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Der Jüdische Arbeiter · 1933-07-21 · Heft 29 (21.7.1933) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 29 (21.7.1933)
Date
1933-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. D e r j ü d i s c h e A r b e i t e r. 21 Juli 1933 Dort, wo reine Privatwirtschaft in der Pflanzungszone herrscht, haben Spekulation, Kommerzialisierung manche unerwünschte Erscheinung mit sich gebracht. Die Arbeit ist auch keine rein jüdische und die jüdischen Arbeiter leben zum größten Teil unter sehr schweren Bedingungen, schlechter Behandlung und dadurch verursachtem hohen Krankenstand. Die ethischen Ideale der Ausschließung der Bodenspekulation, der Selbstärbeit, der Schaffung des wahren Landwirtetypus u. a. m., all dies sind nicht zu unterschätzende moralische, nationale, soziale und ökonomische Momente in der Erotwicklung der neuen jüdischen Gemeinschaft. Die hohe Anerkennung, die bekanntlich der Führer der Pflan.zer, Smilansky, den Arbeitersiedlern im Emek zollte, ist ein Beweis dafür, daß auch bei den Vorkämpfern der Privatwirtschaft die nationale Siedlungsarbeit gewürdigt wird. Die Kolonisationsarbeit der nationalen Fonds ist aber auf dieses Gebiet und die Siedlungen gemischter bäuerlicher Wirtschaft nicht beschränkt. Der Keren Kajemeth hat in der Pflanzungszorte Boden erworben und darauf hunderte Familien des Arbeiter- und des Mittelstandes angesiedelt. Zu den gemeinnützigen Fonds muß übrigens auch die Pica gerechnet werden, ferner auch der Hilfsfonds, der nach den Unruhen gesammelit wurde. Auch die B r a n d e i s - Banken und die Südafrikanische Bank, die alle zu sehr billigen Bedingungen Kredite geben, können nicht als rein geschäftsmäßige Unternehmungen angesehen werden. Wenn man zu den vom Keren Hajessod kolonisierten Familien noch jene rechnet, welche durch die Arbeit all dieser Institutionen angesiedelt worden sind, ferner berücksichtigt, daß es ja Baron Rothschild und die J. C. A. waren, die in den Vorkriegszeiten seit 1882 die großen Pflanzungskolonien geschaffen haben, die heute als Bollwerke der „Privatwirtschaft" gelten, so kommt man zu der das große Publikum vielleicht überraschenden Tatsache, daß der weitaus überwiegende Teil der Siedlungsarbeit in Palästina auf Rechnung gemeinnütziger Fonds und Institutionen z u s e t z e n is tl Aber das ist noch lange nicht alles, was ihrer Arbeit zugute zu hatten ist. Die Fonds haben es ermöglicht, daß nach 30jährigem Mißerfolg die landwirtschaftliche Arbeit endlich von jüdischen Händen geleistet wird. Das Problem der jüdischen Arbeit war in der Periode vor Eingreifen der zionistischen Organisation in die Kolonisation ungelöst. Die Kolonisten der Vorkriegszeit waren nicht nur, wie erwähnt, keine Bauern, sondern sie beschäftigten durchaus arabische Arbeiter. Aus den obzitierten Aeußerungen Achad Haam's geht hervor, daß selbst dieser noch 1912 die jüdische Arbeit nur für „feinere Arbeiten" für möjgilich hielit'j Es ist bekannt, wie die zionistische Organisation die Arbeiter ausgebildet und für Nachwuchs; im Wege der Chaluzim gesorgt hat. Die Tatsache, daß heute 10.000 bis 12.000 jüdische Arbeiter in dien privaten Pflanzungen beschäftigt sind, ist der Tätigkeit der Fonds zuzuschreiben. Wie das' „jüdische" Palästina aussehen würde ohne die jüdischen Arbeiter in der Landwirtschaft und die A r b e it e r s i e d le r, mag man sich ausmalen. Der Traum von der nationalen Heimstätte wäre schon j et zt a u sg e t r ä u m t. Die gemeinnützigen Institutionen sorgen ferner dafür, daß die Arbeiter in den Kolonien auch befestigt werden. Hunderte von/ Familien haben kleine Hilfswirtschaften erhalten und die Arbeit zur Schaffung von solchen schreitet weiter. Wenn einmal eine Zeit der schlechten Konjunktur in den Pardessim kommen sollte, so würde diese Befestigung der Koloniearbeiter einen wirksamen Schutz gegen die ärgsten Gefahren derh Arbeitslosigkeit bilden. Wenn neben der Absetzung von Arbeitern, die sich einige Mittel erspart haben, auf nationalem Pflanzungsboden (Wadi el Chawaritb) gesprochen wurde, so muß betont werden, daß auch diese Siedlungen als sehr krisenfest gelten müssen. Vpr allem entfällt bei ihnen der Kauf des Bodens' aus eigenen Mitteln, indles heute schon der Boden, .den private Pflanzer kaufen, maßlos verteuert worden ist. Des ferneren sind diese kleinen Siedlunge» nicht bloß auf Zitruskultur beschränkt, wie die privaten in der Pflanz ungszone. Bei einer eventuellen schlechten Preiskonjunktur für Orangen werden sie zwar leiden, aber' sich doch auf den Füßen halten, sie werden die Lebensmittel, die sie brauchen, zumeist aus der eigenen Wirtschaft nehmen' können. Neben der direkten Förderung der Kolonisation haben zionistische Fonds auch Institutionen, wie z. B. die Ar bc-iterbank durch Geldbeteilung gefördert, welche ihrerseits wieder den Kolonisten Kredite geben. So sehen wir, daß die gemeinnützigen Fonds, abgesehen von ihren anderen Tätigkeiten, auf dem Gebiete der Siedlung eine Arbeit geleistet haben und' noch leisten, die unersetzlich ist im Aufbau des Kolonisationswerkes und die daher im Interesse des Palästina-Aufbaues weitergeführt werden muß. Die Einnahmen der Fonds sind infolge der Weltkrise gesunken, aber nicht in demselben Maße als man befürchten konnte. Der Keren Kajemeth, der über 300.000 Dunam Boden, der zumeist besiedelt ist, besitzt, konnte zur Ergänzung seiner gesunkenen Einnahmen Kredite aufnehmen, der Keren Hajessod, der ebenfalls als kreditwürdig befunden wurde und daher auch diesen Weg gegangen ist, hat noch einen anderen, der möglicherweise in absehbarer Zeit gangbar sein wird. Er könnte, wie dies vor Jahren Dr. Ruppin und der Schreiber dieser Zeilen vorgeschlagen habon, versuchen, eine Gesellschaft ins Leben zu rufen die seine Aktiva im Kolonisationswerk (Besitz, resp. Forderungen an die Siedle^ übernehmen und ihm, dafür den Gegenwert oder einen beträchtlichen Teil davon — mit dem anderen bliebe der KH. an der Gesellschaft beteiligt — bar rückzahlen würde. Mit dem erhaltenen Gelde könnte der KH. neue Kolonisationen finanzieren. In letzter Zeit beginnt dieser Plan Interesse zu gewinnen. Es ist hier über die Tätigkeit der gemeinnützigen Fonds und Institutionen im Bereich der Kolonisation ge> sprochen worden. Neben diese treten ihre großen Leistungen für städtische Kolonisation, Industrie, Kredite, Erziehung, Sanität, Einwanderung, Krisenhilfe usw., welche in diesem Zusammenhang nicht näher behandelt werden können. Es kann keine Rede davon sein, daß die Tätigkeit der nationalen Fonds durch den Aufschwung .der Wirtschaft in Palästina an Bedeutung verliere. Das* Gegenteil ist richtig. Die Fonds sind die einzigen Mittel, welche die nationaljüdische Weltbewegung hat, um Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Heimstätte zu nehmen, die Gesamtinteressen dies Volkes dabei zu wahren, sowohl im negativen Sinn, der Begegnung schädlicher Erscheinungen, als im positiven. Sie sind der Ausdruck dafür, daß der Zionismus keine Paläsiiina-Wirtschaftsbewegung ist, sondern daß er die Zukunft des jüdischen Volkes bauen will. Erklärungen des englischen Kolonialministers. Am 14. Juli gab der englische Kolonialminister Cun.« liffe-Lister dio Erklärung ab, die Palästinareigiemng sei Berinäclitigt worden, 889 arabisfdxe dislozierbei Familien anzusiedeln nrid die Päc,hters!ch|utzveli,oildtnting so abzu-; ändern, daß sie vollen Schutz für die Pädite/n bietet. Bei* britische Staatsschatz sei nicht in! den Lagei, einen Beitrag zur Landentwicklung in Palästina zu leisten. D'iei. 2.5 Millionen Pfund-Anleihe muß durch' die Einkünfte! der Paläis'tinaregierung fundiert werdeiu. In der Debatte macht© Wedgwood die Bemerkung, daß diei Last des' Zinsendien'stes' auf den Juden hauptsächlich ruhen wexvilei. Gen. Ben Zwi Leiter des politischen Departements der^paL Exekutive Das Z. K. der JücT. Arbeiterpartei in Palästina, hat? den Vorschlag der Exekutive lind dem Jewish Agencyy Gen. Ben. Zvyi zum Leiter des1 politischen1 Departements der palästinensischen Exekutivei an Stelle Ohaim Arlosoroffs 7Ai bestimmen, akzeptiert. Genosse Mendel Singer in Polen. Genosse Mendel Singer hat sich am Freitag, dien 14. d. M. nach Polen begebetn' mild wird dort in einen Reihe von Städten in Wahlversammlungen* sprechen'. Win freuen uns1, daß ein Mitglied unserer Organisation1 unseren1 in schwerem Kampfe stehenden Genossen Wahlhilfö leistet. Ferienkolonie des Mischmar Haowdim Der zionistische Jugendbaxn'd .„Mischmar Haowdim" veaunistaltet wie alljährlich a.uch heueai ein Sommerlager, das 100 armen Kindern die Freudejn eines' Landaufentlialtes' ermöglichen soll. Das heurige Lagern, das in' Kob'ersdortf , im Burgenlanä! stattfindet, leidet seihr unten dem Brook der' Wirtschaftskrise. In einem unvergleichlich höherem Aus-' maß als sonst sind wir gezwungen, Ermäßigungen und' Freiplätze für besonders bedürftige Kinder zu gewähren. Diese Unistände hindern uns, wie» bisher, das; Lagen ganz' ausi eigener Kraft zu führen und wir erlauben uns daher: an alle Genossen mit der Bitte heranzutreten, uns durclü Zxiweisung von Spenden die Erhältung der Ferienkolonie zu ermöglichen. Wir dürfen wohl erwarten, daß unser Appell ein) gebührendes Echo finden wird, wofür wir im Namen; unserer jungen Chawerim schon jetzt den herzlichstem Dank aussprechen. Amtliche Verlautbarungen der Israel. ICultuagremeinde Wien Konkurs-Ausschreibung Von Seiten des gefertigten Vorstandes den israelitischem Kultusgemeinde Wien gelangt hiemit die Stelle eines Rabbiners und Predigers an einem Gemeindeitempel zur Ausschreibung. Dem Bewerbungsgesuche sind folgende Nachweise beizuschließen: 1. Nachweis1, daß der Bewerben das 45. Lebensjalii* nicht überschritten hat. 2. Angabe über den Familienstand. 3. Ges'undheitszeugnis. 4. Nachweis der österreichischen Buridesbürgerschaft. 5. Nachweis der talmiidisch-religiöseni Studien. 6. Nachweis 'der zurückgelegtem Universitätsstudien! unild des erlangten Doktorgrades'. 7. Angaben über die bisherige Tätigkeit. 8. Belege über reiligiösl-wissenschaftliche Betätigung,' sowie Zeugnisse über allfällige Lehrtätigkeit. Mit dieser Stelle sind die normalmäßige Bezüge, sowie der Anspruch auf Alfens- und Hinterbliebenen Versorgung verbunden. Die entsprechend belegten Gesuche sind bis 20. August d. J. bei der Amtsdirektion , den israelitischen Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4, zu überreichen1, woselbst! auch nähere Auskünfte eingezogen werden können. Wien, 17. Juli 1933. Für den Amtsdirekton und ersten Sekretär: Emil Engel. Der Präsident: Dr. Desider Fniedmann. Wichtig für alle Palästina-Interessenten Das PaläsNna: Inlormatlonsbudi" Soeben erschienen! Im Urteile der sachkundigen Kritik: das beste Buch seiner Art! Präzise Beantwortung aller. Fragen über Palästina, Verwaltung, Steuer-, Rechts-, Verkehrsu.. Zollwesen; Touristen- und Uebersiedlungsbestimmungen; Existenzmöglichkeiten; Zionismus; zugleich erprobter Führer durch Palästina und hebräisches Vokabularium (in Lateinschrift)! 116 Oktavseiten Text: nur Tatsachen und Ziffern! Eine Landkarte. Preis S 4.— (exkl. Versandspesen); im Auslände (inkl. Verhandispesen, nur bei Vorauszahlung, event. in internat. Portoscheinen) RM 2.50, Kc. 20.—, Dinar 45.—,, Schweizer Fr. 3—, Zloty 3.—. Zu beziehen durch Palästina-Amt, Wien, I., Kämtnerstr. 28, und „PAG", Wien, III., Land&traßer Gürtel 9. Gegründet 1882' Lebensversicherungs-Geseilschaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 iPrämien- und Zinsen- Einnahmen i. J. 1931 Gar,antiemittel Ende 1931 Auszahlungen an d. Versicherten 1. J. 1931 S 2.746i000»000-- , 182,000 090- . 472,000.600- „ 42,500.000*- Tätigbeltsgeblet: Oesterreich, UeutBcbes Keich, Tschechoslovüktsche Republik, Hellen, Holland, FranKreich, Spanien . Italien, .Ungarn Polen. juRisIavien Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Paläitina. Syrien. Türkei, lunh und Aegypten. 3udcn in 3apmi Die Legende. Viele Forscher sind der Meinung, die Japaner stammen von den zehn verlorenen jüdischen Stämmen, ab. Hiefiir werden Beweise aus den Sagen, Sitten und Bräuchen gebracht. So besteht in Usumsa ein uralter Ritus, den man den „Sieg über das Reisbrot" nennt. Die Einwohner feiern eine bestimmte Nacht des Jahres, indem sie flache Reiskuchen essen, die sie „Mochi" nennen. Forscher wollen in diesem Wort eine Verballhornung von „Mazzoth" wiederfinden. Eine Legendi erzählt, daß es auf einer Insel im japanischen Meer, einige Segel&tunden von Kobe entfernt, einen Schrein gibt, den man „Q-ho-saki" nennt, d. h. „Geliebter" oder „Dawid", da die beiden Wörter die gleiche Bedeutung haben. In der Nähe des Tempels finden siefr Dörfer mit Namen „Gashe" und „Menasseh". Auf Grund der japanischen Sprache lassen sich die Wörter nicht erklären. In der Ise sollen sich zwei Schreine befinden, die große Aehnlichkeit mit der biblischen Bundeslade aufweisen. Sie werden alle zwanzig Jahre mit dien erlesensten Hölzern aus den Wäldern des Kaisers erneut. Die aufbewahrten Schätze werden bei Nacht durch Priester mit verbundenen Augen in die neuen Schreine gelegt. Die Vorhänge sollen denen der Bundeslade gleichen. Spuren auf Korea. Auf Korea will man Spuren jüdischer Einwanderung gefunden haben. In der Hauptstadt Sönl, soll es eine uralte jüdische Kolonie geben, deren Mitglieder sich der Umgebung vollends angepaßt haben. Nur der Name vieler Einwohner Söuls soll aufi den jüdischen Ursprung ihrer Träger hinweisen. Das moderne jüdische Leben. Das moderne jüdische Leben in Japan datiert seit fünfzig Jahren. Es gibt eine jüdische Gemeinde in Kobe von etwa 200 Mitgliedern, in Jokohama wohnen 30O Juden. In Nagaska gab es früher eine kleine jüdische Gemeinde, die sich aber vor einigen Jahren aufgelöst hat* Die Synagoge wurdje 1924 verkauft. Die Juden in Kobe stammen zur Hälfte ausi England, Amerika, Bagdad und zur Hälfte aus Rußland. In Jokohama ist das russische Element stärker. Die Juden, die am Kriegsende nach Japan verschlagen wurden, versuchten von dort nach "Amerika zu gelangen, wem dies nicht glückte, blieb in Japan. Die Gebliebenen wurden von einem amerikanischen Hilfskomitee unterstützt. Den russischen Juden in Japan ist zum Teil gelungen, wirtschaftlich festen Fuß zu fassen und Handelsbeziehungen zu China und Sibirien anzuknüpfen. Viele von ihnen haben sich als Handwerker etabliert. In Jokohama gibt es mehrere jüdische Schneider und Schuster, die sogar ein eigenes koscheres Restaurant haben. Eigentümer, Verleger, Heraitfftbcr «. verwrtirorti. RcÜakfcur: Jonas JwtfennarHi, MasehineaWitr, Wkb, XX, MttafefliaMMtr. 19. - Druck: ,,A4rta« Wim, II, Taborefr. 52 b.

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