Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1933)
- Date
- 1933-04-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29; April 193S » ^DO^feARÖftÄR Seite 5 X Bisher 500 deutsche Juden in Palästina eingetroffen. Bis zum! 19. April waren in Palästina etwa 500 Juden, die infolge der jüngsten Entwicklungen in Deutschland zur Auswanderung1 genötigt waren, eingetroffen. Eine große Zahl deutscher Juden ist nodi nach Palästina unterwegs. Fast mit jedfcm Schiff treffen in den palSiStMiiensischen Häfen neue Gruppen jüdischer Einwaiidteirer aus Deutschland ein. X Dr. Weizmann aus Palästina abgereist. Nach mehrwöchigem Aufenthalt in Palästina ist der Präsident der English Zioniist Federation und ehemalige Präsictent der Jewisih Agency Dr. Chaim Weizmann am) 19. Aipril nach Loindton abgereist. X Wiedereröffnung der hebräischen Schulen in Palästina. Am 18. April wurden in Jerusalem die hebräischen Schulen wieder eröffnet. Der Waad Leumi führt mit großem Nachdruck Verhandlungen mit der Regierung und der Jewish Agency, um die finanzielle Basis des hebräisohen Schulwerks zu sichern. X Der High-Commissioner bei den Abschluß-Prüfungen im Haifaer Technikum. Am 19. April fanden im hebräischen Technikum zu Haifa die Diplom-Prüfungen in Anwesenheit des High-Commissioner Sir Arthur Wauchoppe statt. Der High-Commissioner hielt eine Ansprache, in der er die Bedeutung des Technikums für die Entwicklung Palästinas würdigte und die Tatsache unterstrich, daß viele ausländische Studenten ihre Ausbildung am Haifaer Technikum genießen. X Mitglieder der ägyptischen Regierung In Palästina. Vor kurzem haben vier Mitglieder der ägyptischen Regierung, unter ihnen' der Verkehrsminister Ibrahim Fachmi Pascha, mehrere jüdische Kolonien in Palästina besucht und sich sehr anerkennend über die Erfolge der Juden auf landwirtschaftlichem Gebiet ausgesprochen. Sie waren von dem Leiter der PICA Victor Cohn begleitet. X Jaffaorangen nach Kanada. Die Regierung Kanadas hat beschlossen, Jaffaorangen in den Monaten Januar bis April vom Zoll zu befreien. ^X, JB.arucn JSchwartz gestorben. Im Alter von 72 Jahren verstarb in Jerusalem der bekannte hebr. Gelehrte Baruch Schwartz, einer der ältesten Führer der zionistischen Bewegung in Rußland. Baruch Schwartz hatte sich vor 10 Jahren in Palästina niedergelassen und sich dort hauptsächlich literarischen Arbeiten gewidmet. Der erste Band seines Buches „Mein Leben" ist vor kurzem erschienen, zwei weitere Bände liegen im Manuskript vor. X Die ersten Häuser in Wadi Chawarith wurden in Angriff genommen. Die Arbeiterbank hat eine Investitionsanleihe für. die -Dauer von fünf Jahren gewährt; sie ermöglicht die Ansiedlung von 180 Familien. z X Wieder ein Überfall. Gabriel Pardes, ein Mitglied des Kibbuz der Arbeiterjugend in Naane, wurde am Wege von Naane nach Rechoboth von Beduinen überfallen und schwer verwundet. X Urteil im Baumfrevlerprozeß. Von den 14 Arabern, die beschuldigt wurden 9000 Bäume in Nahalal ausgerissen zu haben, wurden 6 freigesprochen, 8 zu 6 Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Keine Reduktion der Polizelhrätte in Palästina Jerusalem, 23. April (J. T. A.). In der hebräischen Presse war vor einiger Zeit die alarmierende Nachricht verbreitet, die Regierung beabsichtige, einen großen Teil der britischen Polizeikräfte zu entlassen oder für längere Zeit zu beurlauben. Die hebräischen Zeitungen erkläberi. Die hebräischen Zeitungen erklärte«!, eine Verkleinerung der englischen Polizeimacht dürfe nicht zugelassen werden, sollte sie aber nicht zu vermeiden sein, dann müßten die entlassenen englischen Polizisten ausschließlich durch Juden ersetzt werden. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurde nunmehr auf eine Anfrage bei den maßgebenden Regierungsstellen mitgeteilt, daß eine Verminderung der englischen Polizeikräfte nicht beabsichtigt sei. Es würde nur einer größeren Anzahl von Polizisten »n diesem Jahre ein längerer Urlaub «»«» Besuche ihrer Angehörigen in England bewilligt werden. Die täglichen Meldungen fon fotschlag, Mcrd. Rechtlosigkeit und wirtschaftlicher Aussperrang Niedergeschossen. - Herzschlag. Berlin, 24. April (J. f. A.). Zwei Überfälle auf jüdische Einwohner wurden in Wiesbaden verübt. Nach dem amtlichen Polizeibericht wurde der 59jährige Milchhändler Kassel tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Leiche wies eine größere Zahl Revolverschüsse auf. Nach amtlicher Feststellung sind mehrere Personen durch Einschlagen der Türfüllung in die Wohnung eingedrungen und haben den nach dem Fenster flüchtenden Mann niedergeschossen. Daß ein Raub beabsichtigt war, haben die polizeilichen Feststellungen nicht ergeben. Es dürfte sich um einen Racheakt handeln. Zwei Stunden vorher waren an der Wohnungstür des 58jährigen Kaufmanns Salomen Rosenstrauch zwei junge Leute erschienen und hatten nach Rosenstrauch gefragt. Als er erschien, hielten die Unbekannten ihm einen Revolver entgegen. Rosenstrauch flüchtete ins Zimmer und fiel vor Aufregung nieder. DieJBurschen entfernten sich eiligst. Die alarmierte Polizei brachte Rosenstrauch ins Krankenhaus. Auf dem Transport dorthin ist er einem Herzschlag erlegen. Die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt, Sondergericht gegen Wahrheit Der 35 Jahre alte Provisionsvertreter Isaak Oliner, ein polnischer Staatsangehöriger, wurde vom Berliner Sondergericht wegen Verbreitung unwahrer Nachrichten zu einem Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Olmer war beschuldigt, am 31. März in einem Laden, wo er als Verkäufer tätig war, im Verlauf eines mit Kunden geführten Gesprächs' über die Boykottbewegung folgende Äußerungen getan zu haben: „Wenn Sie wüßten, wievielen Juden die Augen ausgestochen und die Finger abgehackt worden sind und wieyiele jüdi:., sehe Leichen zerstückelt auf Friedhöfen begraben liegen..." und: „Durch die Hitlerregierung ist schon viel Blut vergossen worden. Wenn Sie für jeden Toten eine Mark bekämen, wären Sie ein reicher Mann!" In der Verhandlung leugnete der Angeklagte, jene Äußerungen getan zu haben, und gab lediglich zu, behauptet zu haben, Juden seien geschlagen worden. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Gefängnis. Der Vorsitzende erklärte in der Urteilsbegründung, die Beweisaufnahme habe einwandfrei festgestellt, daß der Angeklagte die fraglichen Äußerungen getan habe. * Als straf verschärfend wurde der Umstand betrachtet, daß Oliner. als Ausländer das Gastrecht mißbraucht habe. Das Sondergericht Frankfurt verurteilt den Kaufmann Isaak Leser zu 1 Jahr Gefängnis, weil er in Wiesbaden bei einem Gespräch über den, Boykott gegen die Juden behauptet hatte, in Frankfurt lägen Tausende von Juden in den Spitälern. Arbeiter darf man schachten - Tiere nicht Berlin, 24. April (J. T. A.). Die Reichsregierung veröffentlicht das „Gesetz über das Schlachten von Tieren", durch das ab 1. Mai das betäubungslose Schlachten warmblütiger Tiere verboten wird. Yorsätzliche oder fahrlässige Übertretung der Vorschriften .dieses Ge-; setzes wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mi^ Geldstrafe bestraft. 6000 jüdische Ärzte werden hungern Berlin, 23. April (J. T, A,), Bei der Überprüfung der Zulassung sollen die jüdischen und kommunistischen Kassenärzte von der kassenärztlichen Tätigkeit ausgeschlossen werden. Für die jüdischen Ärzte werden wahrscheinlich eine Reihe von Ausnahmen gemacht werden, während diejenigen Ärzte, die sich kommunistisch betätigt haben, ä u s n a h mSr los ohne Berücksichtigung von Konfession- und Rassenzugehorigkeit ausgeschlossen bleiben. Insgesamt dürfen heute in Deutschland etwa 50.000 Ärzte amtieren, von denen 40.000-auf die Kassenpraxis entfallen. Die Gesamtzahl der jüdischen Ärzte in Deutschland beträgt etwa 7000, von denen ungefähr 6ÖÖÖ kässenärztlich tätig sind. Braunes Arbeitsrecht Berlin, 20. April (J. f. A.). In den „Blättern für Arbeitsrecht" untersucht Amtsgerichtsrat Dr. Theodor Rohlfing die Frage, welche Rechtsfolgen sich aus der Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse int Arbeitsrecht ergeben. Der Verfasser kommt zu dem Schlüsse, mit Rücksicht auf. die von deutschen Arbeitern und Arbeitgebern getragenen Anschauungen, verstoße eine Kündigung wegen* Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse auch nicht'gegen die guten Sitten. Fristlose Kündigung jüdischer Angestellter sei dort, wo Arbeitgeber oder Geschäftsleitung selbst der jüdischen Rasse angehören, nicht zulässig, da sich hier die Abwehr der Kunde» nicht gegen die Tätigkeit der jüdischen Angesteilten, sondern dagegen, daß der Betrieb sich in jüdischen Händen befindet, richte. Dagegen sei fristlose Entlassung in deutschstämniigen Betrieben möglich, weil dort dem Arbeitgeber nach den obwaltenden Verhältnisseti die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses mit den jüdischen Angestellten nicht zugemutet werden könne. Razzia im ünoenamt Wie die „Vossische Zeitung" meldet, wurde Generalkonsul Schlesinger vom Auswärtigert Amt auf Grund der Bestimmiingen0des Beamtengesetzes beur* laubt. Er ist einer der besten Kenner der russischen Wirtschaft und hat in den letzten Jahren die .Wirtschaftsverhandlungen mit Rußland und den Rand- Staaten geführt. An alle unsere Freunde! Die steigenden Aufgaben der jüdisch - sozialistischen Bewegung stellen auch an ihre Presse immer neue Anforderungen. Es gilt, einen Kampf auf vielen Fronten zu führen: Gegen die Assimilation in den verschiedensten Farben, gegen die Wachsende Reaktion im Lager des jüdischen Bürgertums, gegen die Gefahren, die dem arbeitenden Palästina von einer unkontrollierten und unqualifizierten Einwanderung her drohen, für die Sammlung des werktätigen Judentums um •die Fahne des jüdischen Sozialismus. In diesem schweren Ringen ist unser 4 Blatt ein unentbehrliches Instrument der Aufklärung, der Information, der Auseinandersetzung geworden. Was die bürgerlich - zionistische Presse bagatellisiert und unterdrückt, darüber informieren wir unsere Leser: Uber die poli. tischen Tagesfragen, über das jüdische Arbeiterleben in allen Ländern, insbesondere aber über den Kampf des jüdischen Arbeiters in Erex Israel. Unsere Aufgaben sind gewachsen — wir stehen vor dem Kongreß. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsere Freunde zu einer großen Anstrengung aufzurufen, die dem Ausbau und der Festigung unseres Blattes gewidmet sein soll. Wir proklamieren für den Monat Mal eine Werbeaktion; Dieser Monat, dessen erster Tag uns die proletarische Solidarität aller arbeitenden Völker symbolisiert, soll ein Monat der Solidarität unserer Freunde mit dem Werk unseres zionistisch-sozialistischen Aufklärungskampfes werden. Wir sagen: . 1000 neue Abonnenten! Jeder Einzelne werbe in seinem Freundeskreis, bei den Genossen in den Bruderparteien, unter der Jugend, unter allen, die, durch die erschütternden Ereignisse der letzten Wochen aus dem Boden ihrer Gesinnung gerissen, nach Neuorientierung suchen! Führt sie zum jüdischen Sozialismus! Gebt ihnen unser Blatt! Wir stellen Werbemäterial und Probenümmera gern zur Verfügung.. Für unsere Werber haben wir eine Anzahl wertvoller Prämien ausgesetzt! Sie erhalten bei der Werbung von « 3 Abonnenten 5 Abonnenten Mendel Singer „Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus", A. D. Gordon: „Erlösungg durch Arbeit" oder Walter Preuss) „Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina", 10 Abonnenten Ber Borochow: „Zionismus und Sozialismus" usw. Dem eifrigsten Werber die große Sonder-Prämie! Meldet Euch! Die Verwaltung des „Neuen Weg" / Bestellschein. Ich abonniere die Wochenschrift ) Der jüdische Arbeiter und überweise mit gleicher Post den Betrag von S 12'— (6'—) für ein (halbes) Jahr. 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