Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14, Juli 1933 Der jfidisehe Arbeiter. Seite 3. DcrWalilkampf tn Ceslerreidi Vom Wahlkampf in Polen Der Wahlkampf zum Zionistenkongreß bot eine Möglichkeit, größere Teile der jüdischen Bevölkerung für die konkreten Probleme des Patästinaaufbaues zu interessieren. Wir haben diese Möglichkeit voll ausgenutzt. Unsere Versammlungsaktion wurde durch das große Meeting im Festsaale des Hotels „Continental" eröffnet, in welchem Ben-Gurjon die Richtlinien für unseren Aufklärungskampf zeichnete. Dieser großen Kundgebung gingen Versammlungen und Besprechungen mit Ben-Ourjon im Kreise unserer Genossen und der nächsten Freunde voran. Auch die denkwürdige Versammlung mit Arlosoroff im Großen Konzerthaussaale diente schließlich unserer Aufklärungsarbeit. Wir hielten dann in mehreren Bezirken Versammlungen ab, u. a. auch in Hietzing. Bezeichnenderweise versuchte dort der Leiter der zionistischen Jugend seinen Mitgliedern den Besuch unserer Versammlung zu verbieten, aber ohne Erfolg. Die Versammlungstätigkeit in Wien wurde abgeschlossen mit der Versammlung vom 6. Juli im Festsaal des Hotel Post, in welcher die Genossin Dr. Hoffmann, die Genossen Dr. Bernay, Dr. Sokal und Singer referierten. Zum ersten Male versuchten wir die Aufklärungsarbeit in die Provinzorte zu tragen — und der Erfolg war ein durchschlagender. In Baden referierten Genossin Dr. Hoffmann und Gen. Ing. Krämer, in Graz und* Linz Genosse Singer. Unsere Versammlungen in den Provinzorten riefen großes Interesse hervor. Die technisch-organisatorische Wahlarbeit stand diesmal auf der Höhe, sie lag in dem Händen des Gen. Erni Welt. Seiner aufopfernden Arbeit undi der begeisterten Mitwirkung der Jugend; ißt es vor allem zu danken, daß wir trotz Mangel an Geldmitteln Hervorragendes leisteten. Begeisterung und Opferwille haben sich als wirkungS' voller erwiesen, als die tausend« Schilling, die die Revisionisten beider Schattierungen für die Verfälschung des Wahlresultates verausgabt haben. In das Treiben der Jabotinsky-Leute und ihres Häutehändilers in den Provinzorten wird man noch hineinleuchten müssen. Wir haben auf dem 17. Zionistenkongreß das schändliche Treiben dieser Herrschaften enthüfflit und werden es auch diesmal nicht ruhig hinnehmen Daß es ihnen aber diesmal nicht gelang, uns zu besiegen, daß wir vielmehr auch ihre Manipulationen überwunden haben, erfüllt uns mit Stolz und stärkt unsere Hoffnung auf die Zukunft. Linz Ueber den Wahlkampf in Linz wird uns berichtet; Der Revisionismus, Marke Jabotinsky, hat auch in Linz einen Ableger, dessen Mitglieder ihre sogenannte „Judenstaatspolitik"" nicht anders zu betreiben verstehen als durch eine ebenso maßwie gedankenlose Hetze gegen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina. Dies hat eine Gruppe sozialistischer Zionisten innerhalb der zionistischen Ortsgruppe in Linz veranlaßt, die jüdischen sozialistischen Kreise gegen den Jabotinsky-Uufug zu mobilisieren. Trotzdem die Vorbereitungszeit nur sehr kurz war, gaben bei den Delegierten- Wahlen zum Kongreß auf den ersten Anhieb nicht weniger als 61 Schekelzahler (nahezu 30 Prozent) ihre Stimmen für die Liste des arbeitenden Palästina ab. Auch die 66 Stimmen, die die Allgemeinen Zionisten erhielten, dokumentieren ebenfalls die Ablehnung der revisionistischen Demagogie und die Bejahung eines realen, konstruktiven Aufbauprogramms. Die Revisionisten, Richtung Jabotinsky, welche dank ihren materiell gut fundierten Agitatiomsmethodien auch hier eine ähnliche Ueberrumplung der Wählerschaft wie in manchen anderen Provinzorten erhofften, erhielten 70 Stimmen, vornehmlich auf Kosten deir Strickerliste, die nur 14 Stimmen erhielt. 4 Stimmen wurden für die Radikalen abgegeben, Eben unerwarteten Erfolg erzielten die Revisionisten durch ein am Tage vor der Wahl versendetes Flugblatt, dessen Inhalt auch über die Grenzen der Linzer Judenschaft hinaus bekannt werden sollte. Wir entnehmen diesem Dokumente folgende Stellen: i,,Die entsetzlichen Judenpogrome der Araber 1929 wurden von russisch-jüdischen Marxisten angezettelt! Alles unter dem Einflüsse marxistischer Klassenverhetzung. Sogar der unglückselige Mord an Dr. Arlosoroff wird von den Marxisten als Wahlschlager gegen die Revisionisten ausgenützt, obwohl er von uns abgelehnt und verabscheut wird, während die Marxisten noch jede Gewalttat beschönigten und verteidigten, soferne sie ihrer Partei nützte. Siehe Mord an Graf Stürkg und 15. Juli 1927! Und hat nicht der Marxismus in der ganzen Weit Schmach, Schande und Elend über das jüdische Volk gebracht? Szt. in Budapest, in München und jetzt in Deutschland?" Der dumme und hinterhältige Angriff war für eine Reihe von Schekelzahlern, die sich bis dahin keine Meinung bilden konnten, die Veranlassung, ihre Stimme gegen die Revisionisten abzugeben. Bei dieser Gelegenheit danken wir auch Mendel Singer für seineu vor kurzem in Linz gehaltenen Vortrag«, der Ausgangspunkt unseres Zusammenschlusses für das arbeitende Palästina war. Reite zum X VIII. Zionistenkongreß Die Liga für das arbeitende Palästina veranstaltet eine Reise nach Prag zum X VW Zionistenkongreß. Näheres in der nächsten Nummer Vormerkungen und Anmeldungen 7 —9 Uhr abds. II., Blnmauergasse 1. Unsere Warschauer Bruderpartei an erster Stelle. In Warschau sind 18.174 Schkaldm verkauft worden, gegen 8554 im Jahre 1931. An erster Stelle steht der „Block f. d. arb. Palästina" mit 5108, es folgen dann die allg. Zionisten mit 4913, Misrachi 3416, Jabotinskygruppe 3031, Großman 985 u. a. Bei den letzten Wahlen erzielte der „Block für das arbeitende Palästina" an die 700 Stimmen, von zirka 4000 Wählern. Diesmal rechnet man damit, daß der „Block für das arb. Palästina" zwischen 5—6000 Stimmen erzielen wird. Jugendfront gegen Faschismus und Revisionismus. Am 27. Juni fand in Warschau eine Konferenz des „Hechaluz", „Haschomer Hazair", „Hechaluz Hazair", „Freiheit", „Gordonia" und des Arbeitersportklubs „Hapoel" statt, auf der die Schaffung einer gemeinsamen Jugendfront gegen den jüdischen und nichtjüdischen Faschismus beraten wurde. Die Beratung proklamierte die Notwendigkeit einer solchen Vereinigung, deren erste konkrete Aufgabe der Wahlkampf zum Zionistenkongreß bildet. Jabotinsky flieht aus seiner eigenen Versammlung. Jabotinskys Aufforderung an seine Soldaten, die gegnerischen Versammlungen zu sprengen, hat begreiflicherweise ungeheure Aufregung in der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen. Montag, den 3. dl. M. sollte der Duce in einer großen Versammlung in Warschau seine Solidarität mit Stawsky bekunden. Schon draußen wurde der Stawsky- Freund von einer riesigen Menge mit den Ausrufen: „Nieder mit Jabotinsky!" begrüßt. Im Saal selbst war der Lärm so groß, daß man dien Duce kaum hören konnte. Tief beleidigt und erbost über solche „Chuzpe" schloß er nach 15 Minuten seine Rede und verließ den Saal. Draußen wurde ihm abermals ein „herzlicher" Empfang bereitet. Nach der Flucht des obersten Führers ergriff sein Adjutant Schechtmann das Wort, der natürlich gleich auf die Histadruth zu schimpfen begann. Die Wirkung war eine derartige, daß er nach wenigen Minuten die Versammlung schließen mußte. Herr Jabotinsky wird sich nun nicht beklagen können,, daß seine durch die „Ita" verbreitete Aufforderung an die Trumpeldor-SA, gegnerische Versammlungen zu sprengen, wirkungslos verhallt wäre ... Von der revisionistischen front in Polen Die Kampfmethoden der Revisionisten in Polen werden immer gewalttätiger und! niedriger. Das wichtigste Ziel in personeller Hinsicht, das sie sich offenbar jetzt gesteckt haben,, ist die Erschütterung der Stellung des Führers des demokratischen Zionismus in Polen Jizehak Grünbaum,, der Leiter des Palästinaamtes ist. Auf Grünbaum,, die überragendste Gestalt des an Menschen von wirklichem Format so armen polnischen Zionismus, konzentrieren sich gegenwärtig die Angriffe der revisionistischen Terroristen. Den Höhepunkt hat dieser Kampf gegen Grümbaum in Lublin erreicht, wo die Jünger Jabotinskys eine große Wahliver Sammlung, wo Grünbaum sprach, durch tätliche Angriffe auf denselben störten. Es ist bezeichnend, daß die polnischen Revisionisten, dem Beispiel Hitlers folgend, eine Sturmabteilung (Brit Chajal) schufen, deren Aufgabe die Verhinderung der gegnerischen Versammlungen ist, und die sich aus Mitgliedern der jüdischen Unterwelt zusammen setzt. Das Lumpenproletariat als Vorspann des Faschismus, auch diese Tatsache wiederholt sich in der jüdischen Welt. In Warschau haben diese Henkersknechte des jüdischen Faschismus auch das Lokal des Wohltätigkeitsvereines Ahovat Schalom" gestürmt — offenbar war es das Wort Friede, durch das sie sich provoziert fühlten. An die Juden Oeslerreichs Wir werden um die Veröffentlichung folgender Zeilen ersucht: Gewisse Kreise bemühen sich, die Fremden und auch die einheimische Bevölkerung vom Besuche der österreichischen Kurorte und Sommerfrischen abzuhalten. Wir betrachten es als unsere patriotische Pflicht, dafür zu wirken, daß die österreichische Volkswirtschaft durch die Bemühungen der angeführten Kreise nicht geschädigt werde. Die jüdische Kultusgemeiinde in Wien und auch in anderen Städten wandte sich bereits an die Juden Oesterreichs Uind des Auslandes mit der Bitte, ihre Urlaubszeit in Oesterreich zu verbringen. Nun rufen auch wir alle Juden Oesterreichs auf, ihren Sommerurlaub in österreichischen Kurorten und Sommerfrischen zu verbringen, wie auch ihre Verwandten und Freunde im Auslande einzuladen, das Gleiche zu tun. Von dem Bestreben geleitet, den Besuch der weltbekannten österreichischen Kurorte und Sommerfrischen zu fördern, ist eine Informationsstelle für das jüdische Publikum eingerichtet worden, wo alle Auskünfte mündlich oder schriftlich unentgeltlich erteilt werden. Die Unterzeichneten sind überzeugt, daß die jüdische Bevölkerung Oesterreichs von dieser Einrichtung Gebrauch machen und mit aller Kraft bei der Werbetätigkeit für die Hebung des Fremdenverkehrs im Interesse der österreichischen Volkswirtschaft, mitwirken wird. Jeder erfülle seine Pflicht! Auskünfte erteilt Informationsstelle bei der KKL-Versteherungsabteilung, Wien, IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R 43-500, R 43-501. Agudas Jisroel, Landesstelle f. Oesterreich, Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Jüdische Volkspartei, Makkabi Welitverband (Kreis Oesterreich), Union österreichischer Juden, Zionistisches Landeskomitee. Juden in Htllct*^Dculschlciti J Juden ohne Ausnahme werden verfolgt. Der jüdische Gemeindebund in England gab das dritte Heft über die Verfolgung der Juden in Deutschland heraus^ Unter anderem wird dort an der Hand von Dokumenten festgestellt, daß die Verfolgung der Juden in Deutschland nicht identifiziert werden darf mit dem. Kampfe gegen politische Gegner. Die Juden werden ausschließlich als solche verfolgt, unabhängig von ihrer politischen Einstellung. .«Die Juden rücksichtslos verdrängen." In einer großen Versammlung im Berliner Sportpalast erklärte der Ehrenvorsitzende der nationalsozialistischen Beamten. Sprenger, daß bei der Durchführung der Entfernung - der jüdischen Beamten kein Erbarmen und keine Rücksicht walten darf. Jeder Nkhtarier hat im neuen Deutschen Reich keinen Anspruch auf eine einträgliche Stellung. Jeder deutsche Beamte muß sich als Zivilsoldat der deutschen Armee betrachten und mitwirken, daß die Juden rücksichtslos verdrängt werden. 6000 jUdische Aerzte — brotlos. Die Zahl der aus den deutschen Aerztekammern ausgeschlossenen jüdischen Aerzte beläuft sich auf 6000. In Berlin allein wurden 1500 jüdische Aerzte von der Praxis für Krankenkassen ausgeschlossen. Der Vorsitzende des Verbandes privater Krankenverskherungsunternehmen Deutschilands Dr. Max Teichmann erklärte auf einem im Hotel Kaiserhof veranstalteten Empfang, auch in der privaten Krankenversicherung sei in enger Zusammenarbeit mit der Aerzteschaift der Einschränkung der Tätigkeit nichtarischer Aerzte entsprechend Geltung zu verschaffen. Hitlers Angst vor Dalles und Pleite. Der „Völkische Beobachter" fordert auf, die jüdischen Worte, wie: Dalles, Pleite, mesehugge, schmusen, koscher u. a. m. aus der deutschem Sprache, zu entfernen. Es wird verlangt, daß durch eine Regierungsverordnung die Anwendung dieser Worte verboten werde. Das dürfte kaum genügen, um dem Dalles und der Pleite zu entgehen. Bernhard Shaw über das Hakenkreuz Der von einer Weltreise zurückgekehrte berühmte Schriftsteller Bernard Shaw äußerte sich einem Vertreter der „United-Press" gegenüber über die Hitler-Barbarei in Deutschland. Wir entnehmen diesen Ausführungen folgende Stellen: „Sie können sich meinen Schrecken vorstellen, als im kritischen Moment Hitler und die Nazis in der Judenfrage verrückt geworden sind. Hitler hat eine Macht in Händen, wie sie nur den» gesündesten Staatsmännern anvertraut werden; sollte. Und der erste Gebrauch, den er von ihr machte, war, daß er Torquemadii: wieder aufleben. ließ, der glaubte, daß er die Welt rette, wenn er nicht nur die lebenden Juden verbrannte, sondern auch die Toten ausgraben und verbrennen. ließ. Es ist unnütz, gegen eine solche Krankheit zu argumentieren. Judenhaß ist so pathologisch wie Wasserscheu. Ein Staatsmann, der damit infiziert ist. kann ebenso gut dazu übergehen, die Jesuiten,, die Freimaurer, die Hexen, die Lappländer und schließlich vielleicht auch die Preußen zu verfolgen. Die Nationalsozialisten leiden an einer sehr bösartigen, epidemischen Krankheit, und das Resultat ist, daß die britische Polizei Dr. Rosenberg zu beschützen hatte, als er nach London kam, offenbar in der Erwartung, mit offenen Armen aufgenommen zu werd|en. Statt dessen wurde er behandelt wie ein tollwütiger Hund. Hitler und Hauptmann Göring sollten! alle ihre Anhänger unter Quarantäne setzen, bis sie als geheilt vom Judenhaß angesehen werden können. Soll ich hinzufügen, daß ich kein Jude bin? Ich gehöre der naiverweise noch antijüdi&chen Nation der Iren an. Die Iren wissen nicht, daß Christus ein Jude war. Vielleicht 99 Prozent der Nazis sind ebenso unwissend." iiummiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMMiiHUHiiOiiMim Palästina-Reisen von S 235«— aufw. ab Wien, inklusive aller Transitvisa, D-Zug, Hotel, Kabinenbett, Ein- und Ausbootungsgebühren, veranstaltet nur die „PAG", Mm, III., matt. Gürtel Nr. 9 Eine kleine Gruppe „PAG"-Palästinareisender wird' — außertourlich — am 30. Juli a. c. von, Wien abgehen. 9. Gruppenreise ab Wien am 27. August 1933, dann alle vier Wochen! Die Rückfahrt kann wöchentlich innerhalb von 90 Tagen, als Einzelreise angetreten werden. Rascheste und billigste Verbindung mit Palästina. Nur 4 Tage. Fahrt ab Wien! Beste Referenzen. Visabeschaffung für in Oesterreich wohnhafte Personen! Zuverlässige Beratung in allen Palästina- und Reisefrageai! Einzelreisen nach Palästina vierzehntägig. Verlangen Sie schriftlich Reise-Prospekt mit allen wichtigen Palästina-Informationen (50 Groschen in Marken beilegen)). Sprechstunde (für Mitglieder der „PAG" und Personen, die Mitglieder werden wollen) nur Dienstag u. Freitag von 2 bis 4 Uhr nachm.