Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1933)
- Date
- 1933-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DER. JÜDISCHE ARBEITER 6. Mai 1933 lägen der Gesellschaft „Nir" anerkannt, über deren Gründung auf der zweiten Konferenz der landwirtschaftlichen Organisation beschlossen wurde. Die ersten Anfänge einer Tätigkeit des i,Nir" wurden in den letzten Jahren gemacht. Die meisten Arbeiterwirtschaften wurden als Wirtschafts-Töchter von „Nir" bestätigt (bis heute beträgt die Zahl der „Töchter" von „Nir" 53). Es wurde an die Schaffung des Kapitals der Gesellschaft geschritten. So hat „Nir" bis heute durch Mitgliedsaktien und Vorzugsaktien etwa 7000 Pfund konzentriert. „Nir" organisiert das wichtige . Werk des „B odens durch Erspar n i s s e". Vor einigen Monaten hat „Nir" die erste bedeutende Aktion zusammen mit der Arbeiterbank verwirklicht — die Beistellung von Krediten zur Besiedlung von Boden durch zehn Ansiedlergruppen, die über tausend Familien zählen. So begann die erste Tätigkeit von '„Nir". Gleichzeitig mit dem Wachsen und der Stärkung der Arbeiterschaft ist nun die erste Parole verlautbart worden: „S chaffen wir NIR!" Diese Aufforderung wird unter der gesamten Arbeiterschaft im Lande ihren Widerhall finden. Es werden dieser Forderung auch alle der Arbeiterschaft nahestehenden Kreise folgen: die Lehrer, die freien Berufe, die Beamten, und zusammen mit ihnen auch Persönlichkeiten mit wahrem nationalen und! gesellschaftlichen Verständnis unter den Kolonisten und Kaufleuten. Es wird keine Übertreibung sein, wenn wir den Betrag, der der Arbeiterkolonisation durch dieses Werk in der nächsten Zeit in Erez Israel selbst zukommen wird, auf 20.000—25.000 Pfund einschätzen. Die Zahl der Mitglieder der Arbeiterorganisation allein jbeträgt heute schon über 35.000.; Ausgerüstet mit diesem Grundkapital, .wird die Kolonisationsgesellschaft der Arbeiter eine weitverzweigte Tätigkeit entfalten,, die auf die Verwirklichung der planmäßigen ländwirtschaftlichen Siedlung gerichtet sein wird, die die starke Basis zur Aufnahme von arbeitenden Massen im Lande bilden wird, das auf ihre Rückkehr wartet. Die drei Jahre — 5694, 5695 und 5696 werden der Mobilisierung des Kapitals gewidmet sein, das dem „Nir" ermöglichen soll, Großes in dieser Richtung zu leisten. Wenn die Arbeiterorganisation nicht Schritte zur Errichtung des Instruments für die Arbeiterkolonisation unternehmen wird, gibt es niemanden, der es tun wird. Und wenn die Arbeiterorganisation es nicht heute tut, wer weiß, ob es später noch die Möglichkeit geben wird. „Schaffen wir NIR!" — „Nir" mit seiner Haupttendenz: Selbständigkeit des Siedlers. Selbständigkeit in bezug auf die ersten finanziellen Mittel für die Bearbeitung des Bodens durch den Arbeiter, in bezug auf Planmäßigkeit, wirtschaftliche Instruktion, oberste Aufsicht, Vertiefung der Grundlagen der volkstümlichen Arbeiterkolonisation. Alciwa Ettinger. Tausend überschritten Die techechoslowakische Chaluzbewegung hat in der letzten Zeit einen ungeheueren Aufschwung genommen. Die tristen Wirtschaftsverhältnisse in der C. S. R., die moralische Depression, die jeden Juden angesichts der Judenverfolgungen in Deutschland erfaßt hat, und die günstigen Berichte, die uns aus Palästina erreichen, haben weite Kreise der Judenheit, die bisher in gar keinem oder nur in einem sehr losen Verhältnis zu Palästina und der Zionistischen Organisation standen, dieser näher gebracht. Die immer stärker werdende Tendenz, die Länder der Gallith zu verlassen und in Palästina .eine neue Existenz zu suchen, hat sich auch unter den Juden der C. S. R., insbesondere in der Slowakei und in P. K. R., aber auch in stärkerem Maße als früher in den historischen Ländern durchgesetzt. Der Hechaluz und die hinter ihm stehenden Jugendbünde (Haschomer Hazair, Techeleth Lawan, Jüd. Soz. Jugend, letzthin auch der Makkabi Hazair) bemühen sich seit langer Zeit, die Idee der Selbstverwirklichung durch Einsatz der ganzen Person in den Aufbauprozeß Palästinas in die Jugend hineinzutragen. Als Ideal der Jugend, die im Neubau des jüdischen Volkes ihren Lebensinhalt sieht, haben sie diese Forderung nach Verbundenheit mit der Arbeit, dem Boden, der Sprache und der freien jüdischen Arbeitergemeinde hingestellt. Nach jahrelanger Vorarbeit beginnt diese Tätigkeit ihre Früchte in großem Ausmaß zu tragen. Seit Anfang Dezember zur Zeit der letzten Moazah des Verbandes, zu der etwas mehr als 300 Chawerim ihre Delegierten entsendet haben, ist die Zahl der Anmeldungen zur Hachscharah und in die Snifim (Ortsgruppen) um das dreifache gestiegen. Es sind heute nicht nur die Mitglieder der Jugendbünde, die sich im Hechaluz für das neue Leben eines Arbeiters in Palästina fachlich und geistig vorbeileiten. Die Umschichtungsbewegung erfaßt heute alle Bevölkerungsschichten und Berufszweige der jüdischen Jugend. Hatten früher hauptsächlich intellektuelle und städtische Kreise der Jugend den Weg zur Chaluziuth gefunden, so bilden den Großteil der jetzigen Anmeldungen Arbeiter und Angestellte, die insbesondere aus den östlichen Teilen der Republik stammen. Infolge dieser Entwicklung und des wachsenden Bedarfes an Arbeitshänden in Palästina mußte auch der Hechaluz seine bisherigen Wege der Organisation, der Vorbereitung der Chawerim, ihrer Verwurzelung in die Bewegung und in die Arbeit einer grundlegenden Änderung unterziehen. Bisher hatte man genügend Zeit, um die Chawerim 1—2 Saisonen in der Hachscharah zu lassen und damit auch die Gewähr, daß sie sich in dieser Zeit in fachlicher Hinsicht ausbilden und auch Wissen um die Verhältnisse Palästinas und der Zionistischen Bewegung aneignen. Der Mangel 'an Arbeitsgelegenheiten und die Unzulänglichkeit, alle Chawerim, die sich anmelden, sofort auf Arbeitsposten unterzubringen, hat. es angesichts der Forderung nach erhöhter Einwanderung notwendig gemacht, die Chaluzim nach kürzerer Hachscharah zur Alijah zu bringen. Die Aufgabe der Organisierung und Erfassung des Einzelnen obliegt nunmehr dem Snif Hechaluz, der Ortsgruppe, in der jeder Chawer, der zur Hachscharah bestätigt .werden soll, mindestens ein halbes Jahr organisiert sein muß. Solche Snifim befinden sich heute in fast allen größeren Judengemeinden. In ihnen empfängt die jüdische Jugend die notwendige Schulung und Kenntnis des Arbeiterlebens in Palästina, dort lernt sie hebräisch und schafft die gesellschaftliche Atmosphäre, in welcher der Chawer im Kollektiv der Hachscharah und auch in Erez Israel lebt. Mehr als in früheren Jahren ist heute der Hechaluz auf die Mitwirkung der jüdischen Öffentlichkeit bei seiner Arbeit angewiesen. Infolge der Massenanmeldungen von Chaluzim liegen die Voraussetzungen für eine gedeihliche Einordnung und schnelle Abwicklung der Hachscharah hauptsächlich in der Beschaffung von Arbeitsposten für Gruppen von 10—15 Chaluzim. Diese können entweder auf Gütern gemeinschaftlich oder in Städten bei einzelnen Arbeitgebern Beschäftigung finden. Auf diesen Gebieten liegen kolossale Möglichkeiten für die Entwicklung des Hechaluz und es ist hoch an der Zeit, daß sich alle zionistischen Orts- und Wizogruppen, Sport, und Jugendvereine in den Dienst dieser Sache stellen. Davon hängt ja schließlich die Möglichkeit zu starker Einwanderung nach Palästina ab. Soll der Arbeitsgedanke die jüdische Jugend der C. S'. R. erfassen, wollen wir auf eine, der augenblicklichen Konjunktur Erez Israels entsprechende Einwanderung vorbereitet sein, so heißt die Parole:. 1. Verstärkung der HaChscharahgruppen, Ausbau der derzeitigen Positionen, 2. Schaffung von neuen Arbeitsposten durch eine großangelegte Postensuche aller zionistischen Gruppen und Unterstützung der Hachscharahtätigkeit des Hechaluz. Skulo Bergmann. Film der Woche Poate Zlon auf dem Index der „Selbst* wehr"? Wir jüdischen Sozialisten haben in Fragen kultureller Art wahrhaftig unser Klassenbewußtsein nicht in den Vordergrund gestellt, waren immer bereit, zu untersuchen, ob unsere Mitarbeit mit den Zionisten zweckdienlich sei oder nicht und haben uns dieser Einsicht gemäß in den meisten Fragen zur Mitarbeit nicht nur bereit erklärt, sondern sie auch durchgeführt. Wir haben die bürgerlichen Zionisten niemals um Dank gebeten für die Arbeiten, die wir im Interesse der arbeitenden Judenheit mit ihnen gemeinsam geleistet haben, aber wir finden es zumindest merkwürdig und halten es für politisc h sehr u nklug, wenn das Hauptorgan der bürgerlichen Zionisten in der CSR. die „Seibstwehr", für uns, unsere Bewegung und für unsere führenden Genossen niemals Raum und Zeit findet. Wir hätten das schon oftmals feststellen können, denn die Taktik des Totschweigens aller Ereignisse, die innerhalb unserer Partei vorkommmen, datiert nicht von gestern, ja, sie geht so weit, daß Vorträge, Veranstaltungen etc., bei denen unsere Genossen wesentlich beteiligt sindi kurzerhand nicht mitgeteilt werden. Am 6. April 1933, die „Selbstwehr" nehme dies gfl. nachträglich zur Kenntnis, fand - im „Lidovy düm", der auch für bürgerliche Zionisten keinesioegs tabu ist, eine grandiose Protestversammlung unserer Partei gegen die Vorgänge in Deutschland statt, Alle Zeitungen, u. a. auch das „Prager Tagblatt", brachten am nächsten Tage kürzere oder längere Referate über den Verlauf der Versammlung. Es ist uns bei der sehr großen Anzahl offizieller Zeitungsvertreter nicht aufgefallen, ob auch die jüdischbürgerliche Presse Prags einen Exponenten geschickt hat, aufgefallen aber ist uns, daß weder in der am folgenden Tage, noch auch in der letzthin erschienenen Nummer der „Selbstwehr" auch nur die bescheidenste Notiz über die Refe- Der hiesigen P. T. Öffentlichkeit und den Besuchern Brünns erlaube ich mir mitzuteilen, daß ich am 1. April 1933 die BAHNHOF - RESTAURATION in Brünn übernommen habe. JOS. KUBEC Solide Bedienung. Bahnholresfanrafenr Mlttag-Menu K£ 9'— Abend-M'enu K5 7*50 Pilsner Urquell. Budweiser Bürgerbräu. Naturweine. Mäßige Preise. — Bild* Der High Commfssioner besucht Tel Aviv zur Besichtigung der Objekte für die Londoner Anglo- Palästina- Ausstellung, Das neue Amphitheater in der Nähe der Hebräischen Universität in Jerusalem. 8** J'a V »» f.lf vjf ^^^i.r^^^ rate der cechischen und deutschen Genossen, des Abg. Robert Klein und Dr. Emil Str aus s, oder wenigstens über die Rede unseres Gen. Dr. Arthur Heller zu erblicken war! Vergangene Woche sprach Prof. Lessing in einer Versammlung der Poäle Zion, die ein Ereignis großen Stils war, von loelchem Standpunkt immer man sie betrachten mag. Die gesamte Presse Prags hatte die Anständigkeit, hervorzuheben, daß 'es sich um eine Veranstaltung der „Poäle Zion" handle — die „Selbstwehr" brachte darüber kein Wort! Bisher wußten wir nicht, daß die bürgerliche Orthodoxie der „Selbstiuehr" so weit geht, daß die Enoähnung maßgebender Aktionen unserer Partei und unserer Genossen für einen Chilul haschem angesehen wird. Wir leben jetzt insgesamt in einer furchtbar schweren Zeit und man sollte meinen, daß der gemeinsame Feind der gesamten Judenheit, der vor Reichtum und bürgerlicher Gesinnung nicht H alt macht, wenn schon nicht zur Einsicht der Richtigkeit des Sozialismus in der jüdischen Gasse, so doch wenigstens zu einer gewissen Objektivität in der Betrachtung, zu der auch die journalistische Berichterstattung gehört, führen müßte! Wenn die „Selbstivehr" über den Numerus clausus, berichtet, der an reichsäeutsehen Universitäten eingeführt tuird, dann hat sie kein Recht, in ihren eigenen Spalten einen numerus clausus für alles das einzuführen, was unsere jüdische sozialdemokratische Arbeiterpartei Poale Zion betrifft! Bin ungebetener Gast Die tschechoslotvakischen Revisionisten, die angesichts der Primitivität ihrer Bewegung nicht genug radikal reaktionär sein können und sich selbstverständlich bereit erklärt haben, die Schleppe des Operetten-Putschisten Jabotinsky auch weiter %u tragen, haben ihren Duce zu einer Vortragstournee gebeten. Die bloße An-