Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JÜDISCHE ARBEITER 1 April 1933 Tätigkeitsgebiet . betritt, $für, welchö andere InSfcittfliöheö ütid: Ofgahmtfföfieti beftteKen«. ^öffr wollen die ganse Gemeinde nur als iTOigionsgemeinde erhalten." „Nur Mefür ^pllen wir die Mittel gewähren." fv£Ist es «nicht Frivolitäi, in einer Zeit der 2ttichtbarsten Wirtschaftsnot die , Fürsorge^ $ftiigkeit, der Gemeinde als f r em de s Tätigkeitsgebiet' zu bezeicHifeh?Bs ist nur ^Selbstverständlich, daß die Nichtnationaleai ' |£%en die Palästinasubvention , sind, was .äSpfc sie der stets anwachsende Strom der IPaen nach Palästina an? - r %^Es ist gewiß rnichti verwühdeiiich, daß •äiese unverantwortliche Stellungnahme des fSjgfechers der Nichtnätioöalen, große Erbitterung unter der' Mehrheit hervorgerufen hat- "fe, die sich in sehr lebhaften Zwischenrufen fkttndgab. i* Unser Sprecheir, Genoase Singer, Bemühte sich nun zunächst die Debatte ftüf das gebührende Niveau zu bringen,, j^ts mnV auch ras<& und restlos » gelang. Mit einem Bünweis auf . die Vorgänge ..lü Deutschland führte er vdr Augen,;d&ß das Schicksal, der Juden mit dem 'Schicksal der Demokratie und der Arbeiterschaft, ihre verläßlichsten Schützer, unzertrennlich verbünden sind. Die Juden Deutschlands haben krampfhafte Versuche unternommenj sich verschiedenen bürgerlichen Parteien anzubiedern. Äls aber die Demokratie und die Arbeiterschaft vom Fascismüs niedergeringen wurden, 'vollzog sich unaufhaltsam das Schicksal der Juden. Wir haben deshalb unsere S o1i d ar i tät nicht nur init den Juden Deutschlands, so nd e r n a u c h m-i . t der' soziald em o k: r a t i s c h eh ' Arbeiterschaf ti, der Hüterin der Freiheit und der Demokratie, zu bekunden. ( In .der fast trostlosen Situation der Juden' in "Europa — setzte Genosse Singer fort —, bildet das Aufbauwerk in Palästina einen herrlichen Lichtpunkt. Zehntausende unserer Brüder aus Ost und West streben dem Lande ohne Arbeitslosigkeit zu, die Organisation der' Chaluzira steht vor ,ungeheuren Aufgaben ,. die Arbeiterschaft in, Palästina fordert die Öffnung der Tore Palästinas für die jüdischen Volksmassen, auch unser .Wiener Posten in Palästina; der -österreichische Kibuz in Rischon Li Zion, bedarf, dringend neuer Mittel und:[neuer Menschen.; V,-. '..:■.• Eine große jüdischeGemeinde, wie /die unserige, muß. es sich' in dieser schwierigen Zeit erst recht zur Aufgabe machen, nach Kräften die Einwanderung nach Palästina zu fordern und für die Erweiterung vder Aufnahmsfähigkeit des Landes, durch Subventionierung der Aufbaufonds (Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Palästina-Arbeiterfands) beizutragen. In dem uns hier vorgelegten Budget finden wir diese Tendenz bekräftigt und wir bejahen es deshalb. Wir konnten uns überzeugen, daß die gegenwärtige Leitung der Kultusgemeinde bestrebt ist, trotz der Ebbe unserer Einnahmen,\nicht nur das Ftirsorgewerk zu erhalten, sondern die ersten Schritte auf dem Wege produktiverer Fürsoroe, die wir seit Jahren gefordert haben, zu unternehmen. Als solche bezeichnen wir die geplante Darlehenskasse und das Arbeitsamt. Wir haben die* volle Gewähr, daß dieser Kultusvorstand das allgemeine Wahlrecht für alle jüdischen Männer und Frauen einführen wird, u n g e a c htet der Gegnerschaft der Konservativen und der Werktätioen. Das bestimmt uns der Leitung der Kultusgemeinde unser Vertrauen zu bekunden. Wir wollen unsere Forderung nach einer Intensivierung des Kontaktes zwischen unserer Leitung und don Bezirkskommissionen wiederholen. Wir erwarten, daß der zur brennenden Notwendigkeit gewordene Gerne i n d e b u n d in aller kürzesten Zeit gegründet werden wird, Der Kind e r- und Jugenderziehung wird viel mehr Aufmerksamkeit als bis jetzt gewidmet werden müssen. .Bezüglich der Sparmaßnahmen durch Reduktion der Beamtenbezüge müssen wir verlangen, daß die Gehälter der Mehrheit unserer Beamten, die das Existenzm i h im um k a um o r r e ic h e n, von jeder Kürzung verschont bleiben. Wir können nich umhin unserer Unzufriedenheit über die Methode der Vertretung unserer Forderung nach einem Seitrig;. voM^Me,- :mä Ausdruökd m Bringt Wir #erdeii ianin #ifkelg daß *<tet Kampf Unidiese gerechte fordefuhf nicht mehr am grünen Tisch, sondern bei Mitwirkung der breiten . jüdischen Volksmassen geführt werde: : Die Not der Zeit zwingt uns auch von unseren Steuerträgern Opfer zu verlangen. Wir müssen den Mut haben, es zu tun. . Wir müssen die Juden mit unseren Sorgen und unserer Tätiokeit vertraut machen und sie Werden uns die Opfer öickt tefweigetn* WirWöllen die Jüdische Gemeinde in. den Dienst aller Juden, die sich äu ihr zählen, stellen. Wenn uns das gelingt, ist trotz der momentan tristen Lage kein Örund, vorhanden, kleinmütig zu sein. In der Fortsetzung der Debatte ergrifsen auch die Genossen Weinreb und Dr. Glanz das Wert-Über ihre Ausführungen werden wir noch berichten. Zionistische Exekutive telegrafiert an Hitler Eine befremdliche Haftnahme Jerusalem, 1. April (J. T. A.). Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi haben äV Reichskanzler Hitler ein Telegramm gerichtet, in dem erklärt wird) es handle sich bei dem antideutschen Boykott um spontane individuelle Aktionen, die aufhören würden, wenn die deutschen Behörden ihre gegen die Juden gerichtete Aktion nicht fortsetzen. Eine Kopie des Telegramms wurde dem. deutschen Konsul in Jerusalem überreicht. Dieser richtete nach Besprechung der Lage mit einer Delegation des Waad Leumi ebenfalls ein Telegramm nach Berlin, in dem erklärt wird, daß der bisher auf individuelle Aktionen beschränkte Boykott abflauen werde, wenn die palästinensischen Juden nicht durch eine judenfeindliche Aktion in Deutschland in eine deutschfeindliche Haltung gedrängt werden. Wohin mit den deutschen Juden London, 31. März (J. T. A.). Lord, Marley, ein Mitglied der früheren Ar-r belterrgierung und Vorsitzender des englischen Parlamentskomitees für die, Gesellschaft ORT, richtete in einer in, der Kingsway Hall abgehaltenen Versammlung an die Regierung den Appell,' Juden aus Deutschland Asylrecht, zu gewähren. Man müsse den : Juden zei-? geh,, daß die öffentliche Meinung deri zivilisierten Welt hinter ihnen stehe. Paris, 2. April (J. T. A.). Die Pariser. Tageszeitung ,,Le Temps" erklärt ink, einem Leitartikel, es sei Frankreich's' Stolz, eines der wenigen Länder zu sein, die, Juden aus Deutschland ein Asyl'gebotßn haben. Das Blatt beklagt; es: gleichzeitig, daß England von seiner diesbezüglichen Tradition abgegangen ist. In London liegen Nachricht t.Qji vor, denen zufolge die ts c hec h o s 1 o wakis che und di e^ jugoslawis ch e Regi e r ung n a c^h Vorsprache jüdischer Delegationen sich bereit erklärt haljen. jüdischen Auswanderern aus /Deutschland das A sy 1 r e c h t z u g e w ä h-, r en. Irarhstelns Abberufung leider dementiert ■. Jerusalem, 29. März (JTA.). Die Misrachi-Weltexecutive hat sich in einer' außerordentlichen Sitzung mit der Forderung der. palästinensischen Arbeiterpartei nach Abberufung des Jlisrachi-Führers H. Farbstein aus der Executive der Jewish Agency beschäftigt. In einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur übergebenen Erklärung gibt die Misrachi-Executive als Ergebnis ihrer Beratungen bekannt, daß sie die gegen Farbstein erhobenen Beschuldigungen, in denen sie bloß ein WahlniänÖver zwecks Diffamierung des Misrachi anläßlich der bevorstehenden Wahlen zum Zionistenkongreß erblickt, entschlossen zurückweise und nicht beabsichtigte, Farbstein'' aus der Executive abzuberufen. Diktatur von heute stutzt Diktatur von morgen Czernowitz, 4. April. Die Abhaltung einer Von der Jüdischen Reichspartei in Czernowitz geplanten großen Protestkundgebung gegen die Judenverfolgungen in Hitler-Deutschland wurde von den Behörden nicht gestattet. - Rückwanderun« aus Biro Bidschan nach Palästina. Jaffa, 2. April.- (J. T. A.) Mit dem russischen Dampfer »Tschitscherin« sind zahlreiche, jüdische Flüchtlinge aus Sowietrußland, unter ihnen vier aus Biro Bidschan. wohin sie ,vor-.einiger. Zeit aus. Polästina. aus- «ewändert wären,'* nach -Palästina zurückkehrende Familien in Jaffa eingetroffen. Unter den übrigen Passagieren des Dampfers befanden sich auch 30 Einwanderer aus Saloniki.' Brand in einer Kwuzah. Jerusalem, 4. April. (J. T.A.) In der bei Haifa gelegenen Kwuzah derlitauisch-tschechoslowakischen Gruppe des Haschomer Hazair wurden mehrere Baracken durch einen Brand vernichtet. Hierbei gingen alle Habseligkeiten der in diesen Baracken untergebrachten Mitglieder der Kwuzah zugrunde. Der Schaden'beträgt 800 Pfund. Die Betroffenen, zum größten Teil erst vor kurzem aus Litauen und der Tschechoslowakei eingetroffene junge Leute, sind ohne Obdach und Kleidung geblieben. Sofortige Hilfe tut not. Die Kwuzah wurde erst vor. sechs Wochen geschaffen. ' A Arbeiterkörperkultur und Sporte bewegung. Die dritte ösl. Arbeiterolympiade, die in den Tagen vom 5.-8. Juli 1934 in Prag stattfindet^ erfordert große technische, finanzielle und organisatorische Vorbereitungen. In der Regel sind an diesem Werke 2000—3000 Mitarbeiter beteiligt. Turnten auf der II. Olympiade im Jahre 1927 36.000 Arbeit terturner, so rechnet diesmal der tech* nische Ausschuß mit einer Teilnahme von 45.000—50.000., Außer Freiübungen aller Sektionen; also der Schüller, des Nachwuchses und der Mitgliedschaft, wird auch ein reiches Sportprogramm vorbereitet. A Internationale Turnwettkämpfe in Prag. Am 12. März fand in Prag ein internationaler Arbeiterturn wettkampf statt, an dem sich 4 Landesverbände, der sozialistischen Turninternationale angehörend, beteiligten, u. zw. Deutschland, Schweiz, der Deutsche Turnverband in der CSR und der csl. Verband. Es siegte Deutschland/ An den Wett-J kämpfen nahmen viel csl. und fremde Turner und viele Gäste teil. Dieses Unternehmen war eine sehr gelungene Manifestation der internationalen Verbrüderung der Körperkulturellen Organisationen , und der Arbeiter-Sportler. A Vorbereitungen für den Mäitag in London. Der außerordentliche Erfolg der großen Arbeitslpsendemonstration im Hyde Park, am 5. Februar hat überall in der organisierten Arbeiterbewegung in Großbritannien dazu.geführt, die Forderung nach einer, zweiten großen Massenkundgebung am Maitag zü erheben. Der' gemeinsame. Natioriälrat, in dem der Generalrät des Gewerkschaftskongresses, die Landesexekutive der Arbeiterpartei und. die Exekutive der Parlamentsfraktion treffen daher Vorbereitungen für die Organisation einer Massehkundgebung im ' Hyde' ParK s in London. Sie soll am Maitag stattfinden, der dieses Jahr .auf Sonntag, den 7. Mai fällt. Die Exekutive der Londoner Labotir Party hat auf Grund dieser Vorschläge beschlossen*, auf die Veranstaltung lokaler Kundgebungen am 7. Mai zu verzichten . und sich den umfassenderen Vorbereitungen anzuschließen.- ' - A Parteitag der holländischen Sozialdemokratie. Der , diesjährige Parteitag der holländischen Sozialdemokratie fand mit Rücksicht;auf die bevorstehenden Parlamentswahlen schon vom 4. bis 6. März in N y m w e g.e n statt. Aus dem Jahresbericht, der dem Parteitag vor- Briefe aus Palästina ' , Chederah. , Das Klavier ist schon im. Land und kommt nach Chederah. Spielen werden einiget Palästina ist ein Land, wo sehr viel gesungen wird. Es gibt gar nichts besseres als Musik, gerade, nach schwerer Arbeit. In der Nacht von Freitag auf Samstag bleibt man gewöhnlich sehr lange auf. Mich hat der Mond um 1 Uhr geweckt. Ich habe mich angezogen und im Eßzimmer Leute gefunden, die sind gesessen und haben gesungen. Langsam, melancholisch angefangen, wie die Wasser im Wadi dahinsickern und plötzlich trillert ein Vogel aus dem Busch und die Stimmen klingen und jubeln, Und dann versinken sie wiedei^ßo singen alle\ hier, sogar die britischenjflSoldaten, die länger da sind, und die tragen ihr Schottland doch sonst wie ein Schneckenhaus mit. Nach der Arbeit ist das, Zentrum erbaulicher Männerchöre, die Dusche; da kann jeder nach Herzenslust mit der Stimme raus, und schon da wirft man so mit den Arbeitskleidern den Tag ab. Heute Abend erklangen z. B, aus dieser Wellblechbude der Prolog aus Bajazzo, Arien aus der Cavalleria, Vecerni zvon und „Tece voda, tece". — f>aß auch Klassisches am Programm ist, ist eine Folgeerscheinung des Grammophons als äußerst verbreitetes Instrument: Josku (Meir aus Jamnice) pfeift die ganze Kreuzersonate. Wir haben sehr feine Platten. Es kann uns noch immer geschenkt werden, Heute kam ein Reiter von den Nachbarn, Platten auszuborgen. ' * Wadi-Chawarith. ... In eine größere Stadt komme ich wohl nicht so bald, aber ich freue mich schon darauf, daß in Kürze dieiHübimah nach Chederah kommt, Uriel Acosta. Ansonsten ist das Leben hier alles 'andere als fad. Unser Hauptschlager sozusagen ist augenblicklich der Wasserturm. Wir bauen schon das zweite Zimmer und sehen von oben das Meer, er wird unser Wahrzeichen sein, man wird ihn weit und breit sehen. Kosten wird er 100 Pf., was mich ganz besonders freut. 13 m hoch. , Abends, vor Feierabend, kamen die Jungen von der Außenarbeit, haben sich eingespannt und der Beton ist nur so geflogen. Weiß der Teufel, einer fing an, wienerisch seine fabelhaft frischen Betonküberln anzupreisen, der zweite gab arabisch Trumpf, jeder das seine dazu, Kartoffel werden gesteckt, der erste Beregner arbeitet an einer provisorischen Linie, die Gräben für die definitive sind fast beendet. Mannesmannröh- , ren sind eingelangt, die Citrusbaumschule wird von Chederah hereingebracht. Aber auch die große Welt ist uns nicht gar zu weit« ein Pferd heißt dem Reichskanzler zu Ehren Adolf. Die Kinderchen: Sitzen da zwei vorr schriftsmäßig. Sagt Juwal: „Schau, Gerschon, in meinem Kopf ist gar nichts,, drin." Gerschon tröstet den ängstlichen: „Macht, nix, ich geb dir von meinem." Und geht und tut es. Minstein über jüdische Arbeiter Die Leitung des jüdischen Arbeiier.ß für das jüdische Volk ist die Wichtigste von allen. Er verwandelt durch sein eigenes Werk Wüste in blühende Siedlung. Seine Treue und altruistische Hingabe bringt dem ganzen Volke Nutzen... Man kann diese hohen menschlichen Werte nur unterstützen, indem man seinen Weg erleichtert. Auch darf nicht daran vergessen werden,-.daß der jüdische Arbeiter der einzige ist, der normale Beziehungen zu den Arabern herstellen: kann, worin eine der wichtigsten Aufgaben des ,•"Zionismus liegt. Administrationen wechseln; entscheidend ' aber " sind die meinschlichen Beziehungen zwischen den Völkern. Hilfe für den palästinensischen Arbeiter bedeutet Förderung einer menschlich einwändfreien Politik in Palästina. Sie ist^ ein Beitrag zu dem Kampf gegen die 'nationalistischen Strömungen der ganzen Welt, von denen auch wir in unserem kleinen Palästina betroffen werden.