Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2641551-2641667-2641692--765-2642721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Der j ü d i 9 c he A r bei te f. 14 Juli 1933 Arbeitsfragen in Palästina. (Aus dem Berichte der Palästinaregierung an die Mandatskommission.) Im Abschnitt über Arbeitstagen wird zunächst eine amtliche Definition der Arbeitslosigkeit gegeben. Danach gilt als arbeitslos „ein Mann oder eine Frau der arbeitenden Klasse, der (die) zur Bestreitung des Lebensunterhalts vollständig oder .1 hauptsächlich auf Lohnempfang angewiesen ist und derzeit ohne Beschäftigung und auf der SucIip nach solcher ist oder eine auf weniger als drei Tage sich erstreckende Beschäftigung hat". Unter diesen Begriff fallen auch Fellachen, die zwar für gewöhnlich im eigenen Betrieb arbeiten, jedoch zeitweilig darauf angewiesen sind. Lohnarbeit zu übernehmen. Dagegen gelten nicht als arbeitslos Personen, die Boden oder andere Produktionsmittel besitzen, aus deren Erträgnis sie ihren Lebensunterhalt vorwiegend bestreiten, kleine Händler oder Ladenbesitzer, Handwerker und ähnliche selbständig arbeitende Personen, die zeitweilig unterbeschäftigt sind, sofern sie nicht gerade auf der Suche nach einer Anstellung sind. Es schien untunlich, bei Arbeitsuchenden einen Unterschied zu machen zwischen Personen, die kleine Grundstücke besitzen, welche sie zu gewissen Jahreszeiten bearbeiten, und solchen, die überhaupt keinen Bodenbesitz haben. Bei den Arabern betraf die Arbeitslosigkeit hauptsächlich ungelernte Arbeiter und Angestellte. Bei den, Juden beschränkte sich die Arbeitslosigkeit zum Jahresende auf männliche und weibliche Handels- und Büroangestellte. Steigerung der Beschäftigung wiesen fast ausschließlich das Baugewerbe und seine Nebengewerbe, sowie die Citrus-Kultur auf. Die zunehmende' Beschäftigung in diesen beiden Produktionszweigen betraf Araber und Juden, hauptsächlich jedoch Juden. Diese Beschäftigungssteigerung, sowie die Niederlassung von Personen mit eigenem Kapital und die von diesen Personen vorgenommenen Investitionen erschlossen weitere Arbeitsmöglichkeitien auch auf anderen Gebieten. Deshalb hielten sich die Vertreter der organisierten Arbeit für berechtigt, die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen zu erheben,. Verhältnismäßig häufig wurden Forderungen nach besserem Arbeitsbedingungen — hauptsächlich Lohnerhöhung und Herabsetzung der Arbeitszeit — im Zusammenhang mit den auf Organisierung der arabischen Arbeiter abzielenden Bestrebungen, insbesondere im Subdistrikt Haifa' erhoben, wo eine beträchtliche Zahl von Arabern und Juden gemeinsam bei öffentlichen Arbeiten und anderen großen. Unternehmungen beschäftigt waren. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß diese Forderungen durch das Beispiel der Juden angeregt wurden. Die Auseinandersetzungen über diese Forderungen wurden von der Vereinigung arabischer Arbeiter im Haifa oder vom allgemeinen Arbeiterklub geführt und vom Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverband unterstützt. Zu einer weiteren Organisierung arabischer Arbeiter kam es wicht. Von den Arbeiterorganisationen, die ausschließlich Araber umfassen, waren im Berichtsjahre nur zwei, nämlich der christliche orthodoxe Arbeiterverband in Jaffa und die Vereinigung arabischer Arbeiter in Haifa tätig. Versuche, auch anderwärts arabische Gewerkschaften zu gründen, hatten keimen Erfolg. Es existieren in Palästina auch einige „gemischte" Gewerkschaften, die sowohl Juden, als auch Araber umfassen. Die größte van diesen ist die dem internationalen Eisenbahn-, Post- und Telegraphenarbeiterverband angeschlossene Gewerkschaft der Eisenbahn-, Post- und Telegraphenarbeiter Palästinas mit Zweigorganisationen in allen größeren Zentren. Bisher konnte diese Gewerkschaft, die 1919 gegründet wurde, und 300 jüdische, sowie 200 arabische Mitglieder umfaßt, noch nicht jene Bedingungen erfüllen., die die Regierung als Voraussetzung für die offizielle Anerkennung von Gewerkschaften für Regierungsangestellte festgelegt hat. Alle gemischten Organisationen kooperieren mit der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisatiom Palästinas, lieber die Verwendung von Juden im öffentlichen Dienst und ihre Beteiligung bei öffentlichen Arbeiten werden folgende Angaben gemacht: Ein Drittel der städtischen Beamtenschaft in Jerusalem besteht aus Juden; bei verschiedenen regulären und außerordentlichen Dienstleistungen für öffentliche Institutionen wurden 111.445 Individualarbeitstage gezählt, von denen 31.426 (28 Prozent) auf Juden entfielen. Die an Juden ausgezahlte Lohnsumme war jedoch verhältnismäßig weit höher, als deren Beschäftigungsgrad; sie betrug vermutlich 50 Prozent der allgemeinen Lohnsumme, da jüdische Arbeiter vorwiegend unter der gelernten Arbeiterschaft vertreten waren, während die Araber zum größten Teil ungelernte Arbeiter waren. Bei der Durchführung der Kanalisationsarbeiten in Jerusalem werden 10.000 Pfund an Löhnen ausgezahlt werden, etwa 50 Prozent davon, den Vertragsbestimmungen entsprechend, an Juden. Eine ähnliche Arbeitskostenverteilung wurde für die Durchführung von zwei kleineren Arbeiten im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Jerusalems und der Errichtung eines neuen Schlachthauses und einer Verbrennungsanlage vereinbart. In Jaffa wurden in der Regel Juden bei der mehr technischen Seite der von der Stadtverwaltung ausgeführten Arbeiten im durchschnittlichen Ausmaß von 12 Prozent aller verwendeten Arbeitskräfte beschäftigt. Die Stadtverwaltung von Haifa gab für öffentliche Arbeiten im Jahre 1932 6300 Pfund aus; von dieser Summe flössen 77 Prozent arabischer und 23 Prozent, jüdischer Arbeit zu. In Tiberias war jüdische Arbeit zu 76 Prozent an den von der Stadtverwaltung durchgeführten Arbeiten be^ teiligt. Kongreß, Aktionskomitee und Jewish Agency Der 18. Zionistenkongreß ist endgültig für den 21. August nach Prag einberufen. Eine Woche vorher, am 15. August) tritt ebenfalls in Prag das Aktionskomitee zusammen. Nach dem Kongreß, am 31. August und 1. September, wird die Jewish Agency tagen. Die zionistischen' Mitglieder der Jewish Agency werden vom Zionistenkongreß gewählt werden. Es besteht die Möglichkeit, daß die Zahl der Teilnehmer am Kongreß in diesem Jahre dreimal so groß sein wird wie beim letzten Kongreß. So z. B. werden aus Zentralpolen 90 Delegierte erwartet gegenüber 33, die am letzten Kongreß teilnahmen. Die Kongreßdelegation Palästinas ist vom 39 auf 48 Mitglieder gestiegen, aus Westgaliziem werden zu diesem Kongreß statt 11 Delegierten wie zum 17. Zionistenkongreß 40 Delegierte erscheinen. . Leben in Palästina Die jüdischen Kreditkooperativen Palästinas haben be schlössen, einen Fonds von 5000 Pfund aufzubringen, der zur Gewährung von Aufbaukrediten an deutsche Juden bestimmt ist. 5000 Dunam von dem strittigen Boden in Wadi-Hawariith sind nunmehr nach zweimaliger Anordnung des Bodengerichtes von den Beduinen, die reiche Entschädigung seitens des Jüdischen Nationalfonds als des Eigentümers des Bodens erhalten haben, geräumt worden. Auf dem von den Arabern geräumten Boden wird eine neue Arbeitersiedlung errichtet. Am Todestag Herzls wird in Palästina eine Konferenz der gesamten jüdischen Arbeiterjugend tagen. Großes Kolonisationswerk Zum Airdenike-n} an Arlosoroff. Alle palasti ncnsisch e!n, Arbeiter sin d aufgefordert, je drei Arbeitstage zu spemden1. Die Exekutive der jüdischem Arbeiterorgan,isa-. Uon in Palästina beschloß, das Andenken Arlosoroffs durch1 die Errichtung eines großen Kolonisatioiisi« werkes zu verewigen. , Durch1 Vermittlung des Jüdischen Nationalfonds wird eine große Fläche Bodens erworben: und „Admat Chajirn" benannt werden. Auf diesem Boden werden neue Arbeitersiedlungen errichtet werden. Dieses Kolonisaü'Ointsiwierk wird höchstwahrscheinlich einen Teil der Rettungsaktion für die deut- ,chen Juden bilden. Alle jüdischen Arbeiter in Palästina sind aufgefordert worden, den* Lohn vori mindestens drei Arbeitstagen! für dieses Werk zu spenden. Ebenso werden alle Freunde und Sympathiker der Histadruth aufgefordert, sich' für das Ariosoroffwerk zu besteuern. Die Arbeiterbank spendete 500 Pfund. Aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Palästinas fließen Spenden für das Ariosoroffwerk ein. Die Aktion wird auch' in den. Ländern des Gallith geführt. Jüdisches Leben Die Jüdische Weltwirtschaftskonferenz. Am 15. Juli beginnt in London die Jüdische Weltwirtschaftskonferenz, organisiert vom englisch-jüdischen Handels- und Industrierate in London, der zur Bekämpfung der deutschen Judenverfolgungen ins Leben gerufen wurde. Es ist die erste Konferenz dieser Art. In der Hauptsache wird sie sich mit der Frage der internationalen ökonomischen Abwehrmaßnahmen gegen die Judenhetze in Deutschland zu befassen haben. Acht Millionen Dollar für Bodenankauf in Palästina. Die amerikanischen zionistischen Föderationen haben an der in Chicago abgehaltenen Jahreskonferenz beschlossen,, einen Fonds von acht Millionen Dollar aufzubringen., zwecks Bodenankaufes für die deutschen Juden in Palästina. Diese Konferenz Hat sich auch für den Weizmannplan ausgesprochen, in den nächsten 5 Jahren einen Fonds von 5 Millionen Pfd. aufzubringen, welche die Kolonisation von 250.000 Juden in Palästina ermöglichen soll. Tausend Pfund für den jüdischen Nationalfonds. Der vor kurzem verstorbene jüdische Einwohner Johannesburgs Jacob Senior hat, wie anläßlich der soeblen stattgefundenen Testamentseröffnung' mitgeteilt wurde, dem Jüdischen Nationalfonds 1000 Pfund für Bodenkauf in Palästina hinterlassen. Der Verstorbene war ein einfacher Mann von bescheidenem Einkommen, der zeitlebens der zionistischen Sache hingebungsvoll gedient hatte. Das für den Nationalfonds bestimmte Legat macht fast seinen gesamten Nachlaß aus. Für die deutschen Juden. Das Pariser Hilfskomitee für jüdische Auswanderer aus Deutschland veröffentlicht seine erste Beitragsliste. Bisher wurden 1,375.000 Francs gesammelt. Die Brüder Rothschild haben hievon eine halbe Million Francs beigesteuert. 100.000 Dollar für die Hebräische Universität. Frau Felix M. Warburg, die Tochter des amerikanischen Philanthropen Jacob H. Schiff, hat zur Erinnerung an ihre Eltern eine Summe von 100.000 Dollars als einen Fonds für die Hebräische Universität in Jerusalem gestiftet. JLmtliche V•rlautbtLrun&en der Israel. IZultusffeineinde Wien Der Vorstand der Israelitischen Kuitusgemejnde Wien hat in seiner Plenarsitzung vom 28. Juni 1933 beschlossen, den bisherigen Gemeinderabbiner mit dem Amtssitze im 18. und 19. Bezirk, Dr. David F e u e h t w a n g, zum Oberrabbiner der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien und Rabbiner am Stadtte m.,pe l in der Seitenste ttengasse zu ernennen. Gleichzeitig wurde der Gemeinderabbiner Dr. Israel Tag licht, der bisher seinen Amtssitz im 12.—15. Bezirk hatte, unter Verleihung des Titels „Oberrabbiner" zum Rabbiner am Großen Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse ernannt. Es wurde ferner der am Vereinstempel im 9. Bezirk wirkende Rabbiner Dr. Artur Zacharias Schwarz zum wirklichen Gemeinderabbiner bestellt und ihm, unter Beibehalt der Funktionen im 9. Bezirk, als Amtssitz der Gemelndetempel im 18. Bezirk angewiesen, , Besetzung von Chorsängerstellen. Bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangen mehrere Chorsängerstellen für Tenöre und Bässe in nächster Zeit zur Besetzung. In Betracht kommen nur jüngere Kräfte mit entsprechender musikalischer Vorbildung, welche die österreichische Bundeabürgerschaft besitzen. Anmeldungen zum Probesingen werden bis zum 30. Juni d. J. in der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, III., Stock, entgegengenommen, woselbst auch nähere Auskünfte erteilt werden. Der Vorstand. Im Lele Bondi-Heim (L. D. Königsberg'sches Mädehenerziehungsinstitut) finden jüdische Mädchten im Alter von 10 bis '16 Jahren gegen bescheidene Verpiflegsgebühren nach Maßgabe der vorhandenen! Plätze Aufnahme. Anfragen an die Leitung des Heimes, Wien, II., Böckllinstr'aße 59. Dte „PAG", Wien, III., Landstraßer Gürtel 9, teilt mit: 1. Sämtliche 58 Teilnehmer der „PAG"~Palästina-Gruppenreise, welche am 2. Juli Wien verlassen hat, sind am 7. Juli a. c. glücklich i n Haifa gelandet. 2. Eine kleine Gruppe „PAG"-Palästinareisender wird außertourlich — am 30. Juli a. c. Wien verlassen. 3. Die 9. ,,P Ä G" -P a 1 a sti,n a - G rupp en r e ise wird programmgemäß am 27. August a. c. — und von dann an alle vier Wochen von Wien abgehen. Preis von S. 235.— aufwärts. Alles Nähere in den MP A G"-Mitte i- I u n g e n, die bei Einsendung von 50 Groschen (in Marken) Interessenten zugeschickt werden. 4. Sprechstunden im Juli und August nur: Dienstag und Freitag von 2 bis 4 Uhr nachm. (für Mitglieder kostenlos). 5. Die 2. ordentliche Generalversammlung beschloß für das Jahr 1933 eine Dividende von 24 Prozent p. a. zü verteilen. Die Dividenden sind innerhalb von 4 Monaten zu beheben, u. zw. Dienstag und Freitag von 3—4 Uhr ab 1. August 1933. 6. Durch Ergänzungswahlen wurden in den Aufsichtsrat entsendet: die Herren Dr. Gbldhammer, Hofrat Ing. Herzka, Dr. Pais und Dr. S. Schmitz, in den Vorstand: Ing. R. Seiden. Wichtig für alle Palästina-Interessenten „Das Palastina« Informalionsbodr Soeben erschienen! Im Urteile der sachkundigen Kritik: das beste Buch seiner Art! Präzise Beantwortung aller Fragen über Palästina, Verwaltung, Steuer-, Rechts-, Verkehrsu. Zollwesen; Touristen- und Uebersiedlungsbestimmungen; Existenzmöglichkeiten; Zionismus; zugleich erprobter Führer durch Palästina und hebräisches Vokabularium (in Lateinschrift)! 110 Oktavseiten Text: nur Tatsachen und Ziffern! Eine Landkarte. Preis S 4.— (exkl. Versandspesen); im Auslände (inkl. Verhandspesen, nur bei Vorauszahlung, event. in internat. Portoscheinen) RM 2.50, Kc. 20—, Dinar 45.—, Schweizer Fr. 3.—, Zloty 3.—. Zu beziehen durch Palästina-Amt, Wien, I., Kämtnerstr. 28, und „PAG", Wien, III., Landstraßer Gürtel 9. Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Geseii chaft PHÖNIX Versicherungsbestand Ende 1931 Prämien- und Zinsen- Einnahmen i. J, 1931 Garantiemitlei ende 1931 Auszahlungen an d. Versicherten i. J 1931 S 2.746,000.000'- , 182/500 000-— , 472,000.000-- n 42,500.000-- Tätigkeltsgebfe Ocsterreic i. i>eut»cries Keich rrchecl'oslovakttcht KeiiiM«. ".eiüien, Holland, Frankreich, Spanien Italien, Ungarn Holen Jug slavie» (Julianen, ürieciie land, Rumänien, Paläst na, Syrien. Türkt-i. tunis um" Aegypten Eigentümer, Verleger, Herausgeber u, yerantwortL Redakteur: Jonas Jungermann, Maschinenbauer, Wien, XX, Meldemamistr. 19. — Druck: „Adria", Wien, II, Taborstr. 52 b.