbringen werden. Bratislava. (JSJ.) Unsere Jugendgrup* pe, die heute 70 Mitglieder zählt, hat an dem Fackelzug der vereinigten soz. Jugendgruppe wie auch beim Aufmarsch am 1. Mai teilgenommen. Bratislava. Montag, den 15. ds. abends 7 Uhr hält die Ortsgruppe der Poale-Zion eine Ausschußsitzung mit wichtiger Tagesordnung ab. Michalovce. Die Poale Zion hat hier an der Mai-Feier der Bruderparteien teilgenommen, bei der die Gen. Drahovsky und M. Groß referierten. An der Feier beteiligten sich zahlreiche unserer Genossen. — Die 1. Mai-Nr. des „Neuen Weg" wurde Kolportiert. Jüdische Delegation beim Schulminister. Am Donnerstag, dem 4. Mai wurden Dr. Emil Margulies, ferner Abg. Dr. Angelo Goldstein, der Direktor des Hebräischen Gymnasiums in Mukaßevo, Dr. Chajim Kugel und Frau Irma Poläk vom Schulminister Dt. Derer empfangen Es wurde die Frage des Hebräischen Schulwerkes in der Podkarpatska Rus und auch andere, in das Ressort vom Minister Derer fallende aktuelle Fragen besprochen. Liga-Arbeit in P. Kl R. Die jüdischen Broschüren Ben Gurions haben in KarpathoTußlandi in den weitesten jüdischen Kreisen .sehr w&rme Aufnahm» gebunden. In Huätina wurde eine Gruppe der Liga f. d. arbeitende Palästina gegründet, die Gruppe in IrSava wurde reaktiviert. Der Liga-Kreis in Munkacz hat eine enige Kooperation mit der Liga in Kaschau beschlossen; die Gruppen des Kaschauör Kreises werden von nun ab auch die jiddischen Rundschreiben des Kreises P. K. R. erhalten. Die Persönlichkeit Prof . Lessings Gen. Prof. Dr. Theodor Lessing, der, einer Einladung unserer Partei Folge leistend, in der nächsten Woche in Brünn und Mährisch Ostrau spricht, ist 1872 in Hannover geboren; Nach einer Reihe dichterischer Jugendarbeiten verfaßte er philosophische Werke über Schopenhauer, Wagner, Nietzsche und über die Wertaxiomatik. 1908 wurde Lessing Privatdozent der Philosophie an der Technischen Hochschule Hannover, und wurde über den Kreis seines engeren Fachgebietes hinaus bald durch die Werke „Untergang der Erde am Geist" (Europa und Asien) und „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen" bekannt. Lessing, der sich in seiner Jugend hatte taufen lassen, trat 1900 mit seiner aus einem altpreußisichen Adelsgeschlecht stammenden Frau unter der Einwirkung des Zionismus zum Judentum zurück1 und schloß sich bald der zionistischen, später auch der sozialistischen Bewegung an, bis er schließlich im Jahre 1932 Poale Zionist wurde. Als er 1925 vor der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten einen kritischen Artikel im „Prager Tagblatt" veröffentlichte, entstand in Hannover eine Bewegung antisemitischen Charakters; die Studentenschaft verlangte, daß Lessing seine Vorlesungen einstelle. Als er dieser Forderung nicht nachkam, drohte die Studentenschaft mit einem Generalstreik im Hochsehulbesuch.

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