Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Juli 1933 Der jüdische- Arbeiter. Seite 3. Wenigen Monaten, gelegentlich der Kultuswahlen» den Rücken -gekehrt hat, diesmal ihnen folgen wird. Allein diese Herren sind nicht bloß blind und naiv, sie maßen sich auch an, die Propheten zu spielen. Sie wissen es nämlich genau und verkünden es deutlich: „Das Schicksal der deutschen Juden wird nicht unser Schicksal sein." Allerdings unter einer 'Bedingung: „Wenn wir .den alten Traditionen der österreichischen Judenschaft treu bleiben". Als ob die deutschen Juden nicht denselben .„alten Traditionen" der Assimilation, dazu in einer noch vollendeteren Form, gehuldigt und ihnen bis zum letzten .Augenblicke Treue bewahrt hätten! Die deutschen Juden dürften heute bereits eines besseren belehrt sein; aber auch die österreichischen Juden selbst werden, trotz des Appells der „Union", den Weg der assimilatorischen Tradition kaum weiter gehen wollen. Die einzige unentwegte Verfechterin dieser in Mißkredit geratenen alten Traditionen ist und bleibt die — „Union". Und sie liefert auch gleich, einen Beweis dieser ihrer Tra- ' ditionstreue, indem sie sich als die Organisation aller Juden erklärt, die „auf vaterländisch-österreichischem Boden stehen", wodurch alle übrigen Juden, die der „Union" nicht angehören — also fast das gesamte österreichische Judentum — als nicht vaterländisch gesinnte Oesterreicher vernadert werden... Diese öffentliche Vernaderung verdient im gegenwärtigen Momente um so schärfer angeprangert zu werden, als sie „den ohnedies uns Juden gegenüber bestehenden feindlichen Bestrebungen" willkommenen Nährstoff liefert. .Ueber dieses verdammenswerte Verhalten der ,-,Union" ■■hilft auch das im Scfilußsatz enthaltene Zugeständnis an das Aufbauwerk in Palästina, das „zwar mit allen Mitteln gefördert werden soll", keineswegs hinweg. Dieses mit einem „zwar" behafteten Zugeständnis der Union bedeutet zwar blutwenig, dennoch wird man es sich gut merken müssen, um die Union bei nächstens sich ergebenden •Gelegenheiten an diese Verpflichtung zu erinnern. m. he. Der Au fschwung des zion. Sozialismus in Polen Von unserem Koniespondentein' K. L. Im jüdischen Leben in Polen gehen große Wandlungen vor sich. Die ökonomische Krise, diel unablässig wachsbnde Arbeitslosigkeit deklassieren und paupeiisieren immer mehr große Schichten dea: jüdischen Arbeiterschaft lind des1 jüdischen Mittelstandes. Vieile jüdische Berufe "können ihre Trager nicht mehr ernähren, die 7,Luftgescbäfte" brechen zusammen, Massen jüdischer Arbeiter und Kaufleute nagen am Hungertuch. Allen diesen Elementen steht nur ein' Ausweg frei: soziale Um• s1c hi c h tumg verbunden mit Emigrat ion. Und1 das einzige Land, wohin man emigrieren und wo manzn produktiver Arbeit übergehein kann — ist Palästina,. . Daher die PalästinasStimraung unter den jüdischen] Bevölkerung, die auch weite Kreise den jüdischen Arbeiterschaft, die früher dem Zionismus feindlich gegenüberstanden und beim antizionistis'cih'en „Bund" oder""bei den1 Kommunisten organisiert waren, erfaßt hat. Hunderte und taufende Mitglieder des „Bund" und der kommunistischen1 Partei in Polen schließen sich den Reihen des arbeitenden Palästinas an. Schon die Tatsache, daß 35.000 junge Juden dem Chaluz angehörein1, daß 7.000 Clialuzim auf „Hachlseharah" sind, charakterisiert zur Genüge den ungeheuren Aufschwung der zionistisch-sozialistischen Bewegung. Was' Wunder, daß die Kommunisten.und der -„Bund" höchst beunruhigt und verärgert über diese Tatsache, eine unerhört schändliclie Hetze gegen' den Hech'aluz und die Poale Zion in Szene setzten. Insbesondere s'charf und gemein ist der Kampf des „Bund" — dieser jüdischen! Arbeiterorganisation, die wohl große hist ord s dhie Verdienste um die jüdische Arbeiterbewegung hat, indem sie vor einem Vierteljah'rhundert, au der Wiege der jüdischen Arbeiterbewegung, den revolutionären! Geist in der jüdischen Arbeitermasse weckte und sozialistische Ideen in die jüdische Arbeitergassei trug. Das war die historische Aufgabe des „Bund" und die hat er erfüllt. Deshalb müßte er nach vollbrachter Aufgabe entweder sich verjüngen, die neuen Ideem und Notwendigkeiten des! jüdischen Lebens1 begreifen, sie in sein Programm aufnehmen und sich dem proletarischen Zionishius als dem kouseiqueirtesten Ausdruck des jüdischen Sozialismus anschließen •— odeu.1 abtreten, aus demjüdischen Leben verschwinden. fteolSsAe ^wAen $epltaavil*m In Saloniki Saloniki war seit Jahrhunderten ein Zentrum kabbalistischer und messianischer Bestrebu-ngen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts trat hier Sabatai Zewi auf, der sich als Messias ausgab und tausende Anhänger gewann. Die Nachkommen dieser Sabatai Zewi-Anhänger bildeten eine Sekte von Krypto-Juden, deren Führer eine große Rolle in der jungtürkischen Bewegung spielten. So gehörten der Großvezir Taalat Pascha und der Finanzminister Dschawid Bey dieser Sekte an. Bis zum Weltkrieg hildeten die Juden die Mehrheit der Stadtbevölkerung (85.000 Juden gegen 50.000 Nichtjuden) und drückten der Stadt ihren Stempel auf. An Samstagen und Feiertagen ruhte alle Arbeit in der Stadt! Auch im Hafen herrschte Ruhe, da die 400 judischen Hafenarbeiter, die alle.grobe Arbeit verrichteten, m -ihren pelzverbrämten Kaftans spazierengingen. Nach dem Knteg wuchs die Stadtbevölkerung infolge des Zustromes griechischer Flüchtlinge bis zu einer halben Million Der „Bund" hat beides unterksseu. Blind und altersschwach spukt er in der jüdischen Gasse herum und neidet dem sozialistischen Zionismus seinen grandiosen Aufschwung. Drei Momente sind es, die den' Bund so schmerzlich berühren: 1) Der une rhörte Aufschwung der sozialistisch-zionistischen Bewegung, an die er viele seiner ältei-en und insbesondere seiner jungen' Mitglieder abgeben muß. 2) Der grandiose Erf olg der Hachs'cbarah- Bewegung in Polen. Seit Jahren predigt der, „Bund" das Recht des jüdischen Arbeiters auf Arbeit, klagt und jammert über die Benacbtejiligung jüdischer Arbeiter beim Vergeben von Arbeit, ohne auöh nur einen! neuen Arbeitsplatz für jüdische Arbeiter geschaffen) zu haben. Nun ist aber das Wunder geschehen! Tausende junge Leute sind auf „Eroberung der Arbeit" ausgezogen und es gelang ihnen auch dort Arbeit zu erzwingen, wo. noch nie ein .jü/d'ischer Arbeiter aufgenommeilt wurde. So war es in' der staatlichen Stednhauerel in Klosiowa, in der kein! jüdischer Arbeiter Beschäftigung finden konnte, bis sie vom Chaluz- „erobert" wurde. Ebenso in den Glashütten' in1 Galizien und au vielen anderen Arbeitsplätzen. Und diese Tausende sind treue Mitglieder den' verhaßten zionistischsozialistiscbeu Bewegung. 3) Daö gute Einvernehmen de»r Poale Zion mitder „P'olnischen So z ialis tis'ah'en Partei':: (P. P. S.) Seit dem 1. Mai 1933, da die Poale Zion in einem geschlossenen Zuge gemeinsam mit der P. P. S. demonstrierte, obwohl der. „Bund" alle Hebel in! Bewegung setzte, um die Beteiligung der Poale Zion' »u hintertreiben, steif diesem Tage ist der .„Bund" immerfort bemüht, die Poale Zion bei den polnischen Arbeitern anzuschwärzen und Haß gegen sie au erwecken. Ende Mai richtete der „Bund" einen Brief an die ^Zenfciul-Kommisision", der höchsten Instanz der. polnischen Gewerkschaft, der sich mit dem PoalerZionismus befaßte. Darin wird den polnischen G-ewerkschaftsfüliiieirn mitgeteilt, daß sich Palästina, „auf englische Bajonette baue" und daß der Zionismus „die gleiche Kollei im jüdischem Leben spiele, wie der Antisemitismus im polnischen". Besonders scharf zog der Bund gegen diel Hachscliarah' loa. Der „Bund" verleumdete sie; sie wären Lohndrücker und Streikbrechen und verdrängendie jüdischen und polnischen Arbeiter von ihren Arbeitsplätzen. Das ist natürlich lauter Lüge xmd Verhetzxing. Es gibt keimen Fall, wo andere Arbeiter durch HaGhs'charah'-Ga-upperi verdrängt wurden'. Aber das Recht des Cbalu» alsf Jude und Arbeiter, auf jeden freien'Arbeitsplatz, dieses Recht muß und wird verteidigt werden l; ' ' Der „Bund" hat der Ha'ohis'ciliärah-Bewegung dein' Weiligen Krieg erklärt.' Auf efiher -'Sitzung des1 Warschauer Clewerks'chaftsiutes, die Ende Mai stattfand, hielten die Bundisten demagogische Hetzreden' gegen die Poale-Zion! und den Hechaluz Und natürlich gegen das, immetr besser) ■werdende Einvernehmen zwischen den P. P. S. und der Poale Zion. Vor ungefähr awei W'öchien' verschickte! der „Bund" ein Zirkular betreffe ^Aufklärung der polnischen Arbeiter". Darin wird auch gefordert „Kampf mit allen Mitteln". Diese Kampfesweisel birgt die Crefah'r von1 physis; c he n Z u >sa m m e n s t ö ß © n und der Verhetz u n g der po luischeu Arbeiter, geigen d'ile j üdis'chen. Aucli die frei und sozialistisch denkenden polnischen Arbeiter ist ies nicht schwer,- gegen uns aufzuhetzen. Iris.be>-. sonders wenn es von Juden ausgeht. Die erste Saat ist schon aufgegangen. Einige polnische Arbeiitergruppen haben sich an den Arbeitsinspektor und die Regierungsbehörde mit Anklagen gegen die Clialuzim gewendet. Sollten' die jüdischen Arbeiter nicht verjagt werden, dann drohen die klageführenden polnischen Arbeiter mit -„Exzessen und Blut"... In seinem blinden Haß gegep. das1 arbeitende Palästina hetzt der „Bund" die polni'selhen Arbeiter gegen: die jüdischen Arbeiter auf, streut Lügen' und Verleumdungen! aus; und vertieft die antisemitiscbeiu Stimmungen unter der polnischen Bevölkerung. So führt nun der nationalbewußte jüdische Aiiheiter in Polen einen Zweifronte|U-Kampf gegen den jüdischen Faschismus iind gegen den „Bund".'Aber weder die Behörden noch der ^Bund" niocJi der Eas'chis'mus1 werden den; Siejges'zUg, der sich ihrer his toxi schein1 Aufgabe bewußten', in der z.ionistisch-so'zialistischen Bewegung organisierten' j üdis'chen Arbeiterschaft aufhalten könniejn. so daß die Juden gegenwärtig bloß 15 Prozent der Bevölkerung bilden. Was in erster Linie dem jüdischen Saloniki das allgemeine Interesse, verleiht, sind die sephardiseheri Juden. Hier ist vielleicht der letzte Ort in der Welt, wo die interessante jüdische Gruppe der Sephardim (Spaniolen) ihre ursprüngliche Reinheit bewahrt haben. In Saloniki kann man am besten ihre Sprache, Sitten und Lebensweise studiere n. Als Ferdinand und Isabella im März 1492 die Juden aus Spanien auswiesen, zogen kleine Gruppen spanischer Juden nach Holland, Italien und England; die Hauptmassen aber ließen sich in Nordafrika und der Türkei nieder. Hier führen sie ein Sonderleben, das altgriechisch und altapanisch war. Anthropologisch sind sie ungeheuer interessant. Rembrandt interessierte sich für sie, er machte sich in Amsterdam ansässig, um sie besser studieren zu können. Im Orient und am Miittelmeer begegnen wir diesem Stamm mit langem schwarzen Haar und Bart, großen, mandelförmigen schwarzen Augen und melancholischem Gesichtsausdruck im länglichen Gesicht — Typen, wie sie von Rembrandt porträtiert wurden. Ihre Kraft liegt weniger im Schaffen als konser-? vativen Bewahren alter Werte. Die Sephardim sprechen alt- Die nationale Kolonisation in Palästina Von Adolf Böhm, Wien. JJer wirtschaftliche Kampf der Revisionisten . gilt vor allem der gemeinwirtschaftlichen Aufbauarbeit, dessen wichtigster Träger die nationalen Fonds sind, Um so bedeutungsvoller ist die .positive Beurteilung ihrer Ergebnisse durch den führenden Kolonteationsfachmann der Zionistischen Bewegung, die wir der Zeitschrift „Palästina" entnehmen. Die Red. Das zentrale Problem des Zionismus in Bezug auf die Volksrenaissance in Palästina war die Schaffung" des jüdischen Bauern. Die seit 1882 im Lande inaugurierte Kolonisation der Chowewe Zion, Baron Rothschilds, und später der J. C. A., hatte dieses Problem nicht gelöst. Sie hatte in der Hauptsache inder-Pflanzungszone jüdische Besitzer mit arabischen Arbeitern geschaffen und dasselbe auch in den Getreidebaukolonien von Galiläa. Weder gab es jüdische Bauern noch jüdische Arbeiter in nennenswerter Anzahl. Die ländlichen Hauptprodukte, Milch, Eier, Butter, Gemüse, Fleisch usw. mußten die jüdischen Kolonisten von den Fellachen beziehen. Eine Wendung zum Besseren brachte erst die 1908 begonnene Arbeit der zionistischen Organisation mit sich, die auf Nationalfondsmethoden jüdische Arbeiter in allen Zweigen der Landwirtschaft. ausbildete. Wie skeptisch damals auch selbst wohlwollendste Beobachter der Lage die Aussichten auf Schaffung eines jüdischen Bauernstandes beurteilen, zeigt der berühmte Aufsatz Achad HaanVs „Sach Hakol" (Die Bilanz, auszugsweise deutsch wiedergegeben in „Palästina", 1912, Heft 7/8), den er nach einer 1912 unternommenen Reise in das Land veröffentlicht hatte. Darin sagte Achad Haam, daß es nicht möglich sein wird, jüdische Bauern in großer Zahl in Palästina zu schaffen, was eine dreißigjährige Erfahrung beweise. „Möglich ist es", so schließt er die ausführlichen Erörterungen über dieses Thema, „in den Kolonien bodenständige Menschen eines höheren Typus zu schaffen, deren Arbeit größtenteils durch andere verrichtet wird, möglich auch vielleicht eine kleine Arbeiterklasse für die feineren Arbeiten zu schaffen, die leichter sind und besser entlohnt werden, unmöglich aber eine bäuerliche Masse zu schaffen..., die jene rohe und schwere Arbeit bezwingen könnte, welche viel nimmt und wenig gibt und auf der aHein sich eine Bauernmasse von Tausenden und Zehntausenden gründen kann." Das Unmögliche, hier ward's Ereignis! Unter „Bauer" ist hier ja nicht der, soziale Typ verstanden, sondern der . betriebswirtschaftliche — der Landwirt, der die Produkte bäuerlicher Wirtschaft erzeugt.- Die nationale Kolonisation hat: die '^dTeißigjährig«' >Erfahrung^' Lügen gestraft und. iq;., wenigen Jahren 1700 Familien mit zirka 8200 Seelen als Landwirte kolonisiert. Die Produkte der Wirtschaften, die sie auf den Markt bringen, haben heute schon einen Wert von fast 200.000 Pfund. Eine solche Summe würde von den Juden an die arabische Wirtschaft fließen, wenn diese Kolonien nicht arbeiteten. Das ist ein ungeheuerer Fortschritt für die' jüdische Gesamtwirtschaft in Palästina. Natürlich ist das nur e|i Anfang. Die Beträge, die von den jüdischen Konsumenten an die arabische Landwirtschaft fließen, sind noch immer ein Vielfaches dieser Zahl. In Tel-Aviv allein machen sie per Jahr zirka y2 Million Pfund' aus. Allerdings ist außer dem Quantum auch die Qualität zu berücksichtigen. Bekanntlich stehen die Produkte der jüdischen Bauern auf der Höhe der europäischen. Für das Land selbst bedeutet daher die jüdische Landwirtschaft einen bedeutenden Auftrieb in der Richtung, die einzig und allein dien Agrarländern Hilfe bringen kann, derjenigen nach In.- tensivierung und technischen Fortschritt. :> Wenn die Kolonien des KH. noch schyirer zu kämpfen haben, so teilen sie dieses Los mit der gesamten. Landwirtschaft der Welt. In Palästina speziell ist die fortwährende Dürre eine Ursache der ungünstigen Ergebnisse. Doch dies gehört nicht auf die Rechnung der kolonisierenden Instanzen. Diese haben vielmehr in schweren Zeiten immer helfend eingegriffen. Wiederholt ist auch betont worden, daß die Pflanzungszone,, in der die Privatwirtschaft sich niederläßt, nur einen kleinen Küstenstreifen darstellt, indes das jüdische Siedlungswerk sich aus politischen und nationalen Gründen über das ganze Land verteilen muß. Gerade der Emek als die einzige Querebene Palästinas, ist siedlungspolitisch von besonderer Bedeutung. spanisch, richtiger kastilianisch gemischt mit hebräischen Ausdrücken und slawischen Sprachelementen — das sogenannte Ladino. Dieses Ladino wird in hebräischer Schrift geschrieben und. überall, zuhause, in der Schule, im Tempel u. a. gesprochen. Es gibt eine reiche Literatur und Presse. Die Sephardim haben altspanische Kulturwerte bewahrt: alte Romanzen, Liebes- und Kinderlieder, deren viele in Spanien längst vergessen sind. Und als die spanische Akademie der Wissenschaften vor Jahrzehnten eine vollständige Sammlung altspanischer Romanzen vorbereitete, sandte sie einen Fachmann zu den Sephardim, um die von ihnen bewahrten Romanzen aufzuzeichnen. Viele Sephardim leben in den Balkanländern, der Türkei, in Südamerika, und in manchen wesiafrikanischen Ländern (auch in Wien gibt es bekanntlich eine Sephardimgemeinde mit dem sogenannten „Türkischen Tempel" in der Zirkusgasse). Die westeuropäischen Sephardim aber sind völlig assimiliert. Die Zahl der Sephardim wird auf eineinhalb bis zwei Millionen geschätzt. Gegenwärtig durchleben die Sephardim eine tiefgehende geistige und soziale Krisis. Westeuropäische Kultur dringt in die orientalischen Länder vor und bedroht auch die Kulturwelt der Sephardim zu verdrängen.