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Der Jüdische Arbeiter · 1933-05-12 · Heft 19 (12.5.1933) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 19 (12.5.1933)
Date
1933-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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12. Mäi 1938 tm JÖD1S0ÄB; ABBMTER Seite 3 Anselm Retss (Warscnan) Komintern nnd Deutschland Def Moskauer „Emess" vom 12. April veröffentlicht eine Resolution über die Tätigkeit der KPD, die im Präsidium des Exekutivkomitees der Komintern nach einem Referat von F. H ek e r t, Mitglied des Zentralkomitees der KPD, angenommen worden ist. Die Resolution stellt fest, daß „die politische Linie und die Organisätionspolitik, die das Zentralkomitee der KPD bis zum Augenblick des Hitlerschen Umsturzes einhielt, absolut richtig war". Im. „Emess" vom 16. und 17. April ist ein großer Artikel von Hekert über dasselbe Thema veröffentlicht, wo die Resolution ausführlich begründet wird. Es ist interessant, gerade in dieser Frage die Stellung der Komintern zu kennen und näher zu beleuchten. Der Fall Deutschland hat tatsächlich die ganze Arbeiterbewegung aufgerüttelt und den internationalen Sozialismus vor Probleme größter Bedeutung gestellt. Besonders brennend ist die Frage der Taktik für „Morgen", in einer Zeit, in der im Herzen Europas eine so gewaltige fascistische Macht entstanden ist, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, ihre Verbindungen mit anderen fascistischen Staaten auszubauen. Es ist doch nicht leicht zu verstehen, daß noch am 5. März sich ca 12 Millionen Arbeiter entschieden gegen den Fascismusaussprachen und schon am nächsten Tage nichts mehr von dieser Millionenarmee zu merken war. Kam doch Hitler zur Macht ohne die geringste Störung! Er trat sein Terror-Regime an, ohne auch nur den Schein eines Widerstandes seitens der 12 Millionen sozialistischer Wähler vorzufinden. Diese Tatsache berührt die SPD ebenso wie die KPD und fordert eine rücksichtslose Aufklärung. Nun sollte man glauben, daß die Komintern, die soviel von bolschewistischer „Selbstkritik" spricht, in diesem Fall beweisen würde, daß sie es damit aufrichtig meint und aufrichtig die schmerzvolle Tatsache der Niederlage der. deutschen Arbeiterbewegung auf- ^jklären^iyürd§...tJ^j^r ,,aberv muß .man feststellen;^ daß dies nicl&]b',gfeysölia%.,''Man : kann ruhig sagen, daß dieses Bestreben, die eigene Partei unbedingt reinwaschen zu wollen, in einem solchen schweren, verantwortungsvollen Augenblick inschreiendem Widerspruch zu den primitivsten Aufgaben einer klassenbewußten Arbeiterschaft steht. Allerdings müßte die Komintern, wenn sie wirklich Selbstkritik üben wollte, von ihrer These der Unfehlbarkeit abkommen. Aus diesem Grunde macht man es sich bequem, indem man die ganze Verantwortung auf die SPD und insbesondere auf die II. Internationale abwälzt und damit die Angelegenheit für erledigt hält. Zur Illustration diene Einiges aus den erwähnten Artikeln: Die Inthronisierung Hitlers, wird dort ausgeführt, war nur möglich, weil die SPD, die 1918 die Mehrheit des Proletariats hinter sich hatte, die Arbeiterklasse spaltete! Und weil ihre Politik nicht auf die Diktatur des Proletariats, sondern auf die Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie gerichtet war. Nach Hekert hat die Spaltung „den erfolgreichen Widerstand der Arbeiterklasse gegen den Fascismus paralysiert und paralysiert ihn noch Jetzt!" Sonst wäre die revolutionierende Wirkung des Proletariats auf die städtischen kleinbürgerlichen Schichten und Bauern nicht ausgeblieben. Nur infolge der Spaltung sei das Proletariat nicht in ' der Lage gewesen, die nationalistische Welle durch einen Gegenstrom des Internationalismus aufzuhalten. Man sieht also, daß die Komintern die S p a 1tung der Arbeiterklasse als die wichtigste Ursache des Zusammenbruchs und der Niederlage anerkennt. Nun will man uns einreden, daß diese Spaltung durch die SPD herbeigeführt worden ist. Als ob man den Auftrag der Komintern an alle ihre Gruppen, überall rücksichtslos die Spaltung durchzuführen, schön vergessen hätte! Die Komintern gab den Befehl „mit den sozialdemokratischen Arbeitern und den untersten sozialdemokratischen Organisationen" eine Einheitsfront zu schaffen, über die Köpfe der Parteileitung hinweg, was doch nichts anderes bedeutet, als neue Spaltung hervorzurufen, ja "geradezu zu organisieren. Gerade in Deutschland führte diese unheilvolle Zersplitterung, dazu, daß aus der SPD, aus der Massenpartei der deutschen Arbeiterklasse, die mehr revolutionären Elemente ausschieden und die Partei unter dem Einfluß der extrem Rechten verblieb. - „Der deutsche Fascismus"; lesen wir weiter, „ist ein Produkt von Versailles." Da muß man doch fragen: Warum kam der Fascismus in Italien, obwohl das Land keine Reparationen bezahlt hat? In. Deutschland wurde die Hitlerbewegung übrigens gerade in jenem Zeitpunkt stark, als die Zahlung, von Reparationen schon jede praktische Bedeutung verloren hatte, denn in Wirklichkeit ging doch der ganze Kampf um die Forderung der Rüstungsgleichheit und die Rückgabe der Kolonien, Die KPD predigte aber in dieser ganzen Zeit, daß man erst die SPD zerstören müsse, ehe man erfolgreich gegen den Fascismus kämpfen könne. Noch vor den letzten Präsidentenwahlen schrieb der „Emess": „Solange die KPD die Massenbasis des Sozialfascismus noch nicht . völlig zerstört hat, die letzte parlamentarische Illusion nicht beseitigt ist, ist der Weg für. die fascisierte Demokratie noch offen." Wenn Versailles die Hauptschuld am Elend des deutschen Arbeiters trägt und die Sozialdemokratie das Haupthindernis für seinen Kampf ist, so war es doch klar, daß man vor allem diese zwei Faktoren beseitigen mußte! Dann aber entstand die Frage: Wer kann es unter den gegebenen Verhältnissen besser machen und es darf nicht wunder nehmen, wenn die Antwort dann lautete: Hitler — und nicht Thaelmann. Warum hat aber die KPD nicht den Versuch unternommen, einen wahren revolutionären Massenkampf gegen den Fascismus zu führen? Darauf sagt Hekert: „Ungeachtet des Terrors zeigt die Arbeiterklasse in Deutschland (darunter ist wahrscheinlich die KPD zu<' verstehen) doch Klassenfestigkeit, Konsequenz und die Fähigkeit, sich anzupassen. Dies alles ist notwendig, um trotz aller Provokationen sich nicht in.;eine entscheidende Schlacht hineinzumanevrieren bei einer Situation, die für den Feind günstig ist." Die erwähnte Resolution der Komintern, die zn ' dieser Frage ebenfalls Stellung nimmt, weist nach, daß nach Lenin eine Revolution nur dann erfolgreich sein kann, wenn die wankenden Elemente, die. kleinbürgerliche Parteien, mit ihrer Politik vor dem Volk bankrottiert haben und wenn im Proletariat die revolutionäre Stimmung ihren Höhepunkt erreicht hat. Aber die charakteristischen Bedingungen in Deutschland, lesen wir weiter, sind so, daß „der Augenblick noch nicht gekommen ist", und daß die KPD „nicht in Abenteuertum verfallen wollte". „Mit der Avantgarde allein", sagt Lenin, „können wir nicht siegen, wir werfen sie nur in die Schlacht zu einer Zeit, wo die ganze Klasse noch nicht die Position besitzt, um die Avantgarde zu tier Mai bringt Arbeit.., auf dem Bau, dem Felde und .im -Garten.. Arbeit ist. begrüßehäwert — sie bedeutet Brot. Stellen sich aber Ermüdung oder Muskelschmer« ein, dann hilft eine Massage mit Franzbranntwein ALPA Bilder der Woche Remington SCHREIBMASCHINEN amerikanische Qualität - hiesiges Erzeugnis. Preis? Vorteile? Fragen Sie an bei RENINGTON schreibu. Rechenmaschinen Ges. m. b. H., Brünn saizantfsgasse $-9. m Anruf 35.186. Prag!.. Celetnä 35. - Anruf 62.871. Verkaufsstellen in größeren Städten. Ein neues Beispiel moderner Architektur in Palästina: Neues Gebäude einer Hotel-Pension in Tel Awiw Wichtige Gäste in Palästina Sir Philipp CunliftVLister mit'Bürgermeister Dissengoff in Tel Awiw Lord und Lady Alleuby werden vom Bürgermeister von Tel Awiw einfangen stützen oder ihr mit freundlicher Neutralität gegenüberzustehen. Zu einer solchen Zeit zu kämpfen, wäre nicht nur Dummheit, sondern auch ein Verbrechen." Folglich, ist — die. KPD' rein , von, jeder Schuld und die ganze Last fällt auf die SPD und, was. noch interessanter ist, auf die Internationale. Es bleibt aber noch eine Frage offen, clie durch die lange. Resolution nicht beantwortet wird: Wenn es richtig ist, daß die Bedingungen, die Lenin für nötig gehalten hat, damit eine Revolution siegreich wird, n i c h t Vorhand e n waren. —- ist dann vielleicht neben der KPD nicht auch die SPt) ^unschuldig, die bei den gegebenen. Bedingungen ihre Aktionsfreiheit nicht verlieren wollte und sich nicht in eine Situation hineintreiben lassen wollte, die „nur für den Feind günstig ist", womit sie doch nach der Meinung Lenins,„ein Verbrechen begangen hätte? Stand/doch die SPD der Reichswehr, den Hitierverbänden und dem bankrottierten Klein-, bürgertum gegenüber, das nationalsozialistisch orientiert war! Noch interessanter ist, daß man gerade jetzt entdeckt, die SPD sei die Massehpartei gewesen, die KPD aber eine nicht entscheidende Avantgarde, während man tausende Zitate aus der kommunistischen Presse erbringen könnte, in . den,en vom Zusammenbruch der SPD gesprochen wird^ dieihren ganzen Einfluß auf die Arbeiterschaft verloren hat und die KPD. als die Partei. dpr deutschen Arbeiterschaft, besonders in den großen Arbeiterzentren, proklamiert wird..

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