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Der Jüdische Arbeiter · 1933-04-29 · Heft 17 (29.4.1933) · page 6

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 17 (29.4.1933)
Date
1933-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DER JÜDISCHE ARBEITER 29. April 1933 Sperre ttr Jtalsc&e Studenten Boden Baden, 28* April (J. T. A ). Wie der „Deutseben Allgemeinen Zeitung" berichtet vrttdf hat der badische Kultusminister angeordnet» daß vom kommenden Sommersentester ab keine weiteren jüdischen Studenten an badischen Hochschulen eingeschrieben werden dürfen. Sachsen Berlin, 28. April (J.T.A.). WoIff-BÜfo meldet aus Dresden: Im Hinblick auf den bevorstehenden Erlaß eines Reichsgesetzes, durch das der Netizugang von Personen nichtarischer Abstammung zu den Hochschulen und höheren Schulen beschränkt werden soll, hat der Beauftragte des Reichskommissäre für das Ministerium für Volksbildung bestimmt, daß bis auf weiteres die Immatrikulation solcher. Personen bei den wissenschaftlichen Hochschulen und ihre. Neuaufnahme beiden höheren Schulen auszusetzen ist. Jffossel ' Kassel, 28. April (J. T. A.). Wie das städtische Presseamt mitteilt, werden in Zukunft an den städtischen höheren Lehranstalten nichtarische Schüler nur noch im prozentuellen Verhältnis der nichtarischen zur allgemeinen Bevölkerung aufgenommen. Die bereits eingeschriebenen Schüler werden von dieser Maßnahme nicht betroffen. staatliche ramilieniorschiing Berlin, 23. April (J. T. A.). Die Volkszählung am 16. Juni wird, wie von zuständiger Stelle auf Anfrage mitgeteilt .wird, Vicht die statistischen .Unterlagen für die Berechnung des Quotenanteils der ^meuterischen" Bevölkerung (im Sinne des Beamten- und .Rechtsanwäits- 0esetzes und; voraussichtlich auch der kommenden Schulgesetze) geben, da eine Frage nach der Religionszugehörigkeit der Großeltern auf den Fragebogen nicht enthalten ist. Man vermutet vielmehr, daß zur Berechnung des P r o z e n t s at ze s d i e F a m i 1 j e nregister herangezogen wer-; den sollen, wenigstens; so-; weit solche bestehen. . " , '; Besondere Badezeit für Juden Im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung hat der kommissarische zweite Bürgermeister von Speyer angeordnet, daß im Sommer in den städtischen Badeanstalten besondere Badezeiten für Juden eingerichtet werden. Englisches ParlomentsKomltee fOr Deutschland-Beobachtung__ London, 10. April (J. T. A.).- Mitglieder dos Unterhauses haben ein Kommitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, die Entwicklung der Lage der Juden in Deutschland zu beobachten. Der Sekretär des Komitees ist der rechtsstehende Abgeordnete Commander Oliver Locker-Lampson, zu den Mitgliedern gehören Lord Hartington, Lord Elmey, Major Hills, Reginald Denman, Admiral Sueter, Colonel Buchan und Dingle Foot. LordReadlngdehtKonsenuenzen London, Ii» April («f* T. A.% txfcd Reading bat das Amt eines Präsidenten der Deutsch-Englischen Vereinigung niedergelegt und ist aus der Vereinigung ausgeschieden. Er begründet diesen Schritt damit* daß er sich als Jude mit der Politik der deutschen Regierung gegenüber der Jüdischen Bevölkerung nicht einverstanden erklären könne. "; Gibt es noch einen „Allgemeinen" Zionismus? Am 12, April tagte in Palästina eine Konferenz der „Allgemeinen Zionisten,", bei der insbesondere die Debatte um die Fragen der jüdischen und der organisierten Arbeit einen stürmischen Verlauf nalimi. Die Ko/fiferenz zeigte .gäiiz deutlich den klaffenden Riß in der Organisation der Allgemeinen Zionisten zwischen der älteren Generation und der Jugend (die zum größten. Teil, im „Nqar Zioni" vereinigt ist und der Histadruth angehört), aber sie, maniferstierte aueih eine weitgehend)© Differenzierung . der politischen Anschauung: innerhalb der älteren Generation selbst.. Ein Teil der Delegierten sprach ganz, im sattsam bekannten revisionistischen Stil. „Nieder mit den Stalins; den Sozialisten, der roten Fahne — mit ct(5sr Histadruth." Eine Konferenz der IndüstrieUetnorgamsatiooi, dier Bauern, dieff Misrachi soll einberufen werden uffd von der Jewish Agency fordern, „ein Ende zu machen". Einen Arbeiterveftreter . braucht man nicht einzuladen. Das „Monopol" der Histadruth muß gebrochenwerden usw.*usw. Ein anderer Teil identifiziert sich, mit den Revisionisten nicht. Dr. "Mossirisohn sagt: Ich bin für jüdische und. organfr sierte Arbeit. Die Arbeiter sind im' Recht, dies war auch der Beschluß des- , Kongresses. Aber---- nicht nur e i ri/.e- Organisation, die der Arbeiterpartei.";.1 Mossinsohn sprach auch gegen eineil Arbeitsnachweis seitens der Kolonieräte: „Ebenso wie ich gegen die Arbeiterpartei bin, bin ich auch gegen eine Zwangsherrschaft über die Arbeiter. Der Arbeitsnachweis soll von der Jewish Agency und dem Natiönälrat ausgehen." Zuchöwitzky greift jene Allg§z meine Zionisten an, die selbst nicht wissen, was sie wollen. Wenn jemand Revisionist ist, soll er es offen erklären! Der neutrale Arbeitsnachweis ist eine Erfindung, die gar keine Grundlagen besitzt. Die Allgemeinen Zionisten müssen die Errichtung gemeinsamer, auf Übereinkommen gestützter Arbeitsnachweisstellen unterstützen." Scharf wurde auch die Jugend angegriffen. Sie sei zu „aufrührerisch", sie stelle sogar Streikposten usw. Der Vertreter der Jugend, Seiinger, forderte eine klare Stellungsnähme zu den, Fragen deT jüdischen und der organisierten Arbeit. . Die Allgemeinen Zionisten treten an diese Frage nicht vom Standpunkt der Interessen des jüdischen Arbeiters heran. In der Organisation müsse ein gegenseitiges Verhauen zwischen Arbeiter und Arbeitgeber; herractesö, v>Wtt kamen kt» Land ohne Absicht,*der Histadruth beizutreten. In Petach*Tikwaii hat man uns im Arbeitsnachweis der Histadruth bereitwilligst Arbelt zugeteilt« ,|In der Zeit der Arbeitslosigkeit standen wir Abend für Abend auf dem Markt in Petach-Tikwah und sind ohne Arbeit nach Hause zurückgekehrt. Posten sind in die Orangenpflanzungen gegangen — konnten wir fernbleiben?" Was geschah in Petach-Tikwah? Die Unternehmer taten, ais ob sie die Forderungen der Arbeiter annehmen würden, außer der Forderung, o r g a n isierte Arbeiter zu beschäftigen. Wem gegenüber verpflichtet man sich also? Man muß doch den Arbeiter als Partner für. den Vertrag anerkennen. Gute Bedingungen haben nur dann einen Wert, wenn nian sdßh gegenüber einem Partner verpflichteit, sie einzuhalten. Gottlieb halt die SteUunganahmie von Supraski in der Sitzung des Waad-Leuihi für einen „Verrat an der nationalen Disziplin" und verlangt, daß man ihm das Mißtrauen aussprechen möge. Ornstein stellt fest, daß im Arbeitsnachweis der Histadruth niemand benachteiligt wird. Voß findet» daß die Taktik der Exekutive def Allgemeinen Zionisten eine Verfälschung1 des Zionismus sei." Organisierte Arbeit, das kann nur bedeuten: Eine Gewerkschaft. Unter anderem wurde mit 10 :7 Stimmen der Beschluß gefaßt: „Die Allgemeinen Zionisten erkennen den Wert und die Rechte der organisierten Arbeit." Zwei Anträge Dr. Mo^inisiohns und Supraskis wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Der erste forderte, daß die Allgemeinen Zionisten sich mit den Revisionisten,' was die Politik der Zerstörung der Histadruth betrifft, nicht identifizieren und diese Politik nicht billigen. Der zweite Antrag stellte eine Ablehnung der Taktik der Arbeiterpar? tei dar, die „revi&ionistisohe Organisar tion zw brechen". (!) Audi d!er Miß: trauensantrag des Jugend- Vertreters gegen Supraski wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Aas der - Wiener' Organisation Scheftelahuon Die Erringung des Sieges bei den Kongreßwahlen setzt voraus, daß alle Genossen und Genossinnen' sich mit aller Energie der Verbreitung des Schekels widmen. Jeder Genosse ist verpflichtet, sich der Schekelkommission zur Verfügung zu stellen. (Amitsstunden: Dienstag u. Donnerstag, ab 7 Um*: II;, Blumauergasse. 1.) Die Entrichtung der Schekels ist für jedes Mitglied obligatorisch. Wir hoffen, daß die Genossen den Ernst der Stunde erkennen und danach handeln werden. Gegründet 1882 Leöensversicüenisiösr,©:^ •PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 ... . S 2.746,000.000-— Prämien- und Zinsen- Einnahmen i.J. 1931 „ 182,000.000-— Garantiemittel Ende 1931 . . . . „ 472,000.000 — Auszahlungen an die Versicherten i.J. 1931 „ 42,500.000'— Tätigkeitsgebiet: Österreich, Deutsches Reich,. Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Ägypten. An die Administration der Wochenschrift Der jüdische Arbeiter WIEN IL Blumatiergasse!• Die Debatte über den Haushalt der Wiener Jüdischen Gemeinde (Siehe unseren. Bericht in Nr. 15/16) Nach den Ausführungen des . Genossen Singer versuchte der »Werktätige« Leo Rath Widersprüche in der ziffernmäßigen Erstellung des Budgets aufzuweisen, wobei unter allgemeiner Heiterkeit festgestellt wurde, daß er absolut keine Ahnung vom Budget hat. Den zweiten Heiterkeitserfolg errang der »Werktätige«, als er sich gegen die Unterstützung der Wanderung nach Palästina aussprach, da... in den Banken in Palästina 15 Millionen Pfund deponiert sind. Der Sprecher erkannte scheinbar, wie lächerlich er sich machte und brach seine Rede rasch ab. Die Ausführungen des UNIONISTEN Dr. St i e g l i t z reihten sich der Rede seines »Werktätigen«-Kollegen würdig an. Dieser Herr, der so unerfahren wie ein neugeborenes Kind zu sein - scheint, brachte schon oft amüsante Stimmung in die Kultusstube. Der »Werktätige« Dr. Löwy kann es noch immer nicht verschmerzen, daß auch den Frauen das aktive und passive Wahlrecht für die Kultusgemeinde gewährt werden soll. Mit der »Union« und den »Werktätigen« rechneten dann unsere Genossen We i n r e b und Dr. Glanz scharf ab. Weinreb wie nach, wie lächerlich vom jüdischen und vom sozialistischen Gesichtspunkte die Gegnerschaft der beiden Gruppen zur Erhöhung des Schulbudgets und zur Unterstützung des Palästinaaufbauwerkes ist, während Dr. G l a n z die lächerliche Situation der »Werktätigen« als Folge ihres Verrates an den Interessen der jüdischen Volksmassen und am So7 zialismus charakterisierte.: (? : In. seinem Schlußworte kennzeichnete der Finanzreferent, Vizepräsident. Dr. Löwenherz das Verhalten der »Union« als unfair und un? verantwortlich, da sie an der Leitung'der Gemeinde teilnimmt und das Budget ablehnt; sie sind im Präsidium vertreten und haben zur. Leitung kein Vertrauen. Bei der darauffolgenden namentlichen Abstimmung trauten sich auch nur 9 Vertreter der »Union« gegen das Budget zu stimmen, während die anderen (unter ihnen auch Vizepräsident Dr. Ohrenstein und ein Werktätiger) den Saal verließen. Eine gute Illustration zur Einheit und Geschlossenheit der; Nichtnationalen, auf welche der besonders güt informierte Herr Dr. Stieglitz so stolz ist. Mit Rücksicht auf die eingehende Erörterung der einzelnen Ressorts in der allgemeinen Debatte wurde dann beschlossen, voa einer Spezialdebatte Abstand zu nehmen. ielzfe Naclirichfen -Palästina Derefitel sicii Vor | Jerusalem, 27. April (JTA.). Unter dem Vorsitz des Mitglieds der Executive der Jewish Agency, Emanuel Neuman, wurde am 23. April in Jerusalem eine Beratung abgehalten, an der u. a. der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, der Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke, Herr Pinchas Ruthenberg als Vertreter der Ruthenberg, Palestine Electric Corporation, sowie Vetreter des Waad Leumi und des Verbandes deutscher Juden in Palästina teilnahmen. Die Teilnehmer an dieser Beratung *gelangten zur völliger Ubereinstimmung hinsichtlich der Durchführung der von der Londoner Executive der Jewish Agency aufgestellten großzügigen Pläne zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Es wurde allgemein die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß diese Hilfsaktion gleichzeitig das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein gut Stück vorwärts bringen werden. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist es Herrn Pinchas Ruthenberg bei seinem jüngsten Aufenthalt in London ger hingen, Araber protestieren Jerusalem, 27. April (JTA.). Der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha hat eine Proklamation erlassen, in der gegen die Zulassung deutscher Juden nach Palästina protestiert wird. In der Proklamation heißt es, die Juden hätten Deutschland ebenfalls wie Rußland zugrunde gerichtet nitlertiemden in Palästina Der „Haolam" veröffentlicht folgende Nachricht: In Tel Awiw haben während eines Zuges zum Grabe Nordaus, an welchem gegen 2000 Mitglieder des Brith Trun*- peldor aus dem ganzen Lande teilnahmen, Zusammenstöße stattgefunden, da das Publikum darüber in Erregung geriet, daß die Mitglieder des Brith Trumpeldor Hitlerhemdea in brauner Farbe trugen. 20 Personen wurden verhaftet Mehrere Personen erlitten Verletzungen.

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