Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1933)
- Date
- 1933-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DER; * JÜBIS€HE-*ARBEITER 29. April iMo&vofi ^"«f^^aiiMMen jwfeßetftffcj* von ÄclfÄi 10it geforderte und von den Deutschen * »Vor der Wahl uns gegenüber übernommene Verpflichtung, ehestens eine d emok ratische Wahlreform durch Abschaffung des Briefwahtrechtes durchzuführen, fallenzulassen und die Verteilung der Mandate durch eine Kompromißliste bequem! durchzuführen. Die Wähler, denken sich diese Herrschaften, sind ja ohnedies keine Wähler. Sie geben bloß einem Abgesandten entweder gegen inhaltsvollen Händedruck, wie bei der letzten Wahl, oder auf Befehl des betreffenden Bankdirektors, Hausherrn, Chefs etc. ihre Legitimationen ab, ohne sich weiter därum zu kümmern, was mit ihnen geschieht. Es kann ihnen ja schließlich gleichgültig sein, wie die „Besitzer" dieser Legitimationen die Mandate untereinander verteilten und oib auf dien Bänken dier Repräsentanz 6 Israeliten tschechischer und! 7 deoitsicher Sorte gähnen, oder umgekehrt. Es"ist jedoch notwendig, der öffentlichkeit noch einmal in aller Kürze die Vorgeschichte der Ereignisse, die sich in der Kultusstube abspielten, in Erinnerung zu bringen* damit man alle Begebenheiten, richtig abschätzen kann. Im November 1929 wurden „Wahlent; zur jüdischen Gemeinde durchgeführt. Bei diesen Wahlen kamen so augenfällige Schwindeleien vor (insbesondere wurde der Ankauf von 864 »Stimmen einwainidilrei tfesitgestelllti), idiaß sie annuliert " werden mußten. Bei diesen .„Wahlen" also erhielten die TschechoJuden 8 Mandate, während sie bei den im Mai 1930 durchgeführten Neuwahlen blos 6 Mandate erhielten. (Böse Zungen behaupten, daß dies irgendwie mit den erwähnten 864 Stimmen zusammenhängt, doch glauben wir nicht an so etwas.) Aus diesem Grunde reichten sie bei den Ämtern Proteste gegen die Wahl vom Mai ein, führten sie bis zur dritten Instanz, eröffneten in allen antisemitischen ' Blättern, vom „Poledni List" angefangen, über den jjNäröd" bis zum „Vecer" ein Kesseltreiben gegen das Prager Judentum, welches , angeblich - die . Kultusgemeinde als deutschen Hort erhalten will! Manche Notizen in diesen Zeitungen glichen Pogromdrohungen so, wie ein Tropfen -Wasser dem anderen und in den Sitzungen malten sie das Gespenst der „Gasse" an die Wand. Sie präsentieren sich der tschechischen Öffentlichkeit bei jedier Gelegenheit 'als die Retter dies tschechischen Volkes und dabei steht fest, daß seit Jahren in den Sitzungen der Gemeinde niemand anderer deutsch spricht, als die Deutscihdemokraiben (c(ie droh als deutsche Assiimiilanten im Sinne der Grundsätze ihrer tschechischen Brüder .deutsch sprechen müssen) und — der Senior der TscJiechöjudien.. Die Staatsämter wurden jahrelang m|it diesen sie gari nicht li|nteresisaerend!en Angelegenhejte belästigt. Vor ihren Augen wurde die schmiuitzige Partei wäsche gewaschen. Di© Tsiebocthoiuden arbeiten diarauf los, daß ein Regierumgskomimißr sär eingesetzt wird., Von ihmu versprechen sie sich,* daß er die bestehende Repräsentanz auflösen und ' Neuwahlen nach dem alten Wahlrecht durchführen wird, wobei vielleicht wieder 8 .„Mandate" für ihre Partei herauskommen können. Als den Behörden vor der Prager Kehile schon sehr niieß war, unternahm der Referent dJer Laiidesbehörde noch einen letzten Versuch, indem er vor 3 Wochen Vertreter aller Parteien zu e|ner Beratung einlud1. Er sagte bei dieser Gelegenheit in der Einleitung ungefähr folgendes: „Soweit ich aus (W Akten konstatieren kann, ist die einzige Ursache dieser Mißverständnisse und kämpfe das bestehende unmögliche Wahlsystem und ich sehe keine andere Möglichkeit) die Ortung wieder herzustellen, als daß sich die Parteien selbst auf ein demokratisches Wahlrecht einigen, r welches derartige Vorkommnisse unmöglich macht;, und Neuwahlen durchführen, Wenn nichty werde ioh gezwungen sein, einen Regierungskommissär einzusetzen, der dioseAuf gäbe erfüllen wird. Hierauf protestierten die Tscheohojudenj und hier verteidigten sie die Autonomie der Kultusgemeinde, indem sie erklärten, daß sie mit der. Einsetzung eines Regierungskomtmissärs. wohl einverstanden seien, aber ihr heiliges Wahlrecht nicht antäs$en lteßm. Der Vertrster der so^. ^Fortschrittlichen Yeireinigufig", eiö bf* ganisieHer tschechischer Sozialist/fie^ Dr. Egon Stern, hat zugestimmt und erklärt, daß das jetzige Wahlrecht eifi sehr demokratisches ist und gar . nicht geändert werden müsse. Der gleichen Meinungwaren die Deutschd'emokraA ten. Wer nur ein wenig Psychologe ist, konnte aus dem Gesichtsausdrucke des. Beamten deutlich herauslesen, was er von diesen „jüdischen Vertretern" denke. Er sagte jedoch blos, daß es ihm äußerst peinlich sei, zu der letzten Maßregel eines Regierungskommissärs zu greifen, und mahnte nochmals, selbst Ordnung zu schaffen. Auf Antrag' der Jüdischnationalen gab er eine weitere Frist von vier Wochen, damit die Ver^' hamdäUingen der Parteien fortgesetzt werden könnten,\umsomehir, als der Vertreter der Tschechojuden erklärte, daß er mit Rücksicht auf die jetzt in Deutschland hellsehenden Zustände sich nicht mehr, wie noch Tag!» zuvor bei den Verhandlungen in der Wohnung des Herrn Dr. Popper, mit einem deutschen Mandate begnügen könne, sondern die Abgabe von 2 Mandaten verlangen müsse. Unser Vertreter benützte diese Äußerung, um dem Referenten zu beweisen, wozu die Parteien das bestehende Wahlrecht benützen; daß man, wie er hier sehen könne, Mandate hin- und hercschieibe' und1. mir zu diesem Zwecke das schändliche Wahlsystem auch weiter verteidige, tum. den Wählern die Möglichkeit zu nehmen, in diesem' Spiel ein Wort mifcredien zu können. Er erklärte gleichzeitig für die Jüdische soz.-dem. Arbeiterpartei Poale Zion, daß diese keinem Kompromisse zustimmen werde* auch wenn sich alle anderen Parteien — auf welchen „Ausweg" immer eihigefc sollten^ sondern auf soforjbiger* Änderung; des geltenden Wahlrechtes bestehe und, bei Komipromißwahlen ihre-eigene Kandidatenliste überreichen werde. Die von der Landesbehörde festgesetzte Frist ist bald um und wie erwähnt, haben in der Zwischenzeit Konventikelberatungen der B. B. aller nationalen Schattierungen stattgefunden, welche einen einzigen Zweck verfolgen: Dem Prag er Judentum das Wahlrechtzu rauben. Wir erklären offen, daß wir auf die Gefahr hin, die unpopuläre Schuld auf uns zu laden, daß wir eine Einigung störten und deshalb ein Regierungskommissär eingesetzt wurde, diesen Kuhhandel mit Mandaten nicht zulassen werden. Auf die Gefahr hin, daß sich die bisnun einander aufs Blut bekämpfenden Assimilanten beider 'Observanz wieder „brüderlich" in die Arme fallen und gemeinsam für wenigstens weitere 4 Jahre ihre berühmte „Kahalnikwir tschaft" führen werden, sind wir fest* entschlossen, von unserem gradlinigen Weg nicht a.bz,u: gehen und die ganze jüdische Öffentlichkeit zu diesem Kampfe aufzurufen., Wir. werden aber auch nicht verfehlen, in entsprechender Weise düe tschechische Öffentlichkeit darüber zu unterrichten, wie sich ihre israelitischen Kämpfer für tschechischen Nationalismus bewährt haben. Die israelitische Kultusgemeinde in Prag muß zur demokratischen Volksgemeinde umgewandelt werden, ob die Herren wollen oder nicht. Klqra Blum: Mischen le Mai Mai in Palästina. Bas heißt: Sengender Hochsommer. Tage des Chamsin, des heißen Wüstenwindes, Tage, an denen die: Arbeit unerträglich schicer wird, Abende, an denen die Leute mit dumpfen Köpfen und zerschlagenen Gliedern ■ \n die, Kommune heimkehre und* dann doch noch stundenlang beieinander sitzen und Sichah halten. Denn die Arbeitsteilung ist in dieser Zeit eine besonders komplizierte Aufgabe, manche halten schwerer durch, man will sie schonen und doch den einen auf Kosten der anderen nicht zuviel aufbürden, man will solidarisch vorgehen, sozialistisch absolut gerecht... hie beiden schwersten Probleme des roten Palästina treten in dieser Zeit besonders scharf hervor: die Schwierigkeif der Anpassung des jüdischen Menschen an die Schwerarbeit im orientalischen Klima, und die Anpassung der orientalischen Arbeitsverhältnisse an den jüdischen Menschen, an seine sozialistische Gesinnung, seinen Wirtschaftsplan. Und so ist die Stimmung, in welcher das rote Palästina den 1. Mai, den Tag der proletarischen Solidarität, begeht, von einer besonders erregten Festlichkeit, von einem drückenden und zugleich beglükkenden Gefühl des historischen Erlebens. Es war im Jahre 1929, als] ich die Feier des Rischon le Mai in Palästina miterlebte, in einer Meinen Kwuzah in Herzliah. Herzliah, damals junge Kolonie, noch wenig ausgebaut, aber ein weit und geschickt ausgebreiteter, ein hoffnungsvoller Zukunftsplan. Unsere Kwuzah, neu gegründet, noch nicht angesiedelt, vom Taglohn lebend, aber eine Elite, von arbeitstüchtigen, organisatorisch begabten Menschen. Es toar die Zeit vor den blutigen Unruhen^ Zeit der aufblühenden Zuversicht, die später so bitter enttäuscht wurde, Zeit des kiirzen Aufschwungs in Wirtschaft, Arbeit und Politik. Die Einigungsverhandlungen zwischen rechter und linker Arbeiterpartei waren im vollen Gange und schon damals zweifelte niemand mehr an ihrem positiven Endresultat. Die Genossen der Kwuzah, lauter Leute vom Eapoel-Ha^ 2air, vollzogen mit mir, dem poale-zionistischen Gast, bereits eine Generalprobe des Ichud, indem sie mir alle der Reihe nach die Hand schüttelten. Revolutionärer noch als sonst hatten wir Pessach gefeiert, diese Gedenktage unseres ältesten Klassenkampfes, ganz ohne religiöse Traditionen, sondern nur mit Arbeiterliedern und Kollektivtänzen. Dann war der 25. Jahrestag der zweiten Alijah gekommen. Und schließlich der Höhepunkt proletarischer Begeisterung, der 1. Mai. Der 1. Mai kam knapp nach zwei Chanisintagen, nach Tagen qualvoll "erschwerter Arbeit, aber die Erregung, welche die Leute erfüllte, ließ keine Müdigkeit aufkommen. Unsere' Baracken, unsere kleinen, spitzen Zelte, vor allem das Gemeinschaftszimmer wurden mit grünen Eukalyptuszweigen und roten Fahnen geschmückt. Und dann zogen wir in der gelben asiatischen Hitze, die wir heute' kaum bemerkten, auf die Landstraße hinaus'. Auf dieser Landstraße — sie führt von Herzliah nach den Kolonien Magdiel, Raananah und Kfar Saba, der „Schchunath Marx", wie man sie auf Grund ihrer Anfangsbuchstaben gemeinsam nennt — trafen wir den großen Zug von Arbeitern und Arbeiterinnen und gingen mit ihnen mit. Immer mehr wuchs der. Zug. Die harte, funkelnd gelbe Landschaft färbte sich buht von Menschenkleidern und wehenden roten Fahnen. Die heiße, drükkendö Stille zerbrach unter dem Gesang der Internationale, der chaluzischen Lieder. Wie an allen Tagen ritten Araber vorüber, im uralten Rhythmus ihrer Kamele, blieben stehen und schauten uns mit seltsam klugen Gesichtern zu. Es war der 1. Mai, der internationale Tag des klassenbewußten Proletariats und zugleich Rischon le Mai, derselbe Tag, aber in hebräischer Übersetzungen orientalischem Gewände, umhüllt mit der Feierlichkeit Asiens und durchzittert von der angespannten Glut des roten Palästina.;. Aber der wirkliche, derwahrhaft rote und internationale Rischon le Mai war es noch nicht. Denn der Kampf der jüdischen Arbeiter in diesem Lande war einsam, einsam, wie es die Unruhen der nächsten Monate bewiesen, imgeben von den Massen des arabischen Proletariats, die heute intelligente und lernbegierige Zuschauer des jüdischen Proletarierfestes waren und morgen schon wieder Lohndrücker, ahnungslose Leibeigene, die sich von ihren Ausbeutern verhetzen ließen. Dieses getrennte Lager, diese Tatsache eines unorganisierten arabischen Proletariats war die große UnvoUkommenheit, die politische und sozialistische Unvollkommenheit der palästinensischen 1. Mai-Feier. -Und nur eines konnte ihr den marxistisch zielbewußten und erfolgsfähigen Charakter gebenydas fortwährend im Betßußisein getragene, mit ernstlich tätigem Willen angestrebte Zukunftsbild eines anderen. Rischon. te Mai, eines Zuges von gemeinsam organisierten jüdischen und arabischen Arbeitern^ >nicht mehr dutch nationale Feindschaft getrennt, sondern das erste Beispiel ehrlich internationaler Solidarität für das erwachende Asien. ^dcdod.JtotUkid Jüdische Hörer an den Prager Hochschulen. Von den 34.112 Hörern, die im Jahre 1931132 an den Prager Hochschulen inskribierten, waren 5239 (15*3%) Juden, davon 3273 jüdischer Nationalität. An Universitäten studierten von ihnen 3928, an technischen Hoch- 'schnlen 1258 Juden. Unter der jüdischen Hörerschaft befanden sich 2449 Ausländer (von insgesamt 5242), die 46% aller in Prag studierenden Ausländer bildeten. Besonders hoch ist der Prozentsatz jüdischer Ausländer an den Universitäten, wo von 2652 Ausländern 1729 (der Nationalität nach) Juden sind (65'2%). An den technischen Hochschulen stellen die Juden nur 29'3% der Ausländer. Pessach-Salz und. Staatsmonopol. In Karpathorußland entstand in den Pcssachtagen zwischen den orthodox-jüdischen Kreisen und den staatlichen Stellen ein Konflikt, der sich auf die Vermahlung der für den Pessachgebrauch nötigen Salzmengen bezog. Bis zum Vorjahre war die Herstellung von rituellem Salz trotz des Staatsmonopols den Juden in privaten Betrieben gestattet. „Mit Rücksicht auf die herrschende Arbeitslosigkeit" hat die Behörde verfügt, daß dieses Salz, wenn auch unter rabbinischer Aufsicht, in den staatlichen Mühlen gemahlen werden muß. Die orthodoxe Judenschaft hat gegen diese Maßnahme Stellung genommen. Die Angelegenheit ist nach unentschieden, hat aber bereits politischen Charakter angenommen, da sich hinter die Forderungen der jüdischen Orthodoxie die tschechischen Agrarier gestellt haben, während das fortschrittliche, jüdische Element dem Problem keine Bedeutung beimißt. Dr. Oskar Epstein bei Masaryk. Der Präsident der Republik empfing den Professor am jüdischen Refofmrealgymnasium in Brünn, Dr. Oskar E ps te in, in Audienz. Prof. Epstein ist der Verfasser' eines Masaryk gewidmeten Werkes über Erziehungsfragen, das im Berliner Verlag Kiepenheuer erschien. Jüdische Ehescheidungen. In der TscJiechosloivakei wurden im, Jahre 1931 nach dem amtlichen Bericht die 'Ehen von 123 männlichen und 121 weiblichen Personen israelit. Konfession geschieden, 227 jüdische Ehen getrennt. 50% aller Ehescheidungen, bzw. -Trennungen entfallen auf Böhmen; beachtenswert ist der große Anteil der Slowakei an den Ehetrennungen (77 Männer, 68 Frauen). Auch in Karpathorußland wurden 1931 10 jüdische Ehen getrennt. Deutschtands Methoden in der Tschechoslowakei? Die Staatsbahndirektion in Olmütz hat in den letzten Tagen 22 Eisenbahnkassenärzte gekündigt mit der Begründung, daß es sich um Sparmaßnahmen handle. Die Mehrzahl der entlassenen Ärzte sind Juden, ein Teil Deutsche. Die jüdischen Ärzte haben gegen die Kündigung beim Ministerium Berufung eingelegt. Der Fall hat allgemeines Aufsehen erregt. Bestrafung wegen Boykottaufforderung gegen Juden. Wegen Aufforderung zum Boykott der Juden wurden die beiden Reisenden J. Bergmann und L. Kral vor das Iglaüer Kreis-* gericht gestellt. Sie hatten in einem Igfauer Hotel in alle tschechischen Zeitungen Zettel geklebt, die zum Boykott der Juden und zum ausschließlichen Bezug tschechischer Waren aufforderten. Bergmann, der Mitglied der tschechischen fascistischen Partei ist, wurde zu 10 Tagen Arrest mit Bewährungsfrist 'verurteilt, tvährend der zweite Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Das Budget der Prager jüdischen Gemeinde für 1933. Die Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde hat für das Jahr 1933 ein Budget von 2,197.000 Kc angenommen, um 110.000 Kc weniger als im Vorjahr. Hievon sind 421.000 Kc durch Kultus, Religionsunterricht, rituelle Leistungen, 186.000 durch Verwaltung und Stiftungen, 154.000 durch soziale Institutionen gedeckt, insgesamt also 890.000 Kc. Der Abgang im Budget beträgt 1,306.000 Kc, und wird durch Steuern gedeckt werden. Die hauptsächlichen Ausgabeposten im Gemeindehaushalt betreffen Kultus, Unterricht, Ritus und Verwaltung, sowie Stiftungen (1,600.000), während; für soziale Zwecke ein Betrag von 454.000 Kc, für kulturelle Zwecke 99.000 Kc eingesetzt wurden. Für Keren Hajessod und Keren Kajemelh wurden insgesamt 10.000 Kc präliminiert. v In Prag wird nicht mehr deutseh gepredigt. Die Prager Jüdische Gemeinde hat für alle unter ihrer Verwaltung stehenden Synagogen das Predigen 'in.deutscher Sprache untersagt. Diese Maßnahme wird als ein Zeichen des Protestes gegen die Vorfälle in Deutschland angesehen. Aus der Jüdischen^ Gemeinde in Karlsbad sind mehrere Mitglieder zum Protest gegen einen Artikel des Karlsbader Rabbiners Dr. Zittgler in der „Deutschen Tageszeitung" Karlsbad ausgetreten, der als ein Versuch angesehen'wer, den mußte, die Vorfälle in Deutschland zu beschönigen. Rabbiner Dr, Ziegler hat seinen Rücktritt angeboten. Als Grund hiefür wird Alter angegeben. Dr. Ziegler, der £rn 71. Lebensjahr steht, war früher intensiv literarisch tätig und'schrieb u. a. eine Untersuchung über das Judentum bei Romain Rolland. Er war führend an der Errichtung dss Jüdischen Alterheimes in Karlsbad beteiligt.