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Der Jüdische Arbeiter · 1933-04-07 · Heft 14 (7.4.1933) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
10 (1933)
Issue
Heft 14 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DER JÜDISCHE ABBEITER 7h April 193& Selbstverständlich, kann und das£ diesgf Aforelitkampl jeürt von einer Partei allein nicht geführt werde».. Es müsse» aÖe Menschen,, die s&h ein Gefühl liir Recht und Gerechtigkeit bewahrt haben, mobilisiert werden, um der willkürlichem Brntaltfät entg«t»enzartrete». Aber wir müssen schon jetzt feststellet!» daß wir matt alten diesen Menschen mir ein S t ü c k gemeinsamen Weges haben. Es kam» allzubald jene scharfe Kurve kommen, vor der dann so mancher unentwegte Protestrufler zurückschreckeii wird und an der wir dann aal an» selbst, auf uns nicht bedingte Antifa3ciöteii, auf uns Sozialisten angewiesen sein werden. Wir müssen daher die Partner, die mit uns jetzt gegen die Ungeheuerlichkeiten in Deutschland kämpfen, näher betrachten. Wir dürfen nicht aus Dankbarkeit für die Unterstützung, die uns jetjst einige Staaten im Kampfe, gegen das fascistisohe Deutschland gewähren, in einen anderen chauvinistischen .Nationalismus verfallen. So mancher Staat, der - die jetzigen Zustände in Deutschland verurteilt und sich „meiner" Juden drüben annimmt, führt einen wirtschaftlichen Vernichtungskampf gegen die Juden in seinem Lande selbst. Aber auch dort, wo die Juden einstweilen hoch ungeschoren leben dürfen, ist es nicht immer die reine Menschen- Hebe, die aus ihren Protesten gegen Deutschland spricht. Bezeichnend hiefür ist ja, daß dieselben humanen Menschen, die sich unserer annehmen, kein Wort dagegen sagen, daß Proletarier erschossen, hunderte von ihnen verstümmelt tausende gefoltert, zehntausende in den Gefängnissen und Konzentrationslagern „erzogen" werden und hunderttausende, ja Millionen deutscher Arbeiter ihrer Gesinnungsfreiheit beraubt •sind. .... Gewiß, Juden werden verfolgt ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung, aber auch die verfolgten deutschen Arbeiter werden doch meistens nur deswegen unterdrückt, weil sie es einst wag-, ten, ein freies, menschliches Leben auch für sich zu erhoffen und zu erkämpfen. Wo bleibt die Humanität gegenüber diesen Millionen Arbeitern? Wo bleibt auch die Proteststimme gegen die Hetzjagd .auf die tausenden proletarischen Funktionäre, .die wie eine lebendige Anweisung auf Kopfprämien herumirren? Aber auch die aufrichtigen Liberalen, die jetzi jn Opposition gegen den Fascismusstehen, weil seine verdorbene Wildheit sie erschreckt, weil sie Gerechtigkeitsgefühl und natürlichen Sinn für Anständigkeit besitzen! Kann man sich auf die verlassen, daß , sie auch gegen den ernüchterten Fascismus kämpfen werden? Wird| hier die Anständigkeit langen? . Sehen wir nicht, wie das große-Charakteisterben eingesetzt hat? Erleben wir es nicht, daß Künstler, Literaten, einst streng oppositionelle Bürgerliche, über Nacht zu käuflichen Kommis geworden sind? Und die assimilierten Juden außerhalb Deutschlands — wird ihr Widerstand lange anhalten? Heute sind sie über die entfesselte Bestialität empört, heute wissen sie, wogegen sie sind, werden sie morgen wissen: Wofür? Es ergibt sich daher für uns, jüdische Sozialisten, die Aufgabe, aktiv an diesem großen Abwehrkampf gegen den 'deutschen Fascismus teilzunehmen. Wir müssen aber schon jetzt die Massen darüber .aufklären, daß die nunmehr entfachten Kampfenergien nicht nachlassen dürfen, auch wenn der Fascismus in Deutschland „anständige" Formen angenommen halben wird. Im Kampfe gegen den Fascismus dürfen wir aber gleichzeitig nicht einen Augenblick unsere Arbeit für das Positiv um vergessen: Unsere Arbeit für den Aufbau eines sozialistischen Palästina. DAMENMODE-SALON inHHBBIRIHPP^^I BRÜNN - JESUITSKÄ 9 -Typoipanage (Fortsetzung von. Seite 14 wir uns den tierischen Faseismus tregdenkenr ist die Lage auch hier sieht aitdets: Auch hier hat unsere Jugend kein e M&gli chkei t en> steht vor der Gefahr, daß sie von jeder Arbeit ausgeschaltet wird und demoralisiert. Es gibt ein einziges Laad, so gtoS» die Welt auch ist* iro es möglich ist. jungen jö'dfis chen Mens.chen Arbeit zu schaffen. Jetzt ist Palästina keine Angelegenheit der Parteien mehr. Die große jüdische Gemeinde Warschau besteht in der Mehrheit aus Nichtzionisten. Aus den extremsten Gegner des Zionismus. Und doch hat sie 50.000 Zloty für Alijah bewilligt, trotzdem sie mit der größten wirtschaftlichen Not in der eigenen Stadt zu kämpfen hat, ihre eigenen Institutionen nicht erhalten kann, vor dem Bankrott steht. Das einzige Land, durch das wir den Fascismus beikämpfen können, ist Palästina. Die Entwicklung" Palästinas hängt eng zusammen mit dem Schicksal der Demokratie und der sozialen Struktur des Landes. Wenn wir eine Palästinawirtschaft auf sozialistischer Grundlage haben werden, wenn unsere Jugend ein schönes Leben der Arbeit finden wird, dann wird das Aufbauwerk gedeihen. Wird sie^ aber ins Land kommen und dort zu Lohnknechten degradiert werden, dann gibt es keine Möglichkeit, in den Arbeitsprozeß des Landes jene zehn- und hunderttausende einzureihen, die heute entwurzelt sind. Dieses Palästina wird die Judenfrage nicht lösen! Wir haben nie behauptet: Nur Arbeiter* Wenn nur das jüdische Kapital nach Palästina ginge! Aber in den palästinensischen Banken liegen 5 Millionen Pfund, warten auf Zinsen, können nicht verwendet werden, weil keiner Geld braucht. Könnte man diese ,,nationalen" Juden davon überzeugen, daß ihre 5 Millionen im. Land investiert werden müssen, dann müßten wir nicht über die Frage streiten, ob 5 oder 10 Tausend Zertifikate. Deshalb ist es lächerlich, uns zu beschuldigen, wir sähen das jüdische Kapital nicht gern. Wir sehen nur jene nicht gern, die kein oder fast kein Geld haben und doch. hinkommen mit Arbeiterfeindschaft. Nach Palästina muß gehen, Wer selbst arbeiten kann oder für andere Arbeit schaffen will. Unsere Partei hatte in Wien vor wenigen Wochen ein besonderes Erlebnis. Wir feierten ein Jubiläum, das Andenken Borochows, 25 Jahre unserer Weltbewegung. . Bei dieser Gelegenheit sprach Max Adler. Wir wollten hören, wie .er, der wirklich internationale Sozialist, über uns denkt, der LehreiMmd Denker einer ganzen Generation, Adler, sagte, er sehe nur zwei Typen der jim-. gen Generation, die in ihm die^ Hoffnung erhalten, daß der Sozialismus aus. der Krise, in der er sich befindet, gerettet wird, um die neue Welt aufzubauen, nicht nur, um Kämpfe gegen seine Geg-. ner zu führen. Diese beiden Typen sind: Die junge arbeitende Jugend in Rußland, die aufwächst in einer Idee zu einer neuen Gesellschaft (a.uch wenn man ihre politischen Methoden ver- . wirft). Er hofft, daß die Auswirkungen dieser Jugend auf das Weltproletariat. in dieses den Samen konstruktiven Schaffens legen wird. Ünd der zweite Tvpus ist der junge jüdische Chaluz. Was dort in Palästina geschaffen wird, ist 100%iff jüd. u. 100% ig sozialistisch. Es ist nicht wahr, daß zwischen der Idee rer Befreiung 4e'r Arbeit und der Idee der Befreiung der Völker ein Gegensatz vorhanden ist. Kein Jude muß' sein Judentum opfern, um ganz Sozialist zu sein. Gehen wir unserem eigenen Le--. ben nach, so sehen wir: Alles, was" wir sozial tün, 'ist jüdisch,' alles, was wir tun, um uns zutiefst als Teil des jüdischen Volkes zu fühlen, muß sozialistisch sein. Nur Gegner der arbeitenden Völker aller Länder wollen uns hier einen Gegensatz.^glauben machen. Wir mülssett tön bter tt itM innigste Solidarität bekunden mit den Juden und der Arbeiterschaft in Deutschland, die, unterjocht, nnerträglictk zu leiden hat. Ob Boykott ©<Jer uachtt Es. ist gut, daß die Hettem Deutschlands, wissen: Die Juden sind sieht TogeJÖrek Wenn 600.000 jttdett ia Deutschfeaidl geknechtet werden, gibt es Millionen Juden in der Welt, die aufschreien. Das ist gut sov Aber es ist keine gründliche Arbeit. Wir müssen uns selbst umgestalten ~— wir können so, wie wir jetzt leben, nicht weiterleben, wir sind tägKch der Gefahr ausgesetzt, zermürbt zu werden. Nicht nur verzweifeln, jammern, das Schicksal der deutschen Juden betrauern — unser Leben umformen, damit uns nicht geschieht, wenn der Faszismus in anderen Ländern sein Haupt erhebt, daß wir aus eigener Kraft in die Front der anderen Völker eintreten, «m die große Beute der Reaktion zu beseitigen. Im Anschluß an Gen. Singer, der von brausendem Beifall bedankt wiarde,, sprach Gen.- Och von der tschechosl. Sozialdemokratie, Hitll&r gebe jetzt, der Masse Nahrung, durch die Judenhetze. Auch der italienische Fascismus habe Banditen in Schwarzhemden gesteckt, die plünderten. Heute wirkt dies noch. Wer wird aberv dem Proletarier mar-" gen Brat geben? Sozialisten und Juden müssen den Kampf um die, Erhaltungder Demokratie führen, auch in diesem Staate. Wir tschechischen Sozialdemokrattön haben kein Palästina, in das wir gehen können — wir beneiden euch darum! Der Dodenverhaulsveröof Amman, 2. April (J. T. A.). Das transjördanische Parlament hat in seiner am 31. März abgehaltenen Sitzung, der. letzten in der laufenden Session, mit 13 gegen 3 Stimmen ein von der Opposition eingebrachtes Gesetz, durch das der Verkauf oder die sonstige Überlassung von Grund und Boden an Ausländer verboten werden sollte, abgelehnt. Der Vertreter der Regierung hatte beantragt, die Beratung des Gesetzentwurfes auf die nächste Session zu vertagen und so das Problem offen zu lassen. Die Mehrheit bestand jedoch auf sofortiger Abstimmung und gab damit zu erkennen, daß sie eine Politik der offenen Tür gegenüber den Juden wünsche. Die Stimme der Presse ■ - Die itevisionlstön und Hitler: Das bürgerlich-zionistische .. »Jüdische ■'Volksblatt in Bielitz schreibt über einen Vortrag des führenden Revisionisten Wolfgang Weisl »Zwischen Hitler und Stalin«: Man hatte eine Auseinandersetzung mit der Frage erwartet, die heute Europa so tiefgreifend erschüttert: Fascismus oder Marxismus? Die Ausführungen Dr. Weisls ... waren aber mehr eine Polemik mit dem Kommunismus und dem Buch des kommunistischen Reporters Otto Heller »Untergang des Judentums«. Was diese Polemik anbelangt, so kann man sich teilweise mit den Ausführungen Dr. Weisls einverstanden erklären, wenn es auch ans Absurde grenzt und eine seiner kindischen Eskapaden ist, wenn er emphatisch ausrief, das jüdische Volk werde Schulter an Schulter mit andern gegen den Kommunismus in die Schlacht ziehen, wobei Dr. .Weisl unter Kommunismus nicht nur Sowjetrußland versteht, sondern auch jeden Sozialdemokraten und insbesondere jedenjüdischen Arbeiter in Palästina. So viel vom Kommunismus. Von Hitler und dem von ihm und seinen Henkersknechten entfachten antisemitischen Greuel, wußte uns Herr Dr. Weisl herzlich wenig zu sagen. Der schwache Trost »Wir werden auch das überstehen« und ein fauler Witz waren alles. Aus seinen Worten klang es aber ganz deutlich: Dr. Weisl — und seinesgleichen—- w ü r d e n ga n z gern mit Hitlers Regime einverstanden sein, wenn —ja, wenn nicht sein Antisemitismus w ä r e. Daß diese Feststellung nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern daß tatsächlich jeder Zuhörer diesen Eindruck davontrug, davon zeugt der ausführliche Bericht des Bielitzer Hakenkreuzlerblattes, der »Beskidenländischen Deutschen Zeitung«, die ausdrücklich zu dem Schluß kommt: »Der ganze Vortrag war nicht eine Anklage, sondern eine großartige Rechtfertigung Hitlers«. Tatsache lieh mußte man sich bei manchen Stellen gegen den Eindruck wehren, bei einer Hakenkreuzlerversammlung zu sein. — Die Pest des Marxismus; Einstein, dieser marxistisch verseuchte Pazifist — in dieser Tonart ging es fort. Den Zionismus, über dessen Führer Schmutzkübel auszuschütten, Weisls Lieblingsbeschäftigung ist, verschonte er diesmal. Nur einmal kam er darauf zu sprechen, als er sagte: »Zionismus beginnt, für mich mit Schießenlernen!« .... X Nette, besser© Arbeitsbedingunge». In Reehojfooth schlössen jüdische Arbeiter tmd Bauunternehmerneue Arbeitsverträge, in denen ein. erhöhter Arbeitslohn, eine von beiden Teilen zu tragende Abgabe für die Krankenkassa und Unfallversicherung des Arbeiters festgelegt sind. Eine Entlassung von Arbeitern kann nur mit Zustimmung des Arbeiterrates vorgenommen werden, die Aufnahme neuer Arbeiter geschieht durch die Arbeitsvermittlungsbüros. z, X Arbeiterring um Tel Awiw. Die Siedllingsgesellschaft „Mir" hat beschlossen, für die Hälfte ihrer Einnahmen Boden bei Tel Awiw zu kaufen und auf diesem Boden Arbeiterviertel zu errichten. ' z X Arabische Volksbibliothe&en. Die Erziehungsabteilung der Regierung hat in arabischen Volksschulen auf den Dörfern mehr als 20 Bibliotheken gegründet. 55 < X Jüdische Kinder für Bialifc, In den jüdischen Volksschulen Jerusalems begann eine Sammelaktion zur Eerrichtung eines Haines auf den Namen von Ch; N. Bialik. z X 50.00 Aktien der Arbeitersiedlungsgesellschaft „Nir" sind im Laufe der letzten Monate abgesetzt worden, z X Russischer Weizen im Land. Die Weizeneinfuhr aus Rußland ist im starken Ansteigen begriffen. In der letzten Woche sind 60 Waggons in Palästina eingetroffen. z X Arbeiterehrung in Tel Chai. Unter Leitung des „Hapoel" fand in Tel Chaj eine Trumpeldorfeier statt. Es beteiligten sich an ihr 1000 Menschen, z X Gegen jüdische Arbeit. Christliche und mohammedanische Organisationen in Haifa übergaben dem Stadtrat eine Petition, in der der Ausschluß jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Bauten gefordert wird. z X Revisionistische SÄ. Die revisioni-, stische Partei in Palästina gründete in der letzten Zeit Sturmabteilungen, welche die symbolischen Namen „Egrof" (Faust) und „Birjon" (Hooligan, Gewalttäter)* tragen. X Jüdische Touristen aus Polen zur Landung in Palästina nicht zugelassen. Die Behörden haben 60 jüdischen Touristen aus Polen die Ausschiffung in Haifa untersagt, obwohl ihre Pässe ordnungsgemäß vidiert waren. Dies ist der zweite Fall innerhalb kurzer Zeit, daß jüdische Touristen an der Landimg in Palästina verhindert werden. Vor kurzem wurde eine Gruppe von 23 jüdischen Touristen aus Polen, die ,ihre Visa vom englischen Konsulat in Konstantinopel erhalten hatten, vom gleichen Schicksal betroffen.; X Keine Rücktrittsabsichten des High Commlssioner. Die arabische Presse hat eine Mitteilung »aus besonders zuverlässiger Quelle« veröffentlicht, der zufolge der High Commissioner Sir Arthur Wauchope entschlossen sein sollte, seinen Dienstvertrag nicht zu erneuern und Palästina zu verlassen. In Regierungskreisen wird die Mitteilung als völlig aus der Luft gegriffen und lächerlich bezeichnet. X Palästinensische Hotels überfüllt, infolge des außerordentlich gesteigerten Touristenverkehrs und der großen Anzahl in Palästina eintreffender Immigranten hat sich ein empfindlicher Mangel an Unterkunftsmöglichkeiten fühlbar gemacht. Die jüdischen Hotels in Jerusalem, Tel Awiw und Haifa sind nicht in der Lage, den erhöhten Verkehr zu bewältigen. Die Zimmerpreise sind auf mehr als das Doppelte gestiegen. X Wassermangel in Jerusalem. Infolge des seit einiger Zeit in Jerusalem herrschenden außerordentlichen Wassermangels hat die Palästinaregierung angeordnet, daß an Stelle der bisherigen Wasserabgabe an jedem zweiten Tag eine solche bloß an jedem vierten Tag zu treten habe. Die Bevölkerung wird aufgefordert, beim Wasserverbrauch mit größter Sparsamkeit vorzugehen, um die letzten Wasservorräte zu schonen, da bis zum Herbst nicht mit ausgiebigem Regenfall zu rechnen sei. Zionisten! Zahlet den Schekei, werbet Schekeizahier!

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